Blutstein

Erschienen: Januar 2011

Bibliographische Angaben

  • Stockholm: Wahlström & Widstrand, 2010, Titel: 'Blodläge', Seiten: 405, Originalsprache
  • München: DHV - Der Hörverlag, 2011, Seiten: 5, Übersetzt: Johannes Steck
  • München: Piper, 2012, Seiten: 448

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Andreas Kurth
In der Ruhe liegt die mythische Kraft

Buch-Rezension von Andreas Kurth Jul 2010

Die lang gestreckte Insel Öland, süd-östlich des schwedischen Festlands gelegen, ist der Schauplatz eines Roman-Quintetts von Johan Theorin – für viele ein aufstrebender Stern am skandinavischen Schriftsteller-Himmel. Allerdings werden sich an ihm die Geister scheiden, denn für die Fans harter Action und knackiger Polizei-Arbeit hat er nichts zu bieten. Dafür bewegt sich der Autor scharf an der Grenze zur Fantasy, denn es geht im dritten Teil der Reihe auch um Mythen, Trolle und Elfen. Aber vor allem geht es um die dunkle Vergangenheit und die nicht unbedingt hellere Gegenwart.

Seinen Titel hat das Buch von einer Gesteinsschicht, die Blutstein genannt wird. Viele der Bewohner von Öland kennen offenbar die alten Legenden über die vermeintlichen Bluttaten, die dem Stein seine Farbe verschafft haben sollen. Das gilt auch für Per Mörner, der mit seinen Kindern Nilla und Jesper in das alte Sommerhaus der Familie am Steinbruch von Stenvik zieht. Nach einem Besuch bei seiner Tochter, die sich zu Untersuchungen im Krankenhaus aufhält, haben Per und sein Sohn auf der Fahrt zur Insel einen Unfall – und lernen auf ungewöhnliche Weise künftige Nachbarn kennen. Das Ehepaar Max und Vendela sind ein seltsames Duo. Er schreibt Kochbücher, sie spielt die Hausfrau. Erst viel später erfährt Per, dass in Wirklichkeit Vendela die Bücher zu Papier bringt. Und im Zusammenhang mit den  Elfen und Trollen der Insel spielt sie eine ganz besondere Rolle – und hat zudem eine dunkle Vergangenheit auf Öland. Auch  der pensionierte Kapitän Gerlof Davidsson beschließt zum gleichen Zeitpunkt, aus dem Altersheim zurück in sein Haus nach Stenvik zu ziehen. Und so findet sich eine seltsam gemischte Nachbarschaft rund um den Steinbruch mit seiner merkwürdigen Vergangenheit ein.

Nach einem gescheiterten Brandanschlag auf seinen Vater Jerry – bei dem zwei Menschen getötet werden - sieht Per sich gezwungen, auch ihn zu sich auf die Insel zu holen. Er kann jedoch nicht verhindern, dass Jerry wenige Tage später vor seinen Augen von einem unbekannten Mann getötet wird. Jerry schien seinen Mörder gekannt zu haben – und Per glaubt, diesen Mann beim Brandanschlag auf das Filmstudio gesehen zu haben. Der Mord an seinem Vater – Jerry war ein berüchtigter Produzent von Porno-Filmen und –Magazinen - lässt Per nun keine Ruhe mehr. Er stellt intensive Nachforschungen an, und kommt dabei düsteren Geheimnissen auf die Spur, die ihn heftige erschüttern. Im rasanten Finale gerät Per selbst in die Schusslinie des Killers – und alle Morde und Mordversuche werden auf höchst überraschende Weise aufgeklärt.

Blutstein ist ein Buch, mit dem sich der Leser erst einmal anfreunden muss. Es sei denn, er hat die Vorgängerbände gelesen und kennt bereits den ungewöhnlichen, ruhigen und  bedächtigen Stil des Autors. Hektischen Aktionismus kann man dem Buch nicht vorwerfen, Johan Theorin gelingt es anderweitig den Leser zu fesseln. Ich habe nach dem ersten Drittel noch den Kopf geschüttelt, aber das Buch weglegen konnte ich auch nicht. Trolle und Elfen, Sagen und Mythen, und das in einem Kriminalroman? Eigentlich kein Problem für jemanden, der gerne fantastische Literatur liest – aber eben doch gewöhnungsbedürftig. Eines steht auf jeden Fall fest: Johan Theorin ist ein hervorragender Geschichten-Erzähler. Auch ohne viel Action schafft er eine unterschwellige Spannung, macht den Leser neugierig auf den Fortgang der Handlung, beteiligt ihn am teilweise ungewöhnlichen Schicksal der verschiedenen Protagonisten. Gewissermaßen ohne es recht zu merken fliegt man plötzlich durch die Seiten, weil man wissen will, wie es weiter geht. Ein schwer zu beschreibendes, ungewöhnliches Leseerlebnis. So werde ich als Leser sonst nur vorangetrieben, wenn es wirklich krachend und durchaus blutig dahergeht. Irgendwie hat der Stil des Autors etwas, dass sich schwer beschreiben lässt – wahrscheinlich eine geschickte Mischung aus verschiedenen Zutaten.

Dabei sind es mehrere Ebenen, auf denen Theorin die Handlung spielen lässt. Es geht zunächst um Per und seinen eher ungeliebten Vater. Im Zuge seiner Ermittlungen erfährt der Sohn immer mehr über die eklige Porno-Branche, in der sich Jerry wie ein Fisch im Wasser bewegte. Und er bekommt heraus, dass weitaus mehr scheinbar harmlose Männer und Frauen in das Geschäft mit den sexuellen Illusionen verstrickt waren, als sich der Durchschnittsbürger vorstellen mag. Da tun sich einige Abgründe auf, die Per früher lieber nicht sehen oder kennen wollte. Leser und Protagonist lernen aber auch auf die harte Tour, was kriminelle Energie auszulösen vermag.

