Ende einer Karriere

Erschienen: Januar 1984

Bibliographische Angaben

  • London: Faber, 1982, Titel: 'The Skull beneath her Skin', Seiten: 384, Originalsprache
  • München: Droemer Knaur, 1984, Seiten: 430, Übersetzt: Georg Auerbach
  • Berlin: Volk und Welt, 1985, Seiten: 393, Bemerkung: Ausgabe für die DDR und andere sozialistische Länder
  • München: Droemer Knaur, 1987, Seiten: 430
  • Augsburg: Bechtermünz, 1999, Seiten: 430

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Odile Odile
Wie von allen guten Geistern verlassen

Buch-Rezension von Odile Odile Mai 2003

Der einst gefeierte Theaterstar Clarissa Lisle fühlt sich bedroht. Seit Monaten wird die Schauspielerin von makaberen Todesbotschaften verfolgt, die sie derart ängstigen, das sie nicht mehr auftritt. Nun will sie ein Comeback wagen.Ihr Mann, Lord Ralston, engagiert die Detektivin Cordelia Gray als Schutz und moralische Stütze für seine Frau. Zwar nimmt er die Drohbriefe nicht ernst, aber er will die nervöse Diva beruhigen. Also fährt Cordelia an die Kanal-Küste, auf die abgeschiedene Insel Courcy. Dort soll im neu restaurierten, viktorianischen Theater die Premiere von Clarissa Lisles neuem Stück stattfinden. Auf Schloss Courcy trifft die Detektivin eine illustre, kleine Gesellschaft, die den exzentrischen Star bei Laune halten soll. Als ein neuer Drohbrief eintrifft, kann Cordelia diesen unbemerkt verschwinden lassen. Schnell findet sie heraus, dass nur einer der Schlossbewohner oder Gäste als Verfasser der Morddrohungen in Frage kommt. Eine zweite makabre Botschaft bestätigt diesen Verdacht, doch bevor die Detektivin den Schmierfinken entlarven kann, geschieht ein bizarrer, grausamer Mord. Und die Polizei schliesst aus, dass der Täter vom Festland kam...

Der Fall erinnert mich ein bisschen an Agatha Christies berühmten Krimi "Und dann gab`s keine mehr", bekannter unter seinem früheren Namen "Zehn kleine Negerlein". Denn "zehn Leute sind wir hier auf dieser kleinen, abgeschiedenen Insel. Und einer von uns ist ein Mörder", konstatiert Cordelia Gray. Dabei beschränkt sich die Zahl der Verdächtigen tatsächlich auf acht, da die Detektivin und das Mordopfer als Täter offensichtlich nicht in Frage kommen. Auch der Schauplatz, die abgeschiedene, kleine Insel Courcy mit ihrer blutrünstigen Vergangenheit, sowie der klar umrissene Kreis der Tatverdächtigen, passen ins Bild. Doch hier enden die Gemeinsamkeiten. Vor uns liegt ein echter P.D. James! In epischer Breite entwickelt sie ruhig und präzise die Vorgeschichte des Mordes. Der Leser erfährt zahlreiche Details über die Bewohner und Gäste in Schloss Courcy. Wie gewohnt ermöglicht uns die Autorin tiefe Einblicke in die Abgründe der menschlichen Psyche. P.D. James zeigt die Figuren in ihren Büchern ungeschminkt, das heisst mit ihren Fehlern und Schwächen. Im vorliegenden Fall führt dies einmal mehr dazu, dass kaum einer der möglichen Täter Sympathie beim Leser weckt. Enttäuschte Liebe, Hass, gekränkte Eitelkeit, Neid, masslose Habgier und ungestillte Rachegefühle bewegen die Verdächtigen. Ein Teil dieser Emotionen entlädt sich in dem folgerichtig begangenen Mord. Doch die morbide Inszenierung der Leiche hat einen anderen Grund, der hier nicht verraten wird.

