Zeit des Zorns

Erschienen: Januar 2011

Bibliographische Angaben

  • New York: Simon & Schuster, 2010, Titel: 'Savages', Seiten: 302, Originalsprache
  • Berlin: Suhrkamp, 2011, Seiten: 300, Übersetzt: Conny Lösch

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Jörg Kijanski
Rasantes Roadmovie

Buch-Rezension von Jörg Kijanski Mai 2011

Ben, Chon und Ophelia verdienen mit dem Verkauf von erstklassigem Hydro-Gras an wohlhabende Kunden ihren Lebensunterhalt und stecken dick im Geschäft. So dick, dass das berüchtigte Baja-Kartell auf sie aufmerksam wird und den Dreien "vorschlägt", künftig für das Kartell zu arbeiten. Ben und Chon sind unterschiedlicher Auffassung, wie sie mit der unausgesprochenen Drohung umgehen sollen und einigen sich darauf, dem Kartell den sofortigen Rückzug aus dem Geschäft anzubieten. Doch der "Vorschlag" des Kartells war nicht dazu bestimmt, einen Gegenvorschlag zu unterbreiten. Wo käme man dahin, wenn dies künftig jeder machen würde?

Die drei Freunde beschließen, vorübergehend das Land zu verlassen und damit allem Ärger aus dem Weg zu gehen. Allerdings ist ihnen das Kartell bereits einen Schritt voraus, denn um den eigenen Wünschen den nötigen Nachdruck zu verleihen, wird kurzerhand Ophelia entführt und an einem geheimen Ort versteckt. Dort soll sie drei Jahre gefangen gehalten werden, bis ihre beiden Freunde ihre Schuld gegenüber dem Kartell beglichen haben. Gegen Zahlung eines Lösegeldes in Höhe von 20 Millionen Dollar würde man Ophelia aber umgehend freilassen. Da Ben und Chon so viel Bares nicht haben entwickeln sie einen tollkühnen Plan, der in einem Drogenkrieg zu enden droht …

Wenn sich zwei Männer gegen ein ganzes Drogenkartell auflehnen, so ist dies meist keine gute Idee. So auch nicht in dem neuen Roman Zeit des Zorns von Don Winslow, wie die beiden männlichen Protagonisten alsbald erfahren müssen. Der Plot ist im Stile eines Roadmovies geschrieben, wobei der Schreibstil des Autors womöglich den einen oder anderen Leser verstören dürfte. Kurze, zum Teil abgehackte Sätze, die wiederum teilweise in der nächsten Zeile (dann am Zeilenanfang mit Großbuchstaben – aber eben dennoch mitten im Satz!) fortgeführt werden. Zumindest war dies so in der vom Suhrkamp-Verlag vorgelegten "unkorrigierten Fassung", aber bei der Häufigkeit dieser vermeintlichen "Schreibfehler" muss es sich wohl um ein bewusst gewähltes Stilmittel des Autors handeln. Sei es drum, nach kurzer Zeit gewöhnt man sich daran. Ebenfalls beachtlich ist, dass Don Winslow es schafft, auf gerade einmal 338 Seiten beeindruckende 290 Kapitel unterzubringen. Wie das geht? Hier ein Beispiel:

 

Kapitel 66
Wenn man zulässt, dass einen die Leute für schwach halten, muss man sie früher oder später töten.

 

 

 

Kapitel 67
In diesem Punkt sind sich der patron des Baja-Kartells und Chon einig.
Nur dass der patron in Wirklichkeit eine matron ist.

 

Inhaltlich erhält man einen interessanten Einblick in die amerikanisch-mexikanische Drogenszene, in der sich Don Winslow ja bestens auskennt. Gelungen beschreibt er auch das Alltagsleben seiner Figuren, die sich mit dem tödlichen Stoff eine goldene Nase verdienen (um im Bild zu bleiben). Doch was tun, wenn einem die Millionen nur so zufliegen? Koksen, eine Linie ziehen und natürlich f… na ja, Sie wissen schon. Das böse F…-Wort kommt in zahlreichen Varianten geradezu inflationär vor und die teilweise expliziten Darstellungen nehmen einen nicht ganz unwesentlichen Anteil des Buchumfanges ein.

Das Duell zwischen Ben und Chon auf der einen und dem Kartell auf der anderen Seite ist durchaus unterhaltsam. Gekonnt versuchen die Beiden, der Drogenmafia ein Schnippchen zu schlagen, wobei man sich den Ausgang des ungleichen Duells vorzustellen vermag. Kann es im Drogenkrieg überhaupt einen Sieger geben? Die Polizei oder die DEA scheiden jedenfalls aus, denn sie spielen in dem Plot nahezu gar keine Rolle. Wer auf kurzweilige Unterhaltung in Form von drehbuchreifer Action steht, kann gerne zugreifen. Aber bitte unbedingt vor dem Kauf ein paar Seiten zur Probe lesen (siehe oben).

