Bis ins Mark

Erschienen: Januar 2010

Bibliographische Angaben

  • London: Pocket, 2007, Titel: 'Bone Machine', Seiten: 481, Originalsprache
  • München: Knaur, 2010, Seiten: 521, Übersetzt: Ulrich Hoffmann

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Lars Schafft
Eine äußerst lesenswerte Mogelpackung

Buch-Rezension von Lars Schafft Mai 2010

Newcastle noir – so könnte man Martyn Waites´ Reihe um den ehemaligen Journalisten Joe Donovan getrost betiteln. Bis ins Mark, Teil zwei der Serie, steht dem hart-düsteren Gnadenthron in nichts nach. Leser sollten sich jedenfalls nicht vom bescheuerten Titel (dazu später mehr), der eher an Kathy Reichs erinnert, beirren lassen. Denn mit Pathologie hat Waites´ Thriller weitestgehend so viel zu tun wie mit ausgelassener Lebensfreude.

Newcastle-upon-Tyne, eine Arbeiterstadt im Nordosten Englands. Ein Serienkiller treibt hier sein Unwesen, der nun wirklich nicht zartbesaitet ist. Über Tage quält und vergewaltigt er seine auf einer Bahre gefesselten Opfer, bevor er ihnen den Gnadenstoß versetzt. Damit nicht genug: Er näht ihnen Augen und Mund zu, maximaler Schmerz gepaart mit maximaler Panik.

Machen wir uns aber nichts vor: In Wirklichkeit geht es in erster Linie in Bis ins Mark nicht um den Handlungsstrang, in dem Detective Inspector Diane Nattrass und ihr Team dem "Historiker" genannten Mörder hinterherjagen. Ganz deutlich gesagt hat dieser Plot auch kaum übersehbare Schwächen, denn wirkliches Puzzeln lässt Waites nicht zu; wie der "Historiker" schließlich zur Strecke gebracht wird, leuchtet kaum ein, sein Motiv ist vorsichtig ausgedrückt weit hergeholt.

Fesselnder, verstörender und realistischer ist da schon das, womit sich Joe Donovan und seine Crew (Peta, Schwarzgurtträgerin im Taekwondo, der junge Jamal aus Der Gnadenthron und der dauerbekokste Amar) herumschlagen müssen. Ihr aktueller Auftrag führt sie nämlich zutiefst ins Milieu, in die Welt von Nutten, Sadomasochismus der härtesten Gangart, Drogen und Menschenhandel. Alles fest im Griff des serbischen Mafiabosses Kovacs, der an Kaltblütigkeit nicht zu übertreffen scheint.

Hier zeigen sich Waites´ wahre Stärken: Schnelle Schnitte, kühle Sprache, kurze Sätze, hardboiled durch und durch und vor allem: hervorragend recherchiert. In Joe Donovan hat er sich dazu den Prototypen eines Schnüfflers zusammengebastelt. Hart im Nehmen, weicher Kern. Gerade wenn es darum geht, seinen verschwundenen Sohn aufzufinden. Dass die anderen Figuren wie durchgeknallte Paradiesvögel wirken und wenig Tiefgang aufweisen, verschmerzt man gerne angesichts des rasenden Erzähltempos mit wirklich guten Twists und Überraschungen.

Kommen wir noch kurz auf den Titel zurück, über dessen Plakativität nicht gesprochen werden muss. Interessanter, wenngleich nicht weniger irreführend, ist der Originaltitel, The Bone Machine (Die Knochenmaschine). Man muss schon sehr genau hinschauen, um die entsprechende Textstelle im Buch nicht zu überlesen: Als "Knochenmaschinen" bezeichnet unser lieber Killer nämlich allgemein seine Mitmenschen. Tja, irgendwie will aber auch diese Metapher nicht richtig zünden. Das kranke Gedankengut des "Historikers" steht dazu nun auch wirklich nicht ausreichend im Vordergrund.

Unterm Strich ist es gut, dass der Knaur-Verlag den Briten nicht hat hängen lassen, was bei dem derzeitigen Krimiaustoß und Waites´ fehlender Massenkompatibilität wirklich aller Ehren wert ist. Waites´ Stil ist uramerikanisch, hardboiled. Ein wahrer Pageturner, eine noch recht frische Stimme aus England, von der wir gerne mehr hören möchten.

