Nachtschatten von Steve Mosby

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2014 unter dem Titel The nightmare place, deutsche Ausgabe erstmals 2016 bei Droemer.

  • London: Orion, 2014 unter dem Titel The nightmare place. 411 Seiten.
  • München: Droemer, 2016. Übersetzt von Ulrike Clewing. ISBN: 978-3-426-30468-6. 411 Seiten.
  • München: Droemer, 2018. Übersetzt von Ulrike Clewing. ISBN: 978-3-426-30469-3. 416 Seiten.

'Nachtschatten' ist erschienen als Taschenbuch E-Book

In Kürze:

Ein Stalker dringt nachts lautlos in die Wohnungen junger Frauen ein und misshandelt sie schwer. Sein Beuteschema sind attraktive junge Singles, und offenbar bereitet der Unbekannte seine Attacken minutiös vor. Um sich eine trügerische Intimität vorzugaukeln, liebt er es ganz besonders, bereits im Schlafzimmer unter dem Bett zu liegen, wenn die Frauen von der Arbeit nach Hause kommen. Detective Inspector Zoe Dolan und ihr Team sehen sich einem Albtraum gegenüber. Dolan ist überzeugt, dass es nur noch eine Frage der Zeit ist, bis der Mann die letzten Hemmungen verliert und zum Killer wird. Doch ihr läuft die Zeit davon.

Das meint Krimi-Couch.de: Solide Unterhaltung mit melancholischen Tönen 80°

Krimi-Rezension von Sabine Bongenberg

Die Nacht kann verschiedene Aspekte haben: Abgesehen davon, dass sie die Plattform für Partys und Unterhaltung bietet, bringt sie die Erholung für die Tagaktiven. Sie kann aber auch – wie es in einer bekannten Serie propagiert wird – »dunkel und voller Schrecken« sein.

Mosby’s Roman widmet sich dem Aspekt der Nacht, der die Ungeheuer erweckt. Die einen durchleben immer wiederkehrende Alpträume, die innere Zwistigkeiten oder verdrängte Erlebnisse wiederspiegeln. Die anderen erfahren reale Alpträume in Form von Gewalt und Erniedrigung.

Das Monster unter dem Bett

Grundsätzlich gesehen, ist die Krimikonstruktion im »Nachtschatten« nichts Neues: Ein Mann dringt in die Wohnung von jungen Frauen ein, misshandelt und vergewaltigt sie – und sucht unerkannt das Weite. Der hier agierende Täter hat dieses gewohnte Feld allerdings um einen Umstand erweitert: Nachdem er seine späteren Opfer geduldig ausgespäht hat, wartet er unter ihrem Bett liegend auf seine finstere Stunde. Unglücklicherweise sorgt dieser Einstieg, der möglicherweise gewählt wurde, um den Täter von anderen Roman-Bösewichten abzugrenzen, für ein erstes Stirnrunzeln. Wer wie ich über ein Futon verfügt, wäre damit ohnehin schon einmal auf der sicheren Seiten, andererseits sorgt auch der Gedanke, dass ein Einbrecher zwischen Wollmäusen und Staubflusen liegend, hustend, niesend und mit zunehmenden trockenem Mund seine Zeit abwartet, eher für eine gewisse Erheiterung.

Berichte aus dem Leben einfacher Leute

So kann dieser Punkt als kleiner Fauxpas in einem sonst durchaus gut konstruierten und teilweise berührenden Krimi bewertet werden. Mit seinen zarten Beschreibungen erinnert er abschnittsweise sogar an die früheren Werke von Nicci French, bevor sich deren Helden in erster Linie permanent einen hinter die Binde kippen und durch ungehobeltes Verhalten auffallen mussten. Mosby erzählt seinen Krimi mittels verschiedener Handlungsstränge, die aus dem Leben der einfachen Leute berichten.

Da ist auf der einen Seite Jane, die es allen Recht machen will und selbst nur als Spiegelbild des Willens anderer zu existieren scheint. Da ist die Seniorin Margaret, die sich nach dem Tod ihres Mannes nur mühsam mit ihrer Einsamkeit zurechtfindet. Und da ist nicht zuletzt die ermittelnde Inspektorin Zoe Dolan, die von den Schatten ihrer schwierigen Jugendzeit in einem sozialen Brennpunkt heimgesucht wird.

Diese verschiedenen Personen, die sich gerade mal die Tageszeit sagen würden, wenn sie auf einer Party zusammenträfen, werden durch die Gewalttaten eines Täters zusammengeführt, wobei kurioserweise insbesondere der hilflos anmutenden Jane – deren Name nicht zuletzt das Synonym für die gesichtslose »Musterfrau« beinhaltet – eine besondere Bedeutung zukommt.

Ein Kriminalroman mit höchst verschiedenen Aspekten

Mosby’s Roman ist nicht nur ein gut erzählter Krimi, bei dem der Leser immer wieder geschickt auf eine falsche Fährte gelockt wird, sondern auch ein Entwicklungsroman, wo die Helden an ihren Problemen wachsen – oder auch scheitern. So wie es halt im Leben ist. Inwieweit der Begriff des »Thrillers«, der für atemlose Spannung spricht, hier tatsächlich zutreffend ist, das soll der Leser für sich selbst entscheidend.

Tatsächlich mag auch die eine oder andere Wendung an den Haaren herbeigezogen sein. Das Fazit dieses Buches bleibt aber das eine: Solide, schnörkellose Spannung mit Helden, deren Entwicklung Mut macht.

Als kleinen Bonus gibt es noch einen sinnvollen Tipp für diejenigen unter uns, die alleine leben und die sich schon immer einmal fragten, was denn zu tun sein, wenn plötzlich der Einbrecher vor der Schlafzimmertür steht: Der Hammer unter dem Bett kann sehr hilfreich sein. Der nächste Baumarkt berät auch gerne zu den passenden Modellen&

Sabine Bongenberg, Juli 2018

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