Das Regenmädchen

Erschienen: Januar 2010

Bibliographische Angaben

  • Berlin: Ullstein, 2010, Seiten: 304, Originalsprache
  • Hamburg: Hörbuch Hamburg, 2011, Seiten: 4, Übersetzt: Katja Riemann

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Wolfgang Weninger
Regionaler Bummelzug mit Charme

Buch-Rezension von Wolfgang Weninger Dez 2010

Der Autofahrer hatte keine Chance, als im Nebel auf der A 9 Richtung Berlin eine Gestalt vor den BMW taumelt. Und das Mädchen im Ballkleid hatte ebenfalls keine Chance und war bereits tot, als es auf dem Asphalt aufschlug.

Franza Oberwieser, die gerade ein Schäferstündchen mit ihrem Geliebten verbrachte, wird gemeinsam mit ihrem Kollegen Felix Herz zum Tatort gerufen. Der unschuldig-kindliche Eindruck der Toten, die vor der Kollision offensichtlich mit einem stumpfen Gegenstand am Kopf Bekanntschaft machte, beeindruckt die Kriminalistin zutiefst, die wegen ihrer privaten Situation deutlich angespannt ist. Beziehungsprobleme mit dem eigenen Mann und dem Geliebten und ein Sohn, im Alter der Ermordeten, der seit einiger Zeit abgängig ist, beschäftigen sie stark.

Auch ihr Kollege Herz hat es nicht gerade leicht, wird er doch zum vierten Mal Vater und weiß nicht, wie er die künftige Großfamilie in der zu kleinen Wohnung durchfüttern soll.

Neben diesem privaten Background der Ermittler konzentrieren sich die Recherchen auf das Umfeld der Toten, die bald identifiziert ist. So unschuldig, wie sie aussah, war sie offensichtlich nicht. Und auch Mutter und Bekannte können nicht alle Zweifel am Lebenswandel der angeblich frisch verliebten Frau beseitigen, so dass der Kreis der Verdächtigen immer größer wird …

Der Ullstein-Verlag hat den ersten Krimi der Österreicherin Gabi Kreslehner auf knapp 300 Seiten veröffentlicht. Dass die Diplompädagogin für Deutsch, technisches Werken und Theaterspiel das sprachliche Rüstzeug hat, zeigt sich im leichten und flüssigen Schreibstil, der vor allem in der Beschreibung von Stimmungen und Bildern seine größte Stärke aufweist.

Bei der Beschreibung ihrer Charaktere muss die Autorin noch zulegen. Vor allem ihre Hauptperson Franza Oberwieser wirkt in vielen Bereichen noch flach und profillos und kann beim Leser kaum mit Sympathiewerten punkten, was vielleicht daran liegt, dass ihre Umwelt deutlich entspannter mit ihr umzugehen scheint, als sie es in ihrer Gespaltenheit wahrnimmt.

Die Handlung läuft über weite Strecken genauso langsam, wie das Wasser im Ruderrevier in Ottensheim, woher die Oberösterreicherin gebürtig ist. Im Grunde genommen braucht der Roman diese Ruhe, die hier vermittelt wird, aber die familiären Verknüpfungen in den Mordfall und die privaten Probleme haben sprachlich mehr Intensität als die Ermittlungen, sodass man fast mehr von einem Frauenroman als von einem Krimi sprechen kann. Darüber hinaus ist die Geschichte zu simpel gestrickt, um den Leser mit großen Überraschungen zu konfrontieren und auch das vorhersehbare Ende ist kein fulminanter Abschluss sondern eher ein sanftes Ausklingen.

Leser, die einen ruhigen und gemächlichen Krimi in regionalem Ambiente lieben, können mit Das Regenmädchen nichts falsch machen. Kreslehners Erstling ist durchaus lesenswert und man darf gespannt sein, in welche Richtung die Autorin eine eventuelle Fortsetzung mit dem Kriminalisten-Duo in Erwägung zieht.

