Im Visier von Lee Child

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2014 unter dem Titel Personal, deutsche Ausgabe erstmals 2018 bei Blanvalet.
Ort & Zeit der Handlung: USA, 2010 - heute.
Folge 19 der Jack-Reacher-Serie.

  • New York: Delacorte, 2014 unter dem Titel Personal. 353 Seiten.
  • München: Blanvalet, 2018. Übersetzt von Wulf Bergner. ISBN: 978-3-7645-0636-0. 448 Seiten.
  • [Hörbuch] München: audio media, 2018. Gesprochen von Michael Schwarzmaier. ISBN: 978-3956393631. 6 CDs.

'Im Visier' ist erschienen als Hardcover HörbuchE-Book

In Kürze:

John Kott ist einer der besten Scharfschützen, die die U.S. Army jemals hervorgebracht hat. Doch er ist auch ein skrupelloser Mörder, der den französischen Präsidenten erschießen wollte. Das Attentat schlug fehl, aber in Kürze wird er eine neue Gelegenheit haben: der G8-Gipfel in London. Es gibt nur einen Mann, der ihn aufhalten kann. Nur einen, der Kott ebenbürtig ist. Jener Mann, der Kott schon einmal ins Gefängnis brachte: Jack Reacher!

Das meint Krimi-Couch.de: Jack Reacher sorgt für bewährte Action 65°

Krimi-Rezension von Annette Wolter

Das ist mein erstes Jack-Reacher-Buch, und ich kann mangels Vergleich leider nicht mit Stephen King »mitgehen«, der der Meinung ist, dass »Im Visier« der beste Reacher seit langem ist. Mit Band 19 teasert Lee Child die Fans weiter an. Die Geschichte um den ehemaligen Militär-Polizisten, der seit seinem Austritt ein so genanntes Outlaw-Leben nach seinen eigenen Gesetzen führt, immer unterwegs ist, keine Heimat kennt und regelmäßig in neuen Trouble gerät, geht also weiter. Schon wenn Reacher sich einen Kaffee bestellt, kommt seine »knallharte« Art zu Tage. Schwarz wie die Seele, so muss ein Kaffee sein, und nicht so eine Plörre mit Geschmacksnuancen, wie sie manche Kaffeeketten verkaufen. Ironie ist fehl am Platz.

»Ich war ein Regel-drei-Typ. Niemals verlieren. Damit war ich immer gut gefahren.«

Stählerne Macho-Attitude, die hartem Drill entsprungen ist, formte seinen charismatischen Charakter. Gepaart mit ausreichend Selbstbewusstsein, um mit emanzipierten Frauen keinerlei Probleme, sondern in Glücksfällen Spaß, sonst Achtung zu haben. Das ist Reacher, wie er leibt und lebt.

Immer höflich und mit guten Manieren ausgestattet zieht Reacher umher. Ihn bei seinen Abenteuern zu begleiten, ist eine wahre Freude für Menschen die wissen, dass das Gute – nicht immer nur von guten Absichten genährt – gewinnen kann. Leider braucht es meistens einen kräftigen Anstoß durch nicht immer völlig legale Eigeninitiative. Ein moderner Robin Hood mit altmodischem Wertesystem.

Lee Child verdankt seine außerordentliche Karriere als Krimiautor einer eher unangenehmen Lebenssituation: 1995 wurde ihm wegen einer Umstrukturierung sein Job beim Fernsehen gekündigt. Der Produzent so beliebter Krimiserien wie »Prime Suspect« (»Heißer Verdacht«) oder »Cracker« (»Für alle Fälle Fitz«) machte aus der Not eine Tugend und versuchte sich als Schriftsteller.

Was selbst wie ein Roman klingt, entspricht in diesem Fall der Wahrheit: Bereits mit seinem ersten Thriller um den Ermittler Jack Reacher landete Child einen internationaler Bestseller. Er war zugleich Auftakt der heute mehrfach preisgekrönten »Jack-Reacher«-Serie. Child, der 1954 in Coventry in England geboren wurde, ist heute in den USA und Südfrankreich zu Hause.

