Das Prinzip Terz von Marcus Rafelsberger

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2004 bei Emons.

  • Köln: Emons, 2004. ISBN: 3897053519. 256 Seiten.

'Das Prinzip Terz' ist erschienen als Taschenbuch

Das meint Krimi-Couch.de: »Hohe Politik, sensationslüsterne Journalisten und ein Kommissar in Nöten« 70°

Krimi-Rezension von Jörg Kijanski

Hauptkommissar Konrad Terz ist in Hamburg ein Star, nicht zuletzt weil er bereits drei Bestseller zum Thema Sicherheit geschrieben hat. Mitten in einer Autogrammstunde wird er zu einem Einsatz gerufen. Der prominente Chef einer Werbeagentur, Winfried Sorius, ist tot und da dieser zuletzt auch die Werbekampagne für den Bürgermeister geleitet hat, ist von Anfang an klar, dass dies kein üblicher Fall sein wird. Wie sich zudem schnell herausstellt, wurde Sorius auf recht ungewöhnliche Weise ermordet.

Als Terz abends nach Hause kommt wird er von einem Mann, der sich Gernot Sandel nennt, angesprochen, nachdem ihn dieser bereits bei der Autogrammstunde zu Leibe rückte. Sandel behauptet, er habe dem Verlag bereits vor mehreren Jahren ein Manuskript eingereicht, welches Terz erfolgreich geklaut habe. Sandel folgt Terz in dessen Wohnung und fordert einen Anteil an dem Verkaufserlös. Nachdem sich Sandel weigert die Wohnung zu verlassen kommt es zu einem Handgemenge in dessen Verlauf Sandel unglücklich stürzt und mit dem Kopf gegen eine Statue schlägt. Terz will gerade seine Kollegen anrufen um von dem Unfall zu berichten als sein Telefon klingelt. Überrascht hört er eine Aufnahme seines Streitgespräches mit Sandel bis hin zu dessen tödlich endenden Sturzes. Ein neuer Erpresser also, der Sandel droht, das Band seinen Kollegen zukommen zu lassen. Wohin also mit der Leiche, denn in Kürze kommt seine Frau mit den beiden Kindern nach Hause und wie mit dem Erpresser verfahren?

Konrad Terz entwickelt seine eigene Methode mit dem Erpresser umzugehen, denn aus der Erkenntnis heraus, dass der Erpresser sich immer wieder mit neuen Drohungen an ihn wenden wird, bringt er diesen kurzerhand auf die gleiche Weise um, mit der auch Sorius ermordet wurde. Nach dem Entsorgen von Sandels Leiche, versucht er dessen Tod dem neuen Erpresser unterzujubeln und alle Fälle miteinander zu verbinden. In der Presse ist bereits von einem Serienmörder die Rede. Während die Kollegen verzweifelt versuchen herauszufinden, wie die Toten zueinander in Verbindung stehen, ist Terz, der ja weiß, dass es diese Verbindung so nicht gibt, auf der Suche nach Sorius’ Mörder. Da jedoch nicht alles so glatt läuft, wie Terz sich dies vorstellt und dank einiger Indiskretionen gerät er bald in die Fänge der Lokalpresse, welche Terz’ Beziehungen zu den letzten beiden Toten aufzurollen versucht. Zeitgleich buhlen einflussreiche Hamburger Honoratioren um Terz. Dieser soll bei der nächsten Wahl im Team des Bürgermeisters antreten, der sich erhofft, von Terz Popularität profitieren zu können.

Marcus Rafelsberger gelingt eine kurzweilige, mitunter amüsante Geschichte in der besonders drei Elemente hervorgehoben werden. Das politische Geflecht bzw. die damit einhergehende Strippenzieherei, eine aufgewühlte, sensationsgeile Journaille und das Zusammen-/Gegenspiel von Terz und dessen Kollegen. Wie Terz die Leiche Sandels entsorgt und seinen Erpresser aus dem Weg räumt ist zunächst einmal gewöhnungsbedürftig, da ein Polizist ja normalerweise der Gute ist. Nimmt man die Story als solche an, so kann man augenzwinkernd verfolgen, wie Terz seinen Kollegen ein ums andere Mal ein Schnippchen schlägt. Geschickt versteht er es, die beiden Fälle (oberflächlich) miteinander in Verbindung zu bringen, allerdings nicht geschickt genug, denn einem Kollegen gelingt es, sein Spiel zu durchschauen. Ein letztes Mal muss sich Terz einem Duell stellen und alles auf eine Karte setzen.

Ein etwas anderer Krimi mit nur wenigen Schwachpunkten

Die Idee des Buches ist sicher nicht revolutionär, denn das Problem eine Leiche zu entsorgen wurde schon von Hitchcock vor Jahrzehnten glänzend umgesetzt und dass der (sympathische) Hauptdarsteller über Leichen geht (genauer gesagt nur über eine, denn der Tod von Sandel war ja ein Unfall) kennen wir dank Patricia Highsmith (»Mr. Ripley« lässt grüßen) auch schon seit längerer Zeit. Dennoch bietet das Buch von Rafelsberger eine willkommene Bereicherung dieser Idee und zudem mal wieder einen »etwas anderen Krimi«, der gleichwohl wie ein traditioneller Who-Dunnit daher kommt.

Einzige Schwachpunkte dieses ansonsten gelungenen Romans sind die eindimensionalen Schwarz-Weiß-Zeichnungen der Figuren. Selten hat eine Spurenermittlung so viele Hinweise (die zu Terz führen) übersehen und dass ausgerechnet der Polizist, der im Fall Sorius überhaupt nichts auf die Reihe bekommt und eher wie ein Idiot wirkt, gerade Terz perfidem Spiel auf die Schliche kommt, ist ebenfalls nicht glaubhaft, sondern wirkt allzu aufgesetzt. Zudem ist Erpresser Nummer 2 mit einer auffällig niedrigen Intelligenz (sehr wohlwollend formuliert) gesegnet.

Aufgrund des außergewöhnlichen Plots ist Das Prinzip Terz eine klare Empfehlung, nicht nur für Freunde der Hansestadt!

Jörg Kijanski, Februar 2007

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