Das Regenmädchen

Das Regenmädchen

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Letzte Kommentare:
05.10.2011 17:35:02
linus63

Ein tragischer Unfall auf der A9, ein totes, junges Mädchen in einem glitzernden Ballkleid, Blut auf dem Rastplatz einhundert Meter entfernt - Franza Oberwieser und Felix Herz ermitteln .

Von den ersten Sätzen an war ich von dieser Geschichte gefesselt und dies hielt bis zum Ende des Buches an, das ich innerhalb eines Tages gelesen habe. Nach ein paar Seiten hatte ich mich in den ungewöhnlichen Schreibstil eingefunden und ihn bis zum Ende sehr geschätzt. Kurze Kapitel mit aneinandergereihten, kurzen Sätzen vermitteln mir nicht nur sehr effizient Informationen, sondern auch sehr ansprechend - teilweise sogar poetisch - Empfindungen, Sehnsüchte und Emotionen der jeweiligen Person und bringen Tempo in die Geschichte.

Das Ermittlungsteam lerne ich im Laufe des Buches immer besser kennen und die Personen kommen sehr sympathisch bei mir an. Jede ist menschlich und noch nicht abgestumpft, hat ihre Schwächen, Empfindungen und Gedanken, die von Frau Kreslehner ausführlich beschrieben werden. So spürt man z.B. bei Kommissarin Franza Oberwieser immer wieder die Last und die Müdigkeit ihrer nicht nur körperlichen, sondern vor allem auch seelischen Belastung durch ihren Beruf, während sie ihre Ermittlungen aber gleichzeitig als Auftrag oder Sucht sieht und deshalb immer weiter macht. Die Autorin gibt jeder der Figuren im Team ihren individuellen, außergewöhnlichen, familiären Hintergrund, der während des Falls immer wieder zur Sprache kommt und um ein weiteres Stück ergänzt wird, sowie ihre charakteristischen Merkmale, auf die Belastung durch die Arbeit bei der Kripo zu reagieren. Allerdings wirkt dies bei der Kommissarin für meinen Geschmack etwas überzogen - die kaputte Ehe und ihr Verhältnis, von dem sie annimmt, dass keiner Bescheid weiß, die Sorge um ihren Sohn und immer wieder der Wechsel zwischen der toughen Kommissarin und der (mit)fühlenden Frau und Mutter. Maire als Opfer ist ebenfalls eine sehr individuelle Persönlichkeit, von der ich im Laufe der Ermittlungen immer mehr erfahre. Als Kind missbraucht, dann weggelaufen und als sie endlich ihren Weg gefunden hat, wird sie jäh gestoppt. Beeindruckend finde ich auch die Darstellung der Folgen des Unfalls beim Fahrer des Unglückswagens, die letztendlich seine Familie in ihrer anscheinend heilen Welt zerstören.

Eine wirklich überraschende Wendung gibt es im Laufe der Ermittlungen dieses Mordfalls nicht, lediglich einige Hintergründe und damit einige Zusammenhänge waren nicht vorhersehbar. Dennoch bleibt die Spannung und das Fesselnde, teilweise durch die verknüpften Familienschicksale, aber auch durch die kursiv gedruckte Vorgeschichte Maries bzw. Parallelhandlung des Täters zur eigentlichen Ermittlung, erhalten. Besonders angenehm finde ich, dass sowohl das geflossene Blut, als auch die Anzahl der Toten überschaubar ist und trotzdem keine Langeweile beim Lesen aufkam.
Das Buch hat mir gut gefallen und ein weiteres Buch der Autorin werde ich sicher lesen.