Mit einer Anzeige in einer Zeitschrift beginnt das Abenteuer

Diesmal beginnt das Abenteuer mit einer Annonce in einer Militärzeitschrift, in der Rick Shoemaker Reacher um eine Kontaktaufnahme bittet. Aufgrund eines ungeschriebenen Ehrenkodex meldet Reacher sich, und »eins, zwei, drei« ist er auf dem Weg zum ebenso verrufenen wie legendären Tom O’Day, General der Infanterie, zuständig fürs Grobe.

O’Day braucht Reachers Hilfe dringend. Eine Persona non Grata, die weiß, wer es beinah geschafft hätte, den französischen Präsidenten zu eliminieren, ist wieder aktiv. Denn niemand weiß, wer dahintersteckt – und die Geheimdienste überschlagen sich bereits. Reacher und den Killer verbindet eine gemeinsame Geschichte, und so macht er sich auf die Suche. Ein Spürhund, dem seine Vergangenheit im Nacken sitzt.

Lee Childs Thriller um den unkonventionellen Helden wider Willen sind populär und haben eine große Fan-Gemeinde. Trockener Humor, gesellschaftskritische Betrachtungen und Militär-Interna lassen das Ganze nicht zu eindimensional wirken.

Reacher macht das alte Europa unsicher

In Band 19 der Reihe verlegt Lee Child den Schwerpunkt der Handlung nach Europa. Aber eigentlich ist der Handlungsort ja auch egal. Denn auch in Europa funktioniert die Reacher-Story einwandfrei, da Child nicht auf die aus den Vorgängern bewährten Zutaten verzichtet.

Ein Mann auf einer Mission, eine hübsche Frau an seiner Seite, zahlreiche Bösewichte, die dem Protagonisten und seiner Begleitung an die Wäsche wollen, Schießereien, Prügeleien, ein Plot, der konsequent auf den Showdown hin ausgerichtet ist – wo Reacher draufsteht, ist Reacher drin. Man liebt ihn, oder man hasst ihn.

Trotz aller guten Zutaten: Diese Art von Literatur ist leider nicht die meine. Mir fehlt eine gewisse Philosophie dahinter. Aber: Definitiv gutes Entertainment.

