Arrowood - In den Gassen von London von Mick Finlay

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2017 unter dem Titel Arrowood, deutsche Ausgabe erstmals 2018 bei HarperCollins.
Ort & Zeit der Handlung: , 1890 - 1909.
Folge 1 der William-Arrowood-Serie.

  • London: HarperCollins, 2017 unter dem Titel Arrowood. 361 Seiten.
  • Hamburg: HarperCollins, 2018. Übersetzt von Kerstin Fricke. ISBN: 978-3959671743. 432 Seiten.

'Arrowood - In den Gassen von London' ist erschienen als Taschenbuch E-Book

In Kürze:

William Arrowood ist Privatdedektiv in London. Sein größter Konkurrent ist Sherlock Holmes, doch der residiert nicht nur auf der anderen Seite der Themse, er löst auch die Probleme der Reichen. Arrowoods Klienten sind die Bewohner im armen Süden Londons.

So auch Caroline Cousture, die ihren verschwundenen Bruder sucht. Doch bald wird aus der Vermisstensuche eine gefährliche Ermittlung, die Arrowood und seinen Assistenten Norman Barnett in die Londoner Unterwelt und in das Kriegsministerium des britischen Empires führt.

Das meint Krimi-Couch.de: Es klang so spannend und war so langweilig 60°

Krimi-Rezension von Carola Krauße

Vielversprechende Charaktere – mehr aber auch nicht

Arrowood wohnt im Süden Londons hinter einem Puddinggeschäft, er hat nur noch wenige Haare auf »seinem vernarbten unförmigen Schädel«, sein Bauch ist zu dick für die Hose und seine Füße zu groß für die Schuhe. Er trinkt zu viel Gin, bezahlt seinen Assistenten schlecht und er hasst Sherlock Holmes. Mit Arrowood hat Mick Finlay einen Charakter erfunden, der sich gewollt wohltuend von dem berühmten Detektiv der Baker Street abgrenzt.

Genauso ist es mit seinem Assistenten Barnett. Anders als Dr. Watson lebt er mit seiner Frau in einem einzigen Zimmer, hat nie genug Geld und ist auf das Wohlwollen seines Brötchengebers angewiesen. Gut ausgedacht, dennoch fehlt etwas. Das Bild will nicht so recht vor dem Auge des Lesers entstehen. Die Beschreibung der beiden bleibt zu sehr an der Oberfläche, die Tiefe in den Charakteren fehlt. Ihre wirklich immensen Probleme werden zwar erwähnt, aber die Auswirkungen auf ihr Leben, die innerlichen Veränderungen nicht wirklich ausgearbeitet.

So sind sie nur zwei armselige Gestalten, die Probleme anderer lösen. Genauso ist es mit den Nebencharakteren. Auch sie bleiben in ihrer Beschreibung stecken. Schade, denn auch sie sind gut ausgedacht, vermitteln das Leben im armen Teil Londons. Mehr Tiefgang hätte aber ein Eintauchen in die persönlichen Beziehungen und die Lebensumstände erlaubt, hätte vielleicht Empathie oder Antipathie für den einen oder anderen entstehen lassen. So aber bleibt der Leser ein Außenstehender, der sich nicht in die Gefühlswelt der Personen versetzen kann und so auch nicht wirklich Anteil nimmt an ihrem Leben während der Ermittlungen.

Eine gelungene Milieubeschreibung

Anders als bei seinen Charakteren schafft es der Autor, das Milieu im Süden Londons aufleben zu lassen. Hier gibt es keine Lords und Ladies, keine Clubs und keinen Afternoon-Tea. Armut, Dreck, Gestank gehören zum Leben der Menschen südlich der Themse. Hier herrscht Enge. Es schlafen schon mal zehn Menschen in einem Raum und der Kampf gegen den Hunger beherrscht das Denken. Prostitution, Kinderarbeit und Kriminalität gehören genauso zum Süden, wie der Schlick der Themse und marode Schlachthäuser.

Immer wieder schildert Finlay die Zustände so genau, dass man sich die Behausungen mit einem Loch statt einer Eingangstür, die Läuse in den Haaren und die schwungvoll auf die Straße geleerten Nachttöpfe gut vorstellen kann. Hier schafft er es den Gegensatz zu dem schicken London von Maifair, Belgravia und auch der Baker Street und Sherlock Holmes bestens auszuarbeiten. Der Leser realisiert sofort, dass die Arbeitsumstände von Arrowood ganz anders sind, als die seines größten Feindes und man ist froh, ihn nur im Buch und nicht auf den Straßen von Blackfriars folgen zu müssen.

