Der Schatten von Melanie Raabe

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2018 bei btb.

  • München: btb, 2018. ISBN: 978-3-442-75752-7. 414 Seiten.
  • [Hörbuch] München: Der Hörverlag, 2018. Gesprochen von Katja Bürkle. ISBN: 384453024X. 1 CDs.

'Der Schatten' ist erschienen als TaschenbuchHörbuchE-Book

In Kürze:

Die junge Journalistin Norah ist gerade von Berlin nach Wien gezogen, als ihr eine Bettlerin prophezeit: Am 11. Februar wirst du am Prater einen Mann namens Arthur Grimm töten. Mit gutem Grund. Und aus freien Stücken. Norah kennt keinen Mann mit diesem Namen, aber am 11. Februar vor vielen Jahren hat sich eine Tragödie in ihrem Leben ereignet. Norah ist verunsichert. Als dann tatsächlich Arthur Grimm in ihr Leben tritt und sie recherchiert, kommt ihr ein furchtbarer Verdacht. Hängt alles mit der Nacht von damals zusammen? Hat sie Grund sich an diesem Mann zu rächen? Wird sie zur Mörderin?

Das meint krimi-couch.de: Über die Kunst einen Menschen zu manipulieren 80°

Krimi-Rezension von Carola Krauße

Norah – die unnahbare Einzelkämpferin

Melanie Raabe erschuf mit Norah eine starke unabhängige Frau, die sich den Herausforderungen des Lebens stellt. Sie ist erfolgreich in ihrem Beruf als Journalistin, lebte in London und verschiedenen deutschen Städten und schaffte den Drogenausstieg nach einer fast tödlichen Überdosis. Sie setzt sich vehement für Frauenrechte und Gerechtigkeit im Allgemeinen ein. Sie ist introvertiert, regelt alles lieber in Eigenregie, was sie unnahbar und arrogant erscheinen lässt. Nach dem Suizid ihrer Jugendfreundin scheut sie zu enge soziale Kontakte. Zu groß ist die Angst eine Bindung einzugehen, nur um dann verlassen zu werden. Als »teilzeitgesellige Außenseiterin« hat sie nur wenige Freunde, sucht aber immer wieder Kontakt zu Menschen in sozialen Medien und Blogs. Obwohl Raabe die Protagonistin sehr deutlich zeichnet, wird man mit ihr nicht richtig warm. Sie erscheint manchmal zu distanziert, manchmal zu forsch. Obwohl der Leser im Laufe der Geschichte die Gründe für ihren ganz speziellen Charakter erfährt, bleibt sie unsympathisch und arrogant. Eine liebenswertere Protagonistin hätte ein tieferes Eintauchen in die Geschichte ermöglicht. So aber bleibt man mehr außenstehender Beobachter als mitfiebernder Leser.

Wien – eine Stadt mit morbidem Charakter

Wien und seinen Bewohnern wird ja schon immer eine gewisse Affinität zum Tod nachgesagt. Kapuzinergruft und Bestattungsmuseum zeugen davon und nichts geht über »a schöne Leich«. Melanie Raabe hätte keinen passenderen Schauplatz für ihre Geschichte finden können. Atmosphärisch dicht erzählt sie in sehr eingängigem Schreibstil von den winterlichen verlassenen Straßen und Parks. Sie erschafft Bilder, die plastisch vor dem Auge des Lesers erscheinen und, die den mysteriösen Charakter des Thrillers unterstreichen. Die Kälte, die nächtliche Stille, die Geräusche und Gerüche werden greifbar. Gleichzeitig lädt sie auch ein in Eckkneipen und Kaffeehäuser mit der typischen Klientel an tratschenden Frauenrunden und einsam Trinkenden. Auch die selbstverliebte Kunstszene in den zahlreichen Galerien kommt nicht zu kurz. Der Autorin ist ein Setting gelungen, das den Leser einsaugt und, das gleichzeitig die Distanz zur Protagonistin überspielt und ihn doch trotz aller Distanz an die Geschichte fesselt.