Annette Wolter, September 2018

Ihre Meinung zu »Lee Child: Im Visier«

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wil zu »Lee Child: Im Visier« 15.09.2018
Enttäuschend langweiliger Plot mit viel Geschriebenem um unwichtige Handlungen, die wenig mit dem ohnehin vagen/undurchsichtigen Plan JR's zu tun haben. Vielleicht knüpft ja das nächste Buch an die "good old days" an. Viele Sequenzen lassen durchaus die Frage zu, ob tatsächlich Child die Feder geschwungen hat oder ein Geist manch Seite gefüllt hat.
Oldman zu »Lee Child: Im Visier« 09.08.2018
Child hat mittlerweile so viele Bücher mit dieser einzigartigen Figur geschrieben, dass die Qualität nicht immer gleichbleibend sein kann. Als Reacher-Fan nehme ich das hin, auch ein eher durchschnittlicher Plot ist für mich immer noch lesenswert. Unser Held ist ehemaliger Militärpolizist, das wissen wir Leser schon lange. Die letzten Bücher haben aber nun immer einen teilweisen militärischen Hintergrund, das stört mich jetzt schon. Andererseits hat dieses Buch für mich auch einen großartigen Höhepunkt, als Reacher in Paris einen Friedhof besucht. Aber das muß man selbst lesen. Kurz und gut, es gibt bessere Bücher von Child, dennoch habe ich es wieder gerne gelesen. Und wenn ich eine große Szene zu visualisieren versuche kann ich nur hoffen, daß der kleine Tom Cruise dieses Buch nicht verfilmen wird.
KlausChrist zu »Lee Child: Im Visier« 02.08.2018
1.: Wie hier oben richtig steht, ist der Originaltitel des Buches "Personal", und nicht, wie's im Buch heißt, "Never Go Back". Da hat der Verlag geschlampt.2. Nun zum Thema: Jack Reacher soll im Auftrag von diversen US-amerikanischen "Diensten" einen Super-Scharfschützen, den er vor Jahren als Militärpolizist für lange Zeit hinter Gitter gebracht hat, aufspüren und unschädlich machen. Dieser Sniper gefährdet die wichtigsten Staatschefs der Welt bei einer Konferenz in London und wird von allerlei Bösewichtern der dortigen organisierten Kriminalität unterstützt. Bei der Geisterbahn, die Lee Child hier auftreten lässt, hat Reacher wahrhaftig genug zu tun: Es fliegen mal wieder die Fetzen. Unterstützt wird JR vor allem von einer hübschen jungen Dame vom US-Außenministerium, die sich mit der Zeit als viel tougher rausstellt, als von Reacher anfangs befürchtet. Außerdem erinnert diese JR an eine seiner ehemaligen Sergeantinnen bei der MP, wegen der er ein äußerst schlechtes Gewissen hat - Reacher hat Angst (!) um die junge Lady (wer mehr über die Gründe wissen will: "Janusmann"), aber sie ist lernfähig und teilt auf JR's Anweisung richtig gut aus. Die beiden lassen's schön krachen. Nix Neues also, wie gewohnt: spannend, einige Action, kein Fascho-Quatsch. Außer vielleicht die überraschende Wendung gegen Ende: Der Schluss ist mir persönlich etwas zu "dünn". Nun weiß ich aber nicht, wie ich deshalb Herrn Child kritisieren soll, ohne was zu verraten.
Nebenbei: In einer älteren Reacher-Story ("In letzter Sekunde") habe ich gelesen, JR sei 1960 geboren, dann wäre er also im Erscheinungsjahr (2014) von "Personal" 54 Jahre alt: Gut gehalten!
elke17 zu »Lee Child: Im Visier« 31.07.2018
Jack Reacher ist auf dem Weg nach Seattle. In einem Bus. Von Langeweile geplagt, greift er nach einer Armypostille, die jemand auf einem Sitz liegengelassen hat und findet darin eine an ihn gerichtete Kleinanzeige, in der er zur Kontaktaufnahme aufgefordert wird. Der französische Präsident ist nur knapp dem Anschlag eines Snipers entgangen. Aber was hat Reacher damit zu tun? Nun, da auch er ein ausgebildeter Scharfschütze ist, kann er die Verdächtigen beurteilen. Und zu allem Überfluss ist unter ihnen auch ein alter Bekannter, John Kott, den er vor Jahren verhaftet hat und der mittlerweile wieder auf freiem Fuß ist. Und man kann davon ausgehen, dass der Attentäter den französischen Präsidenten noch immer im Visier hat. Die nächste gute Gelegenheit würde der G8-Gipfel in London bieten. Schnelles Handeln ist angezeigt. Und so macht sich Reacher mit der noch recht unerfahrenen CIA-Agentin Casey Nice auf den Weg, um seine Mission zu erfüllen.

„Im Visier“, Band 19 der Reihe, verlegt Lee Child den Schwerpunkt der Handlung nach Europa, England und Frankreich. Quasi ein Heimspiel für ihn, den gebürtigen Engländer und Teilzeit-Franzosen. Aber eigentlich ist der Handlungsort ja auch egal. Und auch in Europa funktioniert die Reacher-Story einwandfrei, da Child nicht auf die aus den Vorgängern bewährten Zutaten verzichtet. Ein Mann auf einer Mission, eine hübsche Frau an seiner Seite, zahlreiche Bösewichte, die dem Protagonisten und seiner Begleitung an die Wäsche wollen, Schießereien, Prügeleien, ein Plot, der konsequent auf den Showdown hin ausgerichtet ist - wo Reacher draufsteht, ist Reacher drin. Man liebt ihn, oder man hasst ihn.

Philosophischen Tiefgang sucht man hier vergebens, dafür bekommt man eine unterhaltsame Superman-Geschichte geboten. Und nichts anderes habe ich erwartet.
Peogenes zu »Lee Child: Im Visier« 04.07.2018
Endlose Dialoge über ganze Kapitel. Dann steigt er endlich ins Auto ein. Reacher kein Mann der Tat mehr, sondern ei Dauerdiskutierer und Erklärer. Wir haben das Kindle-Buch nach der Hälfte zurückgegeben. Dauernd wird erklärt, dass ein Schuss au 1500m eine besondere Waffe erforderrt; und wann Vollmantelgeschosse besser sind als Teilmantelgeschosse. Langweilig bis zum Einschlafen. wir haben ganze Kapitel überschlagen. Reacher ist alt geworden.
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