Das Gift der Wahrheit von Julia Corbin

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2018 bei Diana.
Ort & Zeit der Handlung: Deutschland / Mannheim, 2010 - heute.
Folge 2 der Alexis-Hall-Serie.

  • München: Diana, 2018. ISBN: 978-3-453-35977-2. 432 Seiten.

'Das Gift der Wahrheit' ist erschienen als Taschenbuch E-Book

In Kürze:

1998 wird in Kolumbien ein Massengrab mit getöteten Frauen entdeckt, die alle eine Spinne im Mund haben. 20 Jahre später wird in Mannheim eine Frauenleiche gefunden, die ein Medaillon mit einer Spinne um den Hals trägt. Ein Fall für Hauptkommissarin Alexis Hall und Kriminalbiologin Karen Hellstern. Ihre Ermittlungen führen sie zur Freundin der Ermordeten und deren Tochter. Die beiden werden bedroht, doch von wem und, wie groß ist die Gefahr? Während Hellstern sich emotional in den Fall verwickeln lässt, muss Hall sich mit privaten Problemen herumschlagen.

Das meint Krimi-Couch.de: Absurd konstruierte Geschichte tötet jede Spannung 30°

Krimi-Rezension von Carola Krauße

Hier haben Frauen das Sagen

Wenn es für die Mannheimer Kripo und Staatsanwaltschaft eine Frauenquote geben sollte, so hat sie die Autorin in diesem Buch mit Sicherheit erfüllt. Alexis Hall, Karen Hellstern, Martina Dolce als Chefin der Kripo und Linda Landgraf als Staatsanwältin führen das Kommando. Für Männer sind lediglich Nebenrollen vorgesehen. Auch in Zeiten der Gleichberechtigung ist dieses Szenario wohl mehr Wunschvorstellung als Wirklichkeit. Dass die Frauen dann auch noch über den Beruf hinaus freundschaftlich verbunden sind macht das ganze nicht realistischer.

Völlig überzeichnete Protagonisten

Schon die Vorstellung der Mannheimer Kripo zu Beginn des Buches ruft ein Kopfschütteln hervor, was sich bei der Lektüre dann nicht abstellen lässt. Die Hauptkommissarin ist die Tochter von Serienmördern, die Kriminalbiologin fährt einen himmelblauen Bulli, die Chefin hält Besprechungen an den unmöglichsten Orten ab, weil sie an einer Abhörphobie leidet und die lesbische Staatsanwältin sieht aus wie ein Model.

Mit den wenigen männlichen Figuren ist es nicht anders. Hier gibt es den sexy Franzosen mit den grauen Augen, den lammfrommen Schrank von einem Polizisten, das rassistische, frauenfeindliche Arschloch und den Warmherzigen, der Tiere der Mordopfer bei sich aufnimmt. Die völlige Überzeichnung macht die Protagonisten nicht zu Charakteren, sondern zu unglaubwürdigen realitätsfernen Figuren, die der Geschichte die Grundlage der Glaubwürdigkeit nehmen.

Ich mache mir die Welt, wie sie mir gefällt

Frei nach diesem Motto scheint die Autorin ihren Plot gestrickt zu haben, denn alle logischen Hürden (und davon gibt es wahrlich genug) werden einfach passend gebogen, damit die Geschichte weiter funktioniert. Es bedarf keiner großen Hintergrundrecherche, schon der simple Menschenverstand reicht um dieses Defizit zu erkennen. Dabei bleibt nicht nur die Plausibilität sondern auch die Spannung auf der Strecke. Wenn man Plot und Charaktere nicht ernst nehmen kann, fehlt der Einstieg in die Geschichte, die damit nur noch langweilig dahin plätschert anstatt fesselnd zu sein.

Auch der Versuch das durch Vielschichtigkeit wett zu machen, indem man zwei Nebenstränge eröffnet ging schief. In einem wird Kommissarin Hall von ihrem Onkel eines Verbrechens beschuldigt, das schon Jahrzehnte zurückliegt und damals ausgiebig untersucht wurde. Aber natürlich wird auch für dieses Problem eine Lösung präsentiert, die abwegiger nicht sein könnte. Logik, wo bist du? Der zweite Strang sind amouröse Abenteuer und Probleme der Protagonisten. Das ist ja ganz nett, aber unnötig und rettet die Geschichte auch nicht mehr.

