Giftflut von Christian von Ditfurth

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2017 bei carl's books.
Ort & Zeit der Handlung: Deutschland / Berlin, 2010 - heute.
Folge 3 der Eugen-de-Bodt-Serie.

  • München: carl's books, 2017. ISBN: 978-3-570-58565-8. 480 Seiten.

'Giftflut' ist erschienen als Taschenbuch E-Book

In Kürze:

Ein Sprengstoffanschlag auf die Oberbaum­brücke erschüttert Berlin. Es gibt Tote und Verletzte. Auch in Paris und London explo­dieren Brücken. Es folgt Anschlag auf An­schlag. Die Polizei tappt im Dunkeln, die Täter hinterlassen keine Spur und keine Botschaft. Klar ist nur: Jemand führt Krieg gegen Europa. Die Politik verfällt in Panik, die Bevölkerung lebt in Angst, es kommt zu Übergriffen auf Minderheiten und Flücht­linge. Rechtsparteien werden stärker. Akti­enmärkte und Wirtschaft stürzen ab. Mit hoher Schlagzahl jagt Christian von Ditfurth seinen Berliner Hauptkommissar Eugen de Bodt durch ein Land am Abgrund. De Bodt wirft alle Regeln über den Haufen, ermittelt hart am Rand der Legalität und darüber hinaus. Mit seinen Kollegen Silvia Salinger und Ali Yussuf verfolgt er Spuren im In­- und Ausland.

Das meint Krimi-Couch.de: Mutti hält ihre Hand über den sturköpfigen Ermittler 90°Treffer

Krimi-Rezension von Andreas Kurth

Bekannte und viel befahrene Brücken werden in Berlin, Paris und London von Terroristen in die Luft gesprengt. Es gibt zahlreiche Tote und noch mehr Verletzte. Im Umfeld der Anschläge werden jeweils die Chefs der städtischen Wasserbetriebe mit ihren Frauen in der eigenen Badewanne getötet – und die jeweiligen Ermittler erkennen keinerlei Zusammenhänge.

In Deutschland wird wie üblich eine Sonderkommission gebildet – Hauptkommissar Eugen de Bodt wird mit seiner Ermittlungsgruppe zunächst auf den so genannten Badewannen-Mord abgeschoben. Von Beginn an vermutet er allerdings einen Zusammenhang. Mit seinen Kollegen Salinger und Yussuf versucht er, die Verbindung zwischen den Taten zu finden, um weitere Anschläge zu verhindern. Der eigenwillige Kommissar legt sich abermals mit der gesamten Riege der Sicherheitsbehörden an – allerdings besteht die Kanzlerin darauf, dass er zu den Brücken-Sprengungen ermittelt. Die Anschläge führen zu Krisen in den drei Ländern, die Angst in der Bevölkerung wächst, die Börse bricht ein, Populisten melden sich zu Wort. Es gibt weitere Attacken, der Euro-Tunnel nach England wird gesprengt. Wo liegt das Motiv für die monströsen Anschläge? Eugen de Bodt kommt in seinem bislang schwierigsten Fall einfach nicht voran.

Christian von Ditfurth schreibt auf dauerhaft hohem Niveau

Wolf-Christian von Ditfurth, Sohn des Fernseh-Moderators Hoimar von Ditfurth, ist Historiker und Politologe. Seit 17 Jahren schreibt er neben Sachbüchern auch Kriminalromane. Und bei einem Politikwissenschaftler ist es kaum verwunderlich, dass seine Thriller auch in aller Regel eine kräftigen politischen Touch haben. Das gilt auf jeden Fall für die Reihe um den sturköpfigen Berliner LKA-Ermittler Eugen de Bodt.

Die ersten zwei Bände sind von den Lesern der Krimi-Couch im Durchschnitt weit über der 90-Grad-Marke eingestuft worden, der jüngste Fall nur knapp darunter. Der Autor schafft es in der Tat, auf einem gleichbleibend hohen Niveau zu schreiben. Das liegt einerseits an de Bodt und seinen beiden Mitarbeitern, andererseits an den Themen, die Christian von Ditfurth als Rahmen für seine Kriminalfälle wählt. Da geht es mal um Wirtschaftskriminalität, mal um Rohstoffvorkommen – und jetzt eben um die Aktienmärkte.

