Das Geheimnis des roten Hauses von A. A. Milne

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 1922 unter dem Titel The Red House Mystery, deutsche Ausgabe erstmals 1929 bei J. Engelhorns Nachfolger.

  • London: Metuen, 1922 unter dem Titel The Red House Mystery. 288 Seiten.
  • Berlin: J. Engelhorns Nachfolger, 1929. Übersetzt von Gertrud Bauer. Engelhorns Romanbibliothek Bd. 1024/25. 288 Seiten.
  • München: Heyne, 1971. Übersetzt von Gertrud Bauer. Heyne Crime Classic Nr. 1431. ISBN: 3-453-10431-5. 142 Seiten.
  • Frankfurt am Main: Fischer Taschenbuch Verlag, 2009. Übersetzt von Elisabeth Simon. Fischer Crime Classic Nr. 3; mit einem Nachwort von Lars Schafft. ISBN: 978-3-596-18245-9. 2008 Seiten.

'Das Geheimnis des roten Hauses' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

Mark Ablett, Gentleman und Snob, versammelt in seinem englischen Landhaus – genannt das Rote Haus – gerne seine Freunde und Bekannten um sich. Doch die Idylle wird jäh zerstört, als Marks Bruder, das schwarze Schaf der Familie, ermordet wird und Mark spurlos verschwindet. Zwei seiner Freunde, Antony Gillingham und Bill Beverley, wollen die Sache aufklären – auf ihre Weise.

Das meint Krimi-Couch.de: »Kain & Abel in englischer Sommerlandschaft« 95°Treffer

Krimi-Rezension von Michael Drewniok

Wenn Mark Ablett, dilettierender Schriftsteller und Mäzen der schönen Künste, ins »rote Haus«, seine Residenz auf dem englischen Land, einlädt, wird dem gern und zahlreich Folge geleistet, obwohl der Gastgeber ein arger Snob ist. Dieses Mal wird die gewohnte Sommerfrische durch die Nachricht gestört, dass Marks Bruder Robert sich zu einem Besuch einfinden möchte. Kaum jemand wusste von Roberts Existenz; zwischen den Brüdern herrscht keine Zuneigung, und vermutlich gibt es gute Gründe, wieso Robert sich seit fünfzehn Jahren im fernen Australien aufhält.

Antony Gillingham nutzt eine Sommerpause, um seinen Freund Bill Beverly zu besuchen, der zu den Gästen des roten Hauses gehört. Bei seiner Ankunft wird er Zeuge eines dramatischen Geschehens: Nachdem sich die Brüder Ablett in Marks Studio getroffen und offenbar gestritten hatten, fiel hinter verschlossener Tür ein Schuss. Matthew Cayley, Marks Cousin und Sekretär, verschafft sich mit Gillinghams Hilfe Zutritt; man findet Robert Ablett mit durchschossenem Schädel. Mark ist spurlos verschwunden.

Für Inspektor Birch wird er damit zum Hauptverdächtigen, obwohl Cayley dem heftig widerspricht. Für ihn kann dem tödlichen Ausgang des Streites nur ein Unfall oder ein Fall von Notwehr zugrunde liegen. Gillingham, nun ein wichtiger Zeuge, bleibt im roten Haus und betätigt sich als Detektiv. Er findet Cayley verdächtig, der offensichtlich diverse Indizien manipuliert hat. Will er seinen Cousin decken oder eine eigene Schuld vertuschen? Stück für Stück rekonstruieren der neugierige Gillingham und sein »Watson« Beverly eine geniale Rache, die zugleich eine doppelte Täuschung ist …

Rätselkrimi mit klaren Verhältnissen

Das Geheimnis des roten Hauses ist sowohl ein Unikat als auch ein Unikum: Es blieb erstens der einzige Kriminalroman seines Verfassers, der zweitens durch eine völlig anders geartete Schöpfung unsterblich geworden ist: Winnie-the-Pooh alias Pu, der Bär, eine der berühmtesten Gestalten der Kinderliteratur und heute vor allem als Trickfigur im juristischen Besitz des Disney-Konzerns weiterhin präsent.

