Macbeth von Jo Nesbø

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2018 unter dem Titel Macbeth, deutsche Ausgabe erstmals 2018 bei Penguin.
Ort & Zeit der Handlung: Norwegen, 2010 - heute.

  • Oslo: Aschehoug, 2018 unter dem Titel Macbeth. 572 Seiten.
  • München: Penguin, 2018. Übersetzt von André Mumot. ISBN: 978-3328600176. 624 Seiten.
  • [Hörbuch] München: Der Hörverlag, 2018. Gesprochen von Wolfram Koch. ISBN: 3844529721. 2 CDs.

'Macbeth' ist erschienen als Hardcover HörbuchE-Book

In Kürze:

Er kennt seine Feinde nur allzu gut. Inspector Macbeth ist der taffste Cop in einer maroden Industriestadt im Norden. Einen Deal nach dem anderen lässt er hochgehen, die Drogenbosse beißen sich an ihm die Zähne aus. Doch irgendwann wird die Verlockung zu groß: Geld, Respekt, Macht. Schnell aber wird ihm klar, dass einer wie er, der schon in der Gosse war, niemals ganz nach oben kommen wird. Außer er tötet. Angestachelt von seiner Geliebten, schafft er sich einen Konkurrenten nach dem anderen vom Hals. In seinem Blutrausch merkt er nicht, dass er längst jenen dunklen Kräften verfallen ist, denen er einst den Kampf angesagt hat.

Das meint Krimi-Couch.de: Die Wiederkehr des Regentropfens und die Lust an der Macht 80°

Krimi-Rezension von Almut Oetjen

Das Hogarth-Shakespeare-Projekt wurde zum 400. Todestag des Dramatikers William Shakespeare eingerichtet. Seit 2016 sind sieben des auf acht Bände angelegten Vorhabens erschienen, auch in deutscher Übersetzung. Beim ersten deutschen Projektpartner, dem Knaus Verlag, sind dies Jeanette Wintersons »Der weite Raum der Zeit«, Howard Jacobsons »Shylock«, Anne Tylers »Die störrische Braut«, Margaret Atwoods »Der Sturm«, Edward St Aubyns »Dunbar und seine Töchter« und Tracy Chevaliers »Der Neue«. Der siebte Titel, Jo Nesbøs »Macbeth«, wird von Penguin verlegt. Als achter und letzter Band ist Gillian Flynns »Hamlet« nach Terminverschiebung für Januar 2021 angekündigt.

Der Norweger Jo Nesbø hat sich mit »Macbeth« die kürzeste und letzte der großen Tragödien Shakespeares ausgesucht. Sie besteht aus fünf Akten und einer rigorosen szenischen Marschroute, die wenige Seitenwege in Form von Nebenhandlungen aufweist. Nesbø hat daraus den (bislang) umfangreichsten Beitrag für das Projekt geschrieben. Sind die anderen Bücher maximal 320 Seiten lang, bringt seins es auf nahezu den doppelten Umfang. Dabei hat er aus den fünf Akten Shakespeares drei gemacht. Die deutsche Fassung ist eine Übersetzung der englischen Übersetzung aus dem Norwegischen. Alle drei Fassungen sind 2018 erschienen.

Inspector Macbeth und sein SWAT-Team stellen 4,5 Tonnen Amphetamin sicher

Die Stadt Capitol wird nominell regiert von Bürgermeister Tourtell, faktisch jedoch vom jeweiligen Chief Commissioner der Polizei. Nachdem der korrupte und despotische Chief Commissioner Kenneth Opfer eines Schlaganfalls geworden ist, wird der gesetzestreue Duncan sein Nachfolger und besetzt die Führungspositionen mit unbescholtenen Idealisten. Die Norse Riders unter ihrem Anführer Sweno, eine der beiden großen Drogengangs der Stadt, erwarten eine Lieferung. Inspector Duff, Leiter des Rauschgiftdezernats, hat einen anonymen Hinweis darauf bekommen und hofft, die Lieferung beschlagnahmen zu können. Die Polizeiaktion gelingt jedoch nur, weil Inspector Macbeth und sein SWAT-Team unterstützend eingreifen. Sie stellen 4,5 Tonnen Amphetamin sicher.

Duncan befördert Macbeth zum Leiter des Dezernats für Organisierte Kriminalität. Das verärgert Duff, der schon länger auf eben diese Beförderung aus war.