Dr. Watson ist doch der bessere Geschichtenschreiber

Ganz nach dem Vorbild von Sir Arthur Conan Doyle lässt Mick Finlay auch den Assistenten die Geschichte erzählen. Aber anders als Dr. Watson schafft es Barnett nicht, den Leser in den Bann zu ziehen. Die Geschichte hat so viel Potential, das nicht ausgeschöpft wurde. Auch der doch flüssige Schreibstil kann dieses Defizit nicht wett machen. Die erhoffte Spannung kommt nie wirklich auf, auch wenn Mord, Einbruch und andere Spannungselemente durchaus vorkommen.

Am Anfang steht die simple Suche nach einem plötzlich spurlos Verschwundenem, dann wird die Sache schon mysteriöser und endet mit der Verwicklung von Staat und High Society in unlautere Machenschaften. Aber, der Weg zum Ziel ist genauso wenig detailliert ausgearbeitet, wie die Charaktere. Es ist unmöglich, die Schwere der Angelegenheit nachzuvollziehen. Zu abstrakt bleibt das Ganze, als dass der Leser mitfiebert und vor Erwartung schneller liest. Lediglich die persönliche Tragödie rund um Caroline Cousture berührt und lässt nicht kalt. Dr. Watson schafft es eben doch die Abenteuer spannender zu präsentieren.

Ein Krimi für zwischendurch

Obwohl Cover und Umschlagtext sehr viel versprechend sind, sollte man nicht zu viel erwarten. Dem Anspruch an dieses Buch wird die heruntererzählte Geschichte nicht gerecht. Es fehlt die fesselnde Spannung, die das Lesen vorantreibt. Auch die teilweise doch sehr brutalen Vorkommnisse sind in dieser Form völlig übertrieben, unnötig und schaden mehr, als dass sie Spannung erzeugen. Dennoch, für einen Krimi zwischendurch reicht es, kann man doch abtauchen in das London von 1895, wenn auch auf die arme Seite der Themse.

Carola Krauße, Oktober 2018

Ihre Meinung zu »Mick Finlay: Arrowood - In den Gassen von London«

Helfen Sie anderen Lesern, indem Sie einen Kommentar zu diesem Buch schreiben und den Krimi mit einem Klick auf die Säule des Thermometers bewerten. Und bitte nehmen Sie anderen Lesern nicht die Spannung, indem Sie den Täter bzw. die Auflösung verraten. Danke!

wampy zu »Mick Finlay: Arrowood - In den Gassen von London« 16.10.2018
Buchmeinung zu Mick Finlay – Arrowood – In den Gassen von London

Meine Meinung:
Dieses Buch besticht durch die ungewohnt „schmutzigen“ Figuren, selbst die Ermittler sind nur etwas heller als die Verbrecher. Die Geschichte spielt in weiten Teilen in den ärmeren Gegenden Londons und die Schilderung der Verhältnisse kennt keine Zurückhaltung. So liegt eine trübe Atmosphäre in der Luft und man spürt, wie schwer es vielen Menschen fällt, nicht jede Hoffnung zu verlieren. Dazu kommt, dass eigentlich jeder nicht die Wahrheit sagt. Auch Gewalt ist allgegenwärtig und spielt öfters eine Rolle. Arrowood ist ein Ermittler der Armen und bekommt regelrecht Unwohlsein, wenn er von den Erfolgen eines gewissen Sherlock Holmes hört. Es bereitet ihm Genugtuung, wenn es ihm gelingt, diese Erfolge als Aneinanderreihung glücklicher Zufälle darzustellen. Eine wesentliche Rolle bei den Ermittlungen spielt Barnett, der Assistent Arrowoods. Er agiert im Stil eines Archie Goodwins und ist für die Laufarbeiten zuständig. Weitere Unterstützung erfährt Arrowood durch seine Schwester Ettie und den Strassenjungen Neddy. Arrowood überzeugt nicht durch seine Genialität, wohl aber durch seine Hartnäckigkeit und Ausdauer. Er lässt sich nicht einschüchtern und gibt sein Bestes. So legt er sich auch mit dem SIB, einer Polizeieinheit gegen irische Terroristen, an. Die Polizei spielt keine besonders glückliche Rolle und es bedarf glücklicher Umstände für die ermittelnden Figuren. Gerade wegen ihrer Unvollkommenheit fiebert man mit den Figuren mit und hofft, dass sie zumindest überleben, wenn sie schon nicht zu strahlenden Helden werden.
Die politischen Verhältnisse der damaligen Zeit spielen eine Rolle und das Fehlen eines Glossars fiel mir unangenehm auf. Die Geschichte der Ferniers war mir vollkommen unbekannt. Auch die Gewaltanwendung war sehr intensiv und hat bei den Figuren Spuren hinterlassen. Doch insgesamt überwiegen die positiven Aspekte. Die Geschichte war spannend, enthielt etliche humorvolle Stellen und die Figuren mit ihren vielen Grautönen sind gut gelungen. Auch die Atmosphäre war dunkel, aber glaubhaft.