27.08.2011 00:03:14
lenchen_196

Das Wesen in Abwesenheit

Die Protagonistin taucht auf den ersten Seiten des Romans auf und verschwindet sofort. Sie taucht auf, um auf der im Nebel versunkenen Fahrbahn der A9 tödlich überfahren zu werden.
Ein paar Zeilen im ersten Kapitel des Buches – und seine Hauptperson existiert nicht mehr. Trotzdem bleibt sie natürlich die Hauptperson, alle Geschehnisse im weiteren Verlauf des Buches haben einen Bezug zu ihr, alle Charaktere reden über sie. Dieser Plotaufbau ist sehr interessant. Eine Person, die nicht mehr existiert, sondern nur anhand der Erzählungen Anderer dargestellt wird. In deren Erinnerungen, Geschichten, und noch mehr in ihrem Schweigen. Dabei wird diese Person sehr lebhaft, real, „sichtbar“ dargestellt.
Je mehr man über das Mädchen erfährt, desto größer wird das Geheimnis um ihr Wesen. Die Leiche liegt im seltsamen Aufzug (ein Abendkleid) auf der Fahrbahn. Kein Personalausweis, keine Papiere, kein Nachweis, woher die Gestorbene kommt. Die Polizei versucht, die Leiche zu identifizieren. Bis zu einem bestimmten Zeitpunkt bringt es kein Ergebnis. Seltsam, denn es gibt praktisch überall Leute, die dieses Mädchen sehr eng kannten. Obwohl sie es so eng kannten, können sie unglaublich wenig verraten, wer es eigentlich war. Eine Schülerin auf der Flucht? Eine junge Soziopatin, süchtig nach spontanem Sex? Eine begabte Schauspielerin? Eine nicht weniger begabte Prostituierte?..
Die Suche nach den Antworten auf diese Fragen ist nicht weniger interessant, als die Suche nach dem echten Grund ihres Todes. Anscheinend ein tragischer Unglücksfall. Aber die Polizistin Franza Oberwieser, die in dem Fall ermittelt, erfährt, dass er einen düsteren kriminellen Hintergrund hat. Jemand hat dem Mädchen „geholfen“, bewusstlos auf die gefährliche Autobahnspur zu treten. Wer? Warum?
Wie es in echt spannenden Krimis ziemlich oft passiert, werden am Ende fast alle Beteiligten verdächtigt. Einschließlich der Familienangehörigen von Franza Oberwieser. Das Rätsel könnte man auf viele unterschiedliche Arten lösen. Leider ist die echte Lösung, die uns die Autorin gibt, nicht so faszinierend in Vergleich zu manchen denkbaren Möglichkeiten.
Trotzdem finde ich den Roman gut. Psychologisch, überzeugend, frisch, empfehlenswert. Zum Beispiel ist das Buch von seinem Umfang so gut wie eine Bahnreise von Berlin nach Hamburg. Oder von München (in der Nähe vom Tatort) nach Linz (nah zum Wohnort der Autorin). Ein schönes Mittel gegen Reiselangweile. Jedenfalls ist das Buch tiefer und bedeutsamer, als viele Reisekrimis, die an Bahnhöfen zum Verkauf angeboten werden. Echte Qualität! Trotzdem versucht die Autorin, ihr Buch noch „größer“ zu machen. Aus meiner Sicht sind manche Seiten und Episoden von Das Regenmädchen überflüssig. So wirkt die ganze Episode mit Geiselnahme fehl am Platz: Furchtbar, atemberaubend, scheint jedoch, als würde es aus einem anderen Buch kommen. Oder aus einem fremden Film. Hollywood-Like, sozusagen. Und das nur, um der Kripobeamtin einen Black-Out-Zustand zu verpassen. Weil die Autorin ihre Heldin zum ersten Treffpunkt mit Mörder in hilfloser Lage bringen möchte. Wenn Franza da nicht so hilflos wäre, hätte sie den Verbrecher gute fünfzig Seiten „früher“ verhaftet. Aber wir müssen noch diese fünfzig Seiten durchlesen, obwohl der Täter und das Tatmotiv bekannt sind. Ohne solche erzwungenen „Action“-Einlagen wäre das Buch noch besser.

11.02.2011 21:29:01
enzian

An einem frühen Morgen endet für einen Autofahrer die Fahrt in einem Albtraum. Auf regennasser Autobahn läuft ein Mädchen in sein Fahrzeug. Er kann nicht mehr ausweichen, das Mädchen ist tot. Sie trägt nur ein dünnes, glitzerndes Kleid.