So dankbar ihm viele Generationen von Kindern sein dürften: Der Krimileser bedauert es nach der Lektüre dieses Romans, dass Milne sich nie wieder dem Verbrechen gewidmet hat. Das Geheimnis des roten Hauses ist ein erstaunliches Buch. Da ist natürlich der Plot, der sorgfältig eingefädelt und sauber abgespult wird. Der kundige Krimifreund wird allerdings schon früh bemerken, worauf dieser Fall hinausläuft. Das ist einer dieser Momente, in dem man sich das Alter des Romans vergegenwärtigen sollte.

Was gar nicht so leicht fällt. »Das Geheimnis das roten Hauses ist in einer klaren, unprätentiösen und damit zeitlosen Sprache gehalten. (Die deutsche Übersetzung kann dies nur indirekt aber dennoch wirkungsvoll vermitteln.) In einem Vorwort, das Milne 1926 für die zweite Auflage formulierte – es wurde auch der deutschen Ausgabe vorangestellt -, erläutert der Verfasser das Konzept, das er «seinem» Krimi zu Grunde legte. Er kritisierte (vorsichtig, allgemein, ohne namentliche Nennungen) jene zeitgenössischen Schriftsteller, die das vermissen ließen, was er für unverzichtbar hielt: eine jederzeit nachvollziehbare Handlung mit realitätsnah charakterisierten Figuren, die sich als solche in Wort und Tat verhalten sollten. Keineswegs gut hieß Milne «originelle» Überraschungen und skurrile Gestalten, denn diese dienten seiner Meinung nach vor allem der Vertuschung der Tatsache, dass der Autor die klare Linie nicht halten konnte oder wollte, weil er die Fadenscheinigkeit seines Plots selbst erkannte.

Dieses Vorwort ist in der Kriminalliteratur berühmt geworden, denn Milne legt den Finger auf eine Wunde, die anderen Verfassern ebenfalls zu schaffen machte. Nachdem Anthony Berkeley, Agatha Christie, Dorothy L. Sayers, Freeman Wills Crofts und andere Autoren 1928 in London den berühmten Detection Club gegründet hatten, formulierte Ronald A. Knox 1929 die klassischen «Zehn Regeln für einen fairen Kriminalroman», die Milnes Kritik aufnahmen und ergänzten.

Mord als intellektuelles Spiel betrachtet

Noch ein berühmter Schriftsteller zitierte Milnes Krimi, doch Raymond Chandler hatte nicht Lob im Sinn, als er 1944 sein geschätztes Essay «Die simple Kunst des Mordens» («The Simple Art of Murder») niederschrieb. Ihm, dem prominenten Vertreter des Hard-Boileds, war der realitätsferne «Whodunit» der britischen Prägung ungemein suspekt. Ihm missfiel u. a. der ständige Intelligenzvorsprung des Freizeit-Detektivs gegenüber der Polizei, was höchstens im Umfeld der selbst formulierten Regeln funktionierte. Obwohl der strenge Chandler immer wieder Milnes Geheimnis des roten Hauses zauste, wollte er zumindest die formale Eleganz dieses Buches nicht bestreiten. Viele Jahrzehnte nach Milne und Chandler haben sich die Gemüter der Kritiker ohnehin beruhigt; beider Werke gelten heute als Klassiker.

«Realität» definierte Milne offensichtlich anders als Chandler. Das Geheimnis des roten Haues ist nicht nur Krimi, sondern auch intellektuelles Spiel. Dass wir eine erfundene Geschichte lesen, wird uns vom Verfasser mehrfach bewusst gemacht, wenn er z. B. die Handlung ‚einfrieren‘ lässt, damit wir uns das Gesicht einer Figur besser betrachten können und Milne die Zeit bleibt, uns ihr Vorleben zu skizzieren, insoweit es für das Geschehen von Bedeutung ist. Einmal erhebt sich der im Hintergrund präsente Autor sogar hoch in die Lüfte, um uns Lesern einen Überblick über die verschiedenen Orte der Handlung zu ermöglichen.

