Die Bärenkralle

Die Bärenkralle
Die Bärenkralle

Erschienen: Januar 2009

Erschienen: Januar 2009

Bibliographische Angaben

  • Oslo: Cappelen, 2007, Titel: 'Se meg, Medusa', Seiten: 358, Originalsprache
  • Berlin: Argon-Verlag, 2009, Seiten: 6, Übersetzt: Detlef Bierstedt, Bemerkung: gekürzte Lesefassung

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Jörg Kijanski
Ein Bär mitten in Oslo? Diesen Thriller sollten Sie lesen!

Buch-Rezension von Jörg Kijanski Nov 2009

Als die Physiotherapeutin Hilde Paulsen ermordet aufgefunden wird stehen die Ermittler um Kriminalkommissar Hans Magnus Viken vor einem Rätsel. In der Nähe des Tatorts finden sich die "Fußspuren" eines Bären und die ebenso deutlichen Spuren am Körper der Toten weisen auf die Krallen eines Bären hin. Die Laboruntersuchungen bestätigen den Eindruck vom Tatort, doch wann hat man in den Wäldern Oslos zum letzten Mal einen Bären gesehen? Schon seit vielen Jahrzehnten nicht mehr, aber was geht hier vor? Einige Zeit später findet man die Leiche von Cecilie Davidsen im Frognerpark, der sich mitten in Oslo befindet. Die Spuren sind nahezu identisch, erneut scheint ein Bär über sein Opfer hergefallen zu sein. Viken und seine Mannschaft ermitteln fieberhaft, da in der Stadt, angestachelt durch die Medien, die Angst vor einem freilaufenden Bären die Runde macht.

 

"Er könnte irgendwo ausgebrochen sein."
"Du meinst, aus dem Bärenpark? In Hallingdal ist der nächste, das ist 150 Kilometer weit weg. Vielleicht hat er den Bus genommen."

 

Die Polizisten finden heraus, dass es eine Gemeinsamkeit bei den Opfern gibt. Paulsen war eine Arbeitskollegin des angesehenen Arztes Dr. Axel Glenne, die todkranke Davidsen dessen Patientin. So gerät die Welt des glücklichen und erfolgreichen Familienvaters ins Wanken, zumal er zu allem Überfluss auch noch mit der hübschen Praktikantin Miriam anbandelt. Als er nach einer Liebesnacht diese früh morgens verlassen will, stolpert er förmlich über eine weitere Frauenleiche, die direkt vor Miriams Wohnungstür liegt. Es handelt sich um die Nachbarin Anita, deren Körper ebenfalls "Bärenspuren" aufweist. Glenne gerät in Panik und will vor der Polizei fliehen, zumal seine Frau Bie noch nichts von seiner heimlichen Affäre ahnt. Außerdem glaubt Glenne zu wissen, wer für die Morde verantwortlich ist. Sein eineiiger Zwillingsbruder Brede, zu dem er seit über zwanzig Jahren keinen Kontakt mehr hat…

Die Bärenkralle war für den besten norwegischen Thriller des Jahres 2007 nominiert und ist dank dem Droemer-Verlag seit Ende 2009 in deutscher Ausgabe erhältlich. Anfangs zieht sich die Handlung ein wenig, da zunächst sehr ausführlich Dr. Glenne und dessen Umfeld vorgestellt wird. Frau und Kinder werden beschrieben und ebenso die aufkommende Beziehung zu seiner Praktikantin. Daneben wird der Arbeitsalltag des beliebten Mediziners dargestellt, aus dessen Umfeld später die ersten beiden Opfer stammen. Erst auf Seite 70 verschwindet Hilde Paulsen und auf Seite 99, also nach fast einem Viertel des gesamten Romans, erscheint erstmals die Polizei.

Ist die Polizei aber einmal im Spiel nimmt der Plot richtig Fahrt auf und treibt den Leser voran. Die Opfer zwei und drei lassen nicht lange auf sich warten und mit dem "Untertauchen" des Dr. Glenne beginnt die Geschichte so richtig Spaß zu machen. Dabei glänzt der außergewöhnliche Plot nicht nur durch die Frage, wie um alles in der Welt mitten in Oslo Bärenspuren auftauchen können. Vielmehr versteht es Torkil Damhaug meisterhaft, seine Leserschaft in die Irre zu führen. Von Anfang an scheint klar zu sein, worauf die Geschichte hinausläuft, bevor diese dann mehrere überraschende Wendungen erfährt. Die Person des Täters führt zu leichtem Punktabzug (nicht schon wieder so eine Lösung), aber dennoch ist Die Bärenkralle eine glasklare - fünf Euro ins Phrasenschwein - Empfehlung für alle, die gerne mal einen ungewöhnlichen Plot lesen möchten. Selten hat es so viel Spaß gemacht, sich von einem Autor von der ersten Seite an auf den Arm nehmen zu lassen.

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