Mann am Boden von Roger Smith

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2014 unter dem Titel Man down, deutsche Ausgabe erstmals 2018 bei Tropen.

  • -: -, 2014 unter dem Titel Man down. 336 Seiten.
  • Stuttgart: Tropen, 2018. Übersetzt von Ulrike Wasel & Klaus Timmermann. ISBN: 978-3-608-50217-6. 336 Seiten.

'Mann am Boden' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

Zehn Jahre ist es her, seit John Turner und seine Frau ihre Zelte in Südafrika abbrachen, um gemeinsam mit ihrer Tochter Lucy in den USA ein neues Leben aufzubauen. Als drei Männer in ihr Haus in Arizona eindringen und sie als Geiseln nehmen, zerbricht das familiäre Idyll. Langsam kommen die Schatten aus Turners Vergangenheit ans Licht. Warum verließ die Familie ihre Heimat Johannesburg so überstürzt?

Das meint Krimi-Couch.de: Sex and crime mit hohem Splatterfaktor 70°

Krimi-Rezension von Jörg Kijanski

John Turner hat es geschafft. Er ist ein erfolgreicher Geschäftsmann, verheiratet mit Tanya, und Vater der gemeinsamen Tochter Lucy. Doch der Schein trügt. Von Anfang an war die Beziehung, so man sie denn überhaupt so nennen kann, alles andere als glücklich. Die Geburt der Tochter, die pro forma die Ehe zusammenhält, war eine Art Betriebsunfall. Bereits seit geraumer Zeit hat John ein Verhältnis mit Grace, seiner Geschäftspartnerin und Lucys Kindermädchen.

In ihrem Haus in Tuscon, Arizona, wird die Familie von drei Einbrechern überfallen. Diese scheinen vor allem ein Faible für Gewalttätigkeiten zu haben. Doch schon bald stellt sich heraus, dass es ihnen nicht nur um das Geld im Tresor geht. Die Situation gerät vollends außer Kontrolle, die Ereignisse überschlagen sich und am Ende ist die Zahl der Überlebenden arg überschaubar.

Die Ursachen für das Fiasko führen zehn Jahre zurück. Damals musste die Familie Turner ihre eigentliche Heimat in Johannesburg verlassen. Der erfolglose Kleindealer John Turner geriet zwischen die Fronten, machte hohe Schulden beim lokalen Drogenboss und versuchte sich durch eine spektakuläre Aktion aus seinem Dilemma zu befreien. Aber bereits damals ging nahezu alles schief …

Die Brutalität zahlreicher Sequenzen gereicht jedem Horrorautor zur Ehre

Roger Smith ist nicht als Liebhaber der leisen Töne bekannt, doch was er in seinem neuen Roman »Mann am Boden« an brutalen Sequenzen und Ekeleffekten seinen Lesern serviert, dürfte selbst hartgesottenen Krimilesern womöglich zu viel sein. Eine Warnung in dieser Hinsicht ist zumindest angebracht, Fans von Splatterfilmen sollten hingegen aufhorchen. Dabei ist die Geschichte hervorragend komponiert, wechselt ständig zwischen den einzelnen Erzählsträngen munter hin und her.

Zu Beginn eines jeden Kapitels muss man sich kurz orientieren, um zu erkennen, an welcher Stelle des Plots man gerade angekommen ist. Gerade dieser Handgriff steigert die Spannung und macht so manche Gewaltorgie im Haus der Turners, in dem sich drei Psychopathen nach Herzenslust austoben können, ein wenig erträglicher.

»Ein Mann, der seit der Pubertät in einer Drehtür aus Alkohol, Cannabis, Methaqualon, Kokain, LSD, Psilocybin, Secobarbital, Amobarbital, Amphetamin, Kodein und jeder anderen denkbaren beruhigenden oder aufputschenden Substanz, die er schlucken, rauchen oder sogar spritzen konnte, gefangen gewesen war, sollte den Weg zu seinem Date mit dem Schicksal doch eigentlich im Veitstanz zurücklegen.«

Neben den brutalen Stellen gibt es reichlich Sex, haufenweise Alkohol und Drogen. Jedenfalls immer dann, wenn die Geschichte in Südafrika spielt, wo der junge Turner so gut wie nichts ausgelassen hat. In der Gegenwart ist er clean und trocken, trinkt keinen Tropfen mehr und steht vor den Scherben seiner Beziehung mit Tanya. Sie will ihn auf keinen Fall gehen lassen, droht damit, der Polizei zu berichten, was vor zehn Jahren geschah.

Seine Geliebte Grace drängt hingegen, dass er seine Frau endlich verlässt, um mit ihr ein neues Leben zu starten. Eine ausweglose Situation in der es für Turner letztlich nur noch einen Ausweg zu geben scheint. Gerade dieser wird zu einem Parforceritt in die Hölle. Schnelle, kurze und actiongeladene Kapitel sorgen für ein hohes Lesetempo. Die wechselnden Szenarios treiben den Lesespaß gleichfalls nach oben, der nur durch die Gewaltorgien einen empfindlichen Dämpfer erfährt.

Jörg Kijanski, Januar 2018

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