Es stellt sich heraus, dass es sich um keinen Unfall, sondern um Mord handelt. Daher übernehmen die Kommissare Franziska Oberwieser und ihr Kollege Felix Herz die Ermittlungen.

In einem Nebenstrang lernen wir Ben und Marie kennen. Schnell wird klar, dass Marie das tote Mädchen ist. Zunächst scheint niemand Marie zu vermissen. Wie kam sie mitten in der Nacht auf die Autobahn?

Dann melden sich Menschen, die Marie kannten, darunter auch ihre Mutter. Marie hat ihr Elternhaus verlassen und lebte zuletzt in einer Sozialeinrichtung. Die Gründe für ihre Probleme sind in der Vergangenheit, in ihrer Kindheit, zu finden.

Vor ihrem Tod scheint sich ihr Leben jedoch gewendet zu haben. Es sah so aus, als ob sie ihr Glück gefunden hat.

Einige der Personen, die Marie kannten, hüten ein Geheimnis und machen sich verdächtig.

Schließlich findet Franziska heraus, dass ihr Sohn Ben Marie kannte. Hat er mit ihrem Tod zu tun? Was weiß Franziska wirklich über ihren Sohn?

Dann überschlagen sich die Ereignisse und es kommt zu einer unerwarteten Entwicklung.



Der Leser befindet sich sofort mitten im Geschehen. Schon nach den ersten Zeilen stand für mich fest, dass das Mädchen keine Chance hat und sterben wird.

Gabi Kreslehner hat aus den Einzelteilen eines Puzzles ein Bild zusammengesetzt. Darin kommen das Regenmädchen, ihr Freund und ihr Mörder zu Wort und schildern die Ereignisse aus ihrer Sichtweise.

Daneben gewinnen wir einen tiefen Einblick in das nicht unkomplizierte Privatleben der sympathischen Kommissare Franziska, genannt Franza, sowie ihres Kollegen Felix.

Wir lernen mit Franza eine starke Person kennen, die aber auch Schwächen hat.

Die Handlung wird nicht nur düster dargestellt, sondern durch nette Episoden aufgelockert. Etwa, als Franza ihren Kollegen Felix mitten im Sommer mit ihrem Weihnachtsgebäck überrascht.

Gabi Kreslehner hat einen Kriminalroman geschrieben, der sehr gefühlvoll, mitunter schon poetisch gestaltet ist.

Das Cover passt ausgezeichnet zum Inhalt des Buches, welches ich nur weiterempfehlen kann.

07.02.2011 14:42:45
strangegirl29

Der nicht perfekte Engel Marie
5

Gern wollte ich das Buch in einem Rutsch lesen, da es mit 302 Seiten nicht gerade ein dicker Wälzer ist, was er hätte von mir aus gern sein können.
Ich empfand aber diese 300 Seiten als totalen Lesegenuss, tief bin ich in dieses Buch eingetaucht und gern hätte alles noch ausführlicher sein können.
Die Schreibweise von Gabi Kreslehner fand ich außergewöhnlich ungewöhnlich und hat dieses Buch zu etwas Besonderem gemacht.
Dieses Krimidebüt hält einem gefangen und lässt lange nicht wieder los.

Der Fall von Franzika Oberwieser ( im Buch aber nur Franza genannt )und ihrem männlichen Kollegen Felix Herz hat es in sich und geht Ihnen sehr an die Substanz.
Sie werden zu einem Autounfall auf der A9 gerufen, bei dem ein junges Mädchen im Ballkleid überfahren wurde und dabei ums Leben kommt.
Der Fahrer des Autos ist mehr als geschockt, immer wieder behauptet er, sie wäre wie ein Geist aus dem nichts auf der verregneten Fahrbahn erschienen.
Später erfahren wir, dass es sich bei diesem Mädchen um Marie handelt, lebend in einer Sozialeinrichtung, geprägt durch eine schwere Kindheit.
Dies fand ich besonders gut an diesem Buch, dass der Charakter der Marie sehr facettenreich war.
Durch Rückblicke und Erzählungen erfahren wir viel über Marie und sie war nicht nur der Engel im weißen unschuldigen Kleid.
Doch gerade scheint ihr Leben positiv zu werden und sie sieht einer schönen Zukunft entgegen.

