Die Schuld vergangener Tage von Peter Temple

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 1998 unter dem Titel An iron rose, deutsche Ausgabe erstmals 2016 bei Penguin.
Ort & Zeit der Handlung: Australien, 1990 - 2009.

  • Pymble: HarperCollins, 1998 unter dem Titel An iron rose. 280 Seiten.
  • München: Penguin, 2016. Übersetzt von Hans M. Herzog. ISBN: 978-3328100706. 330 Seiten.

'Die Schuld vergangener Tage' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

Mac Faraday glaubt nicht, dass sich sein Freund Ned das Leben genommen hat. Er beginnt auf eigene Faust zu er mitteln, denn wenn es nicht Selbstmord war, muss es Mord gewesen sein. Faradays Nachforschungen führen ihn zu einer Erziehungsanstalt. Dabei entdeckt er eine Mädchen leiche in einem stillgelegten Bergwerksschacht. Nach und nach kommt Faraday denen auf die Spur, die zahllose Mädchen aus der Erziehungsanstalt missbraucht haben. Je näher er der Wahrheit kommt, desto mehr bringt ihn seine Recherche selbst in Gefahr. Präzise und lakonisch zeigt Temple die dunklen Seiten des fünften Kontinents.

Das meint Krimi-Couch.de: Ein Frühwerk des australischen Krimi-Großmeisters 75°

Krimi-Rezension von Jörg Kijanski

MacArthur John Faraday arbeitet seit nunmehr fast fünf Jahren als Schmied in einem kleinen Kaff abseits von Melbourne. Hochwertige Zäune und Tore sind sein Metier, doch dies war nicht immer so. Zuvor arbeitete er dreizehn Jahre bei den Feds, der australischen Bundespolizei, in Canberra, wo es einen unschönen Abschied gab, dessen Hintergründe bis heute ungeklärt sind.

»Ein Typ kam rein, trat direkt hinter ihn, zog seine große Achtunddreißiger vorne aus’m Anorak. Drei Schüsse. Peng. Peng. Peng. Hinterkopf, zweimal Wirbelsäule. Marschiert zur Tür raus. Weg isser.«
»Hat man ihn erwischt?«
»Keine Zeugen. Sechzehn Leute im Pub, keiner hat irgendwas gesehen.«
»Komische Sache. Man ist so damit beschäftigt, über Footy zu reden, dass man gar nicht mitbekommt, wenn sie jemanden neben einem erschießen und man das ganze Blut abkriegt.«

»Mac. Ned ist tot.« Mit diesen Worten beginnt »Die Schuld vergangener Tage«. Der achtzehnjährige Lewis Lowey lebte mit seinem Großvater zusammen, dessen Leiche nun im Schuppen baumelt. Ein Selbstmord? Von Ned? Im Nachlass seines engsten Freundes findet er drei ältere Zeitungsartikel, in denen es um die Leiche einer ermordeten Teenagerin geht, die vor über zehn Jahren in einem Bergwerkschacht gefunden wurde.

Faradays Neugier ist geweckt, eine erste Spur führt nach Kinross Hall, einer Einrichtung für Mädchen aus schwierigen Familienverhältnissen. Faraday findet im Lauf seiner Recherchen heraus, dass wohl noch andere Mädchen misshandelt wurden, doch kommt er den Tätern zunächst nicht auf die Spur. Dann holen ihn die Ereignisse aus seinem alten Leben wieder ein und plötzlich scheint dies nicht mehr viel wert zu sein …

Einstieg in das Werk des preisgekrönten Bestsellerautors

Australien war lange Zeit ein dunkler Fleck auf der Krimilandkarte. Erst in den letzten zwanzig Jahren hat sich dies verändert, allen voran dank Autoren wie Gary Disher und eben Peter Temple, der gleich fünf Mal den Ned Kelly Award, Australiens wichtigsten Krimipreis, gewinnen konnte. Bis zu seinem Tod am 8. März 2018 galt Temple als die Nummer Eins unter den Krimiautoren von down under. Der 2016 im Penguin Verlag erschienene Thriller »Die Schuld vergangener Tage« ist allerdings ein Frühwerk, das im Original bereits 1998 erschien (»An Iron Rose«).

