Das dunkle Netz der Lügen

Erschienen: Januar 2010

Bibliographische Angaben

  • Reinbek bei Hamburg: Wunderlich, 2010, Seiten: 480, Originalsprache
  • Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, 2012, Seiten: 496, Originalsprache

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Ines Dietzsch
Gelungene Zeitreise

Buch-Rezension von Ines Dietzsch Jul 2010

Auch in ihrem zweiten historischen Kriminalroman Das dunkle Netz der Lügen nimmt uns die Duisburgerin Silvia Kaffke mit auf eine Reise nach Ruhrort im neunzehnten Jahrhundert. Sieben Jahre sind seit den schrecklichen Geschehnissen in Das dunkle Licht des Mondes verstrichen und wer das Buch gelesen hat, kann sich auf ein Wiedersehen mit vertrauten Protagonisten freuen.

Lina Kaufmeister und Polizeicommissar Robert Borghoff haben sich verheiratet. Lina betreibt erfolgreich einen Modesalon, der sich auch bei der besseren Gesellschaft von Ruhrort großer Beliebtheit erfreut. Ausgerechnet als der große Maiball bevorsteht, wird Linas beste Näherin Anna Jansen überfallen. Der Zufall schickt die ehemalige Dirne Zita, die sich nach Ruhrort geflüchtet hat, um bei einem alten Freund Unterschlupf zu suchen. Zita versteht sich auf das Handwerk und erarbeitet sich schon bald einen festen Platz unter Linas Näherinnen.

Während sich die Ruhrorter beim Maiball vergnügen, wird im großen Stil in deren Häuser eingebrochen. Dabei stellt es sich heraus, dass die Täterbande über genau die Informationen verfügte, welche die erlauchte Kundschaft in Linas Salon bei den Anproben ausplauderte. Lina muss um ihren guten Ruf und die Existenz ihres Geschäftes bangen.

Zugegeben, in dieser knappen Zusammenfassung hört sich der Inhalt des Buches ziemlich unspektakulär an. Doch das Gegenteil ist zutreffend. Silvia Kaffke gelang mit ihrer Fortsetzung wieder ein sehr unterhaltsamer Roman, der mit Detailreichtum glänzt. Kaffke vereint mehrere Handlungsstränge und Schicksale einer Vielzahl an Personen in einer schlüssigen Geschichte, der man gerne folgt. Näherinnen, Hausmädchen, Barone, Huren, Stahlarbeiter, Nichtsnutze - am Beispiel der unzähligen verschiedenen Protagonisten, welche allesamt sorgfältig charakterisiert werden, bildet Kaffke das Leben im Ruhrpott zur damaligen Zeit ab. Lediglich Lina und Robert werden zu eindimensional dargestellt, ihnen ständen ein paar Ecken und Kanten gut zu Gesicht. Überhaupt geht es im Hause der Borghoffs in der Harmoniestraße ein wenig zu harmonisch zu.

Mit angenehmer Leichtigkeit präsentiert Silvia Kaffke umfangreiches historisches Hintergrundwissen und vermittelt überzeugend ein Bild von den damaligen Lebensumständen und Gepflogenheiten. Kaffkes Beschreibungen sind so plastisch, dass man sich unversehens mitten in den engen Gassen der Ruhrorter Altstadt wieder findet und beim Lesen intensiv am Geschehen teilnimmt. Diese Mischung aus Atmosphäre, historischen Fakten und krimineller Handlung ergibt eine stimmige Erzählung, die für vergnügliche Lesestunden sorgt.

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