Macbeth und sein alter Freund Banquo treffen auf drei Schwestern aus der zweiten großen Drogengang Capitols, die von Hecate angeführt wird. Ihre Wortführerin Strega prophezeit, Macbeth werde bald Chief Commissioner und Banquos Sohn Fleance irgendwann seine Nachfolge antreten. Der überraschte Macbeth erzählt von dieser Begegnung seiner Lebensgefährtin Lady, die ihn überredet, Duncan auf einer in Kürze anstehenden Party zu ermorden. Das soll den Aufstieg Macbeths in das Amt des Bürgermeisters einleiten.

Handlung wird vom Autor in das schottische Fife verlegt

Jo Nesbø, der mit seiner Serie über den norwegischen Polizisten Harry Hole international bekannt wurde, verlegt die Handlung der Shakespeareschen Tragödie nicht nach Norwegen, auch nicht in ein Schloss, sondern nach Schottland (Fife und Umgebung).

Der Handlungsort und die Akteure beschreiben in etwa eine britisch-skandinavische Sphäre, so ähnlich wie die britischen Verfilmungen der Wallander-Stoffe Henning Mankells mit Kenneth Branagh. Ein Scharfschütze heißt Olafson.

Zwar gibt es keine Zeitangaben, aber Orientierungsmarken zur ungefähren zeitlichen Einordnung. Der jüngste genannte Song, Lindisfarnes »Meet Me on the Corner«, stammt aus 1972.

Dass Deputy Chief Commissioner Malcolms Traum seit Kindertagen, der Chevrolet Chevell SS 454, seit 1964 hergestellt wurde, deutet auf mindestens Mitte der 1970er Jahre hin. Es wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass sich das Land mitten in einer Ölkrise befindet. Die erste dieser Krisen datiert auf 1973, die zweite auf 1979/80. Es sind offensichtlich die 1970er Jahre, die Stadt ist ein rund um die Uhr geöffneter Marktplatz für Drogen. Großbritannien befindet sich im industriellen Niedergang.

Dieser Niedergang wird bei Nesbø als Wandel in drei Stufen beschrieben: auf die Stilllegung der Industrie folgte die der Bahnstrecke, »damit niemand mehr wegkommt«, und den Abschluss bildet die Drogenabhängigkeit der Bevölkerung. Sinnigerweise wird dort gedealt, wo zuvor Bahnfahrkarten verkauft wurden. Es gibt drei Möglichkeiten in Capitol reich zu werden: Casinos, Drogen und Politik.

Erinnerung an die eiserne Lady Margaret Thatcher

In Verbindung mit Macbeths Partnerin, die nur »Lady« genannt wird, erinnert man sich an Margaret Thatcher, die von 1975 bis 1990 Vorsitzende der Konservativen Partei und von Mai 1979 bis November 1990 die erste Premierministerin des Vereinigten Königsreichs war. Sie reformierte die englische Wirtschaft dermaßen rigoros, dass sie als »Eiserne Lady« bezeichnet wurde. Vielleicht schwebte sie Nesbø ja vor, oder sie bewegte sich unterschwellig mit, als er seine Lady entwarf. Zwar passt sie nicht exakt in den Zeitrahmen, aber der ist auch nicht eindeutig bestimmbar.

Der Autor ist studierter Ökonom, arbeitet mit indirekten wie auch direkten ökonomischen Hinweisen. Malcolm hat Philosophie und Betriebswirtschaft studiert. Hecate, in Shakespeares Tragödie die Herrscherin über die drei Hexen, ist der entscheidende Drogenboss der Stadt und Besitzer eines der beiden Casinos, das andere gehört Lady.

Er bezeichnet sich nach einem Konzept des britischen Moralphilosophen und Ökonomen Adam Smith als »Unsichtbare Hand«, und einmal wird ein »Philosoph Adam Hand« erwähnt. Hecate lenkt aus dem Hintergrund das Marktgeschehen in Capitol. Er sagt einmal, seine Religion heiße Kapitalismus, und der freie Markt sei sein Glaubensbekenntnis. Er stellt eine Droge her, die »Brew« genannt wird, eine crackartige Substanz, von der die halbe Stadt abhängig ist.

Hecate will Macbeth unter Kontrolle und in das Amt des Bürgermeisters bekommen. Nesbøs drei Hexen, Schwestern Hecates genannt, eine heißt Strega, haben im modernen Sinn mit einer Form von Religion zu tun, die kapitalistisch verstanden wird. Sie treten als eine Art Anlageberaterinnen auf, die Hecates Produkt verkaufen. Hecate selbst geht davon aus, dass die Vorhersage Stregas eintreten wird, weil Macbeth sie in seinem Sinne interpretieren werde: als durch Gier bestimmten Lebenswunsch.