Temperance Brennan lässt grüßen

Julia Corbin ist Biologin, was die ausgiebige Darstellung der kriminalbiologischen Arbeit erklärt und dabei doch stark an die von Kathy Reichs erdachte Temperance Brennan erinnert. Die Vorgänge in Hellsterns Labor werden weitschweifig und mit zahllosen Wiederholungen ausgebreitet, was keine Spannung sondern nur Langeweile generiert. Und obwohl die Autorin vom Fach ist, bleibt auch hier so manches fragwürdig. So kann Karen Hellstern Geschlecht und Alter einer halbverwesten Leiche auf Anhieb erkennen und kleine Fingerknochen aus meterweiter Entfernung ausmachen.

Ihr Meisterstück ist es, menschliche DNA und einen Einzeller aus dem Blut von einem, von einer Mücke Gestochenen zu extrahieren und zu bestimmen, wobei sich das Blut im Magen der Mücke befindet und diese sich wiederum im Magen einer kleinen Spinne, die in Kunstharz gegossen ist. Hier ist wohl wieder einmal die dichterische Freiheit mit der Autorin durchgegangen. Was als wissenschaftlicher Aufhänger gedacht war, wird zum abstrusen Durchhänger, der durch die doch recht simple Sprachgewandtheit der Figuren noch verstärkt wird.

Nur etwas für Arachnophobiker

Das Gift der Wahrheit ist bereits der zweite Thriller von Julia Corbin. Für mich wird es allerdings auch der Letzte sein. Plot, Figuren und Schluss sind so unrealistisch, dass die Lektüre einfach überhaupt keinen Spaß macht. Wer allerdings Spinnen so gar nicht mag, könnte sich bei den unzähligen Exemplaren, die immer en masse irgendwo rumkrabbeln und herzhaft zubeißen, vielleicht doch gruseln. Allerdings bleibt die Geschichte auch dann mehr Märchen als Thriller.

Carola Krauße, November 2018

Ihre Meinung zu »Julia Corbin: Das Gift der Wahrheit«

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leseratte1310 zu »Julia Corbin: Das Gift der Wahrheit« 05.08.2018
Eine Tote wird am Mannheimer Klärwerk angespült. Das Medaillon ihrer Kette ist ungewöhnlich, denn es ist eine in Harz gegossene Kreuzspinne. Hauptkommissarin Alexis Hall nimmt die Ermittlungen auf und wird von der Kriminalbiologin Karen Hellstern unterstützt. Es gibt keine Anhaltspunkte, warum die Frau getötet wurde und auch die Freundin der Toten und deren Tochter können nicht weiterhelfen. Doch dann gibt es eine Spur, die zu einer älteren Mordserie in Kolumbien führt, bei der die Toten immer eine Spinne im Mund hatten. Damit ist klar, dass es weitere Opfer geben wird, Opfer, die durch das Gift der Spinne getötet werden.
Dies ist nach "Die Bestimmung des Bösen" der zweite Band um die Kommissarin Alexis Hall Auch wenn ich den ersten Band nicht gelesen habe, so habe ich alle notwenigen Informationen erhalten. Es gibt in diesem Buch mehrere Handlungsstränge, die im Laufe der Zeit miteinander verknüpft werden. Da die Autorin Biologie studiert hat, fließt dies natürlich auch immer wieder in diese Geschichte mit ein. Gut allerdings ist, dass ich keine Arachnophobie habe, denn alles ist sehr detailliert beschrieben. Überhaupt ist es ein Thriller, der starke Nerven erfordert.
Alexis hat in ihrer Kindheit ein traumatisches Erlebnis durchmachen müssen und ist als Waise aufgewachsen. Obwohl ihr das immer noch nachhängt, hält sie es geheim, warum sie gerade diesen Beruf ergriffen hat. Auch Karen Hellstein gefällt mir gut, denn sie hat doch einiges beizutragen, was bei der Lösung des Falles hilfreich ist.
Interessant ist die Sicht des Mörders aus Kolumbien, beim dem eine schwierige Kindheit eine Rolle spielt, auch wenn das natürliche keine Entschuldigung sein kann.
Darüber hinaus gibt es Abschnitte, die aus der Sicht der Opfer dargestellt und die ziemlich gruselig, aber auch grausam sind.
Es ist von Anfang an spannend und die Spannung steigt stetig. Dabei ist es mir nicht gelungen, die Auflösung schon vorher zu erkennen, denn immer wieder wurde ich auf falsche Wege geleitet.
Es geht rasant und spannend zu, so dass man gepackt wird und das Buch schwer beiseitelegen kann. Lesenswert!
PMelittaM zu »Julia Corbin: Das Gift der Wahrheit« 19.07.2018
Als Alexis Hall zu einer Leiche gerufen wird, ahnt sie noch nicht, dass sie es mit einem perfiden Killer zu tun haben wird. Zeitgleich machen ihr private Schwierigkeiten das Leben schwer, nicht nur ihre Freundschaft zu Kriminalbiologin Karen Hellstern steht auf der Kippe, auch ihr Ruf könnte größten Schaden nehmen.