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Letzte Kommentare:
07.09.2014 13:26:42
Rüdiger Iske

Was Herr Kijanski in 2011 über das Buch "savages" von Don Winslow schrieb, war literaturpseudowissenschaftliche Selbstdarstellung und Humbug pur. : Wer dieses Buch in deutscher Sprache liest ist selbst schuld, denn nur im englischen kommt der unglaubliche Wortschatz und -witz des Autoren zur Geltung. Wer sich auch noch vorher "einige Seiten zur Probe" bestellt, hat hinterher auch nur noch einige Seiten zu lesen, da es insgesamt ein kleines Büchlein ist. Also: Auf Kijanski- Rezensionen achten und diese dann nicht lesen, stattdessen den Köpper wagen und so auch noch umsonst englisch lernen.

27.07.2014 13:56:46
www.derweissedrache.de

DON WINSLOW „Savage – Zeit des Zorn” ,Suhrkamp‘

Werbung ist eine Art, beschissenen Dingen schöne Namen zu geben. Pornografie hingegen gibt schönen Dingen behämmerte Namen. Ist auch eine Philosophie. Ob man der so folgen kann, oder möchte, liegt in der Entscheidung des Lesers. Don Winslow macht sich jedenfalls keine Platte, das so rüber zu bringen. Mit seinem Schreibstil, der vermutlich Steven King erröten, oder vor Neid erblassen, lässt, marodiert er durch seine Seiten, ist eine wahre Pracht. Hat einen rotzigen Ton am Leibe, da treiben, vermutlich, die Blüten der Kirschbäume aus. Andere Pflanzen machen das hier in jedem Fall. Wer einen Krimi lesen will ist hier gut bedient, wenn man mit seiner Art der Mitteilung klarkommt. Don schnüffelt auf dem Weg eines Roadmovie, gepaart mit den Ansätzen zu einem ausgewachsenen Thriller. Dass er dabei vieles auf die leichte Schulter nimmt, spricht, eher, für ihn. Dem Unbedarften in Punkto Unterschiede bei Drogen, Dope, Gras oder wie auch immer es heißt, etwas Nachhilfe zu ziehen, hat sich Winslow auf die Fahne geschrieben. Ist wie Weintrinken. Nur dementsprechend differenziert. In der Herstellung selbiger, D`s und G´s, hält er sich allerdings auffallend zurück. Erotisch zart besaitete Gemüter sollten „Savage“ im Regal stehen lassen, würden nicht wirklich mit seiner, Winslows, Art klarkommen. Oder man pirscht über seine Passagen hinweg. Und liest den spannenden Teil. Ben und Chon teilen sich die Arbeit, erster macht den Anbau und die Herstellung oben genannter kulinarischer Leckerbissen, der zweite übernimmt den Rest. Sie sind beliebt, bei „Angestellten“ und „Kunden“, also alles im Lot. Nur das jetzt Drogenkartelle expandieren wollen. Und auf die kleine „Familienfirma“ aufmerksam werden. So ein spezielles Leckerli, wie B&C-Dope, mit komplett funktionierender Infrastruktur, kommt da gerade recht, sich ins gemachte Bett zu legen. Zur Polizei kann man, verständlicher Weise, in diesem Fall nicht gehen, aber seine Beziehungen nutzen, um Hintergründe und Fakten zu erhalten und analysieren. Da Ben und Chon unterschiedlicher Meinung sind diese Probleme zu Händeln und wäre da nicht noch O gewesen, Ophelia, nennt die Frau nur niemals mit vollem Namen, macht man erst mal gute Miene zum bösen Spiel. O wird entführt, als Druckmittel gegen die beiden „Meisterköche“ eingesetzt, nur haben die, ohnehin schon von Querelen belasteten, Vollzeitdrogenbarone nicht mit dem Biss der zwei Freunde gerechnet und so gibt es ein paar nette Highlights, da haut es einen in die Ecke. Ein Kinderspielplatzdrogenkrieg ist eingeläutet. der sich recht schnell in ein flammendes Inferno verwandelt, da fast jeder hier verdienen will oder muss. Winslow parodiert eher einen Thriller, Tränen in den Augen sind schon garantiert. Und er stellt ein Berufsbild vor, das man nicht mit einer Lehre erlernen und den Meisterbrief erwerben kann. Oder man zur Arbeitsagentur gehen könnte, die einen weitervermittelt. Er zeigt, schonungslos, auf, dass ein Drogendealer in Berufsleben vor allem auf sich selbst gestellt ist. Einschließlich die Einnahmen sicher zu stellen, als auch die Ausgaben zu verwalten, wie Altersvorsorge, Krankenversicherung, Miete, Strom und Gas. Plus ein paar Extras für die, nicht eingeplanten, aber doch irgendwie erwarteten, anderen Ereignisse im normalen Leben eines Dealers, pardon, Dienstleisters.