In der Anlage und Motivgebung durch Nesbø lässt sich Macbeths Weg beschreiben als ein Ansparprogramm von Verbrechen, eine mörderische Kapitalbildung, deren Zinsgutschriften ihn letztlich zum Gerichteten werden lassen.

Selbstgespräche über den Widerspruch zwischen Denken und Handeln

Anders als Macbeth kann Lady von ihrem Gewissen abstrahieren, während er sich der Schändlichkeit seines Handels ständig bewusst ist. Shakespeares Tragödie weist auffällig viele Selbstgespräche auf, in denen es um den Widerspruch zwischen Denken und Handeln geht. Sein Macbeth ist ein tragischer Charakter, der einen inneren Zwiespalt austrägt, sich tief in Schuld verstrickt und Mitgefühl erzeugen kann.

Nesbøs »Macbeth« wird als primär action-orientierte Geschichte erzählt. Bereits die Inszenierung der frühen Vereitelung des Drogentransfers zeigt, in welche Richtung es bei ihm geht. Da kommt der Aspekt der Tragödie zu kurz. Das korrupte Gemeinwesen erhält mehr Aufmerksamkeit als die zerfallenden Beziehungen. Shakespeare selbst legt den Schwerpunkt auf Macbeths innere Vorgänge, dessen Gier nach Macht.

Nesbøs Inszenierung von Actionszenen ist einfallsreich, ob es sich um Verfolgungsjagden, Schießereien, Erpressung handelt. Ihm fallen gelegentlich gute Bilder ein, besonders für Schlüsselszenen aus der Vorlage, darunter die Rolle der Lokomotive Bertha Birnam in der Umsetzung einer Variante der verschlüsselten Prophezeiung, in der Birnam Wood eine entscheidende Rolle spielt. Phantastische Momente bekommen eine implizite Erklärung. Als Macbeth der Geist des ermordeten Banquo erscheint, könnte dies eine drogeninduzierte Halluzination Macbeths sein.

Nesbøs »Macbeth« ist in erster Linie ein Thriller über einen Machtkampf, der in einer noir-artigen Umgebung stattfindet. Er dampft die Tragödie zusammen auf die Prämisse: Die Polizisten eines korrupten Reviers in einer verrotteten Stadt sind nichts anderes als Mitglieder einer speziellen Gang der Organisierten Kriminalität.

Nebenfiguren bei Shakespeare bekommen hier mehr Aufmerksamkeit, darunter Seyton und Caithness, der bei Shakespeare einer der Adligen ist, die sich gegen Macbeth wenden, und bei Nesbø die in Duff verliebte Chefin der Kriminaltechnik.

Das Motiv der Zyklizität von Geschichte, das sich bei Shakespeare nicht findet, aber offen in der Verfilmung des Stoffes durch Roman Polanski (»Macbeth«, USA/GB 1971), bildet Nesbø ab in der Bewegung eines Regentropfens, der wir zu Beginn und am Ende folgen. Es handelt sich um den Wassertropfen des kleinen Prinzen, und Nesbø stellt eine bewertende Verbindung zum Großen her, indem er einen Möwenschiss eine ähnliche Bewegung vollziehen lässt.

Als Genreroman reiht sich »Macbeth« nahtlos in das Werk Nesbøs ein und kann mit dem Schnitt der Gradzahlen aus den bisherigen Rezensionen bewertet werden: 87 Grad. Als Beitrag zum Shakespeare-Projekt ist er weniger gelungen. Er enthält Namen und Motive, manche reizvolle Änderung. Der von Shakespeare behandelte Themenkomplex findet sich ebenfalls, dies aber eher oberflächlich. Vor allem die inneren Vorgänge und Selbstgespräche in der Tragödie erreichen eine Tiefe und Komplexität, die es bei Nesbø nicht gibt. Als Eintrag in das Shakespeare-Projekt erhält der Band 73 Grad. Die Gesamtbewertung liegt daher bei 80 Grad.