Spannung mit kleinen Durchhängern

Mit der Prophezeiung durch die Bettlerin beginnt die Spannung in der Geschichte. Es ist klar, worum es geht: Wird es zu diesem Mord kommen und wenn ja, warum? Bald steckt Norah auch noch in einer SMS-Verbindung zu einem Unbekannten, der immer wieder auf eine Schuld Grimms hinweist. Mit jeder neuen Entwicklung wird die Tat im Prater wahrscheinlicher. Der Norah zuerst völlig fremde Arthur Grimm bestimmt bald ihr Denken und Handeln. Subtil werden Protagonistin und Leser immer mehr in den Strudel rund um Grimm gezogen und es gipfelt in der Frage, welche Schuld Arthur Grimm trägt und ob Norah diese Schuld rächen wird. Neben dem eigentlichen Handlungsstrang schiebt Raabe immer wieder Gedanken des SMS-schreibenden Unbekannten ein. Die Frage nach dessen Identität ist der zweite Spannungspunkt in diesem rasanten Thriller. Lediglich der Mittelteil schwächelt etwas, was das Herzklopfen angeht. Zu sehr ist Norah mit sich selbst beschäftigt. Die Geschichte tritt auf der Stelle. Aber nach diesem kleinen Durchhänger geht es auch schon mit Volldampf Richtung Finale.

Ein Schluss, der zu erahnen war

Wenn man den Thriller aufmerksam liest, besteht die Möglichkeit zu erahnen, wer hinter den ganzen Machenschaften steckt. Aber wirklich offensichtlich ist es nie, bis zur Szene am 11. Februar im Prater. Wie die dann aussieht, wie sie ausgeht und warum sie so ausgeht, ist dann wirklich ein Knaller. Gleichzeitig wirft sie Fragen auf, nicht, was die Handlung des Buches betrifft, sondern nach der Manipulierbarkeit des Menschen, dem Umgang mit sozialen Medien, dem Drang mancher Szene-Gänger immer hip zu sein, und ob ein vorgeschobenes Motiv wirklich jede Handlung rechtfertigt. Melanie Raabe gibt dem Leser Hausaufgaben auf, denn alle diese Themen findet man auch im realen Leben und es lohnt sich einmal darüber nachzudenken.

Leseempfehlung für Psychothriller-Liebhaber

Wer es gerne etwas blutig hat, wird von Der Schatten enttäuscht sein. Es gibt keine Tatorte, Überfälle oder massenhaft Leichen. Hier wird die Psychologie ausgepackt. Der Weg Norahs von einer scheinbar hingeworfenen Behauptung bis hin zum Finale ist hier Thema. Die subtile Beeinflussung, das Mysteriöse und der Zusammenhang mit der Vergangenheit machen den Thrill aus. Wem es dann nichts ausmacht, es mit einer unnahbaren Protagonistin zu tun zu haben, die sich teilweise selbst im Weg steht, hat hier einen Thriller, den es zu lesen lohnt und der so viel Anspruch hat, dass es keine leichte Lektüre für zwischendurch ist.

Carola Krauße, August 2018

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Maren Richter zu »Melanie Raabe: Der Schatten« 07.09.2018
Ich kenne bereits die Vorgänger von Melanie Raabe und habe mit Spannung das Erscheinen ihres neuen Romanes erwartet.
Leider war für mich der erste Teil des Buches etwas in die Länge gezogen und es baute sich nicht so wirklich die Spanung bei mir auf.
Norah bricht all ihre Zelte in Berlin ab und zieht nach Wien.
Doch auch ihr Start dort verläuft nicht ganz reibungslos. Bereits in den ersten Tagen prophezeit der Journalistin eine Bettlerin, das Norah am 11. Februar einen Mann, Arthur Grimm, töten wird.
Was hat es damit auf sich? Norah kennt gar keinen Arthur Grimm.
Plötzlich begnet sie dem Unbekannten überall.
Der letzte Teil des Buches war dann einfach wieder spannend, so dass ich das Buch dann nicht mehr aus der Hand legen konnte.
So kannte ich Melanie Raabe. Durchaus natürlich ein lesenswertes Buch mit einigen langatmigen Passagen.
anyways zu »Melanie Raabe: Der Schatten« 31.08.2018
Die junge Journalistin Norah liebt Neuanfänge, dass Alte ausradieren, einen Stift nehmen und das Leben neu zeichnen. Doch dieser Neuanfang ist eher eine Flucht. Nach einer für sie völligen Katastrophe in der Partnerschaft, verlässt sie ihren Mann, ihren Hund und auch ihre Stadt Berlin und nimmt Hals über Kopf eine Stelle in Wien an. Dort angekommen muss sie feststellen dass diese Stadt abweisend und kalt ist, und das liegt nur bedingt am Wetter. Den ersten Schreck erleidet sie, als sie ihre neue Nachbarin kennenlernt. Schmerzhafte Erinnerungen an den Suizid ihrer besten Freundin werden in Norah wachgerufen, denn Theresa ihre neue Nachbarin ähnelt doch sehr ihrer verstorbenen Freundin Valerie. Unheimlich ist auch die Begegnung mit einer alten Bettlerin. Diese prophezeit Norah folgendes: „Am 11. Februar wirst du am Prater einen Mann namens Arthur Grimm töten. Aus freien Stücken. Und mit gutem Grund.“ Sie tut es erst als eine Spinnerei ab, doch Zweifel machen sich breit, als sie dann noch das Gefühl hat, das aus ihrer Wohnung Dinge verschwinden, sich viele Freunde von ihr abwenden und sie eigenartige Textnachrichten von einer unbekannten Nummer auf ihrem Smartphone auftauchen, ist sie mehr als verunsichert.

