Totentanz am Strand von Klaus-Peter Wolf

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2018 bei Fischer.
Folge 2 der Dr.-Bernhard-Sommerfeldt-Serie.

  • Frankfurt am Main: Fischer, 2018. ISBN: 978-3-596-29919-5. 400 Seiten.
  • [Hörbuch] Hamburg: Jumbo, 2018. Gesprochen von Klaus-Peter Wolf. ISBN: 3833738243. 4 CDs.

'Totentanz am Strand' ist erschienen als TaschenbuchHörbuchE-Book

In Kürze:

Das ganze Leben ist ein Spiel. Man muss nicht in ein Casino gehen, um daran teilzunehmen. Ich spiele volles Risiko, mit höchstem Einsatz. Aber was kann ich gewinnen? Die Freiheit? Meine Beate? Bekomme ich dann mein altes Leben zurück? Alles würde ich dafür tun! Ja, ich habe Heimweh nach Ostfriesland. Ich möchte mein Leben als Dr. Bernhard Sommerfeldt zurück, zusammen mit meiner Beate. Am liebsten würde ich meine Praxis wieder eröffnen. Menschen behandeln. Den neuen Lover von Beate entsorgen. Am Meer spazieren gehen, der Nordsee lauschen und mich dem Wind aussetzen. Aber dort, wo ich mich am wohlsten fühle, dort, wo ich jetzt am liebsten wäre, ist auch die Gefahr am größten, verhaftet und von Ann Kathrin Klaasen einkassiert zu werden. Und doch: Ich bin ein Mann mit Prinzipien. Es stehen noch einige auf meiner Liste …

Das meint Krimi-Couch.de: Ist der Killer in Wirklichkeit ein Softie? 65°

Krimi-Rezension von Andreas Kurth

Dr. Bernhard Sommerfeldt hat sich nach seinen Morden an der ostfriesischen Nordsee-Küste ins Ruhrgebiet zurück gezogen, wo er sich vor der Polizei versteckt. Er vermisst seine ostfriesische Wahlheimat, ist aber auch unentschlossen. Er hat Angst, in Norden von Kommissarin Ann Kathrin Klaasen geschnappt zu werden. Gleichzeitig will er eigentlich nach Bamberg, um endlich Rache an seiner Familie zu nehmen, die ihn aus der Firma ausgebootet hat.

Er fährt dann doch nach Ostfriesland, schleicht um das Haus seiner Ex-Freundin Beate herum – und tötet einen Mann, der ihr Probleme bereitet. Nun will er sich seiner Familie widmen – aber seine Schwäche gegenüber Frauen, vor allem gegenüber seiner Mutter, wird zu einem dramatischen Problem.

Autor und Mörder sind bekennende Ostfriesland-Fans

Wer die Kriminalromane von Klaus-Peter Wolf um seine ostfriesische Kommissarin Ann Kathrin Klaasen kennt, muss die Reihe um Dr. Bernhard Sommerfeldt nicht wirklich ernst nehmen. Bei der Lektüre hat man den Eindruck, der Autor wollte hier mal einen Gegensatz zu seiner Hauptreihe schaffen. Dabei scheint es vor allem die Perspektive des Täters zu sein, die Klaus-Peter Wolf ungemein fasziniert. Jedenfalls besteht das Buch vor allem aus der Geschichte von Bernhard Sommerfeldt, wie sich der falsche Arzt genannt hat.

Wenn man die Morde mal außer Acht lässt, drängt sich zudem der Eindruck auf, dass der Autor seinem Protagonisten einige Züge von sich selbst mitgegeben hat.

Auch Sommerfeldt schreibt seine Erinnerungen mit einem Füller in großen Kladden auf – das ist von Klaus-Peter Wolf ebenfalls bekannt. Er ist wie Wolf vom Ruhrgebiet und von Ostfriesland fasziniert. Das Café ten Cate ist sein Stammlokal – und vieles mehr. Ob es beim Thema Frauen ebenfalls Gemeinsamkeiten gibt, darüber wage ich allerdings nicht zu spekulieren.

