Der geheimnislose Junge

Erschienen: Januar 2011

Bibliographische Angaben

  • Frankfurt am Main: Eichborn, 2009, Seiten: 7, Übersetzt: Matthias Keller
  • München: btb, 2011, Seiten: 512

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Wolfgang Franßen
ZZ Top

Buch-Rezension von Wolfgang Franßen Dez 2009

Brüggenthies beschreibt amüsante Momentaufnahmen. Wie in der Anfangsszene, in der er seine Leser lange Zeit im Unklaren darüber lässt, wer da seine Monatskarte in der falschen Hose vergessen hat und vom Kontrolleur aufgefordert wird, die U-Bahn zu verlassen. Und der Übeltäter kommt auch noch davon. Auch wenn die Pointe oftmals sitzt, unterstreichen die ersten Seiten bereits den Hang des Autors zur Ausdauer.

Nachdem sein Held Zbigniew Meier von Bonn nach Köln gezogen ist, heißt der liebste Kollege ausgerechnet Zeynel Aspendos. ZZ Top halt. Nicht der letzte Verweis auf die Musikszene. Das mag der Marotte entspringen, sich ironisch gebrochen von bereits bewährten ermittelnden Paaren abzugrenzen. Der Autor rückt im Verlauf die alltägliche Polizeiarbeit verdächtig nahe an den Versuch, Lokalkolorit via fernsehgerechter Tatortgenauigkeit zu erzeugen. So stellt man sich das Leben da draußen vor. In ihren Büros. Die Herren Kommissare. Köln. Die Häuser der Reichen. Ihr leicht unterkühlter Umgang mit sich selbst. Derrick lässt grüßen.

Donnerstags von 17 bis 19 Uhr

Zwischendurch bricht Brüggenthies scheinbar das Klischee, indem er seinem Zbigniew eine Affäre mit einer Siebzehnjährigen andichtet.

 

Das Mädchen hat genug Krimis gesehen, sie begriff, wie es war als Kriminalbeamter.

 

Und dann geht sie ihm an die Hose und befriedigt seine Männerphantasie. Wie die Mädchen halt so sind mit siebzehn. Unbedarft. Naiv. Immer auf einen Spaß aus und fordernd, nach vorne stürmend. Sie wird als frühreif bezeichnet, stattet den Kommissar gleich mit dem Makel aus, mit einer Minderjährigen geschlafen zu haben, und lässt ihn als jemanden dastehen, der selbst gegen das Gesetz verstößt. Der lieben Lust wegen. Und das vor dem Hintergrund der Ermittlungen gegen einen Pädophilenring.

Die Dialoge klingen häufig bemüht. Der Blick des Ermittlers ist en détail geschärft, doch die Beschreibung farblos bis hin zur bloßen Aufzählung. Die Geschichte wirkt, als nehme ein Sozialarbeiter den Leser an die Hand und führe ihn durch eine Hard Boiled Geschichte, in der weder die Pubertät, noch die Vereinsamung, noch der seelische Abgrund fehlen darf. Auch wenn das vermeintliche Opfer nicht das Opfer ist, verpuffen die Überraschungen in den Untiefen zu großer Längen. So schimmert selbst Kölns rosarotes Wölkchenspektakel vor allem wegen den Braunkohlekraftwerken in der Nähe so anziehend. Alles birgt ein Geheimnis, vertraue dich bloß nicht dem Himmel an.

Über den Dächern von Köln regiert der Blickkontakt

Der 1968 in Münster geborene Brüggenthies schreibt Drehbücher und ist Komponist für Filmmusik. Er will genau sein. Von der Hildegardschule mit der stereotypen Schulleiterin, über Eltern, die ihrem Jungen verbieten in die erste Etage zu gehen, wenn sie sich außer Haus befinden, über einen Fünfzehnjährigen, der scheinbar alles tut, was ihm geheißen wird, bis hin zur schleppend ereignislosen Diskussion in der Teambesprechung des KK51.

Da hilft nur die Intuition weiter. Eine Gabe, die bei Zbigniew Meier sehr ausgeprägt ist. Irgendwie muss der Fall ja gelöst werden. Wunder fallen so selten vom Himmel. Sie führt ihn schließlich bis in die Normandie.

Sprachlich ärgern allzu oft Verschleifer wie "Die Mutter ist äußerst bleich geworden, alle Erregung mit einem Schlag, fortspülend, Gedankenfetzen wischen durch den Kopf" und natürlich hat der Kommissar danach einen Moment, in dem "der Gedanke wie ein Blitz durch den Kopf fährt". Gegen Ende darf er sogar damit glänzen, dass Lenas Geruch noch auf seiner Haut liegt.