Der Pensionär Gerlof, den Theorin-Fans bereits aus den Vorgängerromanen kennen, liest in den alten Tagebüchern seiner verstorbenen Frau Ella. Darin ist "von einem kleinen Kerlchen" die Rede, und der alte Mann rätselt nun, ob seine Frau einen Liebhaber hatte. Später hilft er Per bei dessen Nachforschungen und insgesamt spielt er eine wichtigere Rolle, als man nach den ersten Seiten des Romans vermuten durfte. Eine hintergründige Figur, die eine entscheidende Funktion hat, was an jedoch erst spät merkt.

Vendela ist eine ganz spezielle Protagonistin, die praktisch eine eigene Geschichte durchlebt. Sie erinnert sich in eingestreuten Kapiteln an ihre Kindheit, als sie am Elfenstein immer wieder "Geschenke" abgelegt hat. Die Fabelwesen  sollten ihr dafür einige ihrer geheimen Wünsche erfüllen. Zuweilen geschah das gründlicher, als es Vendela recht  war. Und so sind ihre Erinnerungen an die Kindheit ziemlich unangenehm – und haben Auswirkungen auf die Gegenwart.

Der Autor lässt eine ganze Palette verschiedenartiger und teilweise widersprüchlicher Charaktere aufmarschieren, und das macht einen Teil der Faszination des Buches aus. Aber auch und vor allem die kritischen Töne zur mit Amateuren durchsetzten Pornoindustrie geben der Geschichte einen ganz besonderen Touch. Und dann sind da noch die Elfen und Trolle – deren wahre Bedeutung für die Erzählung ich nicht so  recht zu deuten vermag. Auf jeden Fall machen sie die Figur Vendela um einiges sympathischer. Und ich freue mich schon jetzt auf den vierten Teil der Öland-Reihe!

Blutstein

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Letzte Kommentare:
23.05.2019 23:09:30
Hörbuchfuchs

Puh, soviel Elfen- und Trollwelt und dann doch wieder nicht. Der Täter war am Ende für mich sehr überraschend und irgendwie nicht schlüssig. Da dies mein erstes Buch von diesem Autor war, werde ich ihm aber noch eine "Chance" geben. Der Erzählstil hat mir nämlich eigentlich gut gefallen.

15.03.2017 14:30:23
trafik

Auch das dritte Buch dieser Serie ist sehr gelungen. Eine Handlung die sich bis zum Schluß steigert. Die Personen sehr gut beschrieben. Die einzige Kritik in diesem Buch ist die übertriebene Fabelwelt.
Bis jetzt wirklich eine sehr gute vierteilige Krimireihe.
Bin schon sehr gespannt, welche Krimis Johan Theorin nach dieser Reihe noch alles schreiben wird..

24.09.2015 18:55:04
Lothar Klein

Einfach ein tolles Buch!
Nichts für Thrillerfans. Nichts für Leute, die mit Subtilem nicht zurecht kommen und Action brauchen, nichts für Fans vordergründig spannungsgeladener Handlung. Aber ein Buch für Fans von Entwicklungsromanen und differenzierter Darstellung von Beziehungen. Man muss es nicht Krimi nennen, kann es aber durchaus. Auch Krimis dürfen ja raffiniert sein!

30.08.2015 11:00:13
TochterAlice

Gleich vorneweg: die Lektüre dieses Krimis lohnt sich! Johan Theorins dritter Öland-Krimi "Blutstein" startet dramatisch - Per Mörner droht in der Walpurgisnacht verbrannt zu werden. So brutal geht es gottseidank nicht durchgehend weiter: eher subtil werden die Ereignisse aufgerollt, die Erzählstränge miteinander verquickt.

Es sind deren drei, bei denen es sich um eine neu entstehende Konstellation von Nachbarn handelt, die jeder auf ihre eigene Art und Weise mit der Insel Öland verbunden sind. Zunächst lernen wir den fast 85jährigen pensionierten Kapitän zur See Gerlof Davidsson kennen - den Lesern der beiden vorherigen Öland-Bände ist er allerdings bereits bekannt - der die Rückkehr aus dem Pflegeheim in sein eigenes Haus durchsetzt. Er meint, bald sterben zu müssen und möchte den Rest seines Lebens nach seinen eigenen Vorstellungen genießen.

In seiner Nachbarschaft lebt - zumindest zeitweise - der alleinerziehende, geschiedene Per Mörner, der sich Sorgen um seine kranke Tochter Nilla macht - es lässt sich einfach nicht herausfinden, was ihr fehlt. Während sie auf dem Festland in Kalmar im Krankenhaus zu Untersuchungszwecken weilt, fährt Per mit seinem Sohn, Nillas Zwillingsbruder Jesper auf die Insel: der Öland-Aufenthalt von Vater und Sohn Mörner beginnt mit einem Knall - einem Unfall, der den Leser gespannt auf den weiteren Erzählverlauf werden lässt. Dabei lernt der Leser gleich die Protagonisten des dritten Erzählstrangs, Vendela und ihren unsympathischen Mann, den Psychologen und Buchautor Max kennen. Mehr und mehr verbindet sich die Handlung mit der Insel, mit ihrer Natur und mit den alten Sagen, mit Drohungen und alten Geschichten, bis Pers Vater, ein Mann mit Vergangenheit, überfahren wird. Sein Sohn beobachtet den Unfall und ihm ist nach den vorherigen Ereignissen klar, dass dieser mit Absicht herbeigeführt wurde.

Und wie ein Damoklesschwert schwebt das Wissen über die folgende, unglücksselige Walpurgisnacht und die damit verbundene Todesdrohung für Per Mörner über dem Leser, der zum Abwarten verdammt ist...

Theorin ist auch mit seinem dritten Öland-Krimi wieder ein Geniestreich geglückt ist. Seine wiederkehrenden Themen: das Aufeinandertreffen sowohl verschiedener Generationen als auch der "Ureinwohner" Ölands und der Städter, die die Insel als Feriengäste bevölkern ziehen sichauch durch seinen dritten Roman wie ein roter Faden. Dazu gesellen sich die Beschreibungen von Ölands Natur und alten Sagen und Naturgeistern, die häufig auf ergreifende, mitreißende Weise die Stimmung der Handlung aufgreifen und verstärken.