Vermutlich wurde es noch schnell ausgegraben, da die Romane Temples sich zwischenzeitlich gut verkauften. Dies würde auch erklären, warum es kleinere Unstimmigkeiten beispielsweise bei Zeitangaben gibt. Auch der Name des Protagonisten stellt den Leser zu Beginn vor ein Verständnisproblem, denn MacArthur John Faraday nennt sich selber mal »Mac«, mal »John«, was dann doch leichte Verwirrung auslöst. Wie auch immer, »Die Schuld vergangener Tage« mag schon zwanzig Jahre auf dem Buckel haben, lesenswert ist dieser Roman auf jeden Fall.

»Wo bist du?«
»Irgendwo in der Pampa. Man will mich umbringen.«
»Schon wieder?«
»Ja.«
»Offenbar Lehrlinge.«

Der Einstieg ist nicht unbedingt einfach, zahlreiche Personen- und (unbekannte) Ortsnamen wollen zugeordnet werden. Zudem tritt die eingangs geschilderte Handlung (vermeintlicher Selbstmord von Ned) recht schnell in den Hintergrund, da Faradays frühere Kollegen noch immer aktiv sind und er deren Handlungskreise stört.

Dabei kann sich Faraday nicht sicher sein, wem er überhaupt trauen kann, denn wann immer er neue Gesprächspartner, also mögliche Zeugen, auftreibt, kommt es überraschend häufig zu unerwarteten Todesfällen. Besonders in der zweiten Hälfte steigt die Sterbequote beachtlich.

Da zwei unterschiedliche Erzählstränge ineinandergreifen und der Autor häufig nur Andeutungen macht, worum es gehen könnte, ist ein erhöhtes Maß an Aufmerksamkeit beim Lesen hilfreich. Mal so eben nebenbei geht nicht. In »Die Schuld vergangener Tage« zeigt Peter Temple noch nicht sein meisterhaftes Können, legt aber einen packenden Thriller vor, der als Einstieg in dessen Gesamtwerk durchaus Beachtung verdient. Der klassische »privat eye« mit Durchschlagskraft und Sexappeal schlägt sich mit Tatkraft und Wortwitz (»so gut wie ein selbst gehäkeltes Kondom«) durch.

Wer danach sein Interesse an australischen Krimis geweckt sieht, der greife auch gerne zu Romanen des bereits erwähnten Gary Disher oder den Newcomern wie Candice Fox, Jane Harper, Alan Carter und David Whish-Wilson, um nur einige zu nennen.

Jörg Kijanski, Oktober 2018

Ihre Meinung zu »Peter Temple: Die Schuld vergangener Tage«

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Edith Sprunck zu »Peter Temple: Die Schuld vergangener Tage« 18.10.2016
Ich habe mich bis zum Schluss durch die Seiten gequält. Sämtliche Akteure sind mir auf merkwürdige Weise fremd geblieben. Das Thema des Thrillers ist kein neues, leider weder im realen Leben noch in zahlreichen Krimis. Es geht um sexuellen Missbrauch und dessen Verschleierung um jeden Preis. Aufgelockert wird dies durch diverse Einblicke in die Arbeit eines Schmiedes und Gartenkultur im weitesten Sinne. Die Spannung fand ich durchgehend mäßig. Dennoch musste ich diesen Thriller zu Ende lesen. So saft- und kraftlos das kriminelle Geschehen und seine Aufklärung für mich daher kam, so unvergleichlich lebendig fand ich die Sprache. Sie ist außergewöhnlich kreativ, lebhaft und bildhaft. Manche Sätze laden durch ihre Ausdruckskraft regelrecht zum Verweilen und mehrfach Lesen ein. Diesbezüglich zeigt Peter Temple sich seiner bisherigen Literaturpreise würdig.

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