Nachdem ich vom ersten Band der Reihe begeistert war, war es klar für mich, dass ich auch Band 2 lesen wollte. Das Buch besticht schon vor dem Lesen mit seiner interessanten Haptik, die auch Leser, die sonst nicht dazu neigen, dazu bringen wird, das Buch hin und wieder zu „streicheln“.

Kaum mit dem Lesen begonnen hat mich der Roman schnell gepackt und mich von Anfang an miträtseln lassen, er hat mich aber auch erschreckt und mich hin und wieder gruseln lassen. Was Menschen Menschen antun können, kann man immer einmal wieder in der Zeitung lesen oder in den Nachrichten hören, wir Krimi – und Thrillerfans können es zudem in den Romanen unserer Lieblingsautoren lesen, aber hier nimmt das schon ziemlich extreme Ausmaße an, und, um nur ein wenig zu spoilern, Spinnenphobikern wird der Roman viel abverlangen.

Interessant sind auch die Zeitungsartikel über eine Mordserie in Kolumbien sowie rückblickende Szenen aus diesem Land, bei denen man sich fragen muss, was sie mit dem aktuellen Geschehen zu tun haben könnten.

Auch dieser Roman kann wieder mit interessanten Ermittlungen punkten, vor allem im wissenschaftlichen Bereich, wofür auch hier wieder Karen Hellstern verantwortlich zeichnet. Als Kriminalbiologin hat sie einen ganz anderen Zugang als man es gemeinhin von Ermittlern im Kriminalroman gewöhnt ist, und gerade in diesem Fall hat sie reichlich zu tun und trägt einige wesentliche Ergebnisse bei. Ihre Erlebnisse im Vorgängerband haben weder sie noch ihre Schwester ganz abschütteln können, alles andere wäre aber auch kaum glaubhaft.

Auch Alexis hat noch einiges aufzuarbeiten, und wird hier erneut mit ihrer Vergangenheit konfrontiert. Wer den Vorgänger noch nicht gelesen hat, wird „Das Gift der Wahrheit“ übrigens problemlos lesen können, und es gibt auch keine Spoiler, so dass man den ersten Band der Reihe noch mit Spannung wird lesen können.

Es gefällt mir gut, dass neben dem Fall auch das Privatleben der Ermittler eine Rolle spielt und durchaus auch Einfluss auf die Ermittlungen hat – ganz wie es im wahren Leben auch der Fall wäre. Man kann auch schon gespannt sein, wie sich die Ereignisse in diesem Band auf den nächsten auswirken werden.

Der Roman ist sehr spannend, ein regelrechter Pageturner, und lässt sich flüssig lesen. Als Leser ist man schnell emotional beteiligt, vor allem, weil uns Julia Corbin nicht nur in die Köpfe der Ermittler, sondern auch in die der Opfer blicken lässt – und auch der Täter erhält seine eigene Perspektive. Das macht das Geschehen manchmal kaum erträglich, und umso mehr hofft man, dass Alexis, Karen und ihre Kollegen bald auf die richtige Spur gelangen. Die Auflösung hat es in sich, ist aber auch zufriedenstellend.

Nach Band 1 hatte ich große Erwartungen an Band 2, diese wurden erfüllt. Julia Corbin ist wieder ein absolut spannender Roman gelungen, den ich jedem Thrillerfan empfehlen kann. 89°

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