Insel 77 von Halvar Beck

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2018 bei Amazon Publishing - Edition M.

  • Seattle: Amazon Publishing - Edition M, 2018. ISBN: 978-1542048996. 272 Seiten.

'Insel 77' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

Kristin Jorgensen ist seit kurzem Ärztin auf der Bohrinsel 77 vor Norwegens Küste. Auch ihr Bruder Marius arbeitet hier als Bohrtechniker. Auf einem Rückflug nach Stavanger fehlt Marius. Er hätte diesen Flug niemals verpasst, steht doch der Geburtstag des kranken Vaters an. Wo steckt er? Kristin veranlasst eine Suche nach ihm, doch auf der Bohrinsel ist er nicht zu finden. Doch ohne den Helikopterflug hätte er sie auch nicht verlassen können. Mehr als beunruhigt beginnt Kristin zu recherchieren, und stößt auf weitere ungeklärte Vermisstenfälle im Zusammenhang mit Insel 77. Zurück im Dienst auf der durch einen Sturm völlig isolierten Bohrinsel beginnt für sie ein lebensgefährliches Katz- und Mausspiel, aus dem es kein Entkommen gibt.

Das meint Krimi-Couch.de: Nervenaufreibende Spannung mit kleinen Verschnaufpausen 90°Treffer

Krimi-Rezension von Carola Krauße

»Die Suche« und »Die Wahrheit«

Diese zwei Kapitel gliedern die Geschichte. In ihnen gibt es immer wieder Rückblenden, die dem Leser das gerade Geschehene plausibler machen. Dadurch wird von der ersten Seite an eine Spannung aufgebaut, die sich durch den gesamten Text zieht und nur durch wenige etwas langatmigere Passagen geringfügig abgebremst wird. Das schadet aber in keiner Weise der Dramatik. Im Gegenteil, diese Passagen geben dem Leser die Möglichkeit, den Blutdruck in den Griff zu bekommen und den Pulsschlag zu senken.

Halvar Beck nimmt uns mit in die von Männern dominierte, abgeschlossene Welt einer stählernen Bohrinsel, die durch einen Sturm noch kälter und abweisender erscheint. Nach kurzer Zeit wird auch klar, dass auf Insel 77 nicht nur Marius’ spurloses Verschwinden ein Problem ist, sondern viel mehr dahinter stecken muss. Durch den Sturm völlig isoliert muss Kristin allein zurecht kommen.

Doch nicht nur die Sorge um ihren Bruder lässt sie nicht zur Ruhe kommen. Auf ihrer kleinen Krankenstation mehren sich die Schwerverletzten, die zweifellos im Zusammenhang mit den mysteriösen Machenschaften auf Insel 77 stehen und denen sie nicht helfen kann. Das schlechte Wetter verhindert eine Versorgung mit den notwendigen Medikamenten. Und nicht nur das, auch Kristin selbst wird angegriffen und unter Druck gesetzt. Sie muss um ihr Leben fürchten.Die Suche wird immer gefährlicher. Wem kann sie trauen, wer ist der Feind? Und was ist die Wahrheit?

Dialoge, Setting und eine starke Protagonistin – alles passt

Mit gut gebauten Dialogen und gut in Szene gesetzten Settings fällt es dem Leser nicht schwer, Personen und Orte vor dem inneren Auge erscheinen zu lassen. Man kann förmlich das Öl riechen, den Seegang spüren und den abgestandenen Kaffee schmecken. Dazu kommt, dass Halvar Berg mit Kristin Jorgensen eine starke Protagonistin kreiert, die zwar weiß was sie will und sich in der Männerwelt einer Bohrinsel zu behaupten weiß, dies aber ohne große Klappe und kumpelhaftes Anbiedern tut.

Das macht sie extrem sympathisch und es fällt nicht schwer, einen Bezug zu ihr aufzubauen und sich mit ihr auf die nervenaufreibende und gefährliche Suche nach ihrem Bruder und den Geheimnissen der 77 zu begeben. Diese wiederum wird für Kristin immer wieder neue Überraschungen bereit halten, uns so findet sie am Ende nicht nur die Lösung der ganzen Geschichte, sondern auch die wahre Persönlichkeit ihres Bruders.

