Wie Schatten über totem Land von S. Craig Zahler

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2013 unter dem Titel Wraiths of the broken land, deutsche Ausgabe erstmals 2017 bei Luzifer.

  • Bowie: Raw Dog Screaming Press, 2013 unter dem Titel Wraiths of the broken land. 264 Seiten.
  • Drensteinfurt: Luzifer, 2017. ISBN: 978-3958352773. 400 Seiten.

'Wie Schatten über totem Land' ist erschienen als Taschenbuch E-Book

Das meint Krimi-Couch.de: Die Gringos sind auf Vergeltung aus – ein Buch wie ein Tarantino Film 87°Treffer

Krimi-Rezension von Carsten Kuhr

Mexiko im Jahr des Herren 1899. Vor einiger Zeit schon hat ein abgeschieden in Mexiko lebender Verbrecher zwei Gringo-Frauen, Schwestern, in seine Gewalt gebracht. In seinem gut versteckten und streng gesicherten Anwesen, das er in einer alten Ureinwohner-Festung eingerichtet hat, hat er sie misshandelt, verletzt und gebrochen. In den tiefen kalten Kellern hausen die beiden jetzt, sind den Freiern ihres Herren zu gefallen und erfüllen jeden noch so perversen Wunsch. Die Eine der Schwestern dämmert im Drogen-Rausch vor sich hin, lechzt nach dem nächsten Schluck der Droge, der anderen hat man einen Fuß abgeschossen.

Dass ihre Familie sich auf den Weg gemacht hat, sie zu retten, ahnen die Beiden nicht

Vorhang auf für einen Dandy, der sich, um seinem Traum von einem eigenen Hotel zu erfüllen, den Rettern anschließt. Er soll herausfinden, wo die beiden entführten Frauen geknechtet werden und den Zugang öffnen. Zunächst scheint auch alles nach Plan zu verlaufen, auch wenn dem Dandy drei lebende Skorpione in den Magen geschoben werden, dann aber beginnt die Rettungsaktion aus dem Ruder zu laufen.

Es kommt zu Gewalt, Folter und Tote sind zu beklagen, doch das erste Ziel, die geschundenen Frauen zu befreien, wird erreicht. Noch aber geben sich die Kidnapper nicht geschlagen – in einem alten Fort aus dem Bürgerkrieg kommt es zum Show-Down der besonders blutigen Art …

Der alltägliche Horror schockt den Leser

Was ist das für ein Buch, das uns der in letzter Zeit sehr umtriebige Luzifer Verlag hier offeriert? Auf den ersten Blick erwartet uns ein Western, der gängige Stereotype aufweist. Eine Gruppe von Cowboys, ergänzt durch einen ehemaligen Sklaven, einem Indianer, unserem erzählenden Dandy und einem Outlaw macht sich auf, die in einem Mexikanischen Bordell gefangen gehaltenen Schwestern zu befreien. In der Folge kommt es zu Folterungen, Schießereien und Verfolgungsjagden – alles Sujets, die man von einem guten, harten Western erwarten kann.

Warum aber erscheint der Roman dann bei einem Verlag, der sich neben Endzeit und Thrillern auf die Horror-Literatur spezialisiert hat? Nun, neben bekannten Horror-Versatzstücken – Geister, Monster, dem heimgesuchten Haus – gibt es den alltäglichen Horror, der uns in Figuren und Charakteren sowie deren Handlungen begegnet. Ist ein Hannibal Lecter, nur weil er nicht aus der Hölle oder einer anderen Dimension stammt, etwa weniger furchterregend als ein Teufel?

Nein, es sind doch gerade die alltäglichen Figuren, Menschen wie Du und Ich, die ihren inneren Kompass für das was gut und richtig ist verloren haben, oder nie besaßen, die uns Angst machen.

Und in genau diese Kerbe schlägt Zahler. Er präsentiert uns, wohlgemerkt auf beiden Seiten des Konflikts, Menschen, die keine menschlichen Regungen mehr aufweisen. Mitleid, Furcht selbst Freude scheinen sie nicht zu verspüren, sie gehen nüchtern mit plakativer Gewalt um, nutzen diese als Mittel zum Zweck, und verstören und verunsichern uns Leser mit dieser Haltung.

Hinwendung zur Gewalt als einzige Lösungsmöglichkeit

An dem Pazifisten-Dandy wird die allmähliche Veränderung, die Hinwendung zur Gewalt als – einzige – Lösungsmöglichkeit geradezu exemplarisch aufgezeigt. Gerade die Alltäglichkeit, der gedankenlose, von keinen Skrupeln, ja nicht einmal einem kurzen Zögern aufgehaltene Nutzung von massivster Gewalt zur Erreichung der Ziele schockt uns Leser – genau das, was jeder Horror-Roman auslösen soll.

Das Ganze wirkt dabei von der Inszenierung her sehr cineastisch, nicht umsonst hat sich der Autor als Regisseur und Drehbuchautor einen Namen gemacht. Alles erinnert von der Atmosphäre her an einen Handlungsaufzug aus einen Tarantino-Film, weckt und befriedigt Erwartungen die man an einen Western hat, geht aber auch weit über diese hinaus. Dabei offenbart der Autor uns das Schicksal, seine Figuren, erst nach und nach fast zögerlich, entwickelt diese und zeigt auf, wie aus diesen Menschen die Wesen wurden, als die wir sie im Kampf kennenlernen.

Mit vorliegendem Roman hat der Autor sich selbst nicht nur eine wunderbare Vorlage für einen Kinofilm geschrieben, er begeistert auch Fans des Western wie des Horror-Romans gleichermaßen ob der gedanken- und mitleidlos eingesetzten Gewalt.

Carsten Kuhr, April 2018

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