Johan Theorin hat einen eigenen, überaus spannenden Stil: wer wie ich bereits "Öland" und "Nebelsturm" mit Begeisterung verschlungen hat, wird den dritten Band kaum erwarten können. Und ich kann hier wiederum eine Steigerung feststellen: war "Nebelsturm" schon um einiges packender als das durchaus spannende "Öland", setzt der Autor mit Blutstein noch einen drauf. Doch auch für neue Leser ist ein schneller Einstieg möglich, da sich die Bücher auch recht gut isoliert lesen lassen. Ein Muss für jeden Liebhaber skandinavischer Krimis, der offen für Neues ist: sowohl im Hinblick auf die landschaftliche Einbettung als auch auf den Erzählstil.

24.08.2014 14:01:32
charliene

Schade, ich hätte der schlechten Kritik glauben sollen und mit der Zeit besseres anfangen können als mich durch dieses Buch zu quälen. Ich habe die ersten beiden Bücher gelesen und fand die Handlungen ganz ansprechend und dann, vor kurzer Zeit, habe ich "Inselgrab" gelesen. "Inselgrab" hat mich überzeugt und ich war begeistert wie die Geschichte aufgebaut wurde und die Figur des Heimkehrers gezeichnet war. Nun wollte ich auch noch das verpasste Buch, das dritte in der Reihe, kennen lernen. Ich habe es, bitte entschuldigt den Ausdruck, als grottenschlecht empfunden. Abgesehen davon, dass es wohl besser gewesen wäre auf sämtliche Zeitangaben im Buch zu verzichten, war die Geschichte weder wirklich spannend noch auch nur annähernd realistisch. Damit meine ich nicht die Elfen und Trolle. Schade.

03.05.2013 16:12:41
Wamoz

Habe mit eisernem Durchhaltewillen alle drei Teile aus der Öland-Reihe gelesen. Diese Reihe unter dem Titel "Krimi" zu verkaufen ist eine Zumutung. Spannung praktisch gleich null. Das einzig Spannende an der Sache ist, ob es auf den Schluss hin vielleicht doch noch spannend wird. Habe mich einem anderen Krimiautor zugewendet - und da war die Spannung (wer warum und weshalb) schon nach den ersten beiden Seiten da. Schade.

07.08.2012 01:33:59
Christian Paulsen

Theorin hat keinen Krimi geschrieben, sondern einen Roman über Menschen und Beziehungen oder besser Nichtbeziehungen und die Verarbeitung von Einsamkeit. Die Hauptfiguren Per Mörner und Vendela leiden unter der Lieblosigkeit Ihrer Väter, Vendela auch unter der Ihres Ehemannes. Per Mörner liebt seine Kinder. Eine Ehe gelingt ihm nicht (Vatertrauma?). Vendela liebt ihren Hund, den der Ehemann einschläfern läßt, und sucht Hilfe im Irrealen bei den Elfen.Es gibt auch einen "kriminellen" Handlungsstrang, da geht es um Pornografie, Verstecken in falscher Identität, Entfremdung und Sorglosigkeit gegenüber Infektionen. Dieser bringt die Geschichte voran, aber er beherrscht nicht alles. Per Mörner ist auch Vater und Sohn, Vendela auch Tochter, geschundenes Kind und ausgebeutete und mißachtete Ehefrau.
Vielleicht habe ich den Vorteil, meinen Konflikt mit der Erzählweise Theorins auf den ersten Seiten von "Öland" ausgetragen zu haben (Was interessiert mich diese weinerliche Alkoholikerin?). Ein fesselndes Buch über Menschen, Verdrängung, soziale Beziehungen und Verbrechen, vielleicht ein Krimi. So von Mann (ich) zu Mann (Theorin): auch eine wunderbare Geschichte über die Befreiung der Frau Vendela von ihren Verdrängungen, und ihren männlichen Unterdrückern und Ausbeutern.

03.08.2012 12:37:55
M.Albrecht

Also so öde wie das Buch kann die Landschaft gar nicht sein.Auf dem Deckel wird unverholen mit einer KC geworben-echt ärgerlich;null Spannung,ein senilerPornoverleger reichen nicht aus-Kategorie "Sommerflop"-viel zu langatmig und vor allem superlangweilig-die Frage bleibt warum 80°aber das bleibt ebenso ein Geheimnis

21.02.2012 12:56:57
heike strate

„Blutstein“ ist nicht nur der Titel des neuesten Kriminalromans von Johan Theorin, sondern auch der Name für die rötlich gefärbte Gesteinsschicht im Steinbruch von Stenvik auf der schwedischen Insel Öland. Den Fans des 1963 in Göteborg geborenen Autors ist dieser verträumte Ort durchaus vertraut. Schließlich war er schon Schauplatz für „Öland“ und „Nebelsturm“, zwei in Skandinavien mehrfach ausgezeichnete Kriminalromane. Und auch Gerlof Davidsson, der weit über 80jährige pensionierte Kapitän zur See ist wieder mit von der Partie. Er hält es im Altersheim einfach nicht aus und zieht zurück in sein Häuschen am Steinbruch. Dort hat sich inzwischen einiges verändert: Zwei neue Häuser sind soeben bezogen worden, und Gerlof lernt die neuen Nachbarn schon bald genauer kennen. Da sind die zarte Vendela mit ihrem schriftstellernden Mann Max sowie das Ehepaar Kurdin mit seinem Baby. Und in das Häuschen seines inzwischen verstorbenen Freundes Ernst ist Per Mörner mit seinen Kindern Jesper und Nilla eingezogen. Doch jeder dieser „Neulinge“ am Steinbruch in Stenvik ist irgendwie seltsam: Vendela glaubt fest an die Welt der Elfen und Trolle, zu denen sie dringend Kontakt aufnehmen will. Pers Vater Jerry hat mit seinen Porno-Filmen in den 60er und 70er Jahren dafür gesorgt, dass schwedische Mädchen weltweit zum Synonym für freie Liebe in skandinavischer Natur wurden, und Maria Kurdin soll laut Jerry sogar mal bei einem der Produktionen „gemodelt“ haben. Klar liegt da der Verdacht nahe, dass jemand späte Rache für einen geschädigten Ruf übt, als der mittlerweile betagte und von einem Schlaganfall gezeichnete Jerry ermordet wird. Der Leser wird Zeuge eines psychologisch hoch spannenden Plots, atmosphärisch dicht und bisweilen etwas unheimlich angesichts der durchaus möglich erscheinenden Erfahrungen einiger Protagonisten mit blutigen Mythen. Und die im öländischen Frühling zaghaft erblühende Landschaft ist eine perfekte Kulisse. „Blutstein“ wartet nicht mit knallharten Kommissaren und spektakulärer Action auf, fesselt dafür aber umso subtiler durch interessante Charaktere, überraschende Wendungen und eine betörend schöne Sprache. Absolut lesenswert!

