Der Tod bohrt nach von Isabella Archan

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2018 bei Emons.
Ort & Zeit der Handlung: , 2010 - heute.
Folge 3 der Dr.-Leocardia-Kardiff-Serie.

  • Köln: Emons, 2018. ISBN: 978-3740803124. 352 Seiten.

'Der Tod bohrt nach' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

Während Dr. Leocardia Kardiffs zahnärztlichem Nacht-Notdienst taucht ein seltsamer Patient auf, der etwas von Mord stammelt. Welche Wahl bleibt Leo da? Keine. Sie fühlt dem Bösen auf den Zahn und kommt einer Entführung auf die Spur und auch eine Leiche lässt nicht lange auf sich warten. Hauptkommissar Zimmer und sein Team ermitteln, doch auch Leo setzt den Bohrer an.

Das meint Krimi-Couch.de: Wiederbohren macht Freude 76°

Krimi-Rezension von Jochen König

Zum dritten Mal stolpert Zahnärztin Dr. Leocardia Cardiff über ein Verbrechen. Beziehungsweise kommt es diesmal zu ihr getaumelt. In Gestalt Dietrich Möwes, der nach dem Kampf mit einem Nussplätzchen dringend eine größere Zahnreparatur braucht. Doch statt sich behandeln zu lassen, radebrecht der augenscheinlich verwirrte Mann von Mord und Totschlag und verschwindet wegen einer ominösen Rettungsmission aus der Praxis, bevor Dr. Cardiff ihn behandeln kann. Ihre Neugier ist dank dieser seltsamen Aktion geweckt. Vorgeblich im Interesse des Patienten sucht Leocardia nach Möwe, doch mehr interessieren sie mögliche Hinweise, die auf ein reales Verbrechen hinweisen.

Einmischung verboten – nicht mit Dr. Cardiff

Gleichzeitig ist ihr Freund Kommissar Jakob Zimmer wegen eines Vermisstenfalls aktiv. Die verschwundene Studentin Annika hat für einen Escort-Service gearbeitet und ist die Nachbarin eines gewissen Dietrich Möwe. Niemand wird verwundern, dass die Fälle zusammengehören. Leocardia Cardiff ermittelt trotz scharfer Ansagen ihres Freundes auf eigenwillige Art und stellenweise undercover weiter. Bald taucht die erste Leiche auf und der Fall gewinnt weit größere Dimensionen als die Geschichte eines mental derangierten Stalkers und seines Subjekts der Begierde.

Killer, Komik, Karies – ohne billiges Amalgam

Isabella Archan hält auch mit ihrem aktuellen Roman um die (fast) unfreiwillige Detektivin Dr. Leocardia Cardiff die Waage zwischen Spaß und Spannung. Die Autorin opfert die ernsthaften Aspekte der Story nicht für halbgare Pointen, lässt dafür in den entsprechenden Handlungssträngen ihrem Faible für Screwball-Comedy, Slapstick und Verwechslungskomödie freien Lauf. Exemplarisch in einer exponiert inszenierten Party, die Cardiff als Schauspielerin in der Rolle einer Escort-Lady zeigt, die gleichzeitig zu ermitteln versucht, nicht enttarnt werden möchte und zusätzlich ihrem Freund und seinen Kollegen, die auf der gleichen Feier auftauchen, aus dem Weg gehen muss. Kein einfaches Unterfangen, das Archan nicht nur logistisch kompetent händelt.

Von falschen Poirots und einer Ärztin mit umfassendem Begleitservice

Nur selten laufen Spaß und Dramatik etwas zu autark nebeneinander her, und der Nebenstrang um Leocardias »frauenlosen« Vater, der in ihr Leben einfällt und es okkupiert, bremst die Handlung mitunter ein wenig aus. Obwohl dieser Part für sich stehend durchaus unterhaltsam ist und im weiteren Verlauf auch handlungsstützend an Bedeutung gewinnt.

Insgesamt funktioniert der altbewährte Topos der Hobbydetektivin, die gemeinsam mit und manchmal auch gegenläufig zu einem vertrauten Profi (in diesem Fall Leocardias Lebenspartner Jakob und seine Polizeitruppe) Verbrechern auf der Spur ist, ausgesprochen gut. Die Charaktere sind klar konturiert, Archan nimmt sie spürbar ernst, ihre Marotten bleiben im klamaukfreien Raum So spielt die (sich verbessernde) Spritzenphobie der Dr. Cardiff nur noch eine marginale Rolle.

Freiheitsberaubung, Psychosen und Mord verkommen nicht zu launiger Freizeitbeschäftigung, es schwebt immer ein Hauch Düsternis und Traurigkeit über den entsprechenden Passagen. Die Komik ergibt sich aus den absurden Momenten der Handlung oder popkulturellen Anspielungen. Am offensichtlichsten in der Zeichnung des Begleitservice-Chefs als Fake-Hercule Poirot.

Erstbehandlung und zwei Folgeverordnungen – weiter außerhalb des Regelfalles?

So ist »Der Tod bohrt nach« der überzeugende Abschluss der Leocardia Cardiff-Trilogie, die bis zum bittersüßen Finale auf legere, unaufgeregte und spannende Weise unterhält. Die Frage, ob sich das Konzept weiterhin tragen wird, stellt sich allerdings. Denn wie oft kann man als Zahnärztin unversehens mit schweren Straftaten konfrontiert werden? Könnte allerdings funktionieren, wenn man mit einem hauptamtlichen Kommissar zusammenlebt. Insofern: »Eine perfekte Idylle bahnt sich an«.

