Der Preis des Todes von Horst Eckert

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2018 bei Rowohlt.
Ort & Zeit der Handlung: , 2010 - heute.

  • Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, 2018. ISBN: 978-3805200127. 416 Seiten.

'Der Preis des Todes' ist erschienen als Hardcover E-Book

In Kürze:

Als Christian Wagner erhängt in seiner Berliner Wohnung aufgefunden wird, glaubt Sarah Wolf nicht an Selbstmord. Die Moderatorin einer politischen TV-Talkshow hatte seit ein paar Wochen eine Beziehung mit dem Bundestagsabgeordneten, der gerade von einem Boulevardblatt als Lobbyist des Krankenhausbetreibers Samax AG hingestellt wurde – eine Katastrophe für Christians Karriere, aber kein Grund für einen Suizid. Bei ihren Nachforschungen stößt sie in seinen Unterlagen auf einen Bericht über ein Flüchtlingslager in Kenia. Und muss sich fragen, wie gut sie den Mann kannte, den sie zu lieben glaubte. Unterdessen wird an einem See bei Düsseldorf eine Frauenleiche entdeckt. Kommissar Paul Sellin findet heraus, dass Johanna Kling kurz vor ihrem Tod mit Christian Wagner in Kontakt stand. Was hatte die 28-jährige Menschenrechtsaktivistin mit dem Politiker aus Berlin zu schaffen? Sellin muss den Mord aufklären, koste es, was es wolle. Denn er ist schwer krank, und dieser Fall könnte sein letzter sein.

Das meint Krimi-Couch.de: Tödliche Intrigen im Polit- und Medienzirkus 90°Treffer

Krimi-Rezension von Andreas Kurth

Eine Karriere im Medien-Zirkus ist auf höherer Ebene ein äußerst schmaler Grad. Das merkt auch Sarah Wolf, Produzentin und Moderatorin einer eigenen Polit-Talkshow. Ihre Arbeit wird nicht einfacher durch ihre Beziehung zu Christian Wagner, für die SPD parlamentarischer Staatssekretär im Gesundheitsministerium. Ihm wird aktuell Lobbyismus für den Krankenhauskonzern Samax AG vorgeworfen, dabei ist er nur ehrenamtlich für eine Stiftung des Konzerns tätig.

Am Unterbacher See in Düsseldorf wird die Leiche einer jungen Frau gefunden. Der sterbenskranke Kommissar Paul Sellin, der Vater von Sarah Wolf, findet heraus, dass die Tote Kontakt zu Christian Wagner hatte. Als der Staatssekretär tot in seiner Wohnung gefunden wird, sieht es nach Suizid aus. Aber weder Sarah noch ihr Vater glauben daran, und beide ermitteln zunächst unabhängig voneinander. Eine Spur führt in ein Flüchtlingslager in Kenia – und Sarah muss sich bald fragen, ob sie Christian wirklich kannte.

Die Geschichte ist mal wieder ziemlich dicht an der Realität

Horst Eckert gehört für mich ohne Zweifel zu den besten Autoren von Polit-Thrillern in Deutschland. Nach den drei Bänden seiner Reihe um Vincent Che Veih hat er nun wieder einen Einzelband vorgelegt, der es wahrlich in sich hat. Eckert erzählt einmal mehr eine verständliche und klare Geschichte, und wie so oft bei seinen Büchern denkt man als Leser: Verdammt, das ist mal wieder ziemlich dicht an der Realität.

Bei Polit-Thrillern wird ja stets darüber diskutiert, wie groß der Realitätsgehalt denn wohl sein könnte.

Horst Eckert ist Journalist und Politikwissenschaftler, schon deshalb schätze ich als Kollege seine Bücher außerordentlich. Er zeigt aber auch immer wieder, dass er sein Handwerk ausgezeichnet beherrscht. Akribische Recherche, gepaart mit großer Leidenschaft für das Erzählen einer spannenden Geschichte, führt zu gleichbleibend tollen Resultaten. So wird beispielsweise das Flüchtlingslager Dadaab überaus realistisch beschrieben. Und auch die kriminellen Vorgänge in der afrikanischen Einöde werden so geschildert, dass man als Leser gleich die entsprechenden Bilder im Kopf hat.