Fazit:
Ein Historischer Roman mit einigen Schwächen, der aber vor allem mit der Atmosphäre und der sehr gelungenen Figurenzeichnung punktet. Von mir gibt es deshalb vier von fünf Sternen (80 von 100 Punkten) und eine klare Leseempfehlung für alle, die es etwas härter mögen.
Venatrix zu »Mick Finlay: Arrowood - In den Gassen von London« 13.10.2018
Wenn Privatdetektiv William Arrowood den Name Sherlock Holmes auch nur hört, bekommt er einen dicken Hals. Nur, weil der seine angeblich so brillant gelösten Kriminalfälle als Geschichten erzählt, ist er berühmt. Damit kann Arrowood nicht dienen.Arrowood und sein Gehilfe Barnett müssen eben jene kleinen Fälle lösen, für die die Auftraggeber zahlen können: Ungetreue Ehegatten, Taschendiebstähle oder kleinere Betrügereien. Als er dann den Auftrag einer Französin erhält, deren verschwundenen Bruder zu suchen, sieht er seine Chance gekommen, dem berühmten Holmes eins auszuwischen.Doch Arrowood und Barnett stechen zielsicher in jedes Hornissennest, das ihren Weg kreuzt. Denn hinter dem Auftrag steckt etwas ganz anderes und bringt die beiden sowie den kleinen Laufburschen Neddy in akute Gefahr. Das Netzwerk des Bösen reicht bis in die höchsten Regierungskreise …Meine Meinung:Ich finde es recht interessant, Sherlock Holmes einen Konkurrenten gegenüber zu stellen, der keine gute PR beherrscht, aber trotzdem eine Lösungskompetenz besitzt. Wie auch im richtigen Leben brauchen die Ermittler nicht nur Zahlen, Daten und Fakten, sondern auch das Quäntchen Glück, das die Puzzlesteine eines Kriminalfalles zur richtige Zeit an den richtigen Ort fallen lässt.Manchmal scheint ihn seine Intuition und Menschenkenntnis in Stich zu lassen.Sowohl Arrowood als auch Barnett sind als sympathische Charaktere dargstellt, die auch ihr privates Schicksalspäckchen zu tragen haben. Rührend kümmert sich Arrowood um den kleinen Neddy, der stets hungrig ist und mit seinem Verdienst seine Familie ernähren muss.Das ist übrigens eine große Stärke dieses Krimis: Die Darstellung der Lebensumstände im viktorianischen London. Rußig, nebelig, stinkend und überall Menschen, die buchstäblich von der Hand im Mund leben. Und mitten drinnen so engagierte Menschen wie Arrowoods Schwester, die in Afghanistan Kranke gepflegt hat. Sie krempelt sich auch hier in London die Ärmel hoch und beginnt zu helfen.Fazit:Ein spannender, historischer Krimi, der ein bisschen die Krimis von Arthur Conan Doyle aufs Korn nimmt. Gerne gebe ich 4 Sterne.
Ihr Kommentar zu Arrowood - In den Gassen von London

Hinweis: Wir behalten uns vor, Kommentare ohne Angabe von Gründen zu löschen. Beachten und respektieren Sie jederzeit Urheberrecht und Privatsphäre. Werbung ist nicht gestattet. Lesen Sie auch die Hinweise zu Kommentaren in unserer Datenschut­zerklärung.

Seiten-Funktionen: