Totenverse

Erschienen: Januar 2009

Bibliographische Angaben

  • London: Little, Brown, 2010, Titel: 'City Of Veils', Seiten: 352, Originalsprache
  • München; Zürich: Pendo, 2009, Seiten: 429, Übersetzt: Ulrike Wasel & Klaus Timmermann
  • München; Zürich: Piper, 2011, Seiten: 429

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Wolfgang Franßen
Spannende Religionskritik ohne mediales Getöse

Buch-Rezension von Wolfgang Franßen Nov 2009

Heuchelei

Was Gesellschaften zusammen hält, ist zumeist äußerst fragil und beweist nicht selten, wie schnell sie auseinander zu brechen drohen. Vor allem Ideologien erweisen sich über die Jahrzehnte als unzuverlässig. Auf die Religion hingegen lässt sich bauen. Sie gibt sich immer wieder gern als das eherne Fundament her, auf das sich das Eigeninteresse von Staaten gründen lässt. Was aber, wenn der Koran überarbeitet, die zehn Gebote der Bibel erfunden wurden, der Buddhismus keinem endlosen Kreislauf unterworfen ist?

 Zumeist gelingt es westlichen Lesern nicht, den moralischen Blick auf den Islam an der Garderobe abzugeben. Vielmehr zeigen sie allzu gerne angesichts des Alltags fernab von zuhause Erschütterung, klagen an, veranstalten ein Symposium. Arabien: Frauen werden schlecht behandelt, Demokratie ist ein Wort, das die Geschäftsleute sich in die Ladenauslage stellen, um gute Abschlüsse zu erzielen. Korruption, Prostitution, seit Jahrhunderten existierender Hass prägen das Straßenbild, das wir so gerne als Märchenland bereisen würden.

 Brandmale, die unter einer Lawine aus Scheinheiligkeit bedeckt sind

 Die 1970 geborene, in New York lebende Zoe Ferraris hat mit neunzehn einen saudi-palästinensischen Beduinen geheiratet und mit der gemeinsamen Tochter und ihm ein Jahr in Jeddah Saudi-Arabien gelebt. Ihr gelingt in Totenverse ein Spagat.

 Sie verfällt nicht dem Trugschluss westlicher Aufklärung, der mit Ratschlägen, Demokratiesendungsbewusstsein und Anprangerung leicht bei der Hand ist, um von eigenen Schwächen abzulenken. Ferraris geht der Eintönigkeit nach und verknüpft sie mit einer Krimihandlung, die auf reißerische Effekte à la Indiana Jones verzichtet 

 Ausgehend von einem authentischen Handschriftenfund in der Großen Moschee von Sanaa, der zigtausende Pergamente umfasste, finden sich auch im Besitz der ermordeten und am Strand gefundenen Laila Nawar alte Schriftstücke, die Abweichungen zwischen den alten Funden und dem modernen Text des Korans unterstellen. Ein System, das darauf gedrillt ist, keinen Widerspruch zu dulden, gerät ins Schwanken.

 Eine Amerikanerin in Saudi-Arabien

 Miriam erwartet nicht gerade ein Zuckerschlecken, als sie aus den USA zu ihrem Mann zurückkehrt. Sie wird bereits am Flughafen wie eine Ware behandelt, für die es einen Abnehmer geben muss, und landet im Gefängnis, als ihr Mann sich verspätet. Auch in ihrem Haus sieht die Welt außerhalb des hermetisch abgeriegelten, westlichen Bereichs unter der normalen Bevölkerung nicht besser aus. Hier herrscht die Religionspolizei, so dass sie unter ständiger Einschüchterung und Angst lebt.

 Frauen dürfen nicht arbeiten, wenn sie nicht verheiratet sind. Sollten sie es wagen, werden sie aus ihrem Amt entfernt. Alkoholgenuss, das Tragen von Hosen oder anderer westlicher Kleidung, Essen in öffentlichen Restaurants, Auto- und Fahrradfahren, in der Öffentlichkeit tanzen, Musik hören oder Filme anschauen und der Umgang mit einem Mann, der nicht der eigene Ehemann oder ein Familienmitglied ist, steht unter Strafe.

 Es bleibt kein Raum für Träumereien von Menschenrechten,  von der Gleichstellung der Geschlechter ganz zu schweigen. Vielmehr entlarvt Ferraris die moderne Form der Sklaverei in der Haltung eines Hauspersonals, insbesondere eines Hausmädchens.

 Ferraris erzählt ihre Geschichte in zwei Strängen. Miriams Ehemann verschwindet unter mysteriösen Umständen spurlos. Im Fall der auf bestialische Weise ermordeten Leila Nawar, die als junge Filmemacherin den Opfern sexueller Heuchelei nachging, bewährt sich einmal mehr das bereits aus dem Vorgänger Die letzte Sure bekannte Ermittlerpaar Katya, Rechtsmedizinerin, und Nayir, strenggläubiger Wüstenführer.

 Ferraris gelingt das, ohne medienwirksam anzuklagen. Ohne den Respekt vor dem Islam zu verlieren, ihn bloßzustellen. Somit ist Totenverse nicht nur das Psychogramm verlorener Frauen in einer archaischen Welt, vielmehr auch das einer Männerwelt, deren Furcht so tief sitzt, dass sie ihre Macht missbrauchen.

Totenverse

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