Der unter dem Pseudonym »Halvar Beck« schreibende deutsche Norwegenfan hat mit »Insel 77« einen würdigen Nachfolger für sein Erstlingswerk »Fjord« geschaffen. Dass es trotzdem keine 100-Grad-Bewertung gibt, liegt an den etwas konstruierten geheimen Geschäften auf der Bohrinsel 77. Selbst ein unerfahrener junger Kapitän sollte nicht so blind auf beiden Augen sein, diese nicht zu bemerken. Und ja, die Abgeschiedenheit weit draußen in der Nordsee isoliert eine Bohrinsel vom Rest der Welt, aber der Rest der Welt kann deshalb auch nicht so einfach zu ihr oder von ihr weg gelangen. Wenn man von diesen kleinen Ungereimtheiten einmal absieht, ist »Insel 77« genau das richtige Buch für Leser, die eine extrem mitreißende und aufregende Geschichte mögen, die von Ort, Spannung und Charakteren lebt und dadurch ohne viel Brutalität und Ströme von Blut auskommt.

Carola Krauße, März 2018

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Kai Bliesener zu »Halvar Beck: Insel 77« 31.03.2018
Dünnes Buch, starker Inhalt. Selbst der belangloseste Regionalkrimi kommt heutzutage kaum noch unter 500 Seiten daher. Schade, denn selten ist die aufgeblähte Seitenzahl auch die Würze der Texte. Oft wirkt dadurch alles versalzen und wird ab und zu sogar ungenießbar. Wie es anders geht, zeigt der österreichische Autor mit dem Pseudonym Halvar Beck eindrucksvoll. Er präsentiert mit INSEL 77 seinen zweiten Thriller und zeigt, wie man auch in einem dünnen Büchlein einen breiten Handlungsbogen spannen und blendend unterhalten kann. Seine teilweise knappe, aber präzise Sprache weiß auf den 270 Seiten spannend und blendend zu unterhalten. Die stets spannende Handlung entwickeln einen enormen Suchtfaktor und zieht einen in einen unaughaltsamen Sog. Dazu kommen eine sehr sympathische Protagonistin, angenehm kurze Kapitel mit guten Cliffhangern und Beschreibungen, die zwar auf das Wesentliche reduziert sind, aber nichts weglassen. Erzählt wird in Zeitsprüngen. Das kann verwirrend sein. Ist es hier aber nicht, sondern erhöht die Spannung. Beck erzählt filmreif von den kriminellen Machenschaften auf einer Bohrinsel vor der norwegischen Küste. Seine Liebe zu dem Land wird dabei deutlich spürbar, wenn auch eher in Form eines angenehmen Hintergrundrauschens, denn als penetrante Begleitmusik, wo Land, Landschaft und Kulinarik Handlung und Charakterzeichnung überlagern und der Krimi oft nur Beiwerk für einen getarnten Reiseführer zu sein scheint. Erwähnenswert: Dem Autor gelingt es seine Nervenzerrende Spannung ohne die heute üblichen Gewaltexzesse zu erzeugen. Die Heldin muss also zum Glück nicht durch ein Meer aus Blut waten. Hitchckock wäre stolz und würde den Stoff bestimmt verfilmen.

Fazit: Man kann das Buch kaum aus der Hand legen, will wissen, wie es weitergeht. Insgesamt erzeugt Beck ein wunderbares Kopfkino und gönnt dem offenen und interessierten Leser von Spannungsliteratur eine willkommene Abwechslung zu den gefühlten Abermillionen Regional- und Urlaubskrimis.
MissNorge zu »Halvar Beck: Insel 77« 21.03.2018
Ein Norwegen-Thriller der es wirklich in sich hat. Der Plot spielt zum größten Teil auf einer coolen und seltenen Location, nämlich auf einer Bohrinsel. Wie man sich vorstellen kann ist diese durch einen Sturm und meterhohe Wellen vollkommen von der Außenwelt abgeschnitten und es geschehen Dinge, die man dort nicht erleben möchte. Arbeiter verschwinden, es werden welche schwer verletzt und sterben. Die Bohrinsel-Ärztin Kristin begibt sich in Lebensgefahr, denn sie sucht ihren verschwunden Bruder und tritt dabei einigen Menschen auf den Schlips. Sie muss um ihr Leben fürchten. Spannend und ungewöhnlich, endlich mal ein Thriller der etwas anderen Art.
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