Jochen König, Dezember 2018

Ihre Meinung zu »Isabella Archan: Der Tod bohrt nach«

In Kürze ist es soweit und die Krimi-Couch erstrahlt im neuen "Couch-Look". Aus technischen Gründen müssen wir die Kommentar- und Wertungsfunktion vorübergehend deaktivieren. Vielen Dank für Euer Verständnis.

dorli zu »Isabella Archan: Der Tod bohrt nach« 10.10.2018
Dr. Leocardia Kardiff wird wieder einmal von ihrer grenzenlosen Neugierde gepackt. Dass Notfallpatient Dietrich Möwe etwas von „um Leben und Tod“, „Gift“ und „seine liebste Annika erretten“ murmelt und ihre Praxis ohne Behandlung mit dem Versprechen, zur nächsten regulären Sprechstunde wiederzukommen, fluchtartig verlässt, macht Leo zunächst nur stutzig. Als Möwe jedoch nicht wie versprochen erscheint und sie zudem erfährt, dass eine Studentin namens Annika mit gleicher Wohnanschrift wie Möwe vermisst wird, erwacht der Spürsinn der Hobbydetektivin…

„Der Tod bohrt nach“ ist bereits der dritte Fall für die 45-jährige Zahnärztin aus Köln, der Krimi ist aber auch ohne Kenntnis der vorherigen Bände bestens verständlich.

Isabella Archan hat einen sehr unterhaltsamen Schreibstil, der den Leser schnell in das Geschehen hineinzieht. Die Autorin erzählt den Krimi nicht nur aus Sicht von Hobbydetektivin Leo, sondern präsentiert das Geschehen aus unterschiedlichen Perspektiven, so dass man auch einen guten Einblick in die Ansichten und Beweggründe der weiteren Akteure erhält. Dazu gehört neben dem offiziellen Ermittler – Hauptkommissar Jakob Zimmer, Leos Liebster und natürlich ganz und gar nicht begeistert von ihrer Schnüffelei und ihren spontanen Alleingängen – zum Beispiel auch der Mörder.

Besonders gut gefallen hat mir, dass die Autorin für Leos Part die Ich-Perspektive gewählt hat und Leo selbst von ihren Erlebnissen erzählen lässt, da man so alles, was die Zahnärztin beschäftigt und was ihr während ihrer Ermittlungen widerfährt, sehr intensiv miterlebt.

Nicht nur die Ermittlungen wirbeln Leos Alltag durcheinander, auch ihr Familienleben ist überaus turbulent – dafür sorgt neben ihren pubertierenden Zwillingstöchtern ganz besonders Leos Vater, der völlig überraschend bei ihr einzieht und sich zudem berufen fühlt, sich als ehemaliger Inhaber der Praxis in Leos Behandlungsmethoden einzumischen.

Amüsiert habe ich mich auch über Britti Poster, geschwätzige Zahnarzthelferin und äußerst unterhaltsame Nebendarstellerin. Britti hat einen vermeintlichen Bösewicht im Visier und macht sich gemeinsam mit Leos Vater daran, ihren eigenen Fall zu lösen.

Das Lesen und Mitermitteln hat großen Spaß gemacht - „Der Tod bohrt nach“ ist ein humorvoller Krimi, der von der ersten bis zur letzten Seite kurzweilige, spannende Unterhaltung bietet.
Roland's Bücherblog zu »Isabella Archan: Der Tod bohrt nach« 04.07.2018
"Der Tod bohrt nach" ist der dritte Fall der Dr. Leo-Reihe von Isabella Archan. Die Zahnärztin, die privat mit der Hauptkommissar Zimmer liiert ist, erhält diesmal während ihres Notdienst Besuch von einem verwirrten Patienten. Ständig faselt er während er auf dem Behandlungsstuhl sitzt etwas von Rettung und einer gewissen Annika. Und dann verlässt er plötzlich fluchtartig wieder die Praxis, bevor sie ihn behandeln kann, aber mit dem Versprechen zum Wochenbeginn wiederzukommen. Als dies nicht der Fall ist, beginnt die "Freizeit Miss Marple" stutzig zu werden und beginnt erneut zu kriminalisieren, obwohl sie eigentlich Jakob Zimmer hoch und heilig versprochen hat, dies zukünftig der Polizei zu überlassen. Ein wenig ist man als Leser schon an Agatha Christie's Kultfiguren erinnert, denn auch ein verkappter Hercule Poirot taucht als Inhaber eines Begleitservice in der Geschichte auf. So gestaltet die Autorin nicht nur einen Kriminalfall, sondern durch die Handlungen der Protagonisten entstehen auch immer wieder heitere Situationen, die den Leser schmunzeln lassen. Die Spannung bleibt aber dabei immer erhalten und steigert sich bis zum finalen Showdown. Obwohl ich die beiden Vorgängerbände noch nicht gelesen habe, fand ich mich schnell in der Geschichte zurecht und konnte die Figuren gut zuordnen. Für mich ein unterhaltsamer Krimi mit einer witzigen Hobbyermittlerin.

Seiten-Funktionen: