Mach sie fertig

Erschienen: Januar 2011

Bibliographische Angaben

  • Stockholm: Wahlström & Widstrand, 2008, Titel: 'Aldrig fucka upp', Seiten: 498, Originalsprache
  • Frankfurt am Main: Scherz, 2011, Seiten: 592, Übersetzt: Antje Rieck-Blankenburg

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Wolfgang Weninger
Ein lasches Psychogramm dreier Loser

Buch-Rezension von Wolfgang Weninger Dez 2010

Was mein Krimi-Couch-Kollege Jochen König in seiner Rezension zu Jens Lapidus Erstling Spür die Angst schrieb, lässt sich mit Ausnahme der handelnden Personen fast hundertprozentig auch zum zweiten Buch des Schweden Mach sie fertig übernehmen. Der von Antje Rieck-Blankenburg aus dem Schwedischen "Aldrig fucka Upp" übersetzte Thriller aus dem Scherz-Verlag mit dem unübersehbaren Aufkleber "Brutal spannend!" kann über weite Strecken auf den 589 Seiten den Vergleich mit der guten Konkurrenz auf dem Buchmarkt nicht halten.

Wieder verwebt der Autor die Geschichte dreier Männer, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Mahmud, Kleinganove, Dealer mit muslimischem Background, hat die Regeln seiner Organisation gebrochen. Er überlebt das Russische Roulette, muss aber binnen kürzester Zeit seine Schulden in der Gang begleichen. Im Gegensatz zu seinem immigrierten Vater, der ein arbeitsamer Mensch ist und sich um die Zukunft seiner Familie sorgt, hat Mahmud keinen Bock auf geregelte Arbeit. Und weil er sich persönliche Vorteile von der Serben-Mafia verspricht, wechselt er die Seiten.

Der zweite Mann in dieser Geschichte ist Niklas. Früher hatte er sich als Söldner verdingt, aber jetzt ist er zurück in Stockholm und hat keine Ahnung, welcher Beschäftigung er nachgehen sollte. Für die diversen Securityfirmen ist er zu abgedreht und so hält er sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser. Als im Keller des Hauses seiner Mutter die Leiche deren Freundes gefunden wird, wird es dem Waffennarren zu unbequem. Dabei findet er es gut, dass dieser ermordet wurden, denn er konnte den Frauenschinder nicht ausstehen. Und weil Niklas nichts Besseres einfällt, macht er sich selbst zum Beschützer misshandelter Frauen. Er beobachtet mit aller technischer Raffinesse diejenigen Frauen, die er für gefährdet hält und erarbeitet Pläne, deren brutale Lebenspartner abzuservieren.

Der dritte im Bunde ist der Streifenpolizist Thomas aus dem Polizeibezirk Söderort. Wenn es ihm und seinem Kollegen Ljunggren in den Kram passt, dann fahren sie zu den Einsatzorten, die wenig Arbeit und viel Unterhaltung versprechen, aber wenn keine Lust da ist, dann überhören sie auch gerne mal den Polizeifunk. Aber einmal reagiert Thomas falsch. Und schon hat ihn die Interne Abteilung am Kragen und versetzt ihn bis zur Klärung der Sachlage auf einen Bürojob, der nicht nur weniger Abwechslung, sondern auch weniger Lohn verspricht. Thomas fühlt sich hintergangen und versucht die Wahrheit ans Licht zu bringen, aber seine Kollegen und Vorgesetzten blocken, denn er scheint in ein Wespennest stechen zu wollen. Die Frustration im Job und der Wunsch seiner Frau nach Nachwuchs treibt den Polizisten ebenfalls ins Netz der Serben-Mafia, für die er nebenbei als Türsteher arbeitet.

Und so kreuzen sich langsam aber sicher die Wege der drei Hauptpersonen, für deren Lebenslauf sich Jens Lapidus intensiv Zeit nimmt und zeigt, wie sehr diese Loser zunehmend an Realitätsverlust und Frust leiden und immer tiefer in ihr eigenes Verderben rennen. Dieses Übermaß an Lebensgeschichten hindert im vorliegenden Fall aber deutlich daran, die Handlung voran zu treiben und die nötige Spannung aufzubauen. Jedes Mal, wenn man beim Lesen denkt, es gehe jetzt endlich mit ein wenig Action los, wechselt der Autor den Schauplatz und arbeitet am nächsten Psychogramm weiter. Dabei bleibt er so trocken und ausdruckslos, dass man glaubt, der Strafverteidiger Lapidus hätte aus einer seiner Gerichtsakten abgeschrieben, denn der kaum vorhandene Spannungsbogen widerspricht dem zu Beginn angesprochenen Aufkleber deutlich. Die wenigen Actionsequenzen lassen das Blut keineswegs in Wallung geraten und wenn man von Brutalität spricht, dann darf Herr Lapidus gerne mal bei Mo Hayder und Don Winslow in die Lehre gehen.

Mach sie fertig liest sich eher wie eine Entschuldigung des Strafverteidigers, warum seine Mandanten so tief in den Abgrund gerutscht sind. Und dafür ist die Klassifizierung als Thriller deutlich zu hoch gegriffen.

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