Perfect Girlfriend - Du weißt, du liebst mich von Karen Hamilton

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2018 unter dem Titel The perfect girlfriend, deutsche Ausgabe erstmals 2018 bei Blanvalet.
Ort & Zeit der Handlung: , 2010 - heute.

  • London: Wildfire, 2018 unter dem Titel The perfect girlfriend. 368 Seiten.
  • München: Blanvalet, 2018. Übersetzt von Christoph Göhler. ISBN: 978-3-7645-0654-4. 445 Seiten.
  • [Hörbuch] München: Random House Audio, 2018. Gesprochen von Nora von Waldstätten. ISBN: 3837143252. 2 CDs.

'Perfect Girlfriend - Du weißt, du liebst mich' ist erschienen als TaschenbuchHörbuchE-Book

In Kürze:

Juliette Price weiß genau, was sie will und wen sie will. Um ihrem Freund Nate nahe zu sein, wird sie Flugbegleiterin bei der Airline, für die er als Pilot arbeitet. Sie sind füreinander bestimmt, da ist Juliette absolut sicher. Dass Nate vor ein paar Monaten mit ihr Schluss gemacht hat, bedeutet nichts. Denn Juliette hat einen Plan, wie sie ihn zurückgewinnen wird. Sie ist die perfekte Freundin, und sie wird ihm zeigen, wie sehr er sie in seinem tiefsten Inneren noch liebt – und wenn er sie dafür erst einmal fürchten lernen muss.

Das meint Krimi-Couch.de: Quälende Spannung 85°Treffer

Krimi-Rezension von Sabine Bongenberg

Es heißt, dass sie überall sind und nicht unbedingt Hannibal Lecter ähneln müssen: Psychopathen. Sie können laut Forschungen vordergründig nett, intelligent und witzig sein. Geschickt überspielen sie einen Mangel an Empathie, Mitleid oder auch an Schuldgefühlen und verfolgen zielgerichtet ihre Pläne. Angeblich ist jeder von uns schon Psychopathen begegnet und hat es nicht bemerkt.

Karen Hamilton stellt in ihrem Debutroman »Perfect Girlfriend – du weißt, du liebst mich« Elizabeth Juliette Price vor. Konzentriert verfolgt diese Romanheldin ihren Weg: Sie will wieder mit ihrem Freund Nate zusammenleben, denn sie weiß, dass er die Liebe ihres Lebens ist. Außer Frage steht, dass sie die einzig wahre Frau für ihn ist. Elizabeth richtet ihre Karriere nach diesem Wunsch aus, sie lügt, betrügt, stiehlt und bricht ein.

Ein ständiges Gefühl von beklemmendem Unwohlsein

Ihr Anspruch ist, einen Teil des Kuchens abzubekommen, der ihr schließlich zusteht. Das ist nur gerecht – und verschafft dem Leser ein ständiges Gefühl von beklemmendem Unwohlsein. Hamilton bietet damit keine einfache Lektüre an, die so weggelesen werden kann. Elizabeth’ Weg, ihre Intrigen und eiskalt geplanten Aktionen zerren an den Nerven. Erschwerend kommt dazu, dass ihre arglose Umwelt offensichtlich nicht zu ahnen scheint, wie die Heldin gestrickt ist und somit bis auf wenige Ausnahmen auf ihr Spiel hereinfällt.

Ausspähen wird durch soziale Netzwerke leicht gemacht

Karen Hamilton nimmt sich Zeit, um ihre Geschichte zu erzählen. Der Roman beginnt daher nicht mit der eigentlichen Tat, sondern mit den Aktionen und Entwicklungen, die die »nette Psychopathin von nebenan« zuletzt zu der kalten Gestalt reifen lassen, die dann in der Lage ist, zum Äußersten zu gehen. Spannend gezeigt wird auch, wie einfach es mittlerweile durch die sozialen Netzwerke ist, einen Menschen auszuspähen. Die einen öffnen dabei freiwillig Tür und Tor, andere müssen durch den Diebstahl von Passworten und die Installation von Spionage-Apps – nun ja – ein wenig zu ihrem »Glück gezwungen werden« – aber auch das ist eine unproblematische Sache.

Dennoch weist auch dieser gut erzählte Roman aus dem Berufsmilieu der Stewardessen einen kleinen Bruch auf. Ohne klaren Grund scheint dabei die sonst so eiskalte Elizabeth aufzutauen, und offenbart Abschnitte aus ihrem Leben, und genauso unbegründet endet diese Phase auch wieder. Hier wären die Entwicklung und die Gründe für den Abbruch wichtig gewesen. Dennoch ist es für den Leser schon fast eine Erholung, einmal so etwas wie aufrichtige Gefühle aus Elizabeth herauszulesen. Bemängelt werden kann auch, dass vieles nur angedeutet wird, und vielleicht einige Stränge deutlicher und klarer hätten erzählt werden können.

Am Ende keine Erlösung aus der nervenzerrenden Hängepartie

Irritierend ist das eigenwillige Ende – und hier hätte sich sicher so mancher eine gefälligere Auflösung gewünscht. Zu abrupt wird hier der Abschluss gesetzt und zu viele Fragen bleiben offen – dennoch ist dieser Abschluss bezogen auf den sonstigen Aufbau konsequent. Auch wenn er nicht gefällt und es somit auch für den Leser – wie für die übrigen Helden des Buches – keine Erlösung aus der nervenzerrenden Hängepartie gibt.