Melanie Raabe konnte mich mit „Der Schatten“ sehr überzeugen, und das obwohl sie eher leise Töne anschlägt. Sie lässt sich wie auch in ihrem Vorgänger „Die Wahrhaft“ etwas Zeit bis sich ihre Geschichte entfaltet. Ab dann wird der Leser belohnt mit gut gesetzten Spannungsbögen und vielen geschickten Wendungen. Ihr Schreibstil ist flüssig und sie verfügt über eine Schreibgewandtheit die mir sehr zusagt. Doch ganz besonders hat mich die Figur der Norah in ihren Bann gezogen. Eine unheimlich starke Frau, die jedoch keinen Zentimeter von ihren Prinzipien, die das möchte ich betonen sehr ehrenwert sind, abweicht. Auch wenn sie dies Partnerschaften, Guthaben auf der Bank und/ oder langjährige Freundschaften kosten könnte, sie macht da keine Kompromisse. Da gibt es zum Beispiel eine Szene auf der Seite 44 (und folgende), dort steht sie in einer Bank und muss miterleben wie der Bankangestellte einen transsexuellen Kunden dermaßen runterputzt, das es ihr ein sofortiges Bedürfnis ist, diesem Bankangestellten Benehmen, auf die leisen Töne, beizubringen. So eine Protagonistin muss Einem einfach sympathisch sein, denn die Autorin überzeichnet nicht.
Gerade weil sie über solche Charaktereigenschaften verfügt, kommt sie in den Strudel dieser mysteriösen Ereignisse. Warum sollte sie einen Mann töten den sie gar nicht kennt. Die Auflösung dieser spannenden Frage hat mich dann doch etwas überrascht, ich ahnte zwar von Anfang an, worauf es hinauslaufen wird, doch ganz so habe ich es nicht erwartet, das Ende hingegen hat mir wiederum sehr gefallen.
Odenwaldwurm zu »Melanie Raabe: Der Schatten« 31.08.2018
„Am 11. Februar wirst du am Prater einen Mann namens Arthur Grimm töten. Aus freien Stücken. Und mit gutem Grund.“ Gerade ist die junge Journalistin Norah von Berlin nach Wien gezogen, um ihr altes Leben endgültig hinter sich zu lassen, als ihr eine alte Bettlerin auf der Straße diese Worte förmlich entgegenspuckt. Norah ist verstört, denn ausgerechnet in der Nacht des 11. Februar ist vor vielen Jahren Schreckliches geschehen. Trotzdem tut sie die Frau als verwirrt ab, eine Irre ist sie, es kann gar nicht anders sein – bis kurz darauf ein mysteriöser Mann namens Arthur Grimm in ihrem Leben auftaucht. Bald kommt Norah ein schlimmer Verdacht: Hat sie tatsächlich allen Grund, sich an Grimm zu rächen? Was ist damals, in der schlimmsten Nacht ihres Lebens, wirklich passiert? Und kann Norah für Gerechtigkeit sorgen, ohne selbst zur Mörderin zu werden? (Klappcovertext vom Buch)

Es hat etwas gedauert bis ich in der Story war. Der Schreibstil hat aber sehr gut geholfen das es schneller ging, da der Text sehr gut und flüssig zu lesen ist. Die Charaktere sind bildlich dargestellt, aber trotzdem hat es gedauert bis ich mit Norah der Hauptfigur warm wurde. Das mir bei diesem Buch sehr gut gefallen hat die Spannung steigt langsam stetig an bis am Ende des Buches der Höhepunkt erreicht ist. Die Story ist sehr interessant und wenn man in der Geschichte ist, will man das Buch gar nicht mehr aus den Händen legen. Durch die vielen Fragen und Überraschungen in Norahs Wohnung, bin ich total gefesselt und will endlich wissen wer dafür verantwortlich ist. Es ist mal ein anderer Thriller wie ich sonst lesen, dieser kommt ohne blutige Szenen aus. Trotzdem habe ich nichts vermisst, die psychischen Spiele mit den SMS waren toll. Eine gute Idee der Autorin. Auch der Schluss war noch einmal ein Höhepunkt und für mich sehr überraschen. Mit diesem Ende hätte ich niemals gerechnet.