Eugen de Bodt provoziert bewusst und hat Spaß dabei

Eugen de Bodt kann man durchaus in verschiedene Schubladen stecken. Für die einen ist er arrogant, hochnäsig und schert sich nicht um Hierarchien und behördliche Abläufe. Für die anderen ist er ein hervorragender Polizist, der unkonventionelle Methoden bevorzugt, und damit eben auch überaus erfolgreich ermittelt.

Es verwundert nicht, dass es mehr als genug Neider gibt, die ihn nur zu gerne stolpern sehen würden. Durch seine hochnäsige Art provoziert der Kommissar – und ist sich dessen durchaus bewusst, er hat sogar großen Spaß daran.

Eugen de Both hat sich gegen den Willen seines hanseatischen Vaters für diesen Beruf entschieden, und denkt überhaupt nicht daran, im LKA mit den Wölfen zu heulen. Er sagt was er denkt, ermittelt so, wie er es für richtig hält – egal, was seine Vorgesetzten denken. Ihm ist bewusst, dass im Hintergrund etliche Leute darauf warten, dass er einen entscheidenden Fehler macht, um ihn hinaus zu katapultieren. Ihm ist das nicht nur egal, er legt es sogar wiederholt darauf an – und hat dennoch Erfolg mit seinen Methoden. Deshalb folgen ihm Ali Yussuf und Silvia Salinger durch alle Höhen und Tiefen, sie sind von seinen menschlichen Qualitäten und seiner beruflichen Brillanz überzeugt.

Schnelle Umschnitte sorgen für zusätzliche Dynamik

Christian von Ditfurth hat nun bereits mehrfach bewiesen, dass er spannende Thriller gut und temporeich erzählen kann. In »Giftflut« gibt es verschiedene Erzählperspektiven, deren Zusammenhang erst langsam klarer wird. Die Kapitel sind extrem kurz, die schnellen Umschnitte beschleunigen das Erzähltempo noch zusätzlich. Und der übliche schnodderig-intellektuelle Ton der Dialoge innerhalb des Teams von de Bodt kontrastiert herrlich mit der Art, wie der Kommissar mit Außenstehenden kommuniziert.

Und um noch kurz das bei vielen Lesern und Rezensenten beliebte Thema »Realitätsgehalt« anzusprechen: Der eine oder die andere werden hier von überdrehten Verschwörungstheorien sprechen, und die ganze Geschichte als vollkommen unrealistisch einstufen. Ich fürchte allerdings, Christian von Ditfurth ist mit vielen Aspekten seines Plots näher an der Realität, als wir es uns vorstellen mögen. Der Roman ist schon ein paar Monate auf dem Markt, und ständig wird uns immer wieder überdeutlich gezeigt, dass in Zeiten von Trump, Putin und Erdogan vieles möglich ist, was wir vor kurzer Zeit noch ausgeschlossen hätten.

Nachdenken ist nach der Lektüre des Romans nicht verboten

Der Autor zeigt aber auch, dass nicht nur staatliche Akteure Gefahren für das Gemeinwesen und das soziale Miteinander in der Gesellschaft auslösen können. Die lange Suche nach dem Motiv für die Terroranschläge löst so einige Überlegungen aus, die in meinen Augen keineswegs zu weit hergeholt sind. Zocker im Banken-System sind kein neues Phänomen, und werden uns auch noch lange erhalten bleiben. Millionen-Boni für Manager, deren Unternehmen fette Verluste einfahren, sind kurze Aufreger in einer schnelllebigen Welt, die schon morgen von anderen Schlagzeilen und neue Breaking-News bestimmt wird.

Wer von Ditfurths Geschichte einfach als höchst unterhaltsamen Thriller liest, wird seinen Spaß daran haben. Dennoch ist es nicht verboten, dabei und danach mal darüber nachzudenken, ob wirklich alles nur Fiction ist, oder wie dicht der Autor schon an der Realität entlang erzählt. So oder so sollte man die Lektüre intensiv genießen – »Giftflut« ist Lesekino der besten Sorte.