Immer wieder erwähnerswert, das WIE, wie alles beschrieben wird, durch kurz eingeschobene Nebensätze..etc.man spürt den Regen förmlich, von dem oft die Rede ist.

Auch Franza ist ein mehr als interessanter Charakter, wir lernen sie mit all ihren Höhen und Tiefen kennen.
Sie hat ein nicht ganz leichtes Privatleben, ihr Mann Max ist fremd gegangen und hat ein Kind mit einer Schwedin, ihr Sohn Ben kapselt sich immer mehr ab und macht dicht.
Ihren Ausgeich findet sie in einer heissen Affäre mit einem Theaterschauspieler.

Ich habe dieses Buch als sehr melancholich und tragisch empfunden und kann nur hoffen und mir wünschen dass noch weitere Bücher mit Franza und Herz erscheinen werden.
Sie hinterlassen ein einzigartiges Gefühl beim und nach dem Lesen.

Der einzige Kritikpunkt ist für mich das Cover, ich empfinde es als leicht irreführend, ist doch Marie mitte 20 und auf dem Cover ein Kind was nicht mal halb so alt ist.
Oder soll es das andere Kind sein, was ja auch eine wichtige Rolle in der Story spielt, ohne jetzt zuviel verraten zu wollen.
Das Cover erschliesst sich mir nicht so ganz.

Mit diesem Buch hat Gabi Kreslehner mich zu ihrem begeisterten Leser gemacht.

18.01.2011 09:36:54
zwergfrosch

Ein junges Mädchen taumelt im nassen Morgengrauen vor ein Auto und stirbt. Was im ersten Momnet noch für einen Unfall durchgehen könnte, entpuppt sich kurz darauf als Mord.

Und mit ihrem Sturz reißt das Regenmädchen noch andere Personen mit.

Gabi Kreslehner lässt sich Zeit mit ihrem Plot, mit der Entfaltung der Charaktere. Der Mord ist nicht spektakulär, sondern lässt immer noch die Möglichkeit des unglücklichen Unfalls zu. Zwischen den Ereignissen im Hier und Jetzt lernen wir Marie kennen, wenigstens ein bisschen.alles erzählt, durch den kursiv gedruckten Text wie eine Stimme aus dem Off erscheinend, von einer offenbar männlichen Person, welche nicht näher benannt ist. Und auch die Kommissarin, die mit diesem Fall betraut ist lernen wir sehr ausführlich kennen in ihrem Leben und Lieben. Warum? Diese Ausführlichkeit wird im letzten Drittel des Buches ihren Sinn erweisen. Da treffen sie alle aufeinander, die in diesem Fall verwoben sind. Die tote Marie wird Franzas Wege ziemlich nahe streifen.

Gabi Kreslehner bedient sich in ihrem Kriminalroman einerseits einer sehr poetischen Sprache, die man als Leser schon fast kurz vorm Kitsch bezeichnen kann und andererseits auch einer derben, deutlichen, erotisierten. Gut passt es trotzdem zueinander. Widersprüchlichkeiten im menschlichen Leben, vielschichtige Charaktere, Menschen die sich von Bezugsperson zu Bezugsperson anders geben und auftreten, von unterschiedlichen Menschen verschieden wahrgenommen und interpretiert werden.

Es ist eher ein leiser Kriminalroman, vielleicht mehr sogar ein Drama. Aber ein guter Debütroman für Erwachsene von Frau Kreslehner. Über eine Fortsetzung mit diesem Ermittlerteam würde ich mich freuen.

08.01.2011 14:09:47
KimVi

Jens Bohrmann befindet sich auf dem Rückweg von einem Wochenende mit seiner Geliebten. Er nutzt die A9 um zu seiner Ehefrau und den Kindern zu fahren. Plötzlich taucht vor seinem Wagen eine junge Frau auf. Bevor Bohrmann reagieren kann kommt es zum Aufprall. Die junge Frau stirbt noch an der Unfallstelle.