Heike Strate

„Blutstein“ von Johan Theorin, ISBN 978-3-492-05418-8, erschienen bei Piper, Preis 19,95 Euro.

04.01.2012 10:48:01
tm3081

Auch dieses Buch besticht wie seine beiden Vorgänger durch die atmosphärisch dichte Beschreibung der Landschaft und der Stimmung auf Öland - ein sehr melancholisches Fleckchen das trotzdem sehr anziehend beschrieben ist.
Theorin entwickelt die Handlung wieder äusserst bedächtig, der angekündigte Mord an Jerry ereignet sich erst spät in der zweiten Hälfte des Romans.
Leider fällt insbesondere die Krimihandlung doch sehr ab im Vergleich zu den ersten beiden Romanen. Taten und Motive sind doch eher oberflächlich beschrieben und letztlich erscheint die Auflösung samt Motiv irgendwie banal.
Diesmal hat mich auch gestört, dass Theorin die Örtlichkeiten, insbesondere den Steinbruch mit seinen dort gelegenen Häusern nicht sehr gut und teilweise sogar widersprüchlich beschreibt. Um sich das beim Lesen rein räumlich vorzustellen muss man schon etwas fantasievoll sein und manchmal schlicht Himmelsrichtungsangaben ignorieren - das hätte der Autor unbedingt detaillierter machen müssen.
Übrigens braucht man keine Angst zu haben dass der Roman vom Krimi zum Fantasyroman wird: Obwohl viel von Elfen und Trollen die Rede ist, ist letztlich nichts Übersinnliches im Spiel ausser den jeweils eigenen Gedanken und Träumen der Handelnden.

12.10.2011 19:49:47
€nigma

"Blutstein" (Originaltitel "Blodläge") ist nach den Vorgängerromanen "Öland" und "Nebelsturm" der dritte Band aus Theorins Jahreszeitenzyklus, die Handlung spielt sich wieder auf Öland ab und ist diesmal im Frühling angesiedelt.
Im Mittelpunkt des Romans steht der geschiedene Per Mörner, der auf Öland das Sommerhaus eines Verwandten geerbt hat und jetzt dort den Frühling mit seinen dreizehnjährigen Zwillingen Jesper und Nilla verbringen möchte. Per hat viele Probleme: seine Tochter ist an einer seltenen Krebsart erkrankt und verbringt die meiste Zeit im Krankenhaus, außerdem wird Per von seinem Vater Jerry, zu dem er nie ein gutes Verhältnis hatte, um Hilfe gebeten. Jerry hatte Per und seine Mutter verlassen und als gutverdienender Zeitschriftenproduzent in der Erotik- ,bzw. Pornobranche in Saus und Braus gelebt, ohne sich um seine Familie zu kümmern. Jetzt fühlt er sich bedroht und erwartet Hilfe von Per.
Dieser ist zunächst unwillig, lässt sich aber doch in die Sache verwickeln, nachdem auf das Fotostudio des Vaters ein Brandanschlag verübt wird, bei dem zwei Menschen umkommen.
Außer Per gibt es noch andere neue Nachbarn in der Siedlung am alten Steinbruch: ein junges Ehepaar mit Baby sowie der Schriftsteller Max Larsson und seine Frau Vendela haben sich dort Häuser gebaut. Zwischen Max und Vendela bestehen Spannungen, die immer stärker werden.
In den normalen Romantext sind alternierend im Präsens geschriebene Kapitel aus der Kindheit von Vendela eingefügt, die ihren Charakter und ihre gegenwärtigen Probleme erklären. In ihrer unglücklichen Kindheit hatte sich Vendela vor der tristen Realität in eine Phantasiewelt geflüchtet, in der sie mit den Elfern, die auf Öland hausen sollen, Kontakt aufzunehmen versuchte. Als Erwachsene sucht sie eher bei Beruhigungsmitteln Zuflucht, gerät aber auch wieder in den Bann des Elfenglaubens.
Als Verbindungsglied zu den beiden Vorgängerromanen ist auch wieder der alte Gerlof Davidsson mit von der Partie. Er hat das Altersheim verlassen, wohnt wieder in seinem Sommerhaus am Steinbruch und ist trotz seiner körperlichen Gebrechlichkeit geistig rege. Er hilft Per gern bei seinen Nachforschungen.

"Blutstein" beginnt im Prolog mit einer spektakulären Szene: der schwer verletzte Per Mörner wird mit Benzin übergossen und soll angezündet werden. Der Hauptteil des Krimis schildert die Ereignisse, die zu dieser Szene geführt haben. Dabei lebt die Handlung von einer subtilen Spannung, kommt aber ohne Brutalitäten und Blutvergießen aus. Durch den Wechsel der Perspektiven (Per Mörner, Vendela Larsson) und der Erzählzeiten (Gegenwart , Vergangenheit: Vendelas Kindheit ) bietet die Romanhandlung Abwechslung. Bei den Enthüllungen über die zwielichtigen Berufspraktiken von Jerry Mörner werden gesellschaftskritische Töne angeschlagen. Der Schluss des größtenteils ruhig erzählten Krimis bietet dann wieder Hochspannung.