Cordelia Gray ist neben dem berühmten Commander Adam Dalgliesh die zweite Ermittlerfigur der Autorin. Die junge, hübsche Privatdetektivin wuchs nach dem frühen Tod der Mutter in verschiedenen Pflegefamilien und einem Klosterinternat auf. Ihr Vater, ein idealistischer, aber erfolgloser Revolutionär, verhinderte, dass seine Tochter studierte. Nachdem er gestorben war, arbeitete Cordelia zunächst als Assistentin des ehemaligen Polizisten Bernie Pryde in dessen Detektei. Später wurde sie seine Geschäftspartnerin und übernahm die Firma nach dem Selbstmord ihres Kompagnons. Inzwischen hält sie sich mit der Detektei mehr recht als schlecht über Wasser. Ihre Spezialität ist das Aufspüren entlaufener, bzw. gestohlener Haustiere. Cordelia ist intelligent, hilfsbereit und mutig. Dank ihres ausgeprägten Gerechtigkeitssinnes und ihrer Warmherzigkeit findet sie auch Zugang zu verschlossenen Menschen, denen das Schicksal oder ihre Artgenossen übel mitgespielt haben. Die sympathische Detektivin erweist sich als erfrischender Kontrast zum nahezu perfekten Adam Dalgliesh. P.D. James hat ihre Detektivin allerdings nur zweimal ermitteln lassen, um dann, endgültig wie ich glaube, zu Commander Dalgliesh zurückzukehren. "Ende einer Karriere" ist Cordelias zweiter Fall. Natürlich hat sich die Autorin ein Zusammentreffen ihrer beiden Ermittler nicht entgehen lassen. Während sich die beiden in Ein reizender Job für eine Frau, Cordelias erstem Auftritt, wirklich begegnen, erscheint der Commander im vorliegenden Krimi aber nur als Randfigur.

Das vorliegende Buch ist das schwächste, das ich von P.D. James gelesen habe. Ich empfehle es nur den Fans der Autorin, zu denen ich mich zähle, und auch für diese stellt es kein "Muss" dar. Als Einstiegslektüre rate ich von "Ende einer Karriere" dringend ab, da P.D. James wesentlich Besseres zu bieten hat. Warum? Ich schätze es sonst durchaus, dass die Autorin ihre Fälle ruhig angeht und sich ihre Geschichten langsam entwickeln. Allmählich zieht sie den Leser in ihren Bann und es fällt schwer, das Buch aus der Hand zu legen. Diese Erwartungen erfüllt auch dieser Krimi zunächst. Doch ab der Mitte des Buches verändert sich das Erzähltempo schlagartig, der Leser wird von dramatischen Auftritten und Enthüllungen geradezu überfahren. Ein Grund dafür ist nicht ersichtlich und das Buch profitiert nicht davon, im Gegenteil.

Als weiteres Manko entpuppt sich das Motiv der/des Täters, bzw. die Auflösung (deutlicher möchte ich nicht werden). Wie gewohnt hat P.D. James überzeugende Charaktere geschaffen und diesen nimmt man die beschriebene Handlungsweise einfach nicht ab. Dabei stattet P.D. James ihre kleine Gruppe von Verdächtigen mit derart vielen Tatmotiven aus, dass sich der Leser fragt, warum die Gewalttat erst jetzt passiert ist.Trotzdem will sich einfach keine Spannung aufbauen. Zu vorhersehbar ist der Mord, zu unlogisch das Ende.

P.D. James' Stärken, ihre Detailgenauigkeit, ihre Erzählfreude, ihr psychologisches Know-How kommen in diesem Buch einfach nicht so zum Tragen, wie erwartet. Vielmehr wirkt die Geschichte langatmig und überfrachtet. Das Fass zum Überlaufen bringt jedoch die Heldin Cordelia Gray. In der Schlussphase des Krimis handelt die bis dahin sympathische und durchaus kompetent wirkende Detektivin plötzlich wie von allen guten Geistern verlassen, um nicht zu sagen absolut dämlich. Sie trägt die Schuld an der Vernichtung des einzigen stichhaltigen Beweismittels, weil ihr im Jahr 1980 eine technische Einrichtung namens Fotokopierer anscheinend gänzlich unbekannt ist. Darüberhinaus bringt sie sich durch ihr zwar mutiges, aber unüberlegtes Handeln ohne Not in Lebensgefahr. Ich gestehe, wäre ich an Stelle der Autorin gewesen, ich hätte sie ertrinken lassen!

Nach so viel Kritik noch etwas Positives. "Ende einer Karriere" ist kein schlechtes Buch, sonst hätte ich es nicht zu Ende gelesen. Doch P.D. James muss sich an ihren besten Krimis messen lassen und da fällt dieses Buch doch deutlich ab. Erfreulicherweise hat die Autorin ihre Leserschaft seit Erscheinen dieses Krimis (1982) mit teilweise hervorragenden Werken verwöhnt. So sei ihr dieser kleine Ausrutscher verziehen. Wir alle haben mal einen schlechten Tag.

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