Im Schatten der Mangroven von James Lee Burke

Buchvorstellung

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 1993 unter dem Titel In the Electric Mist with Confederate Dead, deutsche Ausgabe erstmals 1996 bei Goldmann.
Ort & Zeit der Handlung: USA / Louisiana, 1990 - 2009.
Folge 6 der Dave-Robicheaux-Serie.

  • New York: Hyperion, 1993 unter dem Titel In the Electric Mist with Confederate Dead. 344 Seiten.
  • München: Goldmann, 1996. Übersetzt von Oliver Huzly. ISBN: 3-442-42577-8. 414 Seiten.
  • Augsburg: Bechtermünz, 1999. Übersetzt von Oliver Huzly. ISBN: 3828902170. 414 Seiten.
  • Bielefeld: Pendragon, 2018. Übersetzt von Oliver Huzly. überarbeitete Neuausgabe. ISBN: 978-3865326027. 541 Seiten.

'Im Schatten der Mangroven' ist erschienen als HardcoverTaschenbuch

In Kürze:

In den Atchafalaya- Sümpfen ist ein Jahrzehnte altes Skelett aufgetaucht. Das jedenfalls behauptet der große Filmstar Elrod Sykes. Detective Dave Robicheaux schenkt der Geschichte zunächst keine Beachtung. Denn Sykes, der für seine Trunksucht bekannt ist, nimmt es möglicherweise mit der Wahrheit nicht so genau. Doch dann gerät Robicheaux ins Grübeln : Vor 35 Jahren nämlich war er in den Sümpfen zufälliger Zeuge eines kaltblütigen Mordes an einem Schwarzen. Der Mörder allerdings ist nie gefaßt worden, und auch die Leiche konnte nie gefunden werden. Robicheaux entschließt sich, den alten Fall noch einmal aufzurollen.Sehr bald zeigt sich, daß die Vergangenheit ein dunkles Geheimnis für ihn bereithält, und seine Spur führt ihn direkt zu einem alten Schulfreund …

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Stefan83 zu »James Lee Burke: Im Schatten der Mangroven« 27.07.2011
Es ist schon beinahe unheimlich, aber auch im sechsten Band der Reihe um den Vietnam-Veteran und Ex-Cop der Mordkommission von New Orleans, Dave Robicheaux, hält sein Schöpfer, der amerikanische Bestseller-Autor (in diesem Zusammenhang steht diese unsägliche Bezeichnung tatsächlich mal für Qualität) James Lee Burke, das bemerkenswerte Niveau der Vorgänger. Und es ist angesichts seiner konkurrenzlosen Klasse einmal mehr unverständlich, warum sich die deutschen Leser weiterhin mit antiquarischen Buchexemplaren rumschlagen müssen und kein Verlag hierzulande sein Programm mit Burkes Werken bereichert. Vielleicht liegt es daran, dass sie für das heutige Mainstream-Publikum einfach zu literarisch sind, denn der Schriftsteller aus dem heißen Süden der USA ist Autoren wie Richard Ford oder William Faulkner in seinem Stil zu Schreiben wesentlich näher als anderen Vertretern des Hardboiled-Genres. Eben diesen Stil haben viele zu kopieren versucht, wobei es in den meisten Fällen bei Versuchen geblieben ist. Burke bleibt, auch in Punkto Konstanz, eine (bisher) unerreichte Referenz, an der sich andere zu messen haben.

Kurz zur Geschichte: In den Atchafalaya-Sümpfen ist ein Jahrzehnte altes Skelett aufgetaucht. Das jedenfalls behauptet der große Filmstar Elrod Sykes, der eine Rolle in einem Bürgerkriegsepos verkörpert, welches in New Iberia gedreht werden soll. Detective Dave Robicheaux aus dem örtlichen Sheriff Department schenkt der Geschichte zunächst keinerlei Beachtung, zumal Sykes, der für seine Trunksucht bekannt ist, es mit der Wahrheit möglicherweise nicht so genau nimmt. Doch irgendwann gerät Robicheaux dann doch ins Grübeln: Vor 35 Jahren nämlich war er in den Sümpfen zufälliger Zeuge eines kaltblütigen Mordes an einem Schwarzen. Der Mörder allerdings ist nie gefasst worden, und auch die Leiche konnte nie gefunden werden. Robicheaux entschließt sich, den alten Fall noch einmal aufzurollen. Sehr bald zeigt sich, dass die Vergangenheit ein dunkles Geheimnis für ihn bereithält, und seine Spur führt ihn direkt zu dem Produzenten des Bürgerkrieg-Films - ein alter Schulfreund, der leider eng mit dem Mob aus New Orleans in Verbindung steht. Als dann auch noch die FBI-Agentin Rosie Gomez auf der Bildfläche auftaucht, die der Fährte eines lang gesuchten Frauenmörders folgt, wird aus den anfänglich ruhigen Nachforschungen ein brisantes Spiel um Leben und Tod ...

