Die Amerikanerin von Deon Meyer

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2017 unter dem Titel Vrou Met die Blou Mantel , deutsche Ausgabe erstmals 2018 bei Rütten & Loening.
Ort & Zeit der Handlung: , 2010 - heute.
Folge 5 der Benny-Griessel-Serie.

  • --: CPNB Collectieve, 2017 unter dem Titel Vrou Met die Blou Mantel . 224 Seiten.
  • Berlin: Rütten & Loening, 2018. Übersetzt von Stefanie Schäfer. ISBN: 978-3352009143. 224 Seiten.

'Die Amerikanerin' ist erschienen als Hardcover

In Kürze:

Auf der Mauer des Aussichtspunktes am Sir Lowrys Pass in der Nähe von Kapstadt wird frühmorgens die Leiche einer nackten weißen Frau entdeckt. Todesursache ist ein heftiger Schlag auf den Hinterkopf. Bennie Griessel muss übernehmen. Bald stellt sich heraus, dass die Tote Amerikanerin und Kunstexpertin war und auf der Suche nach dem kostbaren Gemälde eines Rembrandt-Schülers »Die Frau im blauen Umhang« , das offenbar nach Südafrika geschmuggelt worden ist.

Das meint Krimi-Couch.de: Kurzer Krimi-Snack für zwischendurch 80°

Krimi-Rezension von Jörg Kijanski

Denkt man an Krimis aus Südafrika, fällt – trotz zunehmend starker Konkurrenz – der Name Deon Meyer meist an erster Stelle. Aus den Buchläden kennt man seine auffällig »dicken« Schinken mit dem noch auffälligerem, riesengroß geschriebenen Namen des Autoren, so dass man mitunter den Titel des Romans suchen muss. Der augenscheinliche Umfang der Bücher resultiert jedoch oft aus dem verwendeten Papier, doch umso überraschender kommt sein sechster Band aus der Bennie-Griessel-Reihe daher.

Lediglich rund zweihundert, äußerst großzügig gedruckte Seiten bietet »Die Amerikanerin«. Warum der Band so »dünn« ausfiel, wird in der Nachbemerkung erläutert. Kurzum, es handelte sich ursprünglich um ein Geschenkbuch eines niederländischen Buchprojektes aus dem letzten Jahr, welches der Autor seinen weltweiten Fans nicht vorenthalten wollte. Schon klar!

»Und wer hat das Bild jetzt?«
»Gysbert van Reenen.«
»Haben Sie seine Adresse?«
»Ja, ich habe seine Adresse. Papenboom in Nuweland. Es gibt nur ein Problem: Sie kommen zwei Jahrhunderte zu spät.«

Am Sir Lowry’s Pass, einem beliebten Aussichtspunkt in den Hottentots Hollandbergen, wird die Leiche einer nackten Frau gefunden. Diese wurde erschlagen und anschließend mit Bleichmitteln bearbeitet, so dass es keine verwertbaren Spuren gibt. Sergeant Rando Duba von der Somerset-West SAPS tritt auf der Stelle und als sich herausstellt, dass die Ermordete eine in London lebende Amerikanerin namens Alicia Lewis ist, gibt sein General vier Tage nach dem Mord den Fall an die Valke, das Direktorat für Schwerverbrechen, ab.

Die Sergeants Bennie Griessel und Vaughn Cupido übernehmen und kommen dabei dem Rätsel eines geheimnisvollen Gemäldes auf die Spur. Lewis, eine weltweit führende Expertin, war einem Gemälde von Carel Fabritius (von ihm bekannt ist »Der Distelfink«, um den es hier aber nicht geht), einem Schüler Rembrandts, auf der Spur. Offensichtlich interessierten sich für das wertvolle Exponat aber auch andere Menschen …

Der sechste Fall für Bennie Griessel und Vaughn Cupido

Für das niederländische Buchprojekt, die »Spannende Boekeweek«, ist Rembrandt van Rijn natürlich ein ideales Thema und da Deon Meyer ein Südafrika-Spezialist ist, drängt sich die Suche nach einem Gemälde des berühmten Meisters in der Nähe von Kapstadt auf. Nicht nur Kunstliebhaber kommen hier auf ihre Kosten, sondern auch die Fans der Reihe um den eigenwilligen Bennie Griessel, dessen Privatleben aktuell besser kaum laufen könnte.

Seit inzwischen 147 Tagen ist er trocken und möchte seiner geliebten Alexa, ebenfalls trockene Alkoholikerin, einen Heiratsantrag machen. Sehr zur Irritation von Partner Cupido, denn ein ähnliches Szenario droht ihm womöglich selbst, zumindest fürchtet er entsprechende Begehrlichkeiten seiner Freundin Desiree.

»Wie ist das eigentlich, Benna?«
»Was?«
»Das Eheleben.«
»Ehrlich gesagt bin ich da kein Experte, Vaughn. Ich war doch erst einmal verheiratet und davon nur die ersten sieben Jahre nüchtern.«
»Aber wie war es denn so? In den nüchternen Jahren?«
»Es war schön. Es war …Mein Gott, Vaughn, ich habe geheiratet, da war ich vierundzwanzig, und in diesem Alter ist alles schön, man sieht das Unheil noch nicht kommen ...«

Der Plot ist als klassischer Kriminalroman aufgebaut, die Polizeiarbeit steht im Mittelpunkt und so gibt es einen kurzen Auftritt mit Griessels Zulu-Vorgesetzter Majorin Mbali Kaleni sowie der bekannten Spurensicherung namens Dick und Doof. Kapstadt beziehungsweise Südafrika und dessen beeindruckende Landschaften bleiben dieses Mal ein wenig außen vor, was dem Umfang des Romans geschuldet sein mag.

