Ein reizender Job für eine Frau

Erschienen: Januar 1973

Bibliographische Angaben

  • London: Faber, 1972, Titel: 'An Unsuitable Job for a Woman', Seiten: 216, Originalsprache
  • München: Heyne, 1973, Titel: 'Kein Job für eine Dame', Seiten: 127, Übersetzt: Dietlinde Bindheim
  • Tübingen: Wunderlich, 1981, Seiten: 279, Übersetzt: Wolfdietrich Müller
  • Berlin: Volk und Welt, 1983, Seiten: 254, Übersetzt: Wolfdietrich Müller
  • Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, 1984, Seiten: 220, Übersetzt: Wolfdietrich Müller
  • Berlin: Volk und Welt, 1988, Seiten: 324, Übersetzt: Wolfdietrich Müller
  • Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, 1999, Seiten: 335
  • Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, 2003, Seiten: 335
  • Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, 2005, Seiten: 335
  • Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, 2007, Seiten: 476, Bemerkung: Großdruck
  • Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, 2001, Seiten: 335
  • Atrium, 2019, Seiten: 352

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Almut Oetjen
Cordelia Gray - die erste Privatdetektivin von Beruf

Buch-Rezension von Almut Oetjen Jun 2019

Privatdetektivin Cordelia Gray erbt nach dem Selbstmord ihres Seniorpartners, dem ehemaligen Kriminalbeamten Bernie Pryde, die gemeinsame Detektei in London einschließlich einer nicht lizensierten Pistole. Cordelia beschließt, die marode Detektei weiterführen. Der erste Auftrag führt sie nach Cambridgeshire, zu dem bekannten Mikrobiologen Sir Ronald Callender. Sie soll für ihn herausfinden, warum sein Sohn Mark Selbstmord begangen hat.

Der 21-jährige Mark hatte vor einigen Wochen sein Geschichtsstudium in Cambridge abgebrochen und als Gärtner bei der Familie Markland angeheuert. Vor achtzehn Tagen hatte er sich mit seinem Gürtel im Gartenhaus erhängt und einen maschinengeschriebenen Abschiedsbrief, ein Blake-Zitat, hinterlassen. Cordelia studiert die Zeitungsberichte, trifft Marks Freunde, die Studenten Hugo, Sophie, Isabelle und Davie, die sie von dem Fall abzulenken versuchen, Marks Tutor Mr. Horsfall, sowie Sergeant Maskell, der den Fall bearbeitet und trotz einer Ungereimtheit als Selbstmord durch Erhängen eingestuft hat. 

Cordelia bezieht das heruntergekommene Gartenhaus, in dem sich seit Marks Tod nichts verändert hat. Die Szenerie am Tatort, die Gespräche mit Marks Freunden und Sergeant Maskell lassen sie an Mord denken. Als ein Unbekannter eine Puppe an dem Haken aufhängt, an dem Mark hing, wird der Verdacht zur Gewissheit. Mark war ein anständiger junger Mann, der keine Feinde und keine materiellen Ansprüche hatte, sich um seine Mitmenschen kümmerte und seinem Vater sogar das große Erbe mütterlicherseits schenken wollte, das in vier Jahren fällig geworden wäre. Wer also hatte ein Motiv für den Mord?

Dafür, dass der Beruf für eine Frau ungeeignet ist…

Das sei doch kein Beruf für eine Frau, muss sich Cordelia sagen lassen, zweimal, beide Male von einer Frau, der älteren Wirtin ihres Londoner Stammlokals und der nicht sonderlich intelligenten, aber stinkreichen Studentin Isabelle. „An Unsuitable Job for a Woman“ lautet denn auch der Originaltitel des 1972 erschienenen Romans, in dem erstmals eine Frau als professioneller Detektiv die Krimiszene betritt, eine Vorläuferin von Sara Paretskys V.I. Warshawsky, Lisa Codys Anna Lee und Sue Graftons Kinsley Millhone. Anfeindungen von Männern gibt es nicht im Roman, wohl aber Komplimente, die Cordelia ärgern.

Cordelia Gray ist weder Amateurdetektivin noch Ladydetektivin wie im Goldenen Zeitalter des Detektivromans, sondern eine moderne junge Frau, die ihr Handwerk von einem Profi gelernt hat, intelligent, unabhängig und selbstbewusst, passend zu ihrem im Roman angesprochenen Shakespeareschen Namen, der Löwenherz bedeutet (coeur de lion im Französischen).  