Der Autor ist von seinem Killer offenbar fasziniert

Man merkt jedenfalls, dass dieser Mann, der in Ostfriesland untertaucht und dort eine neue Heimat findet, eine große Faszination auf den Autor ausübt – so positiv wie er ihn zeichnet. Da ist der ausgeprägte Sinn für Gerechtigkeit, der Sommerfeldt auf recht spezielle Weise zum Mörder werden lässt. Er tötet nicht aus Eigennutz, sondern immer nur, um zu helfen – so salbadert er jedenfalls vor sich hin. Da ist die Belesenheit des Mörders, der viel Sinn für gute Literatur hat. Fasziniert ist der Killer auch von seinem Rückzugsort im Ruhrgebiet, Gelsenkirchen wird leicht glorifiziert, aber lange nicht so wie Ostfriesland.

Seine Rachegelüste gegenüber seiner Ex-Frau, seiner Mutter und seinem Schwiegervater setzt Sommerfeldt so dilettantisch wie unentschlossen um. Dabei hindert ihn vor allem die Tatsache, dass er im Angesicht seiner Mutter zu einem stotternden, ängstlichen Bündel wird, dass so gar nichts von seinen anderen Identitäten hat. Er tappt dadurch im Laufe der Geschichte in einige Fallen, aus denen er nur mit viel Glück wieder herauskommt.

Wolf-Fans werden die Sommerfeldt-Reihe lieben

Klaus-Peter Wolf präsentiert dem Leser eine eher seltsame Story. Spannung kommt eigentlich erst in der zweiten Hälfte auf, davor geht es vor allem um Sommerfeldt und seine diversen Befindlichkeiten. Es ist ein durchaus amüsantes Psycho-Spiel, das da abläuft – zuweilen schreibt sich Wolf offenbar an seinen eigenen Formulierungen »besoffen«. Das ist verzeihlich und geht auch anderen Autoren so.

Die erste Hälfte des Buches ist in gewissem Sinne recht selbstbezogen, dann wird es spannender und in meinen Augen auch ernsthafter. Fans von Klaus-Peter Wolf werden die Reihe um Dr. Bernhard Sommerfeldt vermutlich lieben, für Wolf-Einsteiger ist das eher nichts.

Immerhin, eine Geschichte gut erzählen kann Klaus-Peter Wolf. Mit viel Witz, aber auch einer guten Portion Zynismus und Sarkasmus hat der Autor hier einen Plot erdacht, der ihm selbst – aber auch seinen zahlreichen Fans – viel Spaß bereiten wird. Wer bereit ist, die kriminalistische Seite in die zweite Reihe zu stellen, wird hier gut unterhalten. Nur als Kriminalroman betrachtet, bleibt »Totentanz am Strand« weit hinter den sonstigen Romanen des Wahl-Ostfriesen zurück.

Andreas Kurth, August 2018

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Marianders zu Totentanz am Mee zu »Klaus-Peter Wolf: Totentanz am Strand« 12.08.2018
Bin dabei das Buch "Totentanz am Meer" zu lesen, es kann mich bis jetzt (Seite 123) nicht fesseln oder begeistern. Trotzdem werde ich jedoch das Buch zu Ende lesen, Vielleicht. Auch das erste Buch mit Dr. Sommerfeld war zwar etwas besser aber nicht zu vergleichen mit allen anderen Büchern des Autors.
Warte schon gespannt auf die nächsten Ausgaben mit Ann Kathrin Klaasen, die lese ich in einem Zug durch.

Bleiben Sie doch bei Ihrem Stil Herr Wolf!
reiman zu »Klaus-Peter Wolf: Totentanz am Strand« 09.08.2018
Mein erstes Buch von Wolf, das ich nicht ganz gelesen habe ... irgendwie immer wieder ähnlich skrude-skurille Gedanken ... auf 50- 100 Seiten das Ganzes gebracht wäre für mich stimmig gewesen ... so las ich halt die ersten 80 und letzten 80 Seiten. Trotzdem freue ich mich auf den nächsten Ostfriesenkrimi von Wolf.
KlausA zu »Klaus-Peter Wolf: Totentanz am Strand« 04.08.2018
Ich mache es kurz: einen Serienmörder als Mittelpunkt einer Serie zu haben, ihn "positiv" darzustellen und damit sozusagen die Morde rechtfertigen zu wollen, halte ich für ziemlich deutlich unterhalb der Gürtellinie.