Ich kann den Thriller nur empfehlen. Der Anfang ist zwar schwer, aber es lohnt sich weiter zu lesen. Besonders wegen dem tollen Ende der Story.
StephanieP zu »Melanie Raabe: Der Schatten« 30.08.2018
Norah ist Journalistin und nach Wien gezogen und wird sofort von einer Bettlerin angesprochen. Laut dieser wird Norah einen Mann namens Arthur an einem bestimmten Datum töten. Norah ist zunächst irritiert, glaubt der Frau allerdings nicht. Plötzlich tritt besagter Arthur in ihr Leben und bei Norah schürt sich der Verdacht, dass sie tatsächlich allen Grund hat ihn zu ermorden.

Melanie Raabes Schreibstil ist flüssig, fesselnd und mitreißend. Ich konnte sofort in die Handlung eisteigen und ihr ohne Probleme bis zum Ende folgen. Die Autorin kann schnell Spannung aufbauen, diese allerdings leider nicht bis zum Schluss aufrechterhalten. Dies war sehr schade, da mich die Handlung dadurch nicht komplett in ihren Bann ziehen konnte. Es finden sich allerdings zahlreiche unerwartete Wendungen im Buch, wodurch die Autorin immer wieder neue Spannung aufbauen kann. Mir persönlich war das Ende etwas zu abwegig, wodurch es konstruiert, langatmig und unglaubwürdig wirkte.

Die einzelnen Protagonisten sind authentisch und vielschichtig. Als Leser kann man sich schnell ein Bild machen. Allen voran die Hauptprotagonistin Norah konnte mich mit ihrer Lebenseinstellung und ihren Ansichten überzeugen: Sie war mir von Anfang an äußerst sympathisch und ich konnte das gesamte Buch über mit ihr mit fiebern. Besonders gut gefällt mir, dass das Buch in Wien spielt und viele Schauplätze äußerst bildlich und atmosphärisch beschrieben wurden.

Melanie Raabes Art zu Schreiben ist besonders und unterscheidet sich von vielen anderen Schriftstellern dieses Genres. Ich habe bereits drei Bücher der Autorin gelesen und mich daher an den Schreibstil gewohnt. Allerdings denke ich, dass er einigen Lesern nicht zusagt. Aus diesem Grund wäre es für neue Leser empfehlenswert zunächst eine Leseprobe zu lesen. Ich persönlich finde, dass das aktuelle Buch leider nicht ganz so gelungen wie andere ihrer Bücher ist.

FAZIT:
„Der Schatten ist ein lesenswerter Kriminalroman, der vor allem durch eine starke Hauptprotagonistin und bildliche Landschaftsbeschreibungen überzeugen kann. Mir persönlich wirkte das Ende allerdings zu unglaubwürdig und konstruiert, weswegen ich 4 Sterne vergebe!
JosefineS zu »Melanie Raabe: Der Schatten« 22.08.2018
Die Vögel fallen tot vom Himmel…

Norah bricht ihr bisheriges Leben ab, kehrt Berlin und alles was dazu gehört den Rücken. Aus Gründen die nur sie selbst versteht, startet sie in Wien einen Neuanfang. Neue Wohnung, neuer Job. Neues Leben? Die selbe Stadt in die Norah sich bei einem Sommer Urlaub verliebt hat, zeigt jetzt plötzlich ihr triste, dunkle, winterliche Seite und vermag ihr nicht ganz das heimelige Gefühl zu geben das sie sich erhofft hatte. Als der Neubeginn schon sehr holprig läuft bekommt Norah in einer belebten Wiener Fußgängerzone von einer Bettlerin, eine Prophezeiung. Sie wird einen Mann töten, einen Mann den sie gar nicht kennt! Völlig unmöglich, denkt sich Norah, nie wäre sie dazu fähig eine Mörderin zu werden. Doch als sich wenige Tage später die Welt plötzlich unaufhörlich beginnt sich zu drehen und immer mehr mysteriöse Vorfälle passieren, sieht sie sich jäh mit einem traumatischen Ereignis ihrer Vergangenheit konfrontiert. Wird Norah schlussendlich doch zur Mörderin?

