Madame ist leider verschieden

Erschienen: Januar 2010

Bibliographische Angaben

  • Paris: Editions 10/18, 2003, Titel: 'Mystère rue des Saint-Pères ', Seiten: 282, Originalsprache
  • München; Zürich: Piper, 2010, Seiten: 335, Übersetzt: Gaby Wurster

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Wolfgang Franßen
Mysterien

Buch-Rezension von Wolfgang Franßen Sep 2010

Zwei ehemalige Bouqinistinnen entwerfen die versunkene Welt der Pariser Weltausstellung neu und besitzen ein feines Gespür fürs Ambiente. Claude Izner heißen eigentlich Liliane Korbe und Laurence Lévre und haben den Ermittler Victor Legris aus der Rue des Saints-Pères kreiert, der - was liegt näher - von Zuhause aus Buchhändler ist und in bisher neun ihrer Romane dem Verbrechen hinterher jagt.

Ein Schelm, wer da an die berühmten Vorbilder Hercule Poirot oder Arsène Lupin von Maurice Leblanc denkt. Ebenso betulich, wenn auch unglücklich in Tasha verliebt, stolpert besagter Legris auf dem gerade errichteten Eiffelturm über die Leiche von Madame Eugénie Patinot, die sich in das goldene Buch eintragen wollte. Womit eine Reihe Todesfälle auf dem Gelände der Weltausstellung aufzuklären sind, die sich infolge von Bienenstichen ereignen. Claude Izner mag es, jovial vom Verbrechen zu erzählen.

Das Szenario ist durchaus bekannt. Ein Puzzle wird zusammengesetzt. Für denjenigen der sowieso frankophil ist, eine kurzweilige Unterhaltung. Und wenn Maupassant noch als Zaungast vorbei schaut, dürfen die Leser sich genüsslich zurücklehnen und von der guten alten, französischen Zeit schwärmen. Auch wenn der Staub, der sich auf manche Ausgabe in Victor Legris Buchhandlung mit den Jahren gesenkt hat, sich leider auch auf den Plot dieses Kriminalromans bemächtigt.

 

Die Straße, die auf Befehl Napoleons I. angelegt worden war, hatte später den Namen seines Generals Lepic bekommen. Sie war breiter als die alten, gewundenen Gassen am Hügel und hallte wider vom Rumpeln der Kutschen und Droschken, deren Pferdegespanne sich den Hang zur Butte Montmartre hinaufquälten.

 

Gleich fühlt man sich, als besuche man ein weiteres Mal die Welt eines Balzacs. In dem detailreichen Spiegelbild einer untergegangen Epoche - deren Erzählstränge wie bei Colette üppig bebildert werden - arbeitet das Verbrechen sich als gesellschaftliches Ereignis ab, damit die Sonderausgaben der Tageszeitungen reißenden Absatz finden. Erst durch ihr Erscheinen wird der Atemstillstand des ersten Opfers mittels eines anonymen Hinweises in Versen zum Mordfall.

Die Karikatur auf der ersten Seite wird zum Skandal. Der Herausgeber setzt sich der Ächtung der seriösen Presse aus. Das Karussell dreht sich um Victor Legris, seinen Kompagnon Kenji Mori, um Tasha K., die Karikaturistin des "Passe-partout", um Inspektor Lecacheur. Man lauscht an Türen, spielt in fliegenden Röcken Fangen oder Seilhüpfen, Arbeiterinnen "vespern".

 Mord als Gesellschaftsspiel. Als Rätsel. Als Aufruhr des Zeitvertreibs.

Auch die weiteren Kriminalromane von Claude Izner widmen sich Paris, von deren Kunst und Literatur die beiden Autorinnen, wie sie freimütig im Anhang preisgeben, insgeheim fasziniert sind. Mit Claude Izners Augen durchwandern wir das Marais, den Père Lachaise, ermitteln am Montmartre, folgen der Postkartenidylle krimineller Verfehlungen.

Ein bebilderter, in Sätzen gefasster Besuch im 19. Jahrhundert, der einem Blättern in vergilbten Schwarzweißfotografien gleichkommt. Man erinnert sich nur allzu gerne, obwohl man unmöglich vor Ort gewesen sein kann. Pagnol und seine beschauliche Provinz sind nicht weit. Auch wenn Madame ist leider verschieden in ein städtisches Gewand gehüllt ist.