Unterschwellige Kritik an der Quoten-Orientierung im TV

Der Roman hat nichts mit der Veih-Reihe zu tun, aber Horst Eckert lässt dennoch ein paar bekannte Figuren aufmarschieren. Die Amtshilfe in Düsseldorf übernimmt Anna Winkler, und der Autor hat auch einen Verweis auf sein jüngstes Buch davor eingebaut – überaus geschickt, wie immer.

Vor allem aber gibt es hier eine neue Protagonistin. Sarah Wolf muss sich im Haifischbecken der Medienwelt nicht nur behaupten, sondern auch noch ständig innovativ sein. Eckert lässt unterschwellig einiges an Kritik an der Quoten-Orientierung der Programmverantwortlichen beim öffentlich-rechtlichen Fernsehen einfließen. Und die Frage, ob man sich den Regierenden an den Hals werfen, oder doch kritisch mit ihnen umgehen kann, wird hier gut thematisiert – ohne am Ende beantwortet zu werden.

Über die harten Bandagen in der Medienwelt kann ja jeder genug nachlesen, hier dürfte der Autor so dicht an der Realität liegen wie nur möglich. Dennoch hat er Sarah Wolf als sympathische Person gezeichnet, die immer noch versucht, ihr eigenes Profil zu bewahren – so schwierig das auch sein mag. Die menschlich tragische Nebengeschichte mit ihrem todkranken Vater ist geschickt eingebaut und überaus lesenswert.

Kriminelle Egoismen verursachen Gänsehaut

Horst Eckert sorgt mit geschickten Szenenwechseln für ständig steigende Spannung. Als Leser will man nicht nur wissen, wie die Rätsel aufgelöst werden, sondern ist auch am persönlichen und beruflichen Schicksal von Sarah Wolf interessiert. Sie hat einen Kreis weitgehend loyaler Mitarbeiter, findet Verbündete im Umfeld von Christian Wagner – muss aber auch gehen etliche Widerstände ankämpfen.

Richtig klasse ist die Recherchereise nach Kenia, für mich wird da realitätsnah gezeigt, unter welch unglaublich schwierigen Bedingungen europäische Journalisten dort arbeiten müssen, wenn sie wirklich hinter die Kulissen blicken wollen. Wie am Ende Krankenhaus-Konzern, Politik und beteiligte Mediziner miteinander verwoben sind, ist mehr als spannend geschildert. Näher will ich auf die Inhalte nicht eingehen, denn die Hintergründe der ganze Affäre muss sich der Leser selbst erschließen, sonst geht die Spannung verloren.

Wer das Buch überkritisch lesen will, mag einwenden, das ihn oder sie die Auflösung am Ende nicht wirklich überrascht hat. Mag sein. Wenn man schon Krimis in vierstelliger Zahl gelesen hat, kennt man vielleicht schon alles oder vieles. Ich hoffe aber, es gibt genug Leser, die noch nicht abgestumpft sind und immer noch Gänsehaut bekommen und den Kopf schütteln, angesichts der kriminellen Energie und der Egoismen, die hier so spannend geschildert werden. Die von Horst Eckert so spannend erzählte Geschichte ist erschreckend realitätsnah – und schon deshalb überaus lesenswert.