Die Kommissare Franza Oberwieser und Felix Herz werden an den Unfallort gerufen und mit den Ermittlungen betraut. Sie treffen dort auf den Unglücksfahrer, der mit der Situation völlig überfordert ist, da es für ihn nicht die geringste Chance gab, dem Mädchen auszuweichen. Auf einem Rastplatz in der Nähe findet die Polizei Blutspuren des Opfers. Die junge Frau muss also bereits vor dem tödlichen Aufprall verletzt gewesen sein. Ein gewöhnlicher Unfall kommt den Ermittlern deshalb unwahrscheinlich vor. Sie gehen von einem Mord aus. Doch wer könnte das Mädchen auf die Autobahn und damit in den Tod getrieben haben?

Das Buch ist in einzelne, manchmal recht kurze, Kapitel unterteilt. Das Geschehen wird aus verschiedenen Perspektiven betrachtet. Dabei stehen in der Gegenwart die aktuellen Ermittlungen im Vordergrund. Man lernt allerdings auch die ermittelnden Beamten und ihre privaten Hintergründe kennen. In kursiver Schrift gibt es Rückblicke in die Vergangenheit. Hier erfährt man etwas aus dem Leben von Marie, der getöteten jungen Frau. Durch die Rückblenden zieht man eigene Schlüsse, wird dabei allerdings oft auf falsche Fährten geführt. Denn zunächst ist nicht klar aus wessen Sicht die beschriebenen Szenen betrachtet werden und wie sie in die aktuellen Ermittlungen einzuordnen sind. Dadurch bleibt die Handlung durchgehend interessant. Die kurzen Kapitel verleiten zusätzlich zum Weiterlesen, sodass es schwer fällt das Buch aus der Hand zu legen.

Der Schreibstil ist zunächst etwas gewöhnungsbedürftig. Doch schon nach wenigen Seiten fällt es leicht, sich auf den anspruchsvolleren und stellenweise sogar melancholisch wirkenden Erzählstil einzulassen. Fast schon poetisch schildert Gabi Kreslehner einzelne Abschnitte. Es gibt allerdings auch starke Kontraste in diesem Stil. Denn in einigen Passagen verwenden die Protagonisten eine derbe und vulgäre Ausdrucksweise. Aufgrund der Beschreibungen der Autorin kann man sich die Handlungsorte sehr gut vorstellen und die dort herrschende Stimmung spüren.

Die Protagonisten dieser Kriminalhandlung sind facettenreich. Kommissarin Franza Oberwieser ist beruflich ziemlich ausgebrannt und verfügt über ein ziemlich bewegendes Privatleben. Das Verhältnis zu ihrem Sohn Ben ist nicht ganz einfach und ihre Ehe kurz vor dem Ende. Franza hat ein Verhältnis mit einem Schauspieler und meint, dass nur sie davon wüsste. Diese Hauptprotagonistin hat einige Ecken und Kanten und deshalb fällt es anfangs nicht ganz leicht, sie sympathisch zu finden. Auch Kollege Felix Herz ist mit seinem Privatleben momentan nicht so ganz zufrieden. Ohne überhaupt mit ihm darüber zu sprechen, hat seine Ehefrau beschlossen, dass es Zeit wäre ein viertes gemeinsames Kind zu bekommen. Über das Opfer Marie erfährt man im Verlauf der Ermittlungen immer mehr. Dabei stellt sich heraus, dass die junge Frau kein leichtes Leben hatte und kurz vor ihrem Tod gerade auf dem Weg war, ihr Leben doch noch in den Griff zu bekommen. Die Protagonisten wirken real und lebendig. Sie sind keine Helden, sondern haben Fehler und Schwächen. Dennoch wirkte das turbulente Privatleben der Kommissarin und die Lebensgeschichte der Getöteten stellenweise etwas überzogen und damit unglaubwürdig.

Der aufmerksame Leser kann den Täter wahrscheinlich schon vor der eigentlichen Auflösung erahnen. Da das Motiv allerdings zunächst nicht klar ist, bleibt die Handlung dennoch interessant.

