African Boogie

Erschienen: Januar 2011

Bibliographische Angaben

  • Erfurt: Sutton, 2011, Seiten: 382, Originalsprache

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Wolfgang Weninger
382 Seiten Spaß am Lesen!

Buch-Rezension von Wolfgang Weninger Mai 2011

Helmut Barz hat im Erfurter Sutton-Verlag seinen zweiten Krimi um die Frankfurter Kriminalistin Katharina-Klein veröffentlicht und sprengt dabei gleich die Grenzen, den er schickt die Chefin einer Sonderermittlereinheit gleich mal nach Mafia Island, einer kleinen Insel vor der Küste Tansanias und mit dieser durch eine Brücke verbunden. Hier ist ein Luxusferien-Ressort entstanden, das sich Golden Rock nennt und von einem Deutschen geführt wird.

Katharina muss aus der Schusslinie. Seit ihrem letzten Fall ist sie im Visier eines Profikillers und auch ihr Privatleben bedarf dringend eines gewissen Abstands von der Normalität. Doch die frischgebackene Kriminaldirektorin, halb Deutsche, halb Koreanerin, kommt vom Regen in die Traufe. Just der Mann, von dem sie am meisten Distanz bräuchte, der stellvertretender Chefarzt der Rechtsmedizin Andreas Amendt, weilt ebenfalls auf der Insel. Und rund um die beiden Urlauber scharren sich jede Menge deutsche Touristen, die eines gemeinsam haben: Sie haben den Aufenthalt bei einer Werbeaktion gewonnen.

Und dann geht es auch gleich rund auf dem seltsamen Inselchen, das nicht nur von bissigen Affen bevölkert ist. Die einzige Verbindung zum Land wird gesprengt und die Touristen sterben weg, wie die Fliegen und das zum Teil in gar grausigen Mordversionen. Katharina Klein und Andreas Amendt haben alle Hände voll zu tun, um nach Möglichkeit weitere Morde zu verhindern, indem sie versuchen den oder die Mörder zu stellen und die noch lebenden Touristen daran zu hindern, gewaltsam aus dem Leben zu scheiden.

382 Seiten Spaß am Lesen bereitet der in Offenbach am Main lebende Autor für den Leser vor. Dabei ist nicht alles schlüssig und oft wirken die Lösungen an den Haaren herbei gezogen, aber wenn man mit der chaotischen Kriminaldirektorin Klein über eine Leiche nach der anderen stolpert und dabei erlebt, wie ein stellvertretender Gerichtsmediziner à la MacGyver Operationen durchführt, dann darf man schon mit einem Augenzwinkern über so manches Logikmanko hinwegsehen.

Das Treiben von Katharina Klein und ihrem seltsamen Inselteam kommt so flott daher, dass man fast bedauert, dass dieses Buch so schnell zu Ende ist. Barz verliert sich nicht in ständigen Psychoattacken der deutlich mitgenommenen Hauptfiguren, sondern lässt sie so nebenbei zwischen Action und Slapstick den einen oder anderen Rückblick in die verkorkste Vergangenheit nehmen, damit der Leser auch wirklich mitbekommt, warum dieses mysteriöse Mordszenario auf der Insel stattfindet.

African Boogie ist seit langem wieder einmal ein Krimi aus deutschen Landen, der nicht in die Kategorie Regio-Krimi fällt und trotz humoristischem Einschlag dennoch genügend Spannung und Action bietet, um auch international bestehen zu können. Dass der Autor sich im Werbemetier und am Theater auskennt, merkt man, den er zerschneidet seine Kapitel nicht in winzige Episoden aus mehreren Handlungsabläufen, sondern lässt die Geschichte weitgehend chronologisch ablaufen und kümmert sich richtig um Dramaturgie, Regie und "Bühnenbild". Das macht den Krimi zu einem sehr angenehm und leicht zu lesenden Stück Unterhaltungsliteratur.

Man darf sich wünschen, dass es von Katharina Klein noch mehrere Fälle in ähnlicher Qualität zu lesen geben wird, denn Helmut Barz hat in African Boogie den Spagat zwischen Thriller und Humoreske geschafft, ohne dabei ins Schnoddrige abzugleiten, wie dies bei so manchen Kabarettisten der Fall ist, die sich in letzter Zeit als Autoren versucht haben.

African Boogie

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Letzte Kommentare:
13.06.2013 14:42:56
fridolinie

Seit langem mal wieder ein Buch, das etwas Neues bietet. Der Rezensent hat schon recht, die Logik lässt manchmal etwas zu wünschen übrig und man braucht auch das Verzeichnis der handelnden Personen - und am besten einen Stift, um zu markieren, wer denn schon alles ermordet wurde. Rasante Schauplatzwechsel fordern konzentriertes Lesen oder man muss zurück blättern a la "moment, der sass doch eben noch an der Bar, wieso ist der denn jetzt im Pool?" Aber es ist herrlich abgedreht und erfrischend anders.
Und, es hilft gar nichts, das Ende zuerst zu lesen!