Wie schon in den beiden ersten Romanen empfinde ich die weitgehend unblutige Art der Spannungserzeugung bei Theorin als äußerst wohltuend, dadurch unterscheidet sich dieses Buch von den immer brutaleren Thrillern, die derzeit den Markt überschwemmen. Auch durch die Einbeziehung mystischer Elemente (Elfen, Trolle) - ohne dabei den Boden der Realität zu verlassen - heben sich Theorins Krimis von der breiten Masse ab.

Für mich bilden alle drei Öland-Romane Highlights meiner Lektüre, für die ich gern 5 Sterne vergebe.

13.06.2011 19:28:03
Maria

Die zwei ersten Öland-Bücher von J Theorin haben mich total begeistert, weshalb ich es kaum erwarten konnte, nun auch Blutstein zu lesen. Vielleicht lag es an dieser zu hohen Erwartungshaltung, dass mich das Buch ein wenig enttäuscht hat. Der Autor schreibt ebenso flüssig und spannend wie in den Vorgängerromanen, seine Charaktere sind lebendig und interessant, aber dafür hängt die (Krimi)-Geschichte ein bisschen durch. Die Auflösung war einerseits leicht vorhersehbar, andererseits nicht \'fair\' wenn man mit \'fair\' die Möglichkeit meint, als Leser aus den mehr oder weniger subtil angebotenen Verdächtigen den richtigen herauszufinden. Ohne zuviel verraten zu wollen, kann ich doch sagen, dass ich mich durch diesen speziellen Täter nachgerade betrogen fühlte.

Das ändert allerdings nichts daran, dass das Buch ansich ein veritabler, wunderbar erzählter Roman ist, nur als \'Krimi\' funktioniert er für mich nicht recht.

04.05.2011 20:01:17
Naldo

Ich schließe mich voll uns ganz manni an. Wer die zwei Vorgänger gelesen hat, ist gleich wieder mitten im Geschehen drin. Die Protagonisten, die Landschaft, alles erscheint einem bekannt und man möchte wissen, was mit den Personen noch geschieht. Es ist kein klassischer Krimi, die Polizei kommt so gut wie gar nicht vor. Die Erzählweise ist sehr angenehm und ich freue mich auf den letzten Teil dieser Reihe.

08.03.2011 16:52:12
manni

Bei der dritten Ölandgeschichte fühlte ich mich von Beginn an als Einheimischer, ich hatte die ersten beiden Teile schon gelesen. Ich wollte unbedingt wissen , wie die Geschichten weitergehen und bis zur Taschenbuchausgabe konnte ich nicht warten. Bei Theorin ist man unmittelbar mitten im Geschehen, er braucht wenige Worte wo sich andere Autoren einen Wolf schreiben. Diese knappe Sprache passt sehr gut zu seinen Geschichten, die ideale
Entspannungslektüre, also keine richtigen Krimis.

04.02.2011 14:26:03
anyways

Vier Häuser stehen rund um den Steinbruch in Stenvik, einem kleinen Fischerdorf. Zwei alteHäuschen und zwei schöne neue Villen, die erst kürzlich bezugsfertig wurden.

Das alte Fischerdorf beherbergt, außer in den Sommermonaten, nur wenige Einheimische.

Gerlof, ein über 80 jähriger, ist einer von ihnen. Er ist im Frühjahr Hals über Kopf aus seinem Altersheim, in der bangen Erkenntnis den baldigen Tod zu erleiden, sollte er noch länger dort verweilen, in sein altes Haus am Steinbruch geflohen. Zur selben Zeit beziehen die Villenbesitzer Max und Vendela, er ein gefeierter Autor, sie seine Ehefrau und eigentliche Verfasserin seiner Bücher, ihr Heim ebenso wie das junge Ehepaar Kurdin mit Baby. Auch das letzte Häuschen bekommt im Frühjahr wieder Bewohner. Per Mörner, geschieden, zieht mit seinen 13 jährigen Zwillingen und seinem Vater, einem senilen alten Pornoproduzenten ein. Nach einem Schlaganfall ist es um dessen Gesundheit nicht gut bestellt Per kümmert sich ein wenig um ihn. Die Wege der neuen Steinbruchbewohner haben sich früher alle schon einmal gekreuzt und die daraus entstandenen Konflikte brechen jetzt, viele Jahre später ausgelöst durch das Nachbarschaftsfest von Vendela wieder aus, mit drastischen Folgen.





Johan Theorins Buch fasziniert mich auf besondere Weise, er verstrickt Elemente und Geschichten aus der Sagenwelt Skandinaviens geschickt mit mörderischer Spannung, gekonnten Szenewechseln und einem gut und glaubhaft dargestellten Sohn-Vater-Konflikt.

Der Aberglauben der Dorfbevölkerung und die weltoffene Abgeklärtheit der Sommergäste prallen aufeinander, das gibt dem Krimi zusätzlich Raum zu Entladungen. Denn was sonst könnte der Blutstein sein? Das Blut eines Trolls oder doch nur Eisenoxid in der Steinschicht?

25.01.2011 09:30:24
Aenna

Per Mörner zieht in sein Ferienhaus auf Öland, um dort das Frühjahr und den Sommer zu verbringen. Doch sein Alltag ist nicht sorgenfrei...
Da ist zum einen seine 13-jährige Tochter Nilla, die dem geschiedenen Vater von Zwillingen großen Kummer bereitet.
Zum anderen muss er sich um seinen Vater Jerry kümmern, mit dem er aufgrund dessen unrühmlicher beruflicher Vergangenheit kaum Kontakt pflegt. Doch nun wird Jerry in mysteriöse Unfälle verwickelt, Menschen sterben, und auch er selbst wird vor den Augen seines Sohnes Opfer eines Mordanschlages!
Trost findet Per bei seiner Nachbarin Vendela, die an den alten Legenden von Elfen und Trollen festhält.

