Engelskinder von Elly Griffiths

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2014 unter dem Titel The outcast dead, deutsche Ausgabe erstmals 2017 bei Rowohlt.
Folge 6 der Ruth-Galloway-Serie.

  • London: Quercus, 2014 unter dem Titel The outcast dead. 374 Seiten.
  • Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, 2017. Übersetzt von Tanja Handels. ISBN: 978-3805250962. 384 Seiten.

'Engelskinder' ist erschienen als Hardcover

In Kürze:

Dr. Ruth Galloway, forensische Archäologin der Uni North Norfolk, findet während einer Grabung mehrere Skelette Hingerichteter, darunter das von Jemima Green, die wegen ihrer ungewöhnlichen Armprothese auch als »Mother Hook« in die Geschichte eingegangen ist. Sie wurde Ende des 19. Jahrhunderts wegen fünffachem Kindsmordes gehängt. Zeitgleich muss sich DCI Nelson mit dem Tod eines kleinen Kindes befassen, angeblich der dritte plötzliche Kindstod in ein und derselben Familie. Als dann noch zwei Kinder entführt werden, vermuten Galloway und Nelson einen Zusammenhang.

Das meint Krimi-Couch.de: Mehr Familiengeschichte als Krimi 65°

Krimi-Rezension von Carola Krauße

Widersehen mit alten Bekannten

»Engelskinder« ist der sechste Band rund um die forensische Archäologin Ruth Galloway und DCI Nelson. Obwohl es nicht zwingend notwendig ist die vorhergehenden Bücher gelesen zu haben, ist ein Einstieg in die Geschichte leichter, wenn man von Anfang an am Leben und Morden in Norfolk teilgenommen hat. Die Konstellationen der einzelnen Handelnden sind für einen Neueinsteiger zwar herauszufinden, aber doch ziemlich ungewöhnlich. Für den Kenner der Reihe ist es ein Wiedersehen mit bekannten Protagonisten, die in allen sechs Bänden nicht wesentlich variieren.

Wunderbar schrullige Charaktere

Griffiths macht aus jeder Person einen Charakter. Der geltungssüchtige Fakultätsleiter, die alleinerziehende etwas übergewichtige Wissenschaftlerin Ruth, der typisch englisch Bulle Nelson und sein Team und vor allem Cathbad, der örtliche Druide. Alle sind einzigartig in ihrem Charakter – Persönlichkeiten, die einen hohen Wiedererkennungswert für den Leser haben. Dabei bedient sich die Autorin aber auch bei den üblichen Klischees.

Ruth ist eine eigenbrödlerische Einzelgängerin, wie es sich für eine Archäologin gehört, aber gleichzeitig auch alleinerziehende Mutter, der Tochter Kate über alles geht. Nelson, Kates Erzeuger, ist der überbesorgte Vater, der gerne mehr Einfluss und Zeit hätte, aber von seiner Ehefrau und von Ruth in dieser Beziehung an der kurzen Leine gehalten wird.

Das Team der Polizei hat die übereifrige karriere-versessene Polizistin, den trotteligen Vielfraß, den Neuen und natürlich die sympathische Unterschätzte. Und dann gibt es den Druiden Cathbad, esotherisch bis in die Haarspitzen, der gerne Feuer anzündet und einen sechsten Sinn besitzt. Trotz aller Klischees ist es eine Freude diese Personen während der Geschichte zu begleiten, sind sie doch so wunderbar schrullig.

Der Kriminalfall steht erst an zweiter Stelle

Leider verliert durch die im Vordergrund stehenden Beziehungen der Protagonisten der eigentliche Kriminalfall an Bedeutung. Wie in allen vorhergehenden fünf Büchern dieser Reihe wird eine archäologische Grabung als Aufhänger benutzt, die dann das geschichtliche Pendant zu einem Vorfall in der Gegenwart darstellt.

In Engelskinder ist es die Auffindung der sterblichen Überreste von Jemima Green, vermeintliche Kindsmörderin. Prompt bekommen DCI Nelson und sein Team es mit einem toten Kleinkind zu tun und im Folge der Ermittlungen auch mit zwei entführten Kindern. Die Aufklärung des vermuteten plötzlichen Kindstodes erfolgt dann ziemlich unspektakulär am Rande des eigentlichen Geschehens während Archäologin Ruth mal wieder die Frau der Tat ist und die Entführungsfälle löst. Hier wäre weniger Familiengeschichte mehr gewesen.

Auch historischer Fall wird gelöst

Übrig bleibt das Geschehen rund um Jemima Green, das Skelett der Grabung. Sehr informativ schildert Griffiths die Arbeit der Archäologen, erwähnt verschiedene Methoden der Altersbestimmung von organischen Funden und macht den Leser mit den Schwierigkeiten des Metiers bekannt. Zu denen gehört leider auch oft der Umgang mit den Medien, in diesem Fall dem Fernsehen.

Mit viel Witz werden die Dreharbeiten zu einer Dokumentation beschrieben, die dann auch unmittelbar mit den aktuellen Ereignissen zusammenhängt und natürlich, wie in jedem Band, Ruth einen Verehrer mehr bringt. Die viktorianische Parallelgeschichte von Mother Hook ist zuerst nur ein Nebenstrang im Plot, bevor er sich mit dem eigentlichen Kriminalfall vermischt. Aber es ist mindestens genauso spannend wie dieser und natürlich wird auch diese Geschichte gelöst.

Leichte Kost für laue Sommerabende

Wer Engelskinder als Lektüre wählt, sollte keinen intellektuellen, hoch komplizierten Kriminalroman erwarten. In leichtem, flüssigem Schreibstil oft mit Witz und Komik versetzt wird hier eine Geschichte von Personen erzählt, die alle irgendeine Beziehung zu einander haben, die Probleme bewältigen müssen und, die nebenbei noch eine kriminelle Tat aufklären.

Trotzdem oder vielleicht gerade deshalb ist das Buch lesenswert. Kein blutstrotzender Mord beschäftigt den Leser, sondern die Frage, wie es weitergeht mit Ruth, Nelson, Cuthbad und Judy. Das sie immer wieder in Mord und Totschlag verwickelt sein werden, macht das ganze nur noch spannender.

Carola Krauße, Juli 2018

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