Immerhin bleibt der Spannungsbogen recht hoch und wartet mit einer nicht in Gänze zu erwartenden Auflösung auf. Zur Verkürzung der Wartezeit auf den nächsten »großen« Roman des Autors ist »Die Amerikanerin« ein empfehlenswert leckerer Krimi-Snack. Der »Delfter Donnerschlag« ist im Kaufpreis inbegriffen.

Jörg Kijanski, April 2018

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leseratte1310 zu »Deon Meyer: Die Amerikanerin« 21.03.2018
Während sich Bennie Griessel mit Heiratsplänen trägt, gibt es einen neuen Fall für ihn und seinen Kollegen Vaughn Cupido. Eine weiße nackte Frau wird in der Nähe von Kapstadt gefunden. Es stellt sich heraus, dass es sich um eine Amerikanerin, nämlich die renommierte Kunstexpertin Alicia Lewis handelt. Sie war auf der Suche nach einem kostbaren Gemälde eines Rembrandt-Schülers, das nach Südafrika geschmuggelt worden war. Der Täter wusste seine Spuren gut zu verwischen. Dieser brisante Fall soll von der Valke, einer Sondereinheit der südafrikanischen Polizei, zu der auch Bennie gehört, gelöst werden.
Als Fan von Bennie Griessel war ich überrascht, wie kurz dieser Krimi war, da ich von Deon Meyer eigentlich längere Werke gewöhnt bin. Wie immer bin ich vom Schreibstil des Autors sehr angetan.
Zwischendurch gibt es Rückblicke in die Vergangenheit nach Delft.
Was hat die tote Alicia Lewis bewegt, ihren Job hinzuwerfen, um sich auf die Fährte des sündhaft teuren Bildes zu setzen?
Inzwischen ist Bennie seit einigen Monaten trocken. Er würde Alexo so gerne einen Antrag machen, aber das Geld fehlt und er bekommt keinen Kredit bei der Bank. Bennie ist ein sehr fähiger Polizist, der beharrlich ermittelt und sich auch schon mal auf seine Intuition verlässt. Er ist halt ein Mensch mit Ecken und Kanten, mir aber sehr sympathisch.
Aber auch die anderen Protagonisten werden authentisch beschrieben, so dass man sie sich gut vorstellen kann.
Die Spuren führen in verschiedene Richtungen und so kommt es, dass einige als Täter in Frage kommen. Am Ende gibt es eine überraschende Lösung.
Trotz ungewohnter Kürze ein toller Thriller.
walli007 zu »Deon Meyer: Die Amerikanerin« 18.03.2018
Die gebleichte Leiche

Bennie Griessel will den großen Schritt wagen und seiner Freundin einen Heiratsantrag machen. Auf einen neuen Fall ist er eigentlich nicht scharf, lieber möchte er den Verlobungsring kaufen. Dann wird jedoch eine weibliche Leiche am Sir Lowry´s Pass gefunden. Der zunächst dafür eingeteilte Polizist vermag die Ermittlungen nicht so richtig voranzustreiben und schon sind die wichtigen ersten drei Tage vergangen. Griessel und sein Partner Cupido übernehmen die Untersuchung. Nach der Veröffentlichung eines Fotos macht die Identifikation der Toten große Fortschritte. Ein Hotelangestellter ist sich sicher, die Tote als Hotelgast erkannt zu haben.

Weshalb dieser sechste Fall mit dem südafrikanischen Ermittler Bennie Griessel etwas kurz geraten scheint, erklärt Deon Meyer selbst in einer Nachbemerkung. Obwohl der Roman schlüssig und logisch aufgebaut ist, hat man dennoch ein wenig das Gefühl, dass etwas fehlt. Aber dennoch verzeiht man die notwendigen Straffungen schnell. Neben einigen humorvollen Episoden in Bezug auf Bennies sportliche Fähigkeiten oder auch die Orte, an denen man am besten einen Ring erstehen kann, geht es hauptsächlich und konzentriert um den Fall. Nach der kaum noch erhofften Identifikation der Toten ergeben sich erstaunliche und unerwartete Ermittlungsansätze, die Bennie und Cupido geschickt einordnen.

Fast zwangsläufig muss es manchmal ein wenig schnell gehen, davon abgesehen überzeugt Bennie Griessel wie üblich. Deon Meyer hat mit ihm einfach eine stimmige Persönlichkeit geschaffen, die Höhe und Tiefen hat so wie im richtigen Leben. Man möchte ihm gönnen, dass die Hochphasen möglichst lange anhalten. Konsequent geht Griessel allen Hinweisen nach und sucht nach Täter und Motiv. Was sich dabei auftut ist überraschend und als Kniff zu dem oben gegebenen Hinweis zur Kürze dieses Romans wohl verständlich und gut nachvollziehbar. Aus in gewisser Weise einschränkenden Rahmenbedingungen lässt der Autor einen gleichzeitig einfachen aber auch interessanten Fall erstehen, der die Person des Bennie Griessel nochmal in einem neuen Licht zeigt und natürlich auch die Frage nach dem Täter sehr zufriedenstellend beantwortet.
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