Nach "Nebelsturm" habe ich mich sehr auf Johan Theorins Folgeroman "Blutstein" gefreut. Wieder ist dem Autor ein ganz besonderer, eigener Krimi gelungen.
Dies zeichnete sich allerdings zu Beginn der Lektüre noch gar nicht ab. Nach einem rasanten und superspannenden Prolog "plätscherte" die Handlung so dahin, der Gruselfaktor von "Nebelsturm" blieb ganz aus, und ich war enttäuscht. Trotzdem las ich an einem Tag mehr als 300 Seiten.
Denn Theorin vermag allein durch seinen Stil zu fesseln. Durch seine Erzählweise tauchte ich vollends in das Leben Per Mörners ein und teilte mit ihm wie ein stummer Beobachter Gedanken, Sorgen und Angst. Ich stand mitten in seinem Leben, in dem es kein Hauptthema gibt, keinen Leitfaden, sondern viele kleine und große Fragen...
Zwischendurch begleitete ich Vendela, sah sie aufwachsen, vollzog ihre Gefühle nach und ließ mich in die faszinierenden Geheimnisse ihrer Kindheit einweihen.
Und ich traf Gerlof wieder, den alten Seemann, den ich schon in "Nebelsturm" kennen lernte, und der auch diesmal wie eine unumstößliche Festung seinen Platz in der Geschichte innehat.

Mich hielt "Blutstein" wie in einem Sog gefangen, obwohl, wie auch im Vorgängerroman, die Krimihandlung an sich gar nicht so präsent ist. Wieder kommt die Auflösung erst mit den letzten Seiten und in großem Tempo, wieder spannungsreich und (für mich) nicht vorhersehbar.
Mir hat das Buch, nach zugegeben anfänglichem Befremden, gut gefallen.
Für diejenigen, die Johan Theorins Stil mögen oder sich damit anfreunden können, ist "Blutstein" unbedingt empfehlenswert.

24.01.2011 18:58:48
Aenna

Per Mörner zieht in sein Ferienhaus auf Öland, um dort das Frühjahr und den Sommer zu verbringen. Doch sein Alltag ist nicht sorgenfrei...
Da ist zum einen seine 13-jährige Tochter Nilla, die dem geschiedenen Vater von Zwillingen großen Kummer bereitet.
Zum anderen muss er sich um seinen Vater Jerry kümmern, mit dem er aufgrund dessen unrühmlicher beruflicher Vergangenheit kaum Kontakt pflegt. Doch nun wird Jerry in mysteriöse Unfälle verwickelt, Menschen sterben, und auch er selbst wird vor den Augen seines Sohnes Opfer eines Mordanschlages!
Trost findet Per bei seiner Nachbarin Vendela, die an den alten Legenden von Elfen und Trollen festhält.

Nach "Nebelsturm" habe ich mich sehr auf Johan Theorins Folgeroman "Blutstein" gefreut. Wieder ist dem Autor ein ganz besonderer, eigener Krimi gelungen.
Dies zeichnete sich allerdings zu Beginn der Lektüre noch gar nicht ab. Nach einem rasanten und superspannenden Prolog "plätscherte" die Handlung so dahin, der Gruselfaktor von "Nebelsturm" blieb ganz aus, und ich war enttäuscht. Trotzdem las ich an einem Tag mehr als 300 Seiten.
Denn Theorin vermag allein durch seinen Stil zu fesseln. Durch seine Erzählweise tauchte ich vollends in das Leben Per Mörners ein und teilte mit ihm wie ein stummer Beobachter Gedanken, Sorgen und Angst. Ich stand mitten in seinem Leben, in dem es kein Hauptthema gibt, keinen Leitfaden, sondern viele kleine und große Fragen...
Zwischendurch begleitete ich Vendela, sah sie aufwachsen, vollzog ihre Gefühle nach und ließ mich in die faszinierenden Geheimnisse ihrer Kindheit einweihen.
Und ich traf Gerlof wieder, den alten Seemann, den ich schon in "Nebelsturm" kennen lernte, und der auch diesmal wie eine unumstößliche Festung seinen Platz in der Geschichte innehat.

Mich hielt "Blutstein" wie in einem Sog gefangen, obwohl, wie auch im Vorgängerroman, die Krimihandlung an sich gar nicht so präsent ist. Wieder kommt die Auflösung erst mit den letzten Seiten und in großem Tempo, wieder spannungsreich und (für mich) nicht vorhersehbar.
Mir hat das Buch, nach zugegeben anfänglichem Befremden, gut gefallen.
Für diejenigen, die Johan Theorins Stil mögen oder sich damit anfreunden können, ist "Blutstein" unbedingt empfehlenswert.

18.01.2011 15:01:30
Caro

Zum Inhalt:
Blutstein" erzählt mehrere einzelne Geschichten, die am Ende alle zusammenlaufen. Zuerst einmal wird die Geschichte vom alten Gerlof erzählt. Dieser möchte nicht mehr im Altersheim wohnen, sondern unbedingt wieder nach Hause. Daheim findet er die Tagebücher seiner Frau, die schon vor langer Zeit gestorben ist, und beginnt darin zu lesen. Er erfährt Dinge, die er eigentlich gar nicht wissen wollte und schämt sich immer mehr, dass er in der Vergangenheit gräbt. Man könnte meinen, dass der alte Gerlof nur eine Randrolle einnimmt, aber gegen Ende übernimmt er noch einmal eine wichtige Aufgabe.

Währenddessen begegnet uns Per Mörner. Per Mörner ist geschieden und hat zwei Kinder - Zwillinge. Seine Tochter liegt schwer krank im Krankenhaus, sein Sohn wohnt die meiste Zeit bei der Mutter. Per Mörner wohnt währenddesssen ganz allein auf der Insel Öland und fühlt sich nicht selten sehr einsam. Als dann sein ungeliebter Vater, Jerry Morner bei ihm auftaucht, wird einiges durcheinander gewirbelt. Morner hat eine schmutzige Vergangenheit, die ihn nicht loszulassen scheint. Per Mörner beginnt, sich mit der Vergangenheit auseinanderzusetzen und fördert immer mehr unangenehme Details zutage.