Der Schatten ist das nun mehr dritte Werk, der mittlerweile in Köln lebenden Autorin, Melanie Raabe. Ihr Debüt Roman „Die Falle“ erschien bereits 2015 unter dem btb Verlag. Ihr neues Werk hat einige kontroversen in mir ausgelöst. Auf der einen Seite passieren der eigenwilligen, starken und sehr gerechtigkeitsbewussten Protagonistin äußerst merkwürdige Dinge. Jedes dieser Vorkommnisse für sich genommen war gut und hätte die Story echt spannend machen können aber insgesamt waren sie zu viele und zu wenig ausgearbeitet. Solche Dinge die einen guten Thriller ausmachen und mich als Leser in Atem halten wollten und mich schaudern lassen sollten. Jedoch brachten sie Norah immer nur kurz zum stutzen, sie stellte zwar ihre Merkwürdigkeit fest und grübelte kurz aber ging dann teils völlig ungerührt zum Alltag über. Das einzige was ihr immer wieder zu zusetzen schien war die leere ihrer Wohnung. Wie soll mich eine Handlung in Atem halten und ihre Begebenheiten erschaudern lassen, wenn nicht einmal die Protagonistin sich fürchtet? Ein tougher Charakter ist immer gut aber in dem Fall war sie leider etwas zu unbeeindruckt um Stimmung aufkommen zu lassen. Zu dem tauchten immer mehr Ungereimtheiten auf die mich bis weit über die Mitte des Buches recht missmutig zurück ließen. Bis dahin war es der gute Schreibstil, die kurzen Kapitel und die inständige Hoffnung das Frau Raabe das Steuer noch rum zu reißen vermag. Dann kam die Auflösung des Ganzen. Ich hatte zwar zwischendurch etwas Lunte gerochen aber das Ende hat mich überrascht und war vom Gesamtbild her sehr gelungen. Norahs letzter Kampf mit den Geistern ihrer Vergangenheit war sehr bewegend und im Gegensatz zu den ersten 300 Seiten hat man sie und ihre Reaktionen endlich authentisch war genommen. Mir gefiel die Idee hinter der Story wirklich unglaublich gut und dass ist das was mich über die anfängliche Enttäuschung darüber, nicht zu wissen wo Melanie und Norah mit mir hinwollten, einigermaßen hinwegtrösteten konnte.

Der Schreibstil ist recht flüssig zu lesen und mutet zu weilen in der Wortwahl etwas vornehmer an. Weswegen wiederkehrende Redewendungen wie „…Norah schritt eilig aus…“ und „… Sie vermied es auszugleiten…“ leider mehr auffällt. Alles in allem ein gutes Buch, die Autorin hat aber noch Luft nach oben. Dass sie mehr kann hat sie nämlich am Ende sehr eindrucksvoll gezeigt. Wer einen Thriller mit jeder Menge aufkommender Ungereimtheiten zum Rätseln, einer nicht so leicht zu erschreckenden Protagonistin und einem etwas anderen, unerwarteten Ende, mit schlüssiger Auflösung der Vorkommnisse sucht ist mit „Der Schatten“ gut beraten.
Büchermaulwurf zu »Melanie Raabe: Der Schatten« 19.08.2018
Im Mittelpunkt steht die Journalistin Norah Richter, die einen beruflichen Neuanfang in Wien sucht. In der Fußgängerzone trifft sie eine Bettlerin, die ihr eine unheimliche Prophezeiung an den Kopf wirft. Sie werde am 11. Februar am Prater einen Mann namens Arthur Grimm töten. Da sie keinen Arthur Grimm kennt, hält sie die Bettlerin für geistig verwirrt aber dann häufen sich merkwürdige Vorkommnisse und ihre Vergangenheit holt sie ein, denn am 11. Februar vor vielen Jahren geschah etwas schreckliches.