29.11.2012 12:40:11
Peter Scheibenzuber

Es wundert mich nicht, dass "Zeit des Zorns" die Leserschaft spaltet. Vorweg: Ich finde das Buch absolute Klasse. Sein Schreibstil ist absolut "cool" und ich fragte mich mehrmals: "Ist er auf Drogen?". Ich habe von Winslow bisher alle Bücher gelesen und mir haben sie allesamt bestens gefallen. "Satori" auf die eine Weise und "Zeit des Zorns" auf die andere heben sich von seinen übrigen Büchern etwas ab. Über allen thront jedoch "Tage der Toten", für mich ein Meilenstein der Thrillergeschichten. Dennoch kann ich "Zeit des Zorns" (über den Inhalt ist ja eh genug geschrieben worden) wärmstens empfehlen.

28.11.2012 21:30:08
hardy

dem rezensenten lege ich übrigens die "illuminatus!" trilogie von ra wilson & r shea ans herzen, damit er eine vorstellung davon bekommt, wie man schon in den 70ern des _letzten_ jahrhunderts mit der von william s burroughs in den 50ern entwickelten "cut off" technik arbeiten kann.


dagegen sind die kleineren spielerein von winslow nun wirklich geradezu so betulich wie ein agatha christie roman (ich _liebe_ agatha christie).


bitte einfach mal in der jetztzeit ankommen.

28.11.2012 17:56:38
hardy

ich vergass, ich bin hier auf der krimicouch und hier gibt es mindestens 10 punkte abzug, wenn es zu viel sex in einem buch gibt.

warum auch immer.

sorry to say, aber dieses buch ist mindestens 94%, die sprache ist für unsere zeit so messerscharf, wie die eines raymond chandler zu seiner zeit war, die geschichte ist in einem fluss erzählt, der sich an die strategieen seines visuellen pendants orientiert und wenn irgendwo "kapitel" drüber steht, ist das für mich jedenfalls wie ein "schnitt" in einem film.

hochklasse buch! ich habe lange überlegt, was ich meinem amerikanischen blutsbruder zum geburtstag schenken soll.

jetzt weiss ich es: dieses buch im original.

von der kritik hier bin ich - offen gestanden - mehr als enttäuscht, sie ist "kleinkariert" und mal wieder "verklemmt". aber das kenne ich ja schon von anderen kritiken über bücher, in denen es zu viel sex und vor allem realität gibt.

jetzt freue ich mich auf den hochkarätig besetzten film.

03.10.2012 20:36:05
uknig

Ich fand es grandios. Die Story mag nicht besonders originell sein, aber es ist hochspannend und wirklich packend. Diese Spannung hält das Werk fast die gesamte Zeit.
Ein Grund dafür ist auch der kurze, abgehackte und manchmal reichlich zynische Stil des Autors. Für mich bislang mein persönlicher Favorit des Jahres, selten habe ich 338 Seiten so verschlungen wie "Zeit des Zorns". Ein starkes Stück Krimi.

24.08.2012 20:12:03
ingrida

Ein Nachsatz noch zum Sarkasmus von D.W.. der sich mir erschließen könnte: Obama ist ein Schwarzarbeiter im Weißen Haus, Immigrant aus Hawaii. Eigentlich mag ich politische Aussagen nicht besonders, aber das war Gut. Wenn Winslow gut schreiben würde in seiner Textausgabe, handlich in Buchform, würde es sich so lesen Gut

24.08.2012 19:57:18
ingrida

Ich habe die letzten 80 Seiten noch vor mir, mir gruselt es verdammt. Das Schriftbild fand ich zunächst tatsächlich verwirrend. macht allerdings Sinn. So etwa: Jetzt kommt der Satz mit Slogan-Wirkung. Und wenn ich shoppe, hole ich sämtliche Marken aufs Blatt. Ich bin von diesem ganz anderen Winslow als ich ihn bisher kannte, gefangen. Thriller?

21.05.2012 16:42:11
frankphilipp

Grundgütiger... Was für ein Buch.
Für mich der beste Winslow aller Zeiten. Wie kann der Mensch mit Sprache umgehen. An dieser Stelle auch einen dicken Dank dem Übersetzer.
Klasse Charaktere, ruppige Wortwahl... es geht so richtig zur Sache, in jeder Beziehung.
Ich will mehr davon und das möglichst schnell...

06.12.2011 14:31:20
Bruderconrad

Da muss ich Dennis O. ganz klar widersprechen: Das Buch und der Plot sind nicht schlechter, der Stil ist nur ganz anders. Natürlich wirkt die Story streckenweise ein wenig so, als sei sie ein Nebenprodukt (um nicht "Abfallprodukt" zu sagen) der "Tage-der-Toten"-Recherche. Trotzdem ist daraus ein eigenständiger Roman entstanden, der die ganze Brutalität dieses (bei uns) immer noch unbeachteten Drogenkriegs verdeutlicht.
Lesen!

01.12.2011 09:31:47
Dennis O.

Puh, meiner Meinung nach das schlechteste aller Don Winslow Bücher. Ich bin wirklich ein großer Fan, aber ich muss sagen, dass es hier wirklich schwer war, das Buch zu Ende zu lesen und nicht vorher wegzulegen. Die abgehackten Sätze, komischer Aufbaue der Sätze haben mich verrückt gemacht. Inhaltlich ist das ebenfalls einer der schwächsten Bücher.

Winslow hat mich hier sehr enttäuscht.