Almut Oetjen, September 2018

Ihre Meinung zu »Jo Nesbø: Macbeth«

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Wolf zu »Jo Nesbø: Macbeth« 27.10.2018
Kann mich meinem Vorgänger nur anschließen. Sehr enttäuschend für alle Hole bzw. Nesbo Fans. Ja, es ist spannend, jedoch gröstenteils unrealistisch. Habe bisher alle Bücher von Nesbo gelesen, ist das wirklich vom gleichem Autor? Schade ums Geld. Hoffentlich werden die nächsten Bücher von Jo Nesbo wieder besser, in gewohnter Qualität.
Oldman zu »Jo Nesbø: Macbeth« 17.10.2018
Bin ein großer Nesbo-Fan, und ich mag auch hard-boiled-Krimis. Daher habe ich die Lektüre dieses Buches mit großer Euphorie begonnen. Die ersten ca. 30 Seiten waren noch gut, dann ging es rapide bergab. Die dem Shakespearischen nachempfunden Story scheint der Autor als unliebsame Auftragarbeit heruntergeschrieben zu haben. Sie spielt in Schottland 1970, was nur auf einer einzigen Seite als Zeitangabe zu erkennen ist. Es regnet eigentlich ständig, gemeuchelt wird immer und zwar in einer Art und Weise, wie sie nur in schlechten Romanen erzählt werden kann. Die handelnden Figuren sind so holzschnittartig angelegt, daß man gar nicht glauben kann, daß der Autor der wunderbaren Harry Hole Stories sie aus der Feder gelassen hat. Meine Erwartungen wurden total enttäuscht,andere Leser werden die z.T. sicher anders empfinden, ich kann die Hole-Fans aber nur warnen, mit diesem Buch hat Nesbo sich keinen Gefallen getan.
Tomskybeat zu »Jo Nesbø: Macbeth« 24.09.2018
Wer weder bezüglich Macbeth noch Shakespeare besonders belesen ist wie ich, könnte sich ab dem Plot nerven. Ich oute mich hiermit als begeisterter Leser der Buchreihe mit Harry Hole. Macbeth konnte ich nicht zu Ende lesen, weil mir die Dramaturgie sowas von überspitz vorkam: eine Ex-Junkie, der bei der Polizei Karriere macht, als Leiter eines SWAT-Teams motiviert durch seine Liebschaft zu einer Leiterin eines Spielcasinos seinen höchsten Vorgesetzten umbringt, dessen Vize durch seinen Ziehvater und ebenfalls Polizist auf die Seite schaffen lässt, um wiederum diesen Ziehvater und dessen Sohn, der auch noch Polizist ist, durch einen Chief einer Motorradgang aus dem Weg zu räumen lassen, was alles einem Drogenhändler in die Karten spielt und ihn, den Ex-Junkie, wieder zu Drogen greifen lässt . also bitte!
Vermutlich wird alles dem Macbeth von Shakespear gerecht, aber mir als Leser zu weit hergeholt.
StephanieP zu »Jo Nesbø: Macbeth« 05.09.2018
Macbeth ist Polizist in einer amerikanischen Stadt, in welcher Drogenhandel, Bandenkriminalität, Korruption und Gewaltverbrechen an der Tagesordnung stehen. Auch Macbeth ist drogenabhängig und schafft es dennoch die höchste Position im Polizeiapparat zu erhalten. Doch dieser Aufstieg reichen dem Polizisten und seiner Geliebten nicht. Sie streben immer nach mehr Macht und schrecken dabei vor nichts zurück. Macbeth entwickelt sich zu einem Tyrannen, dem jedes Mittel recht ist um sein Ziel zu erreichen.

Jo Nesbos Schreibstil ist extrem fesselnd und mitreißend. Mich konnte das Buch von der ersten bis zur letzten Seite in seinen Bann ziehen. Ich muss aber sagen, dass sich der Schreibstil in „Macbeth“ etwas von den Büchern der Harry Hole Reihe unterscheidet, was allerdings der Spannung keinen Abbruch tut. Im Buch finden sich immer wieder ausführlichere Beschreibungen, die großes Kopfkino auslösen. Jo Nesbo kann mit der ersten Seite Spannung aufbauen und diese zunehmend steigern. Obwohl ich den Ausgang ahnte, konnte ich das Buch dennoch nicht weglegen und musste mir ganze Nächte um die Ohren schlagen (dies war bisher ausschließlich bei Jo Nesbo Büchern der Fall). Im Showdown wird die Spannung nochmals gesteigert, wodurch sie am Ende nervenzerreißend wird.