Andreas Kurth, Juni 2018

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PMelittaM zu »Horst Eckert: Der Preis des Todes« 24.03.2018
Sarah Wolf, Moderatorin einer beliebten Talkshow, hat ein heimliches Verhältnis mit dem Staatssekretär Christian Wagner. Als dem Lobbyismus vorgeworfen wird und er kurz darauf erhängt aufgefunden wird, kann Sarah nicht anders, als seinen Tod aufklären zu wollen.Kriminalhauptkommissar Paul Sellin arbeitet in der Vermisstenabteilung. Als eine Frau, die vor Monaten vermisst gemeldet wurde, ermordet aufgefunden wird, hat er Schuldgefühle. Vielleicht hätte er ihr Verschwinden ernster nehmen sollen? Zumindest den Mord an ihr will er aufklären …Zwei Romane habe ich von Horst Eckert bereits gelesen, aus der Reihe mit Vincent Veih, die ich beide sehr gut fand. „Der Preis des Todes“ ist ein Stand-alone, aber auch hier wird Horst Eckert seinem Ruf als Politthriller-Autor gerecht. Die Themen sind aktuell, u. a. geht es hier um Lobbyismus, Flüchtlinge und politische Einflussnahme.Der Roman ist spannend mit Pageturnerqualität, auch durch die kurzen Kapitel, die regelrecht auffordern „nur noch eins“ zu lesen. Manche Elemente der Auflösung ergeben sich schon sehr früh, so dass sich das „Warum“ schnell abzeichnet und auch zum „Wer“ hat man zumindest zum Teil bald seine Vermutungen. Spannung bringt die Skrupellosigkeit der Täter ins Spiel und die Art, wie sie agieren. Sehr gut gefallen mir auch die Szenen rund um Sarahs Talkshow, die einen tiefen Einblick geben. Erschütternd sind die Szenen, die in einem, tatsächlich existierenden, Flüchtlingslager in Afrika spielen.Womit ich so meine Probleme habe, sind ein paar Klischees, die hier bemüht werden, manche passen in die Erzählung, wie etwa das Ende von Paul Sellins Erzählstrang, andere finde ich persönlich sinnlos und entbehrlich, wie etwa eine Sache aus Sarahs Erzählstrang, auf die ich leider aus Spoilergründen nicht näher eingehen möchte, hier ging es aber meiner Meinung nach schon sehr in Richtung Kitschroman.Ein weiterer Punkt, der mir nicht gefällt, sind die Charaktere, nicht nur, dass mir fast keiner wirklich sympathisch ist, sie sind mir auch zu oberflächlich gezeichnet. Dass mir vor allem die Protagonistin nicht, weder positiv noch negativ, nahe kommt, ist fatal, mit ihr bangen konnte ich nicht. Da sie jedoch von Personen umgeben ist, die mich gefühlsmäßig mehr gepackt haben, wie etwa Kameramann Nils, empfand ich den Roman dennoch als spannend. Paul Sellin dagegen konnte mich emotional mehr berühren, auch wegen seines persönlichen Hintergrundes.Schade, dass der Autor auch hier wieder auf ein Nachwort verzichtet, in meinen Augen würde der Roman dadurch aufgewertet.Der Roman ist aktuell und spannend, mir sind die Charaktere jedoch nicht tiefgehend genug ausgearbeitet und der Roman teilweise etwas klischeehaft. Wer Politthriller mag, kann zugreifen. 79°
Baerbel82 zu »Horst Eckert: Der Preis des Todes« 28.02.2018
Cui bono?

Um es gleich zu sagen, der neue Thriller von Horst Eckert, „Der Preis des Todes“, ist der Hammer. Es handelt sich um einen Stand-alone, der politische Machenschaften und Lobbyismus thematisiert. Zwei spannende Handlungsstränge gilt es zu verfolgen: Ein toter Staatssekretär in Berlin, eine tote Ange-stellte einer Hilfsorganisation in Düsseldorf. Wo ist die Verbindung?
Journalistin Sarah Wolf moderiert eine politische Talk-Show und war mit dem Bundestagsabgeordne-ten Christian Wagner liiert. Sarah glaubt nicht an Selbstmord. Sie macht sich auf die Suche nach Ant-worten und begibt sich damit in große Gefahr. Währenddessen ermittelt Kommissar Paul Sellin in Düsseldorf im Fall Johanna Kling. Nach dem Besuch eines Flüchtlingslagers in Kenia war die Men-schenrechtsaktivistin spurlos verschwunden.
Horst Eckert ist ein genauer Beobachter und großartiger Erzähler. Mit „Der Preis des Todes“ ist ihm ein klug konstruierter Roman über ein kriminelles, blutiges und brutales Geschäft gelungen. Ein tödli-ches Netz aus Bestechung und Korruption, in das auch die Polizei verstrickt zu sein scheint. Unterlegt ist die Krimihandlung mit bestens recherchierten Einblicken in die Welt von Politik und Medien.
Die Figurenzeichnung ist glaubhaft und durchdacht. Sarah, eine Protagonistin mit Ecken und Kanten, die sich nicht verbiegen lassen will. Sellin, ein schwer kranker Kommissar, dem die Toten wichtiger zu sein scheinen als die Lebenden. Last but not least Christian. Er ist mächtig. Er ist kaltblütig. Er ist Lobbyist. Gut gefallen hat mir auch, dass es wieder einen Soundtrack zum Roman gibt.

Fazit: Spannend, erschreckend, real. Mein Thriller-Highlight des Jahres!
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