Zeckenbiss von Sabine Thiesler

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2018 bei Heyne.
Ort & Zeit der Handlung: Italien / Toskana, 2010 - heute.

  • München: Heyne, 2018. ISBN: 978-3-453-27147-0. 520 Seiten.

'Zeckenbiss' ist erschienen als Hardcover E-Book

In Kürze:

Lara Sennen ist eine schöne Frau, erfolgreich im Beruf, glücklich verheiratet. An einem warmen Sommertag fährt sie in der Toskana mit einem Makler durch die Gegend, um sich ein Anwesen anzusehen. Was sie nicht weiß, das Anwesen steht gar nicht zum Verkauf. Aber es ist verlassen und bietet damit den idealen Ort für ein Verbrechen …

Bernd Gernersheim findet kurz nach seiner Pensionierung noch einmal die späte Liebe mit einer jungen Frau. Am Tag seiner Hochzeit trifft er, während seine Gäste feiern, im Park auf einen Unbekannten, der ihm unangenehme Fragen stellt. Gernerheim bekommt Angst – aber es ist bereits zu spät. Der unheimliche Mörder schlägt danach immer wieder und wieder wahllos an unterschiedlichen Orten zu …

Faruk, ein jugendlicher Intensivtäter, stand schon oft vor Gericht und kam jedes Mal mit geringen Strafen davon. Während die Morde geschehen, sitzt er im Knast. Hat er dennoch etwas mit den Verbrechen zu tun?

Das meint Krimi-Couch.de: Bella Italia und Moloch Berlin 50°

Krimi-Rezension von Annette Wolter

Ein scheinbar sinnloser Mord in der Toskana. Die Anwältin für Jugendstrafrecht Lara Sennen, die viel Empathie für ihre jugendlichen Probanden empfindet und milde Strafen für Intensivtäter durchboxt, möchte im kleinen Ort Ambra ein Ferienhaus erwerben. Dort plant sie einen Roman zu schreiben. Ein Tipp von der Angestellten des Poloclubs ihres Mannes bringt sie ihrem Ziel näher, aber sie kommt nicht zurück …

Inspektor Neri, bekannt aus den meisten anderen Thrillern von Sabine Thiessler, ermittelt und hat den untreuen Ehemann in Verdacht. Aber die Ehe war, trotz der Seitensprünge ihres Mannes Bastian, glücklich und es gibt kein Motiv.

Die Braut des Richters trägt schwarz

Bernd Gernersheim möchte es nach dem tragischen Tod seiner Frau nochmal wissen. Er möchte seine jugendliche Nachbarin Veronika heiraten. Der Ex-Richter ist nicht wirklich überzeugt, denn er weiß nicht, ob er mit der hyperaktiv erscheinenden jungen Frau noch mithalten kann.

Veronika ist jünger als sein Sohn und die geplante Hochzeit stößt auf wenig Gegenliebe. Sex mit Veronika ist ein Desaster, denn Bernd muss auf Kommando mit Viagra funktionieren. Er hadert, lässt sich aber trotzdem in einen hellblauen Hochzeitsdress pressen – und wird dann prompt auf der Feier ermordet. Auch er ist für sein Engagement und die milden Urteile bekannt, denn er möchte den Teenie-Tätern zweite und auch dritte Chancen im Leben ermöglichen.

Knastalltag in Berlin

Faruk lernt von Kindesbeinen an, wie man Frauen als Menschen zweiter Klasse behandelt, und sitzt wegen Mordes im Knast. Aber seine Zeit im Gefängnis ist absehbar. Er hat eine milde Strafe bekommen, die er »auf einer Arschbacke absitzen kann«. Faruk hofft sehr auf die Hilfe der unattraktiven Psychologin Diana Klee. Sie glaubt an ihn und ist schon einmal auf sein Schauspieltalent reingefallen.

Diana Klee – die Knastpsychologin

Diana, die etwas dümmliche Knastpsychologin, hat einige Kilos zu viel und ist einsam. Da sie schon 45 Jahre alt ist, ist ihre biologische Uhr eigentlich abgelaufen. All die Typen, die als potentieller Kindsvater in Betracht kommen, wollen nichts von ihr wissen. Dann lernt sie einen neuen interessanten Mann kennen.

Schließlich gibt es noch Wolfgang, einen einsamen Taxifahrer in Berlin, der seiner Ex-Frau Karin nachtrauert und wohl einige Geheimnisse hat.

Viele Protagonisten, ein Motiv?