Mit Brüggenthies streifen wir durch eine Geschichte, die sich dahinschleppt und zwischendurch aufgepeppt wird. Leider verstärkt sich im Verlauf der Eindruck, dass es sich um einen Blick von außen handelt, um eine Beschreibung, wie ein Fall sich anfühlen muss. Weniger um den Blick von innen, aus den Figuren heraus.

Zuviel farbloses Konstrukt, dessen zwischenzeitlich kräftiger Pinselstrich nicht verhehlen kann, dass trotz aller Heimlichkeiten der Roman bleibt, wie der Titel es verspricht: geheimnislos.

Der geheimnislose Junge

Der geheimnislose Junge

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Letzte Kommentare:
20.10.2013 13:45:11
oldie50

mir hat das TB gut gefallen,interessante Personen gute Handlung+wie gerne würde ich einen neuen Fall erlesen.alleine diese Idee:Ein Junge wird von seinen Eltern vermisst,er kommt aus einem guten!Elternhaus ,Schüler eines Kölner Elitegymnasiums ist der 15-jährige Timo einfach abgehauen ?,dann wird in Turin der Torso eines Jungen gefunden, der missbraucht und grausam verstümmelt wurde. Auf seinem Rücken die Landkarte von Frankreich.wann kommt die Fortsetzung?

15.09.2011 19:34:37
fresno89

Nur durch eine Empfehlung kam ich an dieses Buch von Stephan Brüggenthies (SB), der mir bis dahin völlig unbekannt war.
Ich freue mich jetzt umso mehr, daß ich jetzt die Bekanntschaft gemacht habe. Das Lesen hat mir unglaublich viel Spaß gemacht, weil SB auch einen sehr glaubwürdigen Hauptprotagonisten geschaffen hat, den man einfach symphatisch finden muß und in dem sich sicherlich viele Männer wiederfinden werden. wenn sich auch einige Fantasien des Mitdreißiger Komissars als ziemlich pubertär erweisen.
Der Roman hat seinen eigenen Witz und an Spannung soll es dem Leser auch nicht mangeln.

20.06.2011 13:28:06
manni

Ein spannendes Krimidebut und ich freue mich auf die Fortsetzung. Dem Autor gelingt es von der ersten Seite an bis zum bitteren Ende den Spannungsbogen zu halten. Er variiert zwar nur ein allzu bekanntes, trauriges und schockierendes Thema , aber wie er die Wendungen einbaut und die Geschichte vorantreibt, das ist schon stilsicher und gekonnt geschrieben. Da wird auch nicht lange verbal gefackelt, aber für mich ist das eine moderne Sprache und passt zum Hauptdarsteller. Mir hat der "geheimnislose Junge" ein verregnetes Wochenende gerettet, ich habe das Buch in einem Rutsch durchgelesen weil es eben sehr spannend ist.

26.07.2010 10:44:06
Anette

Ich schätze vor allem psychologische Krimis und mir gefällt dieses Buch ganz ausgezeichnet. Ich habe sehr viel über den Ermittler Zbigniew erfahren, er ist jetzt quasi wie ein guter Bekannter für mich. Auch die anderen Protagonisten des Romans sind so gut beschrieben, dass ich jeden von ihnen beim Lesen vor mir sehen und mich regelrecht in sie einfühlen konnte. Zugleich fand ich die Geschichte außerordentlich spannend und war fasziniert von den diversen unerwarteten Wendungen (in Turin, in Frankreich). Das Hörbuch habe ich inzwischen auch gekauft und bin auch von der akustischen Umsetzung begeistert. Ich bin außerordentlich gespannt auf weitere Krimis von diesem Autor.

29.12.2009 08:43:50
Caruso vom Niederrhein

Abgrundtief schlecht, weil der Ermittler so unsympathisch ist. Seine Sexbesessenheit hat ja schon der Krimi- Couch- Rezensent angedeutet; hinzukommt aber auch noch ein Bandscheibenvorfall, über den der Autor seinen Ermittler seitenlang - gefühlt die Hälfte des Buches - sinnieren, außer der Einnahme von Schmerztabletten, aber nichts unternehmen läßt.
Die Geschichte selbst ist nicht grundsätzlich schlecht. Nur ist mit dem Klappentext fast alles schon erzählt. Es kommt nur noch heraus, warum der Junge so ist, wie er ist, und dass der "Held" den Fall trotz des Bandscheibenvorfalls und viel Sex noch löst.

Insgesamt leider ein Buch, das man nicht gelesen haben muss, obwohl es in Köln spielt.