Andreas Kurth, April 2018

Ihre Meinung zu »Christian von Ditfurth: Giftflut«

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leseratte1310 zu »Christian von Ditfurth: Giftflut« 27.05.2018
Es gibt kein Wasser in Berlin. De Bodt und sein Team werden zu einem merkwürdigen Mordfall gerufen. Ein Ehepaar liegt tot in der Badewanne. Es handelt sich um den Chef des Wasserwerks Friedrichshagen und seine Frau. Das kann kein Zufall sein.
Quer durch Europa explodieren Brücken. In Berlin, Paris und London gibt es Anschläge und niemand weiß, wer dahintersteckt. Es gibt auch keine Bekennerbotschaft, dafür aber viele Tote und Verletzte.
Jemand scheint einen sehr speziellen Krieg zu führen.
Dies ist der dritte Band um Hauptkommissar Eugen de Bodt und seine Mitarbeiter, die Kommissarin Silvia Salinger sowie Assistent und Computerfreak Ali Yussuf.
Christian v. Ditfurth präsentiert uns mit diesem Buch nicht nur einen rasanten Thriller, sondern er behandelt auch wieder sehr aktuelle Themen, wie beispielsweise Fremdenhass, Terrorismus und Klimawandel. Von der ersten Seite an bis zum dramatischen Ende wird man durch die rasante Geschichte gejagt.
Es ist kein Wunder, dass die Bevölkerung in Angst verfällt und die Politik ist unfähig, mit der Gefahr umzugehen und für Ordnung zu sorgen. Die Auswirkungen spürt man sehr schnell auch an den Aktienmärkten.
De Bodt ist ein sympathischer und intelligenter Ermittler, der seinen Job macht, manchmal auch am Rande der Legalität und immer wieder gegen Widerstand in den eigenen Reihen. Aber wenigstens harmoniert sein Team gut. Mir gefallen seine Mitarbeiter Salinger und Yussuf auch gut. Dieser Fall fordert ihn und sein Team ganz besonders. Seine Ermittlungen führen ihn durch ganz Europa
Den Tätern ist erst beizukommen, wenn man das Motiv durchschaut. Es geht um Geld und Hass. Auf der Pazifik-Insel Palau kommt der Tourist Jan den Tätern zufällig zu nahe. Seine Freundin Nadine wird deshalb getötet und das kann Jan nicht so hinnehmen.
Erst am Ende fügen sich die verschiedenen Handlungsstränge zu einem schlüssigen Gesamtbild zusammen.
Ich kann dieses Buch nur empfehlen. Die Story ist gut konstruiert, die Charaktere perfekt gezeichnet und die Spannung ist durchgängig hoch.
Dieter zu »Christian von Ditfurth: Giftflut« 04.01.2018
Enttäuschend.
Trotz eines anfällig interessant erscheinenden Plots verliert sich das Geschehen in eine Beliebigkeit. Nichts, wirklich gar nichts wird aus diesen doch eigentlich monströsen Attentaten herausgeholt. Hier sollen wirklich unfassbare Verbrechen passieren? Und die Polizei arbeitet dennoch allerhöchst amateurhaft? Das alles ist nicht spannend und irgendwann nicht einmal interessant. Und was an dem Haupthelden tiefenscharf und vielschichtig sein soll, das erschließt sich mir nicht wirklich. Der Verlag bewirbt sein Buch mit den drei Adjektiven "explosiv, actionreich, nervenzerfetzend". Das ist meines Erachtens dreimal erheblich geflunkert.
Nicht zu empfehlen.
pebbie229 zu »Christian von Ditfurth: Giftflut« 19.11.2017
Leider produziert der Autor inzwischen nur noch einen routinierten aber wenig inspirierten Abklatsch von seinen vorigen Romanen um das Team von Kommissar de Bodt. Dabei verlieren die Figuren an Charakter, da hilft auch der direkte Kontakt zur Kanzlerin nicht mehr und der dritte Aufguss schon gar nicht. Ein Plot, der einfach viel zu unwahrscheinlich und übertrieben ist; Handlungsstränge, die die Tragik des Zufalls zeigen sollen.
Es sind schreckliche Ereignisse, die da beschrieben werden. Dazu ein Kommissar de Bodt, der mit verschiedensten Ansätzen herumirrt, der eigentlich nicht wirklich kombiniert, sondern nach Bauchgefühl rät, ein französischer Kommissar, der zur Handlung nicht wirklich etwas beiträgt. Gerade in der Mitte war ich geneigt, viele Seiten zu überspringen, es gibt eigentlich keine Handlung, nichts passiert, von der Ermittlerseite wird nur geraten. Dazu die anderen Ermittler außerhalb des Teams, die alle nur dumm und machtversessen sind, alles einfach Stereotypen, die wenig gefallen.
Ich war von Christian v. Dithfurth eigentlich spannende Bücher mit Wortwitz und Inhalt gewöhnt, hatte es auch hier erwartet. Aber da wurde ich sehr enttäuscht.
walli007 zu »Christian von Ditfurth: Giftflut« 31.10.2017
de Bodt & Co

