Die Farbe des Bösen (Ein Fall für Rieker und Ahrens 2)

  • Goldmann
  • Erschienen: November 2025
  • 1
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André C. Schmechta
85°1001

Krimi-Couch Rezension vonJan 2026

Gegen soziale Ungerechtigkeit und einem Mörder auf der Spur.

Mit Der Herzschlag der Toten hat Ralf H. Dorweiler einen stimmungsvollen und spannenden Einstieg in seine historische Krimireihe um die Richterstochter Johanna Ahrens und Criminalcommissar Hermann Rieker vorgelegt. Drei Wochen nach den dramatischen Ereignissen des ersten Bandes stehen die beiden im Zentrum eines rätselhaften Mordfalls – diesmal im industriellen Umfeld einer Hamburger Tapetenfabrik.

Viel Atmosphäre, mehr sozialpolitische Tiefe

Ein Leichenfund auf einem Fabrikgelände bringt die beiden Hauptfiguren zusammen. Dabei kämpft Rieker weiterhin um Respekt und Anerkennung innerhalb der Polizeibehörde, während Johanna – erst 23 Jahre alt, emanzipiert und sozial engagiert – von einer Aktivistengruppe rekrutiert wird und Undercover in der Tapetenfabrik Informationen zu den dortigen Arbeitsverhältnissen beschaffen soll.

Dorweiler punktet auch diesmal wieder mit seinem flüssigen und lebendigen Schreibstil, der das Hamburg des 19. Jahrhunderts mit seinen gesellschaftlichen und politischen Spannungen atmosphärisch stark einfängt. Immer wieder gut eingeflochtene Beschreibungen des Arbeitsalltages, der Produktionsabläufe und Hierarchien in der geschäftigen Fabrik schaffen ein anschauliches Bild der damaligen Zeit. Und es gibt einige Missstände in der Tapetenfabrik, die nicht nur Johanna ein Dorn im Auge sind.

Im Vergleich zum ersten Band tritt der Kriminalfall zunächst noch etwas stärker in den Hintergrund, denn Dorweiler legt den Fokus auf die sozialpolitischen Bedingungen und Entwicklungen rund um die Ereignisse in der Fabrik. Auch die Stellung der Frau in der Gesellschaft bleibt wieder ein zentrales Thema, das über Johanna Ahrens’ Figur – gelegentlich etwas zu temperamentvoll und reibungslos - entfaltet wird. Die junge Frau eckt mit ihren feministischen und sozialistischen Ideen und Überzeugungen auch in der Familie an und sie muss erkennen, dass Neugier und Idealismus ihren Preis haben.

Die Wege von Rieker und Ahrens kreuzen sich zunächst nur selten und dann auch nicht ohne Reibung. Denn Rieker bleibt skeptisch gegenüber Johannas Einmischung in seine Ermittlungen, die sich auch durch Polizei interne Machtspielchen mühseliger gestalten als erhofft. Der Criminalcommissar will vor allem verhindern, dass Johanna wieder etwas zustößt, doch natürlich wird sie sich auch diesmal in Gefahr bringen. Mit gutem Tempo führt Dorweiler seine Protagonisten bei stetig wachsender Bedrohungslage immer weiter zusammen und einem möglichen Täter auf die Spur. Wie schon in Der Herzschlag der Toten bekommen wir gut recherchierte Einblicke in den damaligen Stand der Ermittlungstechniken und forensischen Methoden. Dabei wird es bei der einen Leiche nicht bleiben.

Lediglich in der Charakterentwicklung hätte ich mir gewünscht, dass Dorweiler noch ein wenig mehr Facetten herausarbeitet, Rieker und Ahrens darüber etwas mehr Tiefgang verleiht. Zwar fließen Themen wie Liebe, Klassenkonflikt und persönliche Zerrissenheit ein, doch bleiben diese Entwicklungen meist oberflächlich. Das soll aber kein großer Kritikpunkt sein, denn der Unterhaltung schadet das nicht – im Gegenteil. Wechselnde Schauplätze, griffige Dialoge und ein gut aufgestelltes Figurenensemble sorgen wieder für viel Abwechslung, einen ausgewogenen Spannungsbogen mit gut geplotteter Auflösung.

Fazit

Die Farbe des Bösen ist ein gelungener zweiter Band. Dorweiler bleibt seinem Stil treu und baut auf die Stärken des Vorgängers. Vor allem sein besonderes Gespür für Atmosphäre sorgt für ein kurzweiliges Lesevergnügen. Das Finale deutet neue Entwicklungen in Hamburg an – und lässt gespannt auf den nächsten Band blicken. Denn Rieker und Ahrens müssen offenbar auf der Hut sein.

Die Farbe des Bösen (Ein Fall für Rieker und Ahrens 2)

Ralf H. Dorweiler, Goldmann

Die Farbe des Bösen (Ein Fall für Rieker und Ahrens 2)

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