Der Pate von Glasgow von Denzil Meyrick

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2014 unter dem Titel The last witness, deutsche Ausgabe erstmals 2018 bei HarperCollins.
Ort & Zeit der Handlung: , 2010 - heute.
Folge 2 der Jim-Daley-Serie.

  • Edinburgh: Polygon, 2014 unter dem Titel The last witness. 314 Seiten.
  • Hamburg: HarperCollins, 2018. Übersetzt von Peter Friedrich. ISBN: 978-3959671903. 368 Seiten.

'Der Pate von Glasgow' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

DCI Jim Daley und DS Brian Scott von der Mordkommission Glasgow sitzen in dem kleinen schottischen Ort Kinloch fest, seit sie von ihrem letzten Fall abkommandiert wurden. Doch vergessen hat man sie im Hauptquartier offenbar nicht sie bekommen das Video eines brutalen Mordes geschickt. Der Täter: James Machie, der Pate von Glasgow, von Daley und Scott persönlich hinter Gitter gebracht. Das Opfer: der damalige Kronzeuge. Aber es gibt noch einen zweiten Kronzeugen, Frank MacDougall, die ehemalige rechte Hand des Paten. Ihn sollen Daley und Scott nun beschützen. Nur wie beschützt man jemanden vor einem Geist? Denn der Pate wurde vor fünf Jahren ermordet.

Das meint Krimi-Couch.de: Rückkehr der Untoten 75°

Krimi-Rezension von Jörg Kijanski

Sechs Jahre ist es her. Damals gelang einer der größten Erfolge gegen das organisierte Verbrechen in Schottland. Der einflussreiche Machie-Clan konnte dank zweier Kronzeugen überführt werden. Gerald Dowie und Frank MacDougall sagten aus und flohen in das Zeugenschutzprogramm der Regierung. Dowie und seine Familie starteten einen Neuanfang auf der anderen Seite der Erdkugel im fernen Australien, MacDougall blieb in Schottland.

Chief Inspector Jim Daley ist seit geraumer Zeit Chef der Kripo von Kinloch, einem verschlafenen Küstenort. Die Einwohner kennen sich, halten zusammen, wer einen von ihnen angeht, attackiert die Gemeinschaft. Daley hat sich mit der neuen Situation arrangiert als ihn sein verhasster Vorgesetzter, Superintendent John Donald, von einem aktuellen Fall berichtet.

Dowie und seine Frau wurden in Melbourne am helllichten Tag brutal ermordet. Eine Videoaufnahme zeigt sogar den Mörder: James »JayMac« Machie, Oberhaupt des legendären Clans. Daley sowie seine rechte Hand, DS Brian Scott, wähnen sich im falschen Film. Machie wurde vor fünf Jahren ermordet, Scott selbst, der Machie aus seiner Kindheit kennt, war bei der Obduktion anwesend.

Die neue Aufgabe ist klar: Der zweite Kronzeuge MacDougall muss geschützt werden. Das Team des Zeugenschutzprogramms wird abgezogen, Daley und ein Spezialteam übernehmen. Doch MacDougall weigert sich weiterhin Schottland zu verlassen. Dann wird sein Bruder ermordet, der Anfang einer blutigen Serie …

Verschachtelter Krimiplot aus Schottland

Nach »Tödliches Treibgut« liegt mit »Der Pate von Glasgow« der zweite Fall der Jim-Daley-Reihe vor. Denzil Meyrick lässt seine Protagonisten, Daley und Scott, in dem beschaulichen Kinloch ermitteln, wobei das mit dem Ermitteln zunächst so eine Sache ist. Denn wie will man ermitteln, wenn jemand von den Toten auferstanden ist, man also quasi einen Geist jagt?

Was Daley erst nach gut dreihundert Seiten entdeckt (die Auflösung des vorgenannten Rätsels), kann der aufmerksame Leser schon recht früh erfahren, so er denn aufmerksam liest. Das Problem hierbei ist der durchweg treibende Schreibstil des Autors, der zu einem schnelleren Lesen verleitet und da könnte man natürlich durchaus …

Die Handlung setzt primär auf Action, zahlreiche Morde belegen dies im weiteren Verlauf. Man könnte »Der Pate von Glasgow« als Rache-Krimi bezeichnen, denn der »verstorbene« Machie sinnt auf Vergeltung. Allerdings passieren nahezu zeitgleich plötzlich kriminelle Handlungen in Glasgow sowie dem über 150 Kilometer entfernten Kinloch, so dass hier nicht nur ein Täter am Start sein kann. Damit nicht genug, gibt es für Daley auch noch Ärger wegen der Verhaftung eines einheimischen Farmers, der mit geschmuggelten Zigaretten und Tabak gehandelt haben soll. Wie bereits erwähnt halten die Einwohner des Städtchens eisern zusammen.

Die Handlungsstränge bilden ein recht undurchsichtiges Knäuel

Der Plot ist ordentlich vertrackt, verwebt mehrere Handlungsstränge zu einem recht undurchsichtigen Knäuel, welches am Ende mit der einen oder anderen Wendung aufgelöst wird. Nebenbei bemerkt; konsequent bleihaltig. Ebenso lesenswert sind das Verhalten der drei Polizisten und deren Verhältnis zueinander. Daley und Scott sind ihrem Chef Donald in tiefer Abneigung verbunden, was auf Gegenseitigkeit beruht.