„Im Schatten der Mangroven“ führt uns erneut zurück in die feuchtschwülen Sümpfe Louisianas, wo die Wunden des Sezessionskriegs noch immer nässen und das Ende der Rassentrennung lediglich auf dem Papier seine Gültigkeit hat. Armut, Alkohol, Arbeits- und Perspektivlosigkeit sind der perfekte Nährboden für den stets unterschwellig vorhandenen Hass, der sich immer wieder in Gewalt entlädt und nur selten von der Justiz bestraft wird. In den hunderten von Kanälen, Tümpeln und Mangrovenwäldern geschehen Verbrechen in völliger Anonymität. Die Polizei, sofern nicht selbst geschmiert oder sogar mit beteiligt, steht zumeist auf verlorenem Posten. Es ist ein hoffnungsloses Szenario, das Burke hier schildert und welches den Leser hart in die Magengrube trifft. Nicht unbedingt wegen der Brutalität, die der Autor eher wohldosiert einsetzt, sondern aufgrund des engen Bezugs zur Realität. Burke hat es nicht nötig die hervorragend geplottete Handlung mit Superlativen aufzublähen oder Hollywood-reifen Wendungen zu versehen. Stattdessen zeigt er uns ein Spiegelbild der Wirklichkeit – mit all seinen Schatten und Abgründen.

Noch mehr als in den anderen Bänden besticht „Im Schatten der Mangroven“ durch einen melancholischen Ton, der direkt ans Herz geht und jedes Wort, jede Silbe, für den Leser wertvoll macht. Allerdings nur, wenn dieser diesen Wert zu schätzen weiß und nicht in der Hoffnung auf schnellen Thrill die Zeilen durcheilt. Burkes Werk widersetzt sich solchem Page-Turning, setzt eine gewisse Geduld und Einfühlsamkeit voraus. Wie schon im Vorgänger, so kommt auch „Im Schatten der Mangroven“ erzähltechnisch wieder nur langsam in Gang. Im Gegensatz zu „Weißes Leuchten“ erlaubt sich Burke diesmal jedoch keine ausschweifenden Passagen. Hier sitzt wieder jeder Satz am richtigen Platz, füllen lebensechte Figuren (Julie „Baby Feet“ Balboni ist ein echtes Highlight) einen rückständigen Süden, dem man schon nach wenigen Seiten zu fühlen und zu schmecken meint.

Getragen wird das Ganze erneut von Dave Robicheaux, der den Typus „Einsamer Wolf“ wie kein Zweiter verkörpert und in seinem Revier keinen Ärger duldet, obwohl ihn dieser immer wieder zu suchen scheint. Wo andere Autoren allerdings hier immer wieder das Schema F bemühen, glänzt Burke mit unwiderstehlicher Vielseitigkeit. Robicheaux ist glaubhaft bis ins noch so kleinste Detail. Das liegt wohl nicht zuletzt daran, dass eine große Portion Burke in der Figur steckt. Von der Alkoholkrankheit bis hin zum Namen der Tochter (Alafair) – viel aus der Biographie des Autors hat den Weg in die Welt von Robicheaux gefunden. Letzterer ist weit entfernt vom üblichen coolen Held des Hardboiled-Genres. Auch wenn die Frauen zweifellos auf ihn fliegen, gilt seine Treue seiner schwerkranken Frau. Selbst der verbitterte Zynismus ist nur eine nach außen gekehrte Maske, unter der sich ein gerechtigkeitsliebender Idealist verbirgt, der die Hoffnung auf Besserung noch nicht aufgegeben hat. Umso berührender das Ende dieses Romans, das äußerst düster geraten ist und mir den Atem hat stocken lassen.

Überhaupt war „Im Schatten der Mangroven“ wieder eins dieser Bücher, das lange nachgewirkt hat. Manche Bilder wurde ich während und nach der Lektüre nicht mehr los. Zwischenzeitlich musste ich gar eine Pause machen, um das Ganze sacken zu lassen. Das es James Lee Burke trotz all der erzählerischen Tiefe und dem kritischen Unterton dann aber immer noch schafft, die Handlung spannungstechnisch bis zum Finale in die Höhe kreisen zu lassen, macht für mich die Besonderheit dieses Autors aus. Da verzeihe ich ihm sogar die Abwesenheit von Cletus Purcel oder seine Ausflüge in die Traumwelt, die mich ein wenig an John Connolly erinnert haben und innerhalb der Geschichte, trotz logischer Erklärung, irgendwie fehlt am Platz wirkten.