Cordelia ist einundzwanzig Jahre und Halbwaise. Die Mutter starb bei ihrer Geburt, sie wuchs in diversen Pflegefamilie auf, verbrachte sechs Jahre in einer Klosterschule. Ihr Vater, ein Marxist und Dichter, verwehrte der „Faschistin“ das Studium in Cambridge, nahm sie von der Schule und machte sie zu seiner allgemeinen Begleiterin. Über eine Arbeitsagentur bekam sie einen Sekretärinnenjob bei Bernie Pryde, der ihre Fähigkeiten erkannte, sie zur Detektivin ausbildete und zur Juniorpartnerin machte. Ihr erster Auftrag führt sie ausgerechnet nach Cambridge. Trotz einiger Versuche, sie von dem Fall abzubringen, will sie ihn unbedingt lösen.

…erledigt sie ihn hervorragend

Ein Löwenherz braucht Cordelia für den Fall. Denn aus dem scheinbar harmlosen Whydunnit wird schnell ein mörderischer Whodunnit. Cordelia hat die Lehren Bernies, der wiederum bei dem wohl Besten, Superintendent Adam Dalgliesh, gelernt hat, verinnerlicht. Eine wichtige Regel lautet: lerne die tote Person kennen. Der Tote könne direkt zum Mörder führen. Cordelia entspricht dieser Maxime, fragt die Menschen aus, die Mark gekannt haben, und folgt seinen Spuren. Das führt sie zu einem Blumenladen in Cambridge, zu einer Nanny Pilbeam nach Ickleton und dem pensioniertem Arzt Dr. Gladwin in Bury St.Edmunds. 

Schon der Romanbeginn wirft ein Licht auf Cordelias Robustheit. Sie ist es, die Bernies Leiche entdeckt, wahrlich kein schöner Anblick. P.D. James erspart uns kein Detail, beschreibt den Leichnam und seinen Zustand mit genüsslicher Zeigefreudigkeit. Man merkt, dass sie Profi in Sachen Verbrechen war. Die Arbeit in der Kriminalabteilung des britischen Innenministeriums war Inspiration und solides Fundament zugleich.

James schickt ihre Protagonistin an die Front, mit einem etwas klapprigen Mini und einer nicht lizensierten halbautomatischen .38er aus der Hinterlassenschaft Bernies. Cordelia wird beschattet und bedroht, überfallen und beinahe getötet, es gibt eine rasante Verfolgungsjagd mit einem Toten, einen Mord und einen weiteren Toten. 

Nach etlichen Verwicklungen kann Cordelia den Fall lösen. Doch die Identifikation mit Mark, freundschaftliche Gefühle zu Sophie und weibliche Solidarität mit einer Frau, die sie nicht leiden kann, lassen sie die monströse Wahrheit verschweigen. Sie übersteht das Verhör durch die Polizei von Cambridge und das Untersuchungsgericht. Schließlich wird sie von Scotland Yard vorgeladen, wo Superintendent Adam Dalgliesh, James’ Serienheld in einer Nebenrolle, sie grillt. Er hält nicht viel von Bernie und hat ihn, nachdem er gefeuert worden war, vergessen. Auch Dalgliesh hat die Wahrheit herausgefunden, kann sie aber nicht beweisen, weshalb er mit allen verhörtechnischen Raffinessen ein Geständnis aus Cordelia extrahieren will. James lässt die beiden zu einem hervorragend und spannend inszenierten intellektuellen Sparring antreten, in dem Cordelia ihre Feuerprobe als gute Detektivin und ihre Qualitäten als Mensch beweisen muss. Kann sie sich gegen Dalgliesh behaupten oder knickt sie ein?

Es blieb nicht bei diesem einen Fall. P.D. James veröffentlichte zehn Jahre nach „An Unsuitable Job for a Woman“ einen weiteren Cordelia Gray-Roman: „The Skull Beneath the Skin“ (1982; dt.: Ende einer Karriere, 1984).

Fazit:

Spannender Whodunnit über einen mysteriösen Selbstmord, der sich im akademischen Milieu von Cambridge vor zeitgenössischem Hintergrund abspielt. Die Story folgt den Mustern und Motiven des klassischen Detektivromans, allerdings ist der Detektiv erstmals eine Frau. Elegant erzählt, intelligent konstruiert, mit starken Charakteren und sarkastischen Dialogen.