Kriminell konstruiert fand Chandler auch den Plot – eine Kritik, die zählt, denn der Plot stellt schließlich das Herz der Geschichte dar. Auch hier darf und muss indes Milnes Wunsch nach einen kunstvoll vertrackten Rätselkrimi im Vordergrund stehen. Selbst wenn der Leser den Braten (s. o.) früh riechen mag, wird er den Prozess der Lösung trotzdem genießen.

Holmes und Watson in der Sommerfrische

Das liegt auch an der Sorgfalt, die Milne seinen beiden Hauptfiguren angedeihen ließ. Antony Gillingham ist zwar der geniale Laie des klassischen Rätselkrimis, aber er lässt die meisten Manierismen vermissen, die alle großen aber auch exzentrischen Detektive auszeichnen. Gillingham steht mit beiden Beinen im Leben, das er dank einer Erbschaft in Unabhängigkeit führen kann. Als Kriminologe ist er bisher nicht aktiv geworden; auch im roten Haus ist es in erster Linie seiner objektiven und systematischen Sichtung und Wertung der Fakten zu verdanken, dass er Erfolg hat, wo Inspektor Birch (der irgendwann still aus der Handlung verschwindet) versagt.

Hilfreich ist selbstverständlich ein fotografisches Gedächtnis, dessen sich Gillingham sehr anschaulich bedient, wie er überhaupt seine Leser stets auf dem Laufenden hält, was den Stand seiner Ermittlungen – inklusive der Irrtümer und Sackgassen – angeht. Dafür hat er bzw. hat Autor Milne Bill Beverly an seine Seite gebracht. Dass Bill als «Watson» des (nur ironisch als solcher auftretenden) «Holmes» Gillingham fungiert, wird wieder einmal als Bruch mit der Handlung inszeniert: Gillingham erklärt Beverly ausführlich die Aufgaben eines «Watson», der bekanntlich die Fragen stellt, die dem Leser auf der Zunge liegen.

Diesen «Watson" befreit Milne ausdrücklich von einer zweiten Eigenschaft, die ihm viele Kriminalautoren gern überstülpen: Bill Beverly ist kein tumber Erfüllungsgehilfe, dessen intellektuelle Schatten der Detektiv umso glänzender vertreiben kann. Beverly wird eingezogen und zeigt immer wieder Eigeninitiative, die Gillingham sehr nützlich ist. Zwar schimmert ein leichtes Lehrer/Gillingham-Schüler/Beverly-Verhältnis durch, doch die beiden Männer sind Freunde, die sich mit einer Leichtigkeit begegnen, die Holmes und Watson ziemlich autistisch aussehen lässt …

Zum Lesespaß trägt schließlich entscheidend bei, dass Milne die Geschichte nicht in die Länge zieht. Solche Ökonomie mahnt er im Vorwort ebenfalls an. Freilich trübt das Finale den erfreulichen Gesamtausdruck trotzdem: Es fällt quasi aus, die große Demaskierung erfolgt nur indirekt. Milne mochte Gillingham offenbar nicht in der Rolle dessen sehen, der den Schuldigen an den Galgen bringt. Holmes hätte dieses Problem nicht gehabt, und in diesem Punkt bewundert man seine Konsequenz mehr als Gillinghams skrupulöse Zurückhaltung. Der Beliebtheit von Das Geheimnis des roten Hauses konnte das aber keinen Abbruch tun. Seit dieser Roman 1922 erschien, ist er nicht nur in England, sondern auch in den USA ständig neu aufgelegt worden. Nun hat auch das deutsche Publikum endlich wieder die Möglichkeit, diesen (erneut durch ein Nachwort von Lars Schafft ergänzten) Krimiklassiker zu lesen und schätzen zu lernen.