Sabine Thiessler, geboren und aufgewachsen in Berlin, studierte Germanistik und Theaterwissenschaften. Sie arbeitete einige Jahre als Schauspielerin im Fernsehen und auf der Bühne und schrieb außerdem erfolgreich Theaterstücke und zahlreiche Drehbücher fürs Fernsehen (u.a. Das Haus am Watt, Der Mörder und sein Kind, Stich ins Herz und mehrere Folgen für die Reihen Tatort und Polizeiruf 110). Ihr Debutroman »Der Kindersammler« war ein sensationeller Erfolg, und auch all ihre weiteren Thriller standen monatelang auf der Bestsellerliste. Zuletzt bei Heyne erschienen: Nachts in meinem Haus.

Nach einem etwas zähen Einstieg nimmt die Handlung dann Fahrt auf, und die losen Enden werden mehr oder weniger verknüpft. Die Figuren kommen komplett unsympathisch rüber. Zum Beispiel wird von Faruk nur erzählt, dass er in Deutschland geboren wurde. Über die Familie wird nichts weiter kommuniziert, außer, dass der Vater ein Schläger ist, die Mutter ein devotes Etwas, und die Schwester quasi die Angestellte ihres Bruders. Warum Viktoria den ollen Richter heiratet? »No los so«,»wie Inspektor Neri sagen würde.

Irgendwie brutal, konstruiert und kein guter Thriller

Ich habe tatsächlich alle Bücher von Sabine Thiessler gelesen. Auch aus dem Grunde, weil ich generell der Meinung bin, dass deutsche Autoren auf dem internationalen Parkett oft zu kurz kommen, und einige unterbewertet werden. Bei Thiessler findet der Leser triviale Unterhaltung, aber diese war bislang immer stimmig gemacht.

Das neue Buch ist langweilig, brutal und schlecht recherchiert. Jeder Protagonist bedient sein Klischee. Der Richter mit der jungen Frau, die dämliche Psychologin, usw. Dass dieses Mal die Toskana-Fans von Sabine Thiessler etwas zu kurz kommen ist marginal, denn Inspektor Neri mit seiner temperamentvollen Frau Gabriella kommt nur in einer Nebenhandlung vor.

Vor allem die Klischees über die typische Sprache von türkischen Mitbürgern (Faruk benutzt zum Beispiel immer «isch», statt «ich»), finde ich in diesen Zeiten echt gefährlich. Dann «Die Rumänen in Neukölln schmeißen ihren Müll einfach zum Fenster raus, dass die im Erdgeschoß nichts mehr sehen können, ob der Müllberge."

Ich bezweifele nicht, dass es solche Häuser in Berlin-Neukölln gibt, aber Sozialkritik sieht in meinen Augen anders aus. Enttäuschend trivial und wirklich nur für treue Thiessler-Fans.