Am Rande der Geschichte taucht auch noch die verträumte Vendela auf. Diese wohnt auch, wie alle anderen auf der Insel Öland, zusammen mit ihrem Mann und ihrem kranken Hund. Schon einmal, nämlich als Kind, wohnte Vendela dort, hat aber keine schönen Erinnerungen an diese Zeit. Das Einzige was ihr geblieben ist, ist ihr Glaube an die Elfen, die den Menschen in jeder Situtation helfen, wenn man nur ein kleines Opfer dalässt und genug darum bittet. Schon als Kind scheint das bei ihr auf unheimliche Weise funktioniert zu haben.

Laufen die Geschichten am Anfang noch alle nebeneinander her, treffen die Personen nach und nach aufeinander und ihre Geschichten verknüpfen sich.

Meine Meinung:
Mir hat "Blutstein" sehr gut gefallen. Es war mein erstes Buch von Theorin, obwohl das glaube ich schon seit drittes ist. Schon im Prolog gibt es einen Paukenschlag, man möchte unbedingt wissen wie es zu dieser Situation kam und wie diese ausgeht. Danach "plätschert" die Geschichte ein bisschen dahin, was mich eigentlich nicht sonderlich gestört hat, da man die ganze Zeit eine unterschwelllige Spannung spürt. Ich hatte das Gefühlt, dass man immer ein bisschen in Sicherheit gewiegt werden soll. Sobald man sich damit abgefunden hatte, dass gerade nicht so viel passiert, kommt der nächste Paukenschlag. "Blutstein" ist vielleicht auch kein Krimi im eigentlichen Sinn. Wer erwartet, dass hier die ganze Zeit Spannung herrscht, könnte vielleicht auch enttäuscht werden. Manchmal tritt die Krimihandlung, wie schon gesagt eben in den Hintergrund und man erfährt einiges aus dem Privatleben der Figuren. Mich hat das nicht gestört, so versteht man wenigstens, warum die Personen so sind wie sie sind und was sie dazu gemacht hat. Ich finde es schön, dass die Vergangenheit der Protagonisten beleuchtet wird, macht das doch die Figuren lebendiger und greifbarer. Auch, dass sie nicht immer Erfolg haben und auch bei ihnen mal etwas schief geht wirkt ehrlich und realistisch. Denn bei wem klappt schon alles?

Auch die Sagengestalten, die Elfen und die Trolle, fande ich sehr schön in die Geschichte eingebunden. Immer wieder gibt es eine Rückblende zu Vendelas Kindheit, in der sie scheinbar viele Begegnungen mit den Elfen hatte. Die Verknüpfungen der einzelnen Geschichten sind gut gelungen und verständlich. Der Schreibstil des Autors gefällt mir sehr gut, ich habe das Buch praktisch in einem Rutsch durchgelesen. Auch die etwas düstere Atmospähre von Öland fande ich sehr gelungen und passend.

Das Ende ist vielleicht ein kleines bisschen "too much", wenn man es mit dem Verlauf der Geschichte vergleicht. Ein bisschen weniger Feuer hätte genügt. Trotzdem finde ich das Ende sehr schön gewählt und freue mich über den Ausgang der Geschichte. Zum Glück habe ich hier noch einen Krimi von Theorin stehen, so kann ich bald wieder in die Welt von "Öland" abtauchen.

Fazit:
Ein spannender Krimi, für alle die nicht andauernd blutige Action brauchen und gerne Schwedenkrimis lesen.

16.01.2011 16:43:21
Diana Brand

Johan Theorin: Blutstein
erschienen im Piper Verlag
Inhalt: Per Mörner und sein Sohn Jesper, Gerlof Davidsson, Max und Vendela Larsson haben zum einen gemeinsam, dass sie den Frühling auf Öland, einer schwedischen Ostseeinsel, verbringen wollen, zudem verbindet Per, Gerlof und Vendela eines: Geheimnisse aus Ihrer Vergangenheit., obwohl sie sich nicht gut kennen. Per, der ein Haus geerbt, Max und Vendela, die ein Haus gebaut haben und Gerlof, dem ein Haus gehört, lernen sich erst kurz vor Ostern auf einem Nachbarschaftsfest, welches Vendela organisiert, kennen und bald sind Max und Gerlof in einen blutigen Familienstreit verwickelt.
Max, dessen Tochter Nilla, Zwillingsschwester von Jesper schwer erkrankt im Krankenhaus liegt, bangt um deren Leben, viel Zeit zum Sorgen machen um seine Tochter, hat er nicht, denn sein ebenfalls erkrankter Vater, der nach einem Schlaganfall nur noch wenig sprechen kann, verlangt nach seiner Hilfe. Nur widerwillig hilft Per seinem Vater Jerry, zum der ein schwieriges Verhältnis hat. Kaum beim Haus seines Vaters angekommen, findet Per ihn am Boden liegend mit einer Wunde auf der Brust. Kurz darauf brennt das Haus seines lichterloh, die Feuerwehr kann es nicht mehr retten, auch nicht die zwei Menschen, die sich im Haus befanden. Per nimmt Jerry mit nach Öland, um sich um Ihn zu kümmern. Doch es ist schwierig sich um Ihn zu kümmern, da er sich nicht verständigen kann und nur die Namen seiner ehemaligen Mitarbeiter vor sich hin brummelt. Per will der sache auf den Grund gehen, denn auch wenn sein Vater sich nicht verständigen kann, weiß er eines, Jerry hat Angst, schreckliche Angst. Per begibt sich auf die Suche, doch erst als sein Vater ermordet wird, setzen sich die mysteriösen Puzzlesteine zu einem Bild zusammen und Per ist in großer Gefahr …
persönliche Meinung: Am Anfang des Buches war ich mehr als verwirrt, die Aufschrift „Kirminial-roman“ und die graue, dunkle Aufmachung des Covers hat mich schon in die Ecke des Krimis getrie-ben, aber zu Beginn wird auch über Trolle und Elfen geschrieben. Was war es also was ich lese, ein Krimi, ein Märchen, ein Schicksalsdrama? Es ist wohl ein bißchen von allen, vor allen Dingen ist dieses Buch eines: eine Liebeserklärung an Südschweden im Frühling, mit all seinen Mythen und Legenden um Trolle und Elfen.
Der angekündigte Krimi gerät in den Hintergrund, das Buch wird bestimmt von Reisen in die Vergangenheit, Per und Vendela, sie joggen zusammen, kehren zurück in ihre Kindheit, Gerlof kehrt zurück in die Vergangenheit. Erst als der Mord passiert baut sich die eigentlich kriminalistische Geschichte auf, was sehr merkwürdig für einen Krimi ist, aber der Aufbau passt alles in allem gut zusammen, es ist gut strukturiert und richtig gut erzählt.