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Letzte Kommentare:
03.08.2020 16:55:29
tassieteufel

1889 findet in Paris die Weltausstellung statt, bei der der neu errichtete Eiffelturm das Highlight ist. Auch Victor Legris, der zusammen mit seinem Freund und Ziehvater Kenji Mori eine kleine Buchhandlung in Saint Germain führt, begibt sich in die luftigen Höhen des Turms, wo er mit Freunden verabredet ist um sich in das Goldene Besucherbuch einzutragen. Auch Madame Patinot ist dort mit ihrer Nichte und den Neffen, als sie nach einem vermeintlichen Bienensticht tot zu Boden sinkt. Nach diesem unglücklichen Ereignis geschehen aber noch eine Reihe weiterer Todesfälle, immer scheinbar nach einem Bienenstich und immer in der Nähe von Victor, dem das ganze sehr merkwürdig vorkommt und der zu ermitteln beginnt!

Tja nun, was soll ich zu dem Buch sagen??? Ja, es hat viel Charme, die Figuren sind sympathisch und interessant und das Paris kurz vor der Jahrhundertwende wird auf sehr atmosphärische Weise geschildert. Aber ein Krimi war das Buch für mich nicht! Selten habe ich einen Krimi gelesen, der derart spannungsarm und blutleer war wie dieser. Wenn vorne Krimi drauf steht, sollte auch Krimi drin sein. Hätte man das Buch als historischen Parisroman ausgewiesen, wäre das sicher sinnvoller gewesen. Wer historische Romane aus dem 19. Jahrhundert mit etwas schrägen Charakteren und einer kleinen Liebesgeschichte mag, der ist hier sicher gut bedient, für einen Krimileser ist das Buch doch sehr enttäuschend! Denn bis überhaupt so etwas wie eine Krimihandlung beginnt, ist das Buch schon halb rum. Der gute Victor stolpert blind hinter der von ihm angebeteten Tasha, einer jungen Malerin und Karikaturistin, her und verdächtigt abwechselnd sie und seinen Freund Kenji Mori der Mörder zu sein, eine Art Ermittlungstätigkeit sucht man vergebens. Und dafür dass sich am Anfang alles sehr in die Länge zieht, erfolgt die Auflösung der Mordfälle am Ende doch recht überstürzt und wird sehr abrupt abgehandelt! Über das Mordmotiv kann man sicher streiten, ein wenig arg konstruiert fand ich es schon, hab aber auch schon schlechteres gelesen.
Nun ich will nicht nur meckern, das Schwesternpaar dass das Buch gemeinsam verfasst hat, hat einen angenehmen Schreibstil, der an die Zeit angepaßt ist und sich gut lesen läßt. Man merkt dass sie sich vor Ort auskennen und haben Paris mit seinen vielen malerischen Ecken und Vierteln liebevoll geschildert. Die Atmosphäre zur Weltausstellung hat mir gut gefallen und das Flair dieser Zeit wird sehr greifbar zum Leser gebracht. Die Zeit ist auf allen Ebenen im Umbruch, sowohl in der Kunst als auch in der Technik und im gesellschaftlichen Leben, eine spannende Epoche, die eigentlich viel Potenzial für einen historischen Krimi geboten hätte. Ob ich einen zweiten Teil lesen werde, da muß ich noch überlegen, vielleicht wenn ich mal viel Lust auf das historische Paris habe, jetzt weiß ich ja, was mich erwartet.

FaziT: um es kurz zu sagen: das Buch hat Charme und Flair, aber der Krimifall ist enttäuschend und ohne jegliche Spannung. Für einen historischen Roman wäre das Buch ganz gelungen, aber hier wurde extra mit dem Wort „Pariskrimi“ geworben und von einem Krimi erwarte ich immerhin ein gewisses Maß an Spannung das hier leider völlig fehlte!

24.07.2012 22:58:07
Bermpohl

Auch meine Geduld war nach ca.60 Seiten erschöpft. Habe das Buch weggelegt und war froh über diese Entscheidung. Eine quälende Erzählweise ohne Spannung und Dramatik. Bin ein sehr großer Paris Liebhaber und habe mich gefreut einen Paris Krimi in der Hand zu haben, aber es verdient diesen Titel überhaupt nicht. War das erste und letzte Buch von diesem Autor.

05.02.2012 05:13:43
Berliner

Der Plot kommt mühselig in Schwung und versucht weitere Stränge in die Zukunft zu legen, um mit der Serie fortzusetzen.

Die Handlungsstränge laufen um Spannung bemüht gleichzeitig ab. Was aber trotzdem nicht zu einem Mindestmaß an Tempo führt. Eine kleine Romanze trägt die Geschichte besser als das zu klärende Verbrechen.

Eher für das Kapitel vor dem Einschalfen als für einen regnerischen Nachmittag

Ich werde keinen weitern Band kaufen

Wertung: bemüht

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