Ein kaltes Herz

Erschienen: Januar 2010

Bibliographische Angaben

  • London: Orion, 2009, Titel: 'A Cool Head', Seiten: 107, Originalsprache
  • München: Goldmann, 2010, Seiten: 124, Übersetzt: Giovanni Bandini

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Andreas Kurth
Kompakte Krimi-Komödie

Buch-Rezension von Andreas Kurth Jun 2010

Jimmy Gray ist nicht gerade der Hellste. Er wohnt in einem Heim für geistig Behinderte, und verbringt seine Tage auf dem Friedhof, als Gehilfe des Gärtners. Deshalb nennen ihn alle nur Gravy – als Abkürzung für Graveyard. Eines Tages steht er vor einer schwierigen Frage: Was tut man, wenn der beste Freund auftaucht und um Hilfe bittet? Für Gravy ist das keine Frage, er wird alles tun, was ihm möglich ist. Er fragt also nicht nach Benyis Schussverletzung, sondern wird die Pistole verstecken, die sein Freund ihm mit letzter Kraft überreicht – bevor er auf dem Friedhof tot zusammenbricht. Und Gravy will schließlich auch versuchen, das in Benyis Wagen gefundene Geld seinem rechtmäßigen Besitzer zu übergeben.

Er fährt mit dem Wagen seines Freundes zur Adresse der Frau, deren Name auf dem Zettel im Handschuhfach notiert ist. Die hat auf komplizierte Weise mit den Leuten zu tun, denen das Geld gehört. Und so machen gleich mehrere Verbrecher Jagd auf Gravy und seine neue Bekannte Celine. Aber die Gangster sind sich auch untereinander nicht grün, und so überschlagen sich schon bald die Ereignisse – bis zum spannenden Finale.

Ian Rankin hat diese Geschichte für die Reihe "Quick Reads" geschrieben. Der Autor zeigt darin, dass er durchaus auch Spannung und Witz in einer eher kürzeren Story gut mischen kann. Der Held der Geschichte ist geistig behindert, verfügt jedoch über eine erfrischende Naivität und Direktheit. Und damit kommt Gravy ganz gut durch das Leben. Im Gegensatz dazu endet sein ach so cleverer Kumpel Benyi als Leiche. Gravy ist nicht nur naiv, sondern entscheidet sich oft spontan für das Richtige. Und so gerät er auch nicht wirklich in Gefahr – kleiner Fehler im Klappentext – bei seiner Flucht mit Celine.

Gelungen sind neben Gravy auch die Gangster-Figuren, die allesamt bekannte Stereotype repräsentieren. Da sind tumbe Laufburschen, alternde Ganoven, die ihre beste Zeit hinter sich haben, früher berüchtigte Gangster, die jetzt Geschäftsleute sein wollen – und eben Loser wie Benyi. Man findet also bekannte Muster in dem kleinen Westentaschen-Buch, aber Rankin zeigt, dass er ein guter Erzähler ist, der seine Leser bestens unterhält. Angesichts der witzig-spritzigen Dialoge und der zuweilen aufblitzenden Situationskomik ist Ein kaltes Herz in meinen Augen eher eine Kriminalkomödie als ein Thriller. Nette Lektüre für den Sommer-Nachmittag am Strand oder den Winter-Abend am Kamin – nicht nur für Rankin-Fans.

Ein kaltes Herz

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Letzte Kommentare:
20.06.2011 16:13:13
wolko

Nach der Lektüre aller "Rebus" Romane in chronologischer Folge lese ich nun auch die ausserhalb dieser Reihe entstandenen Werke von Ian Rankin. Die etwas lang geratene Kurzgeschichte "Ein kaltes Herz" fand ich sehr unterhaltsam, ja auch spannend und rührend zugleich.
Ich finde das Teil äusserst gelungen!

08.05.2011 15:16:19
Rolf Ronck

Es war mein erster Ian Rankin und ich war enttäuscht.
Auch bei einer Kurzgeschichte - und mehr ist es ja wohl nicht - sollte ein Profi in der Lage sein seinen Figuren Kontur und Charakter zu verleihen. Aber im kalten Herz ist die Qualität zu kurz gekommen. Dafür jagt ein Klischee das nächste, lediglich die Situationskomik in Gravys Handeln setzt ein paar Lichtpunkte.
Meine Vermutung: der Autor hat die Story für kleines Honorar in wenigen Stunden runtergeschrieben.
Schade - werde mir gut überlegen, ob ich einen zweiten Ian Rankin kaufe