Wildnis

Erschienen: Januar 1984

Bibliographische Angaben

  • New York: Delacorte Press /S. Lawrence, 1979, Titel: 'Wilderness', Seiten: 243, Originalsprache
  • Frankfurt am Main; Berlin; Wien: Ullstein, 1984, Seiten: 158, Übersetzt: Ute Tanner
  • Bielefeld: Pendragon, 2012, Seiten: 280, Übersetzt: Ute Tanner

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Jochen König
Meine Frau, die Wildnis und ich

Buch-Rezension von Jochen König Sep 2010

Wildnis ist ein Non-Spenser-Roman Robert B. Parkers. Aber nicht gar so weit entfernt von seinem Serienhelden und dessen ideellem Umfeld. Geographisch geht es hinaus aus der Stadt, mitten hinein in herbstliche Wälder. Jagdsaison.

Der Autor Aaron Newman wird beim Joggen zufällig Zeuge eines brutalen Mordes. Er kann den Täter als einen gewissen Adolph(!) Karl identifizieren und teilt sein Wissen mit der Polizei. Doch als er abends nach Hause zurückkehrt, findet er seine Frau Janet nackt, gefesselt und misshandelt im eigenen Schlafzimmer vor. In die Haut geritzt eine eindeutige Warnung. Newman zieht seine Aussage zurück und Karl kommt auf freien Fuß. Zutiefst gedemütigt fassen Newman und seine Frau den Plan, Karl zu ermorden. Da sie Laien auf diesem Gebiet sind, bitten sie ihren Freund und Nachbarn Chris Hood um Hilfe. Der Ex-Marine und ausgebildete Karatekämpfer macht ohne Umschweife mit.

Es folgt eine Zeit des Observierens, Zauderns und der Diskussionen ums eigene Selbstverständnis. Bis Hood einen Profikiller auf dem Gelände seines Freundes Aaron erwischt. Spätestens jetzt ist klar: Karl wird keine Ruhe geben, ehe Newman tot ist. Also flugs an die Fersen Karls, seiner beiden Söhne und zweier Komplizen geheftet, die es zu einem Ausflug hinaus in die Wälder und Seenlandschaft treibt. Schwer bewaffnet folgt das ungleiche Trio. Die Konfrontation ist unausweichlich. Shootout in der Wildnis. Der einige Überraschungen bereithalten wird.

Natürlich hat Hood einige Ähnlichkeiten mit Spensers Sidekick Hawk, auch wenn er nicht ganz dessen Durchschlagskraft, und vor allem galligen Witz, besitzt. Wildnis ist auf den ersten Blick ein nahezu humorloser Roman, was ihn komplett von den Büchern um Spenser unterscheidet. Aaron Newman ähnelt, was Physiognomie und sportliche Betätigung angeht, seinem Schöpfer. Von Spensers rauer, direkter Art ist der zögerliche Newman weit entfernt. Er möchte sich so gerne als Mann beweisen, als der Beschützer seiner Frau und seines Heims, doch scheitert dabei ein ums andere Mal. Bis die wesentlich direktere Janet ihm zeigt wie das geht, mit dem Morden. Hier findet fast eine Umkehrung der Geschlechterverhältnisse – und insbesondere der Beziehung Spensers zu Dauerfreundin Susan Silverman – statt. Letztlich ist Janet Newman die treibende Kraft, die in ihrem Gatten den Rest Machismo weckt, der aus einem gedemütigten Möchtegern-Rächer einen wenig geschickten, aber gnadenlosen Kämpfer macht.