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Letzte Kommentare:
30.07.2017 16:37:37
Stefan Schmid

Dass die Hauptfigur eine Privatdetektivin ist, welche in ihre Aufgabe hinein katapultiert wird, gibt der Geschichte schon mal eine ungewohnte Basis. Die zähen Nachforschungen mit vielen scheinbar nebensächlichen Details verlaufen zunächst ziemlich ergebnislos. Wie genial P.D.James das alles aber ausgedacht und gestaltet hat, wird erst gegen Buchende durchschaubar. Und wenn man als Leser denkt, jetzt ist die Spannung zu Ende, kommt noch eine unerwartete Zugabe. Ein Bravo der Autorin!

17.09.2013 17:17:07
carolina

Ein ausgezeichnetes Buch was die Sprache und den Inhalt betrifft. Es ist schwer Agatha Christie oder Ruth Rendell alias Barbara Vine zu übetreffen, doch P.D. James schafft das spielend. An dem Buch haben mich nur 2 Dinge gestört: 1. der unmögliche, einfach dumme Titel - es ist nicht nachvollziehbar, was dem Verlag dabei eingefallen ist und 2. die deutschen Berufsbezeichnungen für den Kriminalbeamten, einen englischen Chief Inspector oder Superintendent als Oberkriminalrat zu bezeichnen ist einfach lächerlich! Das Buch liest sich jedenfalls wunderbar. 100%!

13.04.2013 19:43:18
Konrad Bauer

Keine Buchrezension:

PC-Neusprech hat mal wieder zugeschlagen. Das Original heißt "An unsuitable job for a woman". 1972, als James den Roman veröffentlichte, war das wohl so.

Heutzutage ist natürlich nichts mehr "unsuitable" für eine Frau. Da der Roman aber nicht in der Gegenwart spielt, sollte man Zeitgeschichte nicht mit Gewalt passend machen. Wie soll man sonst Veränderungen wahrnehmen. Unsere Archäologen und alle betroffenen Forscher würden sich bedanken, wenn jede nachfolgende Generation bis dahin Erschienenenes immer an den jeweiligen Zeitgeist angepasst hätten.

08.08.2009 18:02:25
Mistie

Eines von vielen Büchern von P.D. James die ich schon gelesen habe - doch für mich bis jetzt eines der Besten!

So gut fühlte ich mich schon lange nicht mehr unterhalten: eine sympathische "Anfängerin" die ihres toten Freundes wegen alte und festgetretene Pfade verlässt und sich immer mehr auf ihre gute Spürnase verlässt. Auch der Schluss ist eher "Frauensache" ...

... und über dem ganzen schwebt der Geist von Dalgliesh.

07.04.2009 22:18:30
Sibo

Es war mein erstes Buch von P.D. James und hat mir gut gefallen. Ich bin eigentlich kein Fan von ausschweifenden detailgetreuen Beschreibungen, aber in diesem Roman tragen sie perfekt zur Atmosphäre und Figurencharakterisierung bei ohne langatmig zu werden. Cordelia Gray ist außerdem eine sympathische Figur. Da sie selbst noch "neu" in Ermittlungen ist, lernt man mit ihr und durch sie.

08.08.2007 11:13:03
Marc

So habe das Buch heute morgen zu ende gelesen und fand das Buch sehr gelungen. Ich wollte es nie anfangen weil es eigentlich kein Adam Dalgleish Roman ist, aber das tat dem Buch keien Abbruch. Es war wieder einmal Ein toller Krimi aus der Feder der Queen of Crime: P.D. James.
sehr empfehlenswert.

02.01.2007 22:32:57
CRI

Ich habe das englische Original gelesen; obwohl ich eigentlich ausführliche Beschreibungen nicht mag und dann immer auf mehr Handlung und Ereignisse warte, hat mir dieses Buch gut gefallen. Die Atmosphäre ist zeitgemäß "angestaubt", d.h. teilweise wäre die Handlung in der heutigen Zeit gar nicht mehr vorstellbar.
Keinerlei Überfrachtung mit polizeilichen oder kriminalistischen Details, eher spielt Psychologie eine Rolle, da die Hauptfigur ja eigentlich kaum ermittlerische Erfahrung vorweisen kann. Insgesamt trotz der vielen Beschreibungen spannend.

22.03.2005 17:21:14
Elmar

Spannend und ziemlich osbkur. Die Lösung ist nicht unbedingt der Knaller, aber die Figurenzeichnung ist subtil, und die Autorin schreibt einfach gut, viel besser als z. B. Sayers, weil sie denzenter, kanpper und formbewußter ist.