Insgesamt ist „Im Schatten der Mangroven“ wieder ein großartiger Wurf, mit dem James Lee Burke seinen Status als mein Lieblingsautor in diesem Genre zementiert und der allen Freunden härterer und doch realistischer Kriminalromane nur wärmstens empfohlen werden kann. Schade, dass die durchaus gut besetzte Verfilmung (u.a. Tommy Lee Jones als Dave Robicheaux) das Niveau der literarischen Vorlage nicht ganz erreicht. Ein buchgetreuere Umsetzung hätte vielleicht zu mehr Erfolg und damit zu wieder lieferbaren Burkes im deutschsprachigen Raum geführt.
3 von 4 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Frank zu »James Lee Burke: Im Schatten der Mangroven« 23.08.2009
"Im Schatten der Mangroven" beobachtete der heutige Detective Dave Robicheaux als 19 jähriger den Lynchmord an einem Farbigen.
Nun, viele Jahre später, taucht die Leiche wieder auf. Gleichzeitig geschehen äusserst brutale Mädchenmorde in der Stadt - während eine bekannte Unterweltgröße mitsamt einer renommierten Filmcrew in den Mangroven einen Film über den Bürgerkrieg dreht.
Dave macht sich daran die Fälle aufzuklären und tritt dabei einigen der "Mächtigen" gehörig auf die Füsse.
Über Burke`s Stil kann man schwerlich geteilter Meinung sein - seine Schilderung der Südstaaten und seiner Bewohner ist schlicht grandios.
Die schwüle Atmosphäre wird hervorragend eingefangen, die Personen authentisch gezeichnet. Dabei ergibt sich letztendlich mehr als "nur" ein krimi - es entsteht vielmehr ein farbenfrohes Panoptikum des amerikanischen Südens.
Da ich andere Fälle Robicheauxs persönlich spannender fand, gebe ich nur "85" Grad.
Luca zu »James Lee Burke: Im Schatten der Mangroven« 20.01.2008
Ein gutes Buch von james Lee Burke,aber nicht sein bestes.
Irgendwie fehlte mir das gewisse ertwas,was die Robicheaux Romane normalerweiße so unvergleichlich machen.
Und auch das Clete Purcle nicht im Buch auftauchte fand ich schade.

90%
2 von 3 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Karin zu »James Lee Burke: Im Schatten der Mangroven« 02.07.2005
Hallo,
ich bin ein großer Fan der Bücher von James Lee Burke, habe inzwischen alle gelesen und als Audiobook`s gehört, allerdings im Original. Schade, das er zumindestens in den Buchläden in unserer Gegend weiterhin ein Unbekannter ist. Nicht nur, das in den meisten Läden kein Buch von ihm zu finden ist, auch viele der Verkäufer kennen seinen Namen nicht einmal.
Wie gesagt, ich habe allle 0 Bücher, auch die nic ht-Krimi`s gelesen, habe sie als ungekürzte Audiobooks gehört und kann es kaum erwarten bis der neue Dave Robicheaux jetzt im Juli herauskommt:
meine Einschätzung ist: die Bücher sind eigentlich so viel mehr als lediglich Krimi`s. Die Beschreibungen der Bayou`s sind wie ein Reise dorthin, die Personen voller Leben, sowohl die positiven als auch die negativen Helden sind glaubhaft gezeichnet, mit rechlich "Grauzonen". Mr. Burke schreibt über die Dinge die er kennt, sowohl New Iberia in Louisiana wo die Dave Robicheaux Romane spielen, als auch Missoula, Montana, wo die Billy Bob Romane spielen sind die Orte in denen er aufgewachsen (New Iberia) ist bzw. heute noch lebt (Sowohl New Iberia als auch Missoula). Die
Robicheauxs Adoptivtochter Alafair ist nach dem Vorbild seiner jüngsten Tochter (die ebenfalls bereits 3 fantastische Krimis auf dem Markt hat)`gezeichnet (wurde allerdings nicht aus dem Wasser gezogen), und das er das Forellen- und Fliegenfischen liebt kann man aus seinen Büchern ebenfalls deutlich erkennen.
Wichtig finde ich seine liberalen und sehr humanistischen Ansichten, die man in allen seinen Büchern spürt. Man spürt immer wieder, das ewr in der zeit der Depression geboren wurde. Er sieht die USA und seine Regierung sehr kritisch, insbesondere die starke Umweltverschmutzung in Louisiana oder die gierigen Ölmultis die die letzten ursprünglichen Landschaften diese Landes für Profit zerstören wollen (siehe IN THE MOON OF RED PONIES). Dqas hindert ihn jedoch nicht daran, sein Land und die Menschen darin zu lieben.
Sehr zu empfehlen ist auch sein Roman über die Bürgerkriegszeit WHITE DOVES AT MORNING, der Hauptheld ist hier Willie Burke, einer der Vorfahren Burkes, aber auch THE LOST GET BACK BOOGIE, das über 10 Jahre mehr als 110 mal abgelehnt wurde und nachdem es über die Louisiana State University endlich veröffentlicht wurde, sogar für den Pulitzer-Preis nominiert wurde.
Für mich stehen die Romane James Lee Burkes in einer Tradition mit William Faulkner und John Steinbeck und sind wirklich große Literatur. Hoffentlich werden uns die anderen Romane nicht weiter vorenthalten
3 von 3 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
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