Wildnis zeigt deutlich, wie nah der Hardboiled-Krimi mit dem Western verwandt ist. Auf der einen Seite haben wir die Outlaws, die Heim und Hof rechtschaffener Siedler bedrohen, auf der anderen jene rechtschaffenen Leute, mit wenig Vertrauen ins Justizsystem, die sich mit Hilfe eines Trappers einer marodierenden Bande erwehren müssen. Wobei Parker zu keiner Zeit verbirgt, dass Newman und seine Partner ohne großartige Gewissensbisse einen Mehrfachmord planen. Dass die Banditen zuerst zuschlagen, sorgt zwar für eine nachträgliche Legitimation, die Newman gerne annimmt, aber auch ohne den ausgesetzten Mordauftrag, bliebe das alte Credo bestehen: "Ein Mann muss tun, was ein Mann tun muss!" Und wenn es ihm seine Frau erst vormachen muss. Denn ein Leben gedemütigt und in Schande ist keine Option.

Aber Parker wäre nicht Parker, wenn es nicht ein paar Widerhaken gäbe. So wird die Staatsgewalt im Buch repräsentiert durch die beiden zwei harten Cops Croft und Vincent, denen man ohne weiteres zutraut, den Gangstern um Adolph Karl Paroli zu bieten. Robert B. Parker beklagt kein pseudoliberales Rechtssystem, das dem Verbrecher mehr Rechte zusichert als den Opfern. Newman ist kein Paul Kersey, der mit einem Akt der Selbstjustiz gleich die liberale Gesellschaft in die Tonne kloppt. Newman weiß, dass er sein Ego befriedigt und seine Beziehung retten will, und es macht ihm zu schaffen. Weshalb er zu Beginn des Rachefeldzugs auch keine heldenhafte Figur abgibt. Am Ende eigentlich auch nicht, selbst wenn ihn Croft und Vincent in einem gnadenlos überzogenen Schlussakt geradezu hofieren. Newman rettet sich bewusst in die Western-Analogie, in dem er sich die Gangster als menschenraubende Indianer vorstellt, die von zielstrebigen Trappern verfolgt werden. Doch natürlich haut diese Analogie nicht hin. Denn zum einen waren es die Indianer, die sich gegen die Okkupanten zur Wehr setzten, und zum anderen leistet sich das Trapper-Trio einige Ungeschicke. Der Weg der Rache ist kein stringenter, sondern ein höchst holperiger. Und so drängt am Ende doch etwas finstere Komik ins Buch, gipfelnd in der Aussage: "Morden als Ehetherapie". Denn, sogar unabhängig von der – zumindest psychischen – Vergewaltigung und Misshandlung Janets, ist das Verhältnis des Ehepaars Newman ein höchst gespanntes. Nichts ist so einfach wie es auf den ersten Blick scheint.

Wildnis ist nicht Robert B. Parkers bestes Buch. Sprachlich meist von jener effizienten Direktheit, die Parkers eigenwillige Poesie in ihren besten Momenten ausmacht, wird die Geschichte gelegentlich gebremst durch ausführliches Baden in Selbstmitleid und einige erschöpfende Dialoge, die allerdings zur Darstellung der Disparatheit der Protagonisten beitragen. Und wenn Parker über Sex schreibt, klingt das mehr nach harter Arbeit oder einer schweißtreibenden Einheit im Fitnessclub als nach lustvollem Zusammensein.

Die schattenhaften Gegner um Adolph Karl bekommen wenig erzählerischen Raum, Motivation und Zweck der verübten Verbrechen bleibt ebenso im Dunkel wie die individuellen Rollen der Gejagten. Kanonenfutter. Das sich aber zur Wehr setzen kann.

Als Ergänzung und Anmerkung zum Spenser-Kosmos ist das kleine, gemeine Werk ein weitgehend spannender Ausflug in eine Wildnis, die den Protagonisten fremd geworden ist, so sehr sie auch den alten Pioniergeist beschwören mögen.

Wildnis

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Letzte Kommentare:
24.07.2015 08:20:01
switzerland

ich habe alle parker gelesen. bei der menge die er geschrieben hat, ist es klar, dass
einige schwache dabei sind.
dieser schrieb hat mich geärgert und das
buch flog ins altpapier. schade um die
verplempperte zeit. ich hatte sowieso das
gefühl, dass seine bücher mit zunehmendem alter immer schlechter wurden.