Dessen herablassende Äußerungen vor allem Scott gegenüber, sind ebenso unterhaltsam (für den Leser) wie beschämend (für einen Vorgesetzten). Der flapsige Scott sieht die fiesen Sprüche jedoch gelassen, Hauptsache der nächste Whisky ist in greifbarer Nähe. Dem prozenthaltigen Nationalgetränk sind auch Daley und Donald nicht abgeneigt, wobei der Superintendent zudem noch eine äußerst zwielichtige wie undurchsichtige Rolle spielt.

Last but not least gibt es – selbstverständlich – im eher beiläufig erwähnten Privatleben von Daley Neuigkeiten, die vermutlich weitreichende Folgen für den dritten Band der Serie haben werden. Wer bleireiche Action und bissige Dialoge mag, sollte der Reihe eine Chance geben und daran denken, trotz des hohen Tempos des Autors nicht zu allzu schnell über die Seiten zu fliegen.

Jörg Kijanski, Juli 2018

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wampy zu »Denzil Meyrick: Der Pate von Glasgow« 02.06.2018
Buchmeinung zu Denzil Meyrick – Der Pate von Glasgow

„Der Pate von Glasgow“ ist ein Kriminalroman von Denzil Meyrick, der 2018 bei HarperCollins in der Übersetzung von Peter Friedrich erschienen ist. Der Titel der englischen Originalausgabe lautet „The last Witness“ und ist 2014 erschienen. Dies ist der zweite Fall für DCI Jim Daley.

Zum Autor:
Denzil Meyrick wurde in Glasgow geboren und wuchs an der schottischen Küste in Campbeltown auf. Nach einem Politikstudium arbeitete er als Polizist, freier Journalist und Geschäftsführer einer Whisky-Destille.

Klappentext:
DCI Jim Daley von der Mordkommission Glasgow sitzt in dem kleinen
Küstenort Kinloch fest, seit er die Revierleitung dort übernehmen musste. Doch vergessen hat man ihn im Hauptquartier offenbar nicht – er bekommt das Video eines brutalen Mordes geschickt.
Der Täter: James Machie, der Pate von Glasgow, von Daley persönlich hinter Gitter gebracht. Das Opfer: der damalige Kronzeuge. Den zweiten Kronzeugen und ehemalige rechte Hand des Paten, Frank MacDougall, soll Daley nun beschützen. Nur, wie beschützt man jemanden vor einem Geist? Denn Machie wurde vor fünf Jahren ermordet …

Meine Meinung:
Dieses Buch hat mich in weiten Teilen begeistert, vor allem die Figurenzeichnung hat es mir angetan. Keine der Figuren ist ein reiner Sympathieträger und jede Figur hat auch dunkle Anteile. DCI Jim Daley ist der Held der Handlung, auch wenn er oft nicht richtig zuhört, zu viel Alkohol konsumiert und sein Gewicht nicht in den Griff bekommt. Er leidet unter seinem Vorgesetzten, der seine Karriere gerne auch auf Kosten seiner Mitarbeiter weiter voran treiben möchte. Daley wird von seinem alten Freund DS Brian Scott unterstützt, der gemeinsan mit vielen der Gangster aufgewachsen ist, und für mich der heimliche Held des Buches gewesen ist.
Der Gegenspieler der beiden Polizisten ist ein Phantom, denn James Machie ist vermeintlich vor fünf Jahren umgebracht worden. Nun ist er auf einem Rachefeldzug und geht mit extremer Gewalt gegen seine Gegenspieler vor. Daley und seine Kollegen sollen den damaligen Kronzeugen Frank MacDougall schützen. MacDougall und seine Familie leben im Umfeld des Küstenortes Kinloch, an dem auch Daley arbeitet.
Es gibt mehrere Nebenhandlungen und auch private Aspekte spielen eine wesentliche Rolle. Die Spannung ist von Beginn an auf einem hohen Niveau. Es wird aus mehreren Perspektiven erzählt, auch das Phantom lässt an seinen Gedanken teilhaben. Die Atmosphäre ist sehr düster und es wird nicht wesentlich heller. Zeitweilige Auflockerungen enden zumeist mit einer weiteren Gewalttat. Der Alkoholkonsum fast aller Beteiligten ist extrem und zeigt auch Auswirkungen im täglichen Dienst. Dazu erweist sich der Autor als ein Meister in der Darstellung von Situationen, deren erster Eindruck oft täuscht. Bei keiner der Figuren ist man über die Hintergründe ihres Tuns sicher und der Leser muss befürchten, einer weiteren Täuschung aufgesessen zu sein. Bei aller Gewalt spielen aber auch Liebe und Vertrauen eine wesentliche Rolle. In manchen Fällen erweist sich dieses Vertrauen aber nicht als gerechtfertigt.
Die Sprache ist meist rau und passt zu den Beteiligten. Trotz diverser Nebenhandlungen geht es zügig voran und die Geschichte mündet in einen großen Showdown, der mir zu übertrieben war. Es gibt jede Menge Opfer und es trifft alle Seiten. So sollte es in einem reinrassigen Noir auch sein.

Fazit:
Ein gelungener Noir, der durch Spannung, Atmosphäre und einen durchdachten Plot überzeugt. Die hohe Spannung bleibt auch in ruhigeren Passagen erhalten. Die Figurenzeichnung hat mich begeistert, allein der überzogene Showdown und die ausufernde Gewalt trüben den sehr guten Eindruck ein wenig. Trotzdem gebe ich fünf von fünf Sternen (90 von 100 Punkten). Dieses Buch kann ich all denen empfehlen, die spannende Handlung und undurchsichtige Figuren mögen und kein Problem mit sehr gewalttätiger Darstellung haben.
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