Dies ist mein erstes Buch von Melanie Raabe und ich hatte nach den vielen positiven Rezensionen zu ihren früheren Bücher recht hohe Erwartungen.
Die Autorin hat einen poetischen, bildhaften Schreibstil, der sich angenehm und leicht lesen ließ. Das ganze beginnt eigentlich auch spannend. Trotzdem brauchte ich eine gewisse Zeit, um in die Geschichte hineingezogen zu werden; vielleicht musste ich mich erst an den Schreibstil gewöhnen. Aber spätestens nach dem ersten Viertel setzte die Sogwirkung ein und ich konnte das Buch kaum aus der Hand legen.
Melanie Raabe hat mit „Der Schatten“ einen eher ruhigen, unblutigen Psychothriller vorgelegt, der seinen Sog erst allmählich entwickelt. Er zeichnet sich außerdem durch seine düstere, unheimliche Atmosphäre aus, zu der ihre bildhaften Schilderungen des dunklen, winterlichen Wiens sehr viel beitragen. In die Protagonistin Norah konnte ich mich gut hineinversetzen, auch wenn sie mir nicht immer sympathisch war. Es war unheimlich zu verfolgen, wie sie immer mehr in den Sog der Prophezeiung geriet. In ihrem Umfeld gab es immer wieder merkwürdige Vorkommnisse. Der Name Grimm begegnet ihr plötzlich auf Schritt und Tritt. Aus ihrer Wohnung verschwinden Dinge und andere tauchen plötzlich auf. Ihre wenigen Freunde scheinen sich auf einmal von ihr abzuwenden.
Das Ende hat mich total überrascht und die Autorin hat es sehr geschickt formuliert. Kurz bevor man erfährt, ob Norah tatsächlich zu Mörderin wird, schwenkt sie 22 Stunden zurück - und führt damit alle losen Fäden zusammen. Auch das Geheimnis in ihrer Vergangenheit wird enthüllt und so bleibt keine Frage offen. Das Ende hat mich zufrieden zurückgelassen.

„Der Schatten“ ist für mich ein gelungener, atmosphärischer Psychothriller der leisen Töne, der seine Wirkung zwar langsam aber nachhaltig entfaltet und mich sehr gut unterhalten hat. Genau die richtige Lektüre für dunkle Herbstabende.
buchleserin zu »Melanie Raabe: Der Schatten« 17.08.2018
Die Journalistin Norah Richter trennt sich von ihrem Mann und verlässt fluchtartig Berlin und zieht nach Wien um die Vergangenheit hinter sich zu lassen. Doch dort taucht eine Bettlerin vor ihr auf der Straße auf und prophezeit ihr, dass Norah am 11. Februar am Prater einen Mann namens Arthur Grimm töten wird. An diesem Datum ist vor vielen Jahren etwas Schreckliches passiert.
Dieser Thriller ließ sich flüssig lesen, der Schreibstil hat mir ganz gut gefallen. Die Handlung fand ich auch größtenteils fesselnd. Ein paar Kapitel waren zwischendurch mal etwas langatmig. Doch nach und nach baut diese Geschichte auf. Ich war neugierig worauf das Ganze hinausläuft. Sehr mysteriös die unheimliche Bettlerin und dann die Dinge in ihrer Wohnung. Genau wie Norah wollte ich wissen, was da vor sich geht. Hat sie wirklich einen Grund Arthur Grimm zu töten? Und wird sie es auch tun? Und wer ist dieser Mann überhaupt. Die Auflösung fand ich dann doch überraschend und ungewöhnlich.
Mir hat dieser Thriller ganz gut gefallen.
HexeLilli zu »Melanie Raabe: Der Schatten« 15.08.2018
Ich habe mich sehr über den neusten Thriller der Autorin gefreut.
Die Journalistin Norah hat in Berlin alle Zelte abgebrochen und will in Wien einen Neuanfang starten. Gleich in den ersten Tagen prophezeit ihre eine Bettlerin dass sie an einem bestimmten Tag, an einem bestimmten Ort, einen bestimmten Mann erschießen wird. In ihrer Wohnung geschehen seltsame Dinge und ein Unbekannter schickt ihr geheimnisvolle SMS. Norah versucht der Sache auf den Grund zu gehen.
Das Cover wie gewohnt schwarz/weiß, Titel in Rot. Die Geschichte ließ sich dank der kurzen Kapitel schnell und flüssig lesen. Aber bei mir sprang leider der Funke nicht über. Nach den ersten 150 Seiten kam endlich etwas Spannung auf. Ich fand das Ganze zu sehr in die Länge gezogen, mir fehlte bei diesem Thriller der Nervenkitzel. Mit der Hauptfigur Norah konnte ich mich absolut nicht anfreunden. Viele ihrer Handlungen konnte ich nicht nachvollziehen.
Trotz unheimlich und düsterer Stimmung hat dieses Buch leider nicht meine Erwartungen erfüllt.
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