Was die Gottlosen planen von Magnus Mahlmann

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2018 bei J. P. Bachem.
Ort & Zeit der Handlung: , 2010 - heute.
Folge 1 der Laurenz-Broich-Serie.

  • Köln: J. P. Bachem, 2018. ISBN: 978-3761632710. 230 Seiten.

'Was die Gottlosen planen' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

Gefängnispfarrer Laurenz Broich wird in seinem Kölner Heimatveedel neuer Pastor. Seine Schwester Linda führt dort das elterliche Detektivbüro und soll ausgerechnet die in der Gemeinde hochengagierte Charity-Lady Birte Molzhagen ausspionieren: Ihr Ehemann verdächtigt sie der Untreue. Linda stößt im Zuge ihrer Observierung auf einige Ungereimtheiten, die Laurenz vermuten lassen, dass Birte Molzhagen Opfer einer Intrige ist. Als die Leiche ihres Ehemannes gefunden wird, fällt der Verdacht sofort auf sie. Laurenz, der sich am liebsten aus allem raushalten würde, ist weiterhin von ihrer Unschuld überzeugt, doch um das zu beweisen, wird er wohl oder übel eigene Ermittlungen anstellen müssen.

Das meint Krimi-Couch.de: Viel Luft nach oben 65°

Krimi-Rezension von Jörg Kijanski

Martin Molzhagen beauftragt die Detektivin Linda Broich seine Frau Birte zu beschatten und Beweise für deren Untreue zu besorgen. Derweil wechselt Gefängnispfarrer Laurenz Broich, Lindas Bruder, als zukünftiger Pfarrer in sein Veedel (kölsch für Viertel) zurück, in dem Birte Molzhagen im Kirchenvorstand tätig ist.

Zwangsläufig kreuzen sich die Wege der Geschwister, nicht immer einvernehmlich. Schnell zeigt sich, dass Birte sich mit einem attraktiven Mann namens Raphael Hansen trifft. Die Untreue Birtes scheint bewiesen, Linda fertigt ihren Bericht, doch noch am gleichen Tag wird ihr Ehemann Martin erstochen aufgefunden. Derweil fühlt sich Großvater Broich verfolgt …

Erster Krimi aus dem J.P. Bachem Verlag

Der in Köln ansässige Bachem Verlag ist für Krimifans – wie man heute sagt – völliges Neuland. 1818 gegründet, befindet sich der Verlag noch immer im Familienbesitz und konzentriert sich auf kölnische (Stadtgeschichte, Architektur, Kultur) und religiöse Themen. Auch das Rheinland und Ruhrgebiet spielen zunehmend eine wichtige Rolle im Portfolio, doch einen Krimi gab es noch nie. Da kommt ein Köln-Krimi, in dem ein Pfarrer ermittelt (gab es wohl auch noch nicht) oder besser gesagt, unfreiwillig in die Ermittlungen seiner Schwester hineingerät, gerade recht.

Der Schreibstil des Autors, der eigentlich Christian Linker heißt und bisweilen durch Jugendbücher bei dtv junior auffiel (»RaumZeit« wurde für den Deutschen Jugend-Literaturpreis nominiert), ist sehr flüssig. Die Figuren sind sympathisch gezeichnet, wobei allein die Zusammensetzung beeindruckt: Ein Pfarrer, der sich eigentlich nur um das Wohl seiner Schutzbefohlenen kümmern möchte; eine Privatdetektivin, die mit ihren wechselnden Identitäten schon mal in Bedrängnis gerät; ein unter Verfolgungswahn leidender Großvater (der große Cliffhanger für den im Sommer 2019 erscheinenden zweiten Teil »Und sie sollen von seinem Blut nehmen«); ein afrikanischer Pfarrer, der Lebensweisheiten aus seinem Land verbreitet (oder sind es doch Zitate aus Star Wars und Capablanca) sowie ein sympathischer Ex-Knacki, der nicht weiß, was er mit seiner neu gewonnen Freiheit anfangen soll und daher einfach bei Pfarrer Broich einzieht und (unter anderem) dessen Großvater pflegt.

Das Buch ist eine ziemlich bunte Mixtur

»Was die Gottlosen planen« ist eine ziemlich bunte Mixtur aus Krimi, Religion, Köln, Humor und einer Brise Sozialkritik. Kurzweilig zu lesen, allein der Spannungsbogen ist arg überschaubar, da große Teile der Handlung vorhersehbar sind oder vom Autor gleich selbst vorweggenommen werden. Schade, denn dies dürfte für Krimi-Puristen ein deutlicher Minuspunkt sein, obwohl es durchaus auch einige Spannungsmomente gibt.

Es ist noch anzumerken, dass die Stadt ordentlich vorgestellt wird, gleichwohl das irgendwo im rechtsrheinischen Köln verortete Veedel, in dem der Roman zu großen Teilen spielt, erfunden wurde. Durch das fiktive Veedel möchte der Autor vermeiden, dass die Leser womöglich Andeutungen und Parallelen zum echten Viertel beziehungsweise den dort aktiven Menschen (Pfarrer, Kirchenvorstand usw.) ziehen. Für die Bahnfahrt zur Arbeit als leichte Lektüre eine geeignete Begleitung. Potenzial nach oben ist ebenfalls klar erkennbar.

Jörg Kijanski, Oktober 2018

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