Es sieht wie ein normaler Mord aus. Der Leiter des größten Wasserbetriebes der Berliner Wasserwerke und seine Frau liegen tot in der Badewanne. Kommissar de Bodt und seine Mannschaft stehen vor einem Rätsel. Wer sollte diesen unbescholtenen Leuten etwas antun wollen. Bald werden in Paris und London ähnliche Taten entdeckt. Die Lage verschärft sich. Und als die erste Brücke einstürzt, ist der Teufel los. Die Stimmung im Lande ist am Boden, die Märkte brechen zusammen und die Welt zittert vor dem, was noch kommen mag. Es gibt weder eine Spur zu den Tätern noch einen Hinweis auf die Motive.

Mit unkonventionellen Methoden, von denen nicht ganz klar ist, ob sie sich noch im Rahmen der Legalität bewegen, macht sich Kommissar Eugen de Bodt auf die Suche nach den Tätern und den Hintergründen. Scheinbar mit viel Geld ausgestattet begehen die Täter ein Attentat nach dem anderen. Fieberhaft versuchen die Ermittler Schlimmeres zu verhindern. Doch wenn ein Vorfall in die Politik hineinspielt, gibt es auf einmal viele Parteien, denen gedient werden soll. De Bodt wäre nicht er selbst, wenn er sich das einfach so gefallen ließe. Wieder einmal ist er wie der Dorn in der Seite seiner Vorgesetzten, der, den sie am liebsten los wären, auf den sie aber eben wegen seiner unkonventionellen Methoden nicht verzichten können.

Mit einer atemberaubenden Ermittlungsfahrt durch Europa nimmt einen der Autor mit auf einen Weg, der an vielem zweifeln lässt. Die Skrupellosigkeit der Täter ist schier unglaublich. Sie scheinen vor Nichts zurückzuschrecken und den Tod vieler Menschen in Kauf zu nehmen. Wer kann solch ein Handeln an den Tag legen. Nahezu unbesiegbar scheinen die Drahtzieher zu sein. Wenn jeder nur das nötigste weiß, kann er schließlich nicht viel verraten. Eugen de Bodt versucht, sich in die Täter hineinzudenken. Es wirkt wie eine doppelte Struktur, die zunächst auf tote Gleise führt und schließlich doch einen Ansatzpunkt bietet. Man taucht ein in diese Welt des Schreckens und fiebert darauf, dass endlich das grausame Tun beendet wird. Und nach etlichen unerwarteten Kniffen, nach einer Achterbahnfahrt der kalt geplanten Unsäglichkeiten, zeichnet sich ein Silberstreif am Ermittlungshorizont ab.

Dieser Thriller trifft genau den Ton der Zeit, man wünscht sich den entscheidenden Schritt nach vorn in eine bessere Welt.
Edith Sprunck zu »Christian von Ditfurth: Giftflut« 11.10.2017
Dieser ausgezeichnete Thriller packt einige heiße Eisen aus Politik und Wirtschaft an - und nimmt sie gehörig auf's Korn. Im sehr spannenden, explosiven, wendungsreichen Plot erlebt man die Globalität des Verbrechens, der neue Aufklärungsmethoden entgegengesetzt werden müssen, damit die Welt nicht vollends von Ganoven beherrscht wird. Es ermittelt wieder - abgekoppelt von Verfassungsschutz & Co. - Hauptkommissar Eugen de Bodt mit seinem sympathischen, intelligenten und charakterstarken Team. Seine Methoden sind herrlich unkonventionell bis illegal. Christian von Ditfurth zeichnet phantasievoll ein Zukunftsszenarium über die weitere Ausbreitung von Terror übelster Art, wenn er (wie in seinem Thriller) von klugen Köpfen gesteuert wird. Die Darstellung der Polizeiarbeit in den höheren Chargen ist streckenweise Satire pur. Herausragend ist der Schreibstil. Prägnante, kurze, karge Sätze -oft ohne Prädikat, also unvollständig - sind prall und bildhaft mit Inhalt gefüllt. Die Dialoge sind zuweilen abgehackt und dennoch erstaunlich rund. Und alles ist durchfärbt mit brillantem, rabenschwarzem Humor. Von Ditfurth bedient sich bei der Kriminalhandlung großer "dichterischer Freiheit", die jedoch sehr dicht und knallhart neben der Realität einherläuft.

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