05.01.2015 19:27:04
Heino Bosselmann

Es mag Kriminalromane geben, die besser als Hörspiele erschienen oder die als Plot für einen Kinofilm passabel wären, literarisch aber nicht viel Genuß bieten. Dies ist ein Beispiel dafür. Was vielfach als Stärke guter Prosa gilt, die Dialoge, stellt hier die Schwäche dar. Es wird zwar andauernd gesprochen, dies aber wie auf der Bühne.
Aaron Newman, Schriftsteller von Büchern über Mut und Ehre, Korea-Veteran und Fitneß-Fanatiker, wird beim Joggen Zeuge einer brutalen Hinrichtung, erkennt den Mörder, könnte ihn überführen, würde er nicht sogleich dadurch erpreßt, daß er seine Frau von den Ganoven mißhandelt und bedroht zu Hause findet.
Was folgt, ist das steife und simple Protokoll von Selbstjustiz. Aaron, der seiner selbstbewußten Akademiker-Frau Janet gegenüber an Komplexen leidet, versichert sich der Hilfe eines Freundes, der noch besser trainiert ist als er selbst. Zunächst soll der Mörder und Erpresser Adolph Karl in der Stadt gestellt werden, aber das Ungeschick dabei verschleißt nur etliche Seiten Handlung.
Danach verlagert sich die Verfolgungsjagd in die Wildnis von Maine. – Es wird das übliche Survival-Programm geboten, so linear wie fade. Die Guten spüren den Bösen hinterher, und währenddessen kann Aaron bei allen Heldentaten endlich den Respekt seiner Ehefrau gewinnen. An Spannung nicht viel, alles absehbar.
Sowohl die Sex- als auch die Gewaltszenen wirken technisch, wie aus Comics ausgeschnitten und schlecht zusammengeklebt. Was an Psychologie geliefert werden soll, um die platte Story mit einer Unterströmung zu versorgen, bleibt Klischee mit Happy-End. Dafür erfährt man eine Menge über die Ästhetik von Bizeps-, Trizeps- und Trapezmuskulatar unter gestraffter Männerhaut. Dazu passend sind hölzerne, stereotype Sätze die Regel: „Newman blieb fest wie ein Fels.“
Der als Erlösung geplante Sex am Ende liest sich zwar noch gruseliger als der frustrierende am Anfang. Aber Aaron ist jetzt der Held, den sich Janet immer wünschte, und hat die dramatische Familientherapie erfolgreich absolviert. „Du hast getan, was du tun mußtest“, sagte sie.
Der bewährte Autor liefert hier leider Massenware ab. Lesbar ja, schnell wegzuschmökern. Literarisch eher flach.

05.10.2014 10:33:26
vifu

Könnte mich eigentlich Klaus Christ einfach anschliessen, aber:
auch ein mäßiger Robert B. Parker ist immer noch viel besser und spannender als manch anderes Geschriebene!
Frau stieß am meisten die doch sehr unglaubwürdige Konditionsstärke des joggenden, Gewichte drückenden Schriftstellers auf.
Aber trotz allem, unterhaltsame Urlaubsbegleitung!

22.09.2012 09:10:20
Klaus Christ

Vorab: Ich bin R.B.P.-Fan und habe alles gelesen: Da gibt's - wie wohl bei jedem Autor schwächere, gute und sehr gute Stories.
"Wildnis" ist keine Spenser-Story und leider schwach. Mir fehlt hier auch der typisch Parkersche hard-boiled Humor. Und einen vergleichbaren Handlungsort und die daraus resultierenden (möglichen) dramarturgischen Möglichkeiten hat R.B.P. in "Keine Schonzeit für Spenser" VIEL besser rübergerbracht.
Leider drängt sich mir der Verdacht auf, als ob der Verlag diesen Roman recht billig bekommen hätte .
Ich warte auf die restlichen Spensers und Jesse Stones - da gäbe es noch viel zu übersetzen!