Michael Drewniok, Februar 2009

Ihre Meinung zu »A. A. Milne: Das Geheimnis des roten Hauses«

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Stefan83 zu »A. A. Milne: Das Geheimnis des roten Hauses« 04.07.2010
Nach gerade mal zwei Staffeln wurde sie eingestellt: Die Fischer Crime Classic-Reihe, welche sich in erster Linie auf die Veröffentlichung von vergessenen Perlen der „Goldenen Ära“ des Kriminalromans konzentriert und dabei viele lesenswerte Whodunits dem heutigen Leser wieder zugänglich gemacht hat. Einer davon ist „Das Geheimnis des roten Hauses“ von Alan Alexander Milne. Es ist der einzige Krimi aus der Feder dieses Verfassers, dessen Name mir bisher völlig unbekannt war, wenngleich ich als Kind seine Schöpfung, den allseits beliebten Bär Winnie-the-Pooh, in Form gleich mehrerer Disney-Abenteuer im Fernsehen erleben durfte. Diese Unkenntnis meinerseits ist auch insofern erstaunlich, da sich der Roman seit dem Erscheinen im Jahre 1922 in England und den USA prächtig verkauft hat. Und damit nicht genug: Das Buch gehört zu den jüngsten und wegweisendsten des Goldenen Zeitalters der Detektivgeschichte und verkörpert in vielen Punkten derart genau den Prototypen des englischen Landhauskrimis, das es Raymond Chandler, dem Mitbegründer des Hardboiled-Genres, zu einer harschen Kritik in seinem Werk „The Simple Art of Murder“ (1944) verleitet hat. Bei soviel bemerkenswertem ist es dann umso erstaunlicher wie unspektakulär das Buch selbst ausfällt.

Ein Landsitz, irgendwo im England der 20er Jahre. Im „roten Haus“ von Mark Ablett, einem Hobby-Schriftsteller und Förderer der schönen Künste, frönt man dem sorgenfreien Leben der Upper-Class und amüsiert sich prächtig bei Bowling und Golf. Marks stets wechselnde Gäste werden erstklassig bewirtet, weshalb die meisten über die Schrullen des snobistischen Hausbesitzers hinwegsehen. Die Vorteile überwiegen da eindeutig die Nachteile. Und wo sonst kann man kostenlos den Sommer derart entspannt genießen? Der Müßiggang wird allerdings jäh gestört, als Mark Nachricht von seinem Bruder Robert erhält, der nach fünfzehn Jahren im fernen Australien ein Wiedersehen feiern möchte. Feiern darf dabei in Anführungsstriche gesetzt werden, denn zwischen den Brüdern scheint keine große Liebe zu herrschen. Und auch die Tatsache, dass Mark seinen verschollenen Bruder nie erwähnt hat, spricht Bände.

Zufälligerweise nutzt Antony Gillingham, Freund von Marks Gast, Bill Beverly, denselben Zeitraum, um dem roten Haus einen Besuch abzustatten und wird dadurch unfreiwillig Zeuge eines dramatischen Zwischenfalls. Beim brüderlichen Aufeinandertreffen im verschlossenen Studio ist es zu einem Streit und letztendlich zu einem Schuss gekommen. Antony dringt gemeinsam mit Marks Sekretär und Cousin, Matthew Cayley, in den Raum ein, um dort die Leiche von Robert Ablett vorzufinden. Mit einer Kugel durch den Kopf getötet. Vom Hausherrn Mark Ablett fehlt jede Spur. Auf Antonys Drängen hin wird die Polizei verständigt, welche sofort Mark zum Hauptverdächtigen erklärt. Doch Antony hat Zweifel. War es wirklich Mord? Oder war es nur ein Akt in Notwehr? Stets auf der Suche nach neuen beruflichen Aufgaben betätigt sich Antony kurzerhand als Detektiv und stellt gemeinsam mit Freund Bill Beverly Nachforschungen an. Und mit jeder Stunde zieht sich die Schlinge enger um den Hals des Täters …