Die einzelnen Protagonisten sind authentisch und vielschichtig. Besonders gelungen finde ich, dass alle Charaktere sehr facettenreich beschrieben sind. Dadurch weist ausnahmslos jeder Protagonist gute und schlechte Seiten auf. Dies hat zur Folge, dass der Leser sein Bild zu den Charakteren immer wieder überdenken und ändern muss. Bei mir hat sich auch immer wieder die Sympathie in Antipathie und andersherum geändert, aber dennoch (oder gerade deswegen) zog mich das Buch so in seinen Bann und ich musste die gesamte Handlung über mit fiebern, obwohl der Ausgang schon vorhersehbar war (da ich die Vorlage von Shakespeare kenne).

„Macbeth“ erscheint im Rahmen einer Buchreihe, in welcher verschiedenste Autoren Werke von William Shakespeare neu verfassen. Wie der Titel bereits verrät hat sich Jo Nesbo an das Werk Macbeth gehalten und in seinem Thriller den Aufstieg und Fall deines Polizisten beschrieben. Ich bin ein riesengroßer Jo Nesbo Fan, allen voran seiner Harry Hole Reihe. Obwohl „Macbeth“ sich von dieser Reihe zum Teil deutlich unterscheidet, konnte es mich dennoch komplett mitreißen, fesseln und begeistern. Ich denke, dass Jo Nesbo Fans und Thrillerfans eine große Freude mit dem Buch haben. Ich hoffe auf weitere Bücher meines Lieblingsautors, da er mich erneut mehr als überzeugen konnte!

FAZIT:
Mit „Macbeth“ ist Jo Nesbo eine äußerst lesenswerte Adaption des Shakespeare Klassikers gelungen. Mich konnte der Thriller von der ersten bis zur letzten Seite in seinen Bann ziehen und ich konnte das Buch kaum zur Seite legen. Ich empfehle jedem dieses Buch zu lesen, da es für mich ein absolutes Lesehighlight war (wie bisher jedes Buch von Jo Nesbo). Meiner Meinung nach ist Jo Nesbo der beste Thrillerautor unserer Zeit, was er mit diesem Buch erneut beweisen konnte. Ich vergebe 5 Sterne!
elke17 zu »Jo Nesbø: Macbeth« 03.09.2018
Der neue Thriller des Norwegers Jo Nesbø ist Teil des Hogarth Shakespeare Projekts, einer Reihe, in der international bekannte Autoren die Werke des englischen Klassikers „entstauben“, auf das Wesentliche reduzieren und neu interpretieren. Nesbø hat sich für eine Neuerzählung von „Macbeth“ entschieden, der Tragödie aus dem Jahr 1606, die den Aufstieg und Fall des königlich-schottischen Heerführers beschreibt.

Er verlegt die Handlung in eine nasse, dreckige, heruntergewirtschaftete, dystopisch anmutende Industriestadt der siebziger Jahre, die geprägt ist von Drogenhandel, Gang-Kriminalität und Gewalt (vermutlich hatte er dabei Glasgow vor Augen, die damalige Verbrechenshauptstadt im Norden Großbritanniens). Gesetze sind dazu da, gebrochen zu werden, weil selbst die diejenigen, die für deren Einhaltung sorgen sollten, die Seiten gewechselt haben. Nicht so Inspector Macbeth, der als ehemaliger Drogenabhängiger weiß, welch verheerende Auswirkungen die Sucht haben kann. Anfangs noch seiner Mission verpflichtet, in der Unterwelt aufzuräumen und die Drogengangs zu zerschlagen, erwacht in ihm allmählich die Gier nach Macht und Einfluss, eine verheerende Kombination, die ihm von seiner Geliebten eingeflüstert wird. Um aber an die Spitze zu gelangen, muss er erst diejenigen verdrängen, die es sich dort oben gemütlich gemacht haben. Und dazu ist ihm jedes Mittel recht…

Nesbø und ein Shakespeare-Stoff, geht das? Ich hatte so meine Zweifel, wurde aber eines Besseren belehrt. Man sollte nur nicht den Fehler machen, den vorliegenden Thriller mit den Büchern der Harry Hole-Reihe zu vergleichen. „Macbeth“ ist wesentlich schwärzer, dreckiger, und auch in Sachen Brutalität legt er hier noch eine Schippe drauf – ganz so, wie wir es von klassischen Noir-Thrillern gewohnt sind. Dabei verliert er jedoch nie das Original aus den Augen. Und wer damit vertraut ist oder die Vorlage kennenlernen möchte, wird Shakespeare ganz bestimmt zukünftig aus einem anderen Blickwinkel betrachten – falls er/sie dazu durch Jo Nesbøs Neuinterpretation angeregt wurde.

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