Mein Fazit

Das Krimi-Debüt von Gabi Kreslehner konnte mich durch einen außergewöhnlichen Erzählstil überzeugen. Obwohl ich zunächst Schwierigkeiten hatte, mit der Kommissarin Franza Oberwieser warm zu werden, würde ich gerne weitere Fälle des Ermittlerteams verfolgen und nebenbei erfahren, wie sich das recht turbulente Privatleben der Hauptprotagonisten weiterentwickelt. Ich bewerte das Buch mit vier von fünf möglichen Bewertungssternen. Einen ziehe ich ab, da die Handlung stellenweise etwas klischeehaft und konstruiert wirkte.

04.01.2011 14:25:16
subechto

Zur falschen Zeit am falschen Ort?
Oder steckt mehr dahinter?

Ein schönes junges Mädchen wird auf regennasser Straße von einem BMW überfahren und stirbt.
In einem anderen Handlungsstrang lernen wir Ben und Marie kennen. Ist Marie Das Regenmädchen? Wer ist Ben? Und wie passen die beiden Geschichten zusammen? Diese Fragen werden im Verlauf der Ermittlungen von Kommissarin Franza Oberwieser und ihrem Kollegen Felix Herz beantwortet.

Der Erzählstil von Gabi Kreslehner ist sehr poetisch, aber gewöhnungsbedürftig: kurze, abgehackte Sätze mit vielen Kommas, hämmern staccatohaft auf den Leser ein. Später weicht die Poesie jedoch zunehmend einer ziemlich drastischen, derben Ausdrucksweise. Dennoch lässt sich der Roman gut lesen und hinterlässt einen bleibenden Eindruck.

Leider ist mir die Kommissarin nicht sonderlich sympathisch: dass sie ein Privatleben hat, finde ich zwar positiv, aber da sind mir zu viele Geheimnisse, zu viele Lügen. Auch ihr Verhalten finde ich in vielen Punkten nicht professionell, um nicht zu sagen lächerlich!

Die ganze Story erscheint mir ein bisschen zu konstruiert: z.B., dass Mutter und Lehrer mal ein Paar waren. Und Mitleid mit dem Opfer kann ich da auch nicht wirklich empfinden, nach dem Motto: ich war jung und brauchte das Geld...

Last but not least gefällt es mir nicht, wenn bei einem Kriminalroman der Leser den Ermittlern immer einen Schritt voraus ist. Das nimmt mir den Spaß am Mitraten und schmälert meinen Lesegenuss. Daher bin ich hin und her gerissen. Insgesamt 3- würde ich sagen.

03.01.2011 22:37:53
steso

Ein junges Mädchen in Partykleidung wird Opfer eines Verkehrsunfalls. Kommisarin Franza Oberwieser und ihr Kollege Felix Herz beginnen zu ermitteln und kommen nach und nach vielen Fragen und Ungereimtheiten auf die Spur.

Die handelnden Personen sind mit viel Tiefe und Komplexität beschrieben, vor allem Franza ist eine Persönlichkeit mit vielen Facetten, die mich als Leser sehr gefesselt hat. Besonders wohltuend fand ich den Verzicht auf ausführliche Personenbeschreibungen, die durch vorsichtige Andeutungen ersetzt werden und viel Raum für eigenen Vorstellungen lassen. Sehr angenehm ist auch, dass ein Krimi tatsächlich mit so wenig Gewalt, Tod und Tatortbeschreibungen auskommen kann.

Der Schreibstil der Autorin ist fantastisch: sachlich, auf den Punkt dabei immer wieder poetisch ergreifend und dem Alltäglichen zauberhafte Eindrücke abringend.

Ich habe das Buch in einem Tag gelesen und war durchgängig gefesselt und nicht eine Sekunde gelangweilt. Im Rückblick habe ich allerdings den Eindruck, dass "etwas zuviel" im Buch enthalten war - genaueres verrate ich jetzt natürlich nicht - aber besonders am Ende hätte mindestens eine Wendung weniger auch nicht geschadet...