Ein klassisches englisches Landhaus, eine illustre Gesellschaft, ein Mord in einem verschlossenen Raum. Die üblichen Zutaten für einen Krimi-Vertreter der Goldenen Ära, derer sich schon die Genregrößen Christie, Sayers und Carr mit Perfektion bedienten, verwendet auch in Milne in seinem einzigen Krimi-Werk. Trotzdem möchte er sich von der Konkurrenz abgegrenzt wissen. In seinem Vorwort kritisiert er die oft nicht nachvollziehbare Handlung vieler Krimi-Autoren, welche mit aufgesetzten Wendungen und lieblichen Tändeleien die inhaltlichen Gräben ihrer Plots zu übertünchen versuchen. Seiner Ansicht nach sollte der Leser stets an den Überlegungen des ermittelnden Detektivs, der möglichst realitätsnah charakterisiert werden sollte, teilhaben können und zu jeder Zeit denselben Wissensstand wie dieser aufweisen. Was für ihn nur das Konzept für eine einmalige Sache war, wurde letztlich zum Vorläufer der „Zehn Regeln für einen fairen Kriminalroman“, welche Robert A. Knox sieben Jahre später niederschrieb und als Aufnahmegrundlage für den Londoner Detection Club formulierte.

Aber ist ein fairer Krimi auch immer ein guter Krimi? Eine Frage, die man sich nach der Lektüre von „Das Geheimnis des roten Hauses“ sicherlich stellen muss, da gerade dieser zitierte „gleiche Wissensstand“ nicht immer mit dem Lesespaß und der Spannung in Einklang zu bringen ist. Milnes Plot ist stringent und perfekt konstruiert. Allerdings auch derart offensichtlich konstruiert, das ein jeder schon ziemlich früh den wahren Täter enträtselt hat und eigentlich nur noch auf die abschließenden Erklärungen des Detektivs wartet. In bester „Columbo“-Manier wird schon zu Beginn der Blick der „Kamera“ nur auf eine Person gerichtet, wohingegen der Rest von Marks Gästen bereits nach wenigen Seiten in der Handlung ein Schattendasein fristet. Das man die Lektüre trotzdem weiterhin genießen kann, liegt vor allem an Antony Gillingham und Bill Beverly, welche in ihrem intellektuellen Zusammenspiel die Holmes/Watson-Beziehung persiflieren („Bist du bereit, mein Watson zu sein? (…) Bist du bereit, dir ziemlich offensichtliche Dinge erklären zu lassen, nichtige Fragen zu stellen, dich übertrumpfen zu lassen und brillante Entdeckungen zu machen, und zwar zwei oder drei Tage später als ich? Das wäre nämlich eine große Hilfe.“) und die Mördersuche kurzerhand zu einem sportlichen Wettbewerb umdeuten. Die Polizei bleibt dabei, wie in so vielen Whodunits, nicht nur außen vor, sondern zeigt sich abermals als unfähiger Justizapparat. Chandlers Kritik wird besonders in solchen Passagen äußerst nachvollziehbar.

Letztlich rettet diesen Krimi die oben bereits genannte Figurenzeichnung sowie die erfrischende Kürze. Die wenigen Seiten befassen sich einzig und allein mit der Ermittlung im Mordfall. Bremsende Nebenschauplätze oder gar die üblichen amourösen Liebesbeziehungen sucht man (gottseidank) vergebens. Am Ende interessiert dann weniger die Identität des Täters, sondern vielmehr die Auflösung seines Vorgehens. Diese kann in einigen Dingen überraschen, was jedoch auch daran liegt, das dem Leser bis zum Schluss ein äußerstes wichtiges Detail für das mögliche Motiv vorenthalten wird. Soviel also zum Thema Fairness.