Sabine Bongenberg, November 2018

Ihre Meinung zu »Karen Hamilton: Perfect Girlfriend - Du weißt, du liebst mich«

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Krimisofa.com zu »Karen Hamilton: Perfect Girlfriend - Du weißt, du liebst mich« 25.08.2018
Wäre es nicht schön, in die Köpfe von anderen zu sehen? Vermutlich nicht. Wir würden Abgründe sehen, die wir nicht sehen wollten; Perversionen, die wir nicht für möglich gehalten hätten. Und schon gar nicht wollen wir, dass andere Leute in unseren Kopf sehen können - denn vielleicht haben wir ja selber Abgründe, die wir selber gar nicht für so schlimm halten. Selbstwahrnehmung und Fremdwahrnehmung. Karen Hamilton lässt uns in „Perfect Girlfriend“ in den Kopf ihrer Pro- oder Antagonistin - was, das muss jeder selbst entscheiden - blicken und lässt uns an deren Leben teilhaben.

Juliette heißt mit erstem Namen Elizabeth, doch damit ihr Plan funktioniert, benutzt sie als Flugbegleiterin ihren Zweitnamen. Und ihr Plan, der ganz präzise und minutiös geplant ist, besagt, dass sie ein Jahr nach der Trennung von Nate, wieder mit ihm zusammen sein wird. Nicht früher, nicht später. Dann hatte er ja wohl genug Freiraum und dann ist sie wieder an der Reihe. Juliette - oder Elizabeth - checkt immer den Facebook-Status von Nate - oder den von Bella. Mit Bella ist sie in die Schule gegangen und hat stets zu ihr aufgeschaut. Zu der Schönen, die immer die Hauptrollen im Schultheater bekommen hat. Juliette wollte immer mit ihr befreundet sein und ein Stückchen ihres Fames abhaben. Doch Bella hat sie nie be-, sondern immer verachtet - sobald sie wieder mit Nate zusammen ist, hat Bella gar keine andere Wahl mehr.

Wir tauchen also in die Psyche eines wirklich, wirklich kranken Menschen ein. Nicht nur, dass Juliette in Nate vernarrt ist und nicht mal ansatzweise daran denkt, sich einen anderen zu suchen. Sie  überprüft ihn auch permanent auf Facebook und verbringt auch noch regelmäßig unerlaubt Zeit in seiner Wohnung  , wenn er seiner Arbeit als Pilot nachgeht. Dann kommt noch dazu, dass sie seit ihrer Schulzeit Bella nacheifert, einer Philanthropin, die ständig auf wohltätigen Events herumhängt oder sie selber organisiert - was sie ebenfalls von Facebook weiß. Schnell fragt man sich, ob es tatsächlich Nate ist, den sie will, oder ob er nicht nur Mittel zum Zweck ist, um in eine gesellschaftlich höhere Schicht aufzusteigen.

Denn Juliette kommt aus einer unteren Schicht, ihre Mutter - die relativ früh im Buch stirbt - hat sich regelmäßig die Kante gegeben. Und ihr jüngerer Bruder, William, ist tragisch ertrunken, woran sich Juliette die Schuld gibt, weil sie auf ihn aufpassen sollte. Das erfahren wir bereits im Prolog und der Unfall liegt mehr als ihr halbes Leben zurück. Damals war sie zehn, heute ist sie Ende zwanzig. Da bekommt man ein Gefühl für die Psyche von Juliette, denn das, und die ständige Zurückweisung von Bella an der Schule – so etwas prägt einen Menschen und da ist so eine Entwicklung zumindest vage nachvollziehbar. Juliette will die Anerkennung, die sie von ihrer Mutter nie bekommen hat, und die Sicherheit, die sie ihrem Bruder damals nicht geben konnte - beides sucht sie bei Nate und Bella.

Aber natürlich agiert sie reichlich verrückt, um ihr Ziel zu erreichen, da muss man nichts beschönigen, und Karen Hamilton treibt es auch auf die Spitze und das ist das Salz in der Suppe - wenn ein Plan nicht funktioniert, drückt sie Juliette den nächsten, noch extremeren Plan in die Hand, und das macht das Buch auch so bemerkenswert, so gut. Dass sie uns ihre Geschichte auch noch aus erster Hand erzählt, der Leser also die Rolle von Juliette einnimmt, macht das Ganze noch extremer und zeitweise rollt man nur mehr mit den Augen und denkt sich „weist mal bitte wer diesen Trampel ein?!“.

Dadurch, dass Hamilton selber Flugbegleiterin war, erfährt man natürlich einiges an Hintergrundwissen zum Beruf und teilweise auch einige Funfacts.

Aber das mit Abstand schwächste an dem Buch sind ausgerechnet die Flug-Passagen, die ich großteils nur langweilig fand. Dazu kommt, dass ich doch so hundert bis hundertfünfzig Seiten benötigt habe, bis ich in der Story drin war. Das Ende ist ebenfalls etwas seltsam - als hätte Hamilton all ihre Ideen abgearbeitet und dann gesagt „so, fertig". Man kann es aber sicher auch anders interpretieren. Alles in allem ist „Perfect Girlfriend" aber ein ziemlich anständiges Debüt.

Tl;dr „Perfect Girlfriend“ von Karen Hamilton führt uns in eine Welt, die man nicht sehen will. Aber trotzdem will man wissen, wie dieses Buch endet. Mit einem Hauptcharakter, bei dem man von Anfang an merkt, dass er ein größeres psychisches Problem hat, welches ich zumindest ansatzweise nachvollziehen konnte, was die Autorin aber auch maßlos und geschickt auf die Spitze treibt. Das Ende und einiges davor fand ich aber schwach.

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