Westend Blues

Erschienen: Januar 2009

Bibliographische Angaben

  • Erfurt: Sutton, 2009, Seiten: 380, Originalsprache

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Wolfgang Weninger
Melange mit Schuss

Buch-Rezension von Wolfgang Weninger Mai 2011

Der mit der Auszeichnung "Gewinner des Bloody Cover 2010" ausgezeichnete Erstling über die ungewöhnliche Frankfurter Ermittlerin Katharina Klein ist 2009 im Sutton Verlag erschienen und so gänzlich anders als die zwei Jahre später erschienene Fortsetzung African Boogie

Während mir African Boogie von Anfang an mit seinem unorthodoxen Konzept und den skurrilen Figuren Spaß beim Lesen bereitet hat, schlägt der Vorgänger stimmungsmäßig in eine völlig andere Kerbe. Katharina Klein, von der man hier noch nicht wissen kann, welch chaotische Ausmaße ihre Einsätze ob ihrer Gene und ihrer Vergangenheit annehmen können, schlägt sich mit sehr ernsthaften Problemen herum. Da wäre zum Einen die Sorge um das kleine Kind der ermordeten Nachbarin, zum Anderen aber die unablässig tickende Bio-Uhr, angesichts so vieler fescher und intelligenter junger Männer in ihrem Umkreis.

Aber gottlob hat es der Autor verstanden, hier nicht dem einen oder anderen Gefühlsdusel nachzugeben und auch richtig an der Handlung gebastelt, die deutlich mehr Fahrt aufnimmt, als sie es in African Boogie tut. WestEnd Blues ist ein passabler Krimi, der auch hier schon Ansätze zu humorigen Tendenzen liefert, wenn es um die Begleitperson von Katharina Klein geht. Die Kleinganoven und Bodyguards von Katharinas Patenonkel sind mit so viel Charme und Menschlichkeit gezeichnet, dass man sie fast lieber gewinnt als die Kommissarin selbst. Wenn dann auch noch ein bezauberndes Kleinkind durch die Buchseiten geistert, das beim "Mensch-ärgere-dich-nicht" auch den härtesten Gangster besiegt, kann man beim tränendrüsigen Durchschnittsleser ohnehin nichts mehr falsch machen.

Helmut Barz spielt wortreich mit allen Facetten, die das Publikum glücklich machen könnte. Schöne Frauen, ein Hauch von Sex und Gewalt, Kinder und Waffen und immer wieder auch ein Körnchen Ermittlungsarbeit, damit die Handlung in Fahrt bleibt. Gelegentliche Action und Gefahrenmomente für die hübsche Sonderermittlerin Klein dürfen nicht fehlen, aber im Endeffekt kann man nicht darüber hinwegsehen, dass der besondere Reiz des Buches nicht (nur) in der Geschichte um den Mord an der Nachbarin liegt, sondern eher im Drumherum. Noch hat WestEnd Blues nicht diesen ausgeprägten Hang zum Chaos und zur Humoreske und zur detailreichen Zeichnung der Figuren, aber man spürt schon, dass Helmut Barz bereit ist, seine Charaktere weiter zu entwickeln. Besonders Katharina Klein und Andreas Amendt können noch einen deutlichen Schuss mehr Lebendigkeit und Charisma vertragen, um zu Serienhelden zu werden.

Auch wenn der Roman nicht an jeder Ecke plausibel ist, so gehört er zu den besser und vor allem lesbarer konstruierten Kriminalromanen aus der deutschsprachigen Schublade und muss sich vor der ausländischen Konkurrenz in keinem Fall verstecken. Keine unnötigen Rückblenden, keine zerhackten und in drei Handlungssträngen verwobenen Kapitel, sondern lineare und leicht lesbare Geschichte, ganz entgegen dem gegenwärtigen Trend und genau deshalb empfehlenswert für Freunde der leichten und doch spannenden Literatur.

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