Insgesamt ist „Das Geheimnis des roten Hauses“ ein lohnenswerter, wenn auch unspektakulärer Kriminalroman des Goldenen Zeitalters, der aufgrund seiner Bedeutung für das Genre und dem informativen Nachwort von Lars Schafft besonders Sammlern der klassischen Whodunits ans Herz gelegt sei.
4 von 5 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Juristan zu »A. A. Milne: Das Geheimnis des roten Hauses« 03.09.2009
Für mich ein durchschnittlicher klassischer Werwarskrimi.Nicht besonders spannend,wer der Täter ist,weiss man schon nach der Hälfte.
Aber ein sympathisches Ermittlerpaar,die ironischen Verweise auf Holmes/Watson und das für mich wohltuende Beschränken auf die reine Ermittlung,statt das Buch künstlich aufzublasen haben mich zu 70° verleitet.
JuergenL zu »A. A. Milne: Das Geheimnis des roten Hauses« 28.03.2009
Gut zu lesen, flüssig, aber ist nur mittelmäßig spannend. Der Verdächtige steht auch schon nach 100 Seiten fest. Eine kleine Überraschung am Ende, gut, aber das macht einen Spitzenkrimi alleine nicht aus.
Die Idee, Holmes und Watson ins Spiel zu bringen ist recht witzig. Dieses Buch wird leider nicht in meiner Erinnerung bleiben.
Nett eben! Mehr nicht.
CharlyDD zu »A. A. Milne: Das Geheimnis des roten Hauses« 21.03.2009
"Der einzige Krimi des Erfinders von Winnie-the-Pooh"!!!
Ich sage: Gott sei Dank und frage mich ob die anderen das gleiche Buch gelesen haben wie ich.
Nachdem ich mich durch die ersten 100 Seiten regelrecht gequält und die nächsten 30 Seiten überflogen habe, wurde das Buch in die Ecke gelegt und somit nicht zu Ende gelesen.
Der Plot ist einfach nur flach, die Protagonisten farblos und gähnend langweilig und die Spannungskurve fährt gegen Null.

Fazit: Also großer Fan der guten alten Detektivgeschichten war ich maßlos enttäuscht.
SukRam zu »A. A. Milne: Das Geheimnis des roten Hauses« 06.02.2009
Erst einmal vielen Dank an Herrn Drewniok, weil er diesen Roman rezensierte, damit auch Milne einen Platz auf der Krimi-Couch findet.
Mit großen Erwartungen bin ich an den Roman herangegangen, auch wenn ich von der Auflösung ein wenig enttäuscht bin (sicherlich mag sich dies zur damaligen Zeit mit anderen Arbeitsweisen der Polizei anders verhalten haben).
Trotzdem muss ich sagen, dass ich gern noch mehr von diesem Detektiv-Gespann gelesen hätte, da es durch eine originelle Frische und Humor begeistern.
Dass der Mörder dabei unter den vielen anfangs vorgestellten Personen heraussticht, ist ungewöhnlich für einen Kriminalroman dieser Art, macht das Lesevergnügen dafür aber realistischer.

Meine Wertung: 86°
mase zu »A. A. Milne: Das Geheimnis des roten Hauses« 06.02.2009
Eine grossartige Persiflage auf Doyle, Christie, Carr und wer da noch so dazu gehört.

Milne sagt uns schon in seiner Einleitung, was seinen Whodunit von den anderen unterscheidet und im Nachhinein muss ich sagen, dass es so eigentlich viel besser ist.
Milne lässt seinen Ermittler nämlich nicht am Schluss des Buches vor versammeltem Publikum die Auflösung des Rätsels in seitenlangem Monolog erzählen, wie das Holmes, Poirot oder Fell macht, sondern lässt den Leser ständig an den Überlegungen teilhaben. Der Leser hat zu jeder Zeit den gleichen Wissensstand wie Ermittler. Auch Milne hat ein Duo wie Holmes/Watson, Poirot/Hastings und Fell/Hadley, aber dieses macht sich auf gewisse Art über eben diese, vor allem Holmes und Watson lustig. Besser zu der Täterfindung des Lesers geht es nicht.
Auch hält Milne nichts davon, irgendwelche Romanzen in die Geschichte einfliessen zu lassen und verschwendet so keine einzige Seite unnötig. Darum hat „Das Geheimnis des roten Hauses“ auch nur 183 Seiten, aber darum ist auch jede einzelne Seite mit dem Fall an sich beschäftigt.

Ein wirklich grossartiger amüsanter Fall zum mit raten.
1 von 5 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.

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