Was folgt auf die Reihe mit einem Mörder, der sich schon im ersten Band sein "lebenslang" mehr als einmal verdient hat? Ein "netter" Vergewaltiger? Ein "humorvoller" Terrorist"? Ein "sympatischer" Rechtsradikaler? Nein, Danke - habe nach dem ersten Mord das Buch weggelegt (bzw. entsorgt). Ich hätte es nicht kaufen sollen - ärgere mich über den Anteil und sei er noch so klein, den ich damit dem Autor verschafft habe.
Günter Nübel zu »Klaus-Peter Wolf: Totentanz am Strand« 04.08.2018
Ich habe bisher Klaus-Peter Wolfs Romane gerne gelesen. Sie hatten nachvollziehbare Handlungen, stimmige Beschreibungen der Landschaft und gut ausgearbeitete Charaktere. Dieses Buch lässt all das vermissen. Es ist sehr langatmig geschrieben, ohne dass Spannung entsteht. Die Beweggründe für das Morden sind nicht nachvollziehbar, weder in der Rückblende, noch bei dem Mord auf Langeoog. Die Beschreibung der Umgebung ist viel zu oberflächlich. Ein Beispiel dafür: Die Beschreibung einer Straßenbahnfahrt von Gelsenkirchen-Buer nach Schalke, bietet ein großes Potential: die Tristes der Schalker Meile, die heruntergekommenen Häuser entlang der Fahrtstrecke, die vielen Ein-Eurogeschäfte, die vielen Dönerbuden, die vielen türkischen Läden und Reisebüros. Auch in den Straßenbahnen sitzen Menschen mit besonderen Eigenarten: Alkoholiker, Drogenabhängige, Berber,... Hier spricht man viele Sprachen, aber meistens nicht Deutsch. Der Protagonist ergießt sich in pseudo-philosophischen Betrachtungen, die mit vielen Zitaten der deutschsprachigen Literatur angereichert sind, ohne dass hier häufig ein Zusammenhang mit der Handlung erkennbar ist. Ohne diese Zitate wäre das Buch wesentlich kürzer, ohne dass es dem Inhalt schaden würde! Der Verweis auf die Kommissare Ann Kathrin Klaasen und auf Rupert ist letztlich eine Mogelpackung. Sie erscheinen nur ganz am Rande, ohne dass sie Kontur erfahren. Es hätten auch beliebige Polizisten die Verhaftung vornehmen können. Herr Sommerfeldt ist letztlich eine "Kunstfigur". Diese "Kunstfigur" bezieht ihre Daseinsberechtigung fast nur aus Reflexionen. Sie wirkt sehr distanziert, ohne innere Dynamik. Auf mich macht sie den Eindruck eines Roboters, der nach einem vorgefertigten Programm funktioniert. Auch die Reaktionen der Menschen auf ihn sind nicht plausibel und daher nicht nachvollziehbar. Es sei denn, die Welt besteht nur aus Neurotikern.
Tipitina zu »Klaus-Peter Wolf: Totentanz am Strand« 03.08.2018
Ich habe bisher alle Bücher der Klaasen-Reihe gelesen. Mal mehr, mal etwas weniger begeistert. Auch das erste Sommerfeldt-Buch habe ich gelesen. Ich gehöre nicht zu den eisenharten Wolf-Fans, die alle Schauplätze bereisen, habe aber bisher alle Bücher als solide Unterhaltung empfunden. Was beim neuen Buch passiert ist, ist mir unklar. Extrem ärgerlich schon die Sprache. Es ist ja jetzt offenbar modern, im Präsens im Tagebuch-Stil zu schreiben. Aber diese extrem schlichten Bild-Zeitungssätze sind mir dann doch deutlich gegen den Strich gegangen. Einfach nur schlecht geschrieben. Ich habe das Buch nicht zu Ende lesen können.
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