10.01.2011 15:36:50
c-bird

Frühling auf Öland. Hier hat der geschiedene Per Mörner ein Haus in Stenvik geerbt. Gemeinsam mit seinem Sohn Jesper will er hier die Ferien verbringen. Ganz sorgenfrei ist Per jedoch nicht. Seine Tochter Nilla, die Zwillingsschwester von Jesper, leidet an einer mysteriösen Krankheit und liegt im Krankenhaus. Zusätzliche Belastung erfährt Per durch seinen Vater Jerry. Er sieht sich gezwungen ihn ebenfalls zu sich zu nehmen. Und dass, obwohl sich Jerry Zeit seines Lebens kaum um Per gekümmert hat, sondern lieber seinen dubiosen Geschäften nachgegangen ist. Jerry entgeht nur knapp einem Brandanschlag und wenig später muss Per mit ansehen, wie sein Vater ermordet wird.
Doch auch andere Menschen wollen den Frühling auf Öland erleben. Wie z.B. Vendela und Max Larsson, die neuen reichen Nachbarn, mit denen ein zweiter Handlungsstrang aufgebaut wird. Vendela kennt die Insel noch von ihrer Kindheit. Hier ist sie unter schweren Bedingungen groß geworden. Nun kehrt sie an der Seite des leicht psychopathisch wirkenden Max zurück. Vendelas Geschichte und woher ihr Glaube an Elfen und Trolle kommt, werden immer wieder einmal in Rückblicken erzählt.
Die einzelnen Handlungsstränge verstricken sich miteinander und langsam werden die Zusammenhänge klar. Per muss die Vergangenheit seines Vaters aufrollen und entdeckt dabei so manches Geheimnis.
Wer hier einen knallharten Krimi vermutet, liegt völlig daneben. Ein Krimi ja, aber eingesponnen in ein Netz von Atmosphären und Mystik. Theorin zaubert unheimlich dichte Atmosphären, die Landschaftsbeschreibungen sind sehr gelungen. Trotz alledem ist das Buch unheimlich spannend, besonders ab der Mitte will man es gar nicht mehr aus der Hand legen. Der Schreibstil ist flüssig und klar, sehr schön zu lesen.
Freue mich schon auf den vierten Band dieser Jahreszeiten-Tetralogie.

03.01.2011 13:34:59
subechto

Walpurgisnacht

Mit einem makabren "Tanz in den Mai" startet der neue Kriminalroman von Johan Theorin. Blutstein ist der dritte Band des "Öland-Quartetts", dessen Teile sich jeweils einer Jahreszeit widmen und spielt diesmal im Frühling.

Anschließend wird zurückgeblickt: es ist März, als der pensionierte Kapitän Gerlof Davidsson beschließt, aus dem Altersheim zurück in sein Haus nach Stenvik zu ziehen. Auch Per Mörner besitzt dort - in der Nähe eines sagenumwobenen Steinbruchs - ein Sommerhaus, in dem ihn seine Zwillinge Nilla und Jesper während der Sommerferien besuchen kommen sollen. Nach einem Besuch bei seiner Tochter, die sich zu Untersuchungen im Krankenhaus befindet, geraten Per und sein Sohn auf der Fahrt zur Insel in einen Unfall...

Beinahe hätte ich das Buch nach den ersten 100 Seiten abgebrochen: zu viele Trolle und Elfen, zu viele Sagen und Mythen. Gerlof, den wir bereits aus den Vorgängerromanen kennen, liest in den alten Tagebüchern seiner verstorbenen Frau Ella „von einem kleinen Kerlchen“ und Vendela erinnert sich in eingestreuten Kapiteln an ihre Kindheit, als sie am Elfenstein immer wieder „Geschenke an die Elfen“ geopfert hat, damit diese ihre geheimsten Wünsche erfüllen.

Ab der Mitte etwa entwickelt sich die Geschichte aber dann doch noch zu einem richtig guten Kriminalroman. In dem die Realität und das Thema Pornoindustrie im krassen Gegensatz stehen, zu eben diesen Sagen und Mythen der Vergangenheit. Und zum Schluss - mit einem hochspannenden Showdown - sind alle Morde und Mordversuche aufgeklärt sowie die phantastischen Phänomene einschließlich des Blutsteins entzaubert und wissenschaftlich erklärt.

Die Öland-Romane von Johan Theorin sind eigenständige Geschichten, mit unterschiedlichen Protagonisten. Lediglich der alte Gerlof und einige Nebenfiguren sind stets mit von der Partie. Die eigentliche Hauptrolle aber spielt die Insel Öland. Bei Blutstein haben mich erneut die mythische Landschaft, die unwiderstehliche Atmosphäre und die dunklen Familiengeheimnisse in ihren Bann gezogen. Auch der ruhige Erzählstil Theorins hat mir wieder gut gefallen. Und so bin ich schon sehr gespannt, welche Geschichte der Autor uns im vierten und letzten Teil erzählen wird...

Mein erstes Krimi-Highlight des neuen Jahres!