Bis ins Mark

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Letzte Kommentare:
06.01.2011 13:59:10
koepper

Das Buch hat einen zwiespältigen Eindruck bei mir hinterlassen. Postiv: Waites bietet Action. Es passiert viel in dem Buch, das Tempo ist (fast) immer hoch. "Bis ins Mark" besteht aus mehreren Geschichten, die parallel erzählt werden. Dem Autor gelingt es Spannung zu erzeugen. Gelungen auch die Schilderung der sozialen Zustände der Arbeiterstadt Newcastle. Die Sprache ist einfach, eingängig, schnörkellos. Was mir nicht gefiel: Die Geschichte des Ritualmörders - eine der Handlungstränge - war für mich überhaupt nicht schlüssig und arg konstruiert. Der Plot hatte mir auch zu viele problembelastete Akteure. Alle Mitarbeiter Donovans und auch er selbst schleppen persönliche Probleme mit sich herum. Das wirkte für mich arg bemüht und z.T. auch ermüdend. Alles in allem gute Unterhaltung, aber kein Knaller

24.06.2010 14:06:03
Bio-Fan

Gefühl und Härte

“Bis ins Mark“ und auch sein Vorgänger “Der Gnadenthron“ sind sicherlich mit das Beste, was in letzter Zeit in Sachen “Harter Kost“ von der Insel zu uns herübergekommen ist. Martyn Waites hat mit seinem Serienhelden Joe Donovan und dessen Truppe ein ganz heißes Eisen im Feuer.
Wie schon im “Gnadenthron“ legt Waites auch hier mehrere Handlungsfäden aus, die später, wenn nicht zusammenlaufen, dann doch parallel voranschreiten. Viele Fäden – das heißt auch eine Vielzahl an Personen - haben im “Gnadenthron“ anfänglich den Überblick erschwert. Nun aber, da uns die meisten der Protagonisten vertraut sind, fällt die Zuordnung leichter. (also unbedingt zu erst den “Gnadenthron“ lesen).

Im Mittelpunkt der Geschichte steht natürlich wieder Joe Donovan, der frühere Journalist und jetzige Informations-Broker, was nur ein moderneres Wort für Privatdetektiv ist. Ihm zur Seite gestellt sein farbenfrohes Team: die alkoholkranke, aber zur Zeit trockene Peta Knight, der dauerkoksende Pakistani Amar und der ehemalige Strichjunge Jamal.
Ihr aktueller Auftrag ist es, zwei kosovarische Zeugen zu schützen, die gegen den serbischen Bandenchef Kovacs aussagen wollen. Kovacs hält die Fäden hier im Nordosten Englands in der Hand, wenn es um Drogen- und Menschenhandel, um Zwangsprostitution oder andere Bandendelikte geht.
Scheinbar nur nebenher sollen Donovan und Co. nach einem jungen Mann aus der S/M-Szene suchen, der in Verdacht geraten ist, ein Serienmörder zu sein. Ein Fall, den die uns ebenfalls bekannte Detective Inspector Diane Nattrass zusammen mit Kollege Turnbull verfolgt. Studentinnen der örtlichen Universität verschwinden für mehrere Tage bis ihre Leichname grausamst verstümmelt auftauchen. “Der Historiker“, ein schizophrener Serienkiller treibt sein Unwesen.

Im Gegensatz zum Rezensenten halte ich beide Handlungsstränge für gleich gewichtig. Der Serienmörderfall, der auch titelgebend “Bone machine“ ist, bewegt sich zwar auf den ausgetretenen Pfaden aller Serienmörderklischees, hat somit keinerlei gesellschaftspolitische Relevanz, doch er konzipiert – ganz gleich wie abstrus die Experimente des “Historikers“ auch sind – eine Wahrheit: Menschen ohne Seele sind nichts weiter als besagte “Knochenmaschine“ und das trifft im besonderen auch auf den Bandenchef Kovacs zu, der Im Kosovo Menschen gejagt, vergewaltigt und gemordet hat, der nun unter dem Deckmäntelchen eines seriösen Geschäftsmannes seine Gräueltaten fortsetzt.

Martyn Waites beschreibt keine schöne, weil realistische Welt. Der wirtschaftliche Niedergang dieser Region ist unübersehbar. Die Statussymbole eines Wandels, eines zaghaften Neubeginns wirken nicht minder abweisend und kalt. In dieser düsteren Stimmung erscheinen Waites´ Protagonisten als Lichtgeschalten voller Menschlichkeit und Empathie.

Sehr zu empfehlen ! 90 Grad