Annette Wolter, Juni 2018

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FLOREN zu »Sabine Thiesler: Zeckenbiss« 20.09.2018
5 Sterne bekommt dieses Buch von mir.
Habe alle Bücher von Sabine Thiesler gelesen und finde ZECKENBISS hat Suchtpotenzial.
Ich finde Frau Thiesler hat uns da ein Buch beschert, das unter die Haut geht...
Ich jedenfalls,werde es nicht so schnell
aus meinem Kopf bekommen.
Das Hörbuch ist übrigens auch Klasse, sie liest und es ist ein Vergnügen zuzuhören!!!
Helmut Scheuplein zu »Sabine Thiesler: Zeckenbiss« 10.09.2018
Auch ich kann die recht negative Besprechungen nicht nachvollziehen - ich fand den Roman spannend und gut zu lesen. Insgesamt auch das Motiv der Opfer, die sich von einem Rechts- und Erziehungssystem im Strafvollzug nicht repräsentiert fühlen, verstehe ich. Natürlich weiß ich, dass das deutsche Rechtssystem nicht auf Rache aufbaut und gerade der Jugendstrafvollzug Erziehung und Verbesserung des sozialen Verhaltens als Inhalt haben muss. Aber die Figur von Faruk, des Übeltäters, ist nicht überzeichnet. Gott sei Dank ist nicht jeder Straffällige so uneinsichtig. Und ich finde auch, dass das deutsche Justizsystem nicht auf Rache, sondern auf soziale Wiedereingliederung basieren muss - im Jugendstrafvollzug auch auf Erziehung und Einsicht. Deswegen kann ich fast alle handelnden Personen verstehen, auch die Gefängnispsychologin, die m.E. nicht so naiv ist, sondern in einer Spannung zwischen ihrem Wohlwollen und dem Schutz der Gesellschaft steht.
Ich war Gerichtsschöffe und Lehrer - als solches tatsächlich Jugendliche und Erwachsene getroffen, die uneinsichtig in ihre Vergehen waren - es aber nie zugeben konnten.
Nochmals: ein spannender und berührender Roman - 90 Punkte
sockensister zu »Sabine Thiesler: Zeckenbiss« 01.08.2018
Ich kann die negative Kritik keinesfalls nachvollziehen. Ein Buch das sehr zum Nachdenken anregt und meiner Meinung nach keineswegs irgend ein Klischee bedient. Kein reisserischer Thriller und anders als die bisherigen NeriGeschichten. Mag sein,dass der durchschnittliche Thrillerleser sich nicht mit den Problemen unserer Zeit befassen will und sich nur ein paar Stunden unterhalten will und dieses Buch nicht ganz diese Erwartungen erfüllt. Ich fand es auf jeden Fall beeindruckend.
RalliO zu »Sabine Thiesler: Zeckenbiss« 22.07.2018
Eindrucksvoll gerade in diesen Zeiten die Themen anzugehen. Schlaffe Gesetzgebung, nach Anerkennung heischende Psychologen und Anwälte. Und unzufriedene mit fadenscheinigen Werten groß gewordene junge Leute.
Familien die unter den Ergebnissen unseres resozialisierungswahns leiden, ja daran kaputt gehen.
Respekt. Für mich eine gute Geschichte mit vielen zum Nachdenken an- und aufregenden Passagen. Sicherlich nicht nur ein Thriller. Und gerade deshalb nicht nur für Thiesler Fans.
Ira zu »Sabine Thiesler: Zeckenbiss« 17.06.2018
Ich finde das Buch super, bin begeistert, habe alle Bücher von Sabine Thiesler gelesen uns „Zeckenbiss“ ist einfach gut! Habe mich danach mit Jugendstrafrecht in Deutschland auseinander gesetzt weil ich kaum glauben könnte, dass Jugendliche Mörder so eine milde straffe in Deutschland bekommen. Unglaublich!
IG zu »Sabine Thiesler: Zeckenbiss« 21.05.2018
Ich war so gespannt und war voller Vorfreude und bin maßlos enttäuscht worden! ! Sterbenslangweilig und völlig ohne Nervenkitzel! Kein Vergleich mit den vorherigen Bestsellern; schade - null Punkte!War schon das letzte Buch kein Reisser, aber Zeckenbiss war für mich als Liebhaber spannender Thriller eine völlige Niete; das spannendste an dem Buch war der Titel.
charliene zu »Sabine Thiesler: Zeckenbiss« 08.05.2018
Bisher habe ich alle Bücher von Frau Thiesler gelesen und war immer zufrieden. Sie hat einen guten Schreibstil, die Charakteren der Protagonisten waren eigen aber erkennbar. Dass die Geschichten immer mindestens zur Hälfte in der Toscana spielten hat mein, für Italien schlagendes Herz erfreut. All das hat dazu beigetragen, dass ich über eventuelle Schwächen der Geschichte grosszügig hinweg sehen konnte.
Mit Zeckenbiss nun hat die Schriftstellerin wahrlich keinen Treffer gelandet. Der Plot an sich zwar spannend, die Mehrheit der Figuren gut beschrieben, Neri . naja, Neri eben. Aber was mir das ganze Buch wirklich vermiest hat sind die, schon als tendenziös zu bezeichnenden Szenen in der JVA. Da lässt sich Frau Thiesler auf ein Niveau der Bildzeitung herunter. Oder ist das eventuell wirklich ihre ureigene Ansicht? Ich bin weder weltfremd noch ein Gutmensch, aber ich bin auch nicht bereit sämtlichen Klischees Gedankenklos zu folgen. Und genau von solchen Klischees strotzen die Kapitel um Faruk. Ebenfalls finde ich diverse andere Aussagen über Menschen mit Migrationshintergrund in der Stadt Berlin gefährlich. Da wird der Eindruck erweckt, dass es nur Drogendealer und andere kriminelle gibt die das grosse Geld machen und nebenher von Hartz IV leben. Meiner Ansicht nach hat da die Autorin weit über das Ziel geschossen und weniger wäre hier eindeutig mehr gewesen.
Dann kommen noch, leider fast schon normalen, schlecht recherchierte Schludrigkeiten dazu.
Von mir bekommt das Buch nicht mehr als einen Stern.
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