Die Toten schweigen nicht

Erschienen: Januar 2009

Bibliographische Angaben

  • Auckland, N.Z.: Random House New Zealand, 2008, Titel: 'Cemetery Lake', Originalsprache
  • Freiburg im Breisgau: Audiobuch, 2009, Seiten: 6, Übersetzt: Stefan Kaminski, Bemerkung: gekürzt

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Thomas Kürten
Ein Fall am anderen Ende der Welt

Buch-Rezension von Thomas Kürten Dez 2008

Kriminalfälle vom 5. Kontinent sind immer noch eine Seltenheit. Nur wenige Autoren aus Australien und noch weniger aus Ozeanien schaffen es über die englischsprachigen Bestsellerlisten auch in eine deutsche Übersetzung. Der Neuseeländer Paul Cleave ist einer der ganz wenigen, die dies offenbar nachhaltig schaffen, denn mit Die Toten schweigen nicht ist inzwischen sein dritter Titel in Deutschland erschienen.

Theo Tate ist ein an sich selbst gescheiterter Polizist, den ein furchtbarer Unfall aus der rechten Fahrbahn gebracht hat. Seine Frau ist seitdem im Wachkoma, seine Tochter damals gestorben. Tate sah sich mit einer zu laschen Gesetzgebung konfrontiert und den Sinn seines Tuns in Frage gestellt. Den Dienst quittierte er, um als Privatermittler im gleichen Metier tätig sein zu können, ohne sich an die allzu strikten Dienstanweisungen halten zu müssen. Nun ermittelt er hauptsächlich für Versicherungen und kommt damit offenbar halbwegs über die Runden.

Wer tauscht die Leichen aus?

Bei der Exhumierung einer Leiche aus einem Grab nahe des Friedhofsees wird Erdreich so sehr gelockert, dass nicht nur ein Sarg aus dem Grab gehoben wird, sondern auch der See eine weitere Leiche, die zuvor auf Grund befestigt war, freigibt. In der Pathologie wird entdeckt, dass in dem Sarg gar nicht ein Mann, sondern eine Frau beerdigt war. Wie der Zufall es will, handelt es sich um eine vermisste Leiche, dessen Exhumierung Tate vor zwei Jahren, kurz bevor sich der Unfall seiner Frau und Tochter ereignete, abgelehnt hatte. Wie durch einen heftigen Faustschlag fühlt sich der Ex-Polizist in die Zeit vor zwei Jahren versetzt und alte Wunden brechen auf.

Weitere Leichen werden im See gefunden. Tate kann auch die Identität der anderen Leichen entschlüsseln. Vermisste junge Frauen aus den letzten zwei Jahren liegen in ihren Gräbern. Der junge Friedhofswärter, der sich so verdächtig benommen hatte, weiß eventuell mehr. Doch der hat eine Waffe und bringt sich vor Tates Augen damit um. Bevor der Detektiv weiter ermitteln kann, wird er selbst zum Gejagten: Der Vater des Friedhofswärters erinnert sich an das, was über Tate damals in der Presse stand und verdächtigt ihn, nun seinen Sohn erschossen zu haben.

Packender Thriller

Paul Cleave schildert eine düstere, stellenweise makabere Jagd nach der Wahrheit. Sein Theo Tate ist ein moderner Desperado, dem seine eigenen Vorstellungen von Moral und Gerechtigkeit über das Gesetz gehen. Da er mit Selbstjustiz bereits einmal erfolgreich war, kennt er keine Skrupel immer wieder mit nicht ganz legalen Waffen zu kämpfen. Und diese Waffen sind schärfer als die schärfsten Klingen und tödlicher als die präzisesten Pistolen. Andererseits ist Tate ein gebrochener Mann, der mit dem schweren Schicksal seiner Familie nicht klarkommen kann und seine Frau und das Grab seiner Tochter unablässig und fast täglich besucht. Tate ist alkoholsüchtig und unberechenbar.

Keine Frage, wer lieber etwas über aalglatte, integere Supercops lesen will ist bei Paul Cleave falsch. Er schickt lieber einen ungebundenen und in seinen Methoden freien Ermittler ins Rennen, auf dessen Seele schwere Narben lasten. Zwar ist erstaunlich, was solch ein Mann ertragen muss und wie er sich dann doch wieder selber aus diesem Sumpf zieht, aber für einen rundum packenden Thriller kann man manchmal nicht dick genug auftragen. Voller Action und Gefahr ist Die Toten schweigen nicht ein Garant für hoch stehende Nackenhaare und Gänsehaut. So gesehen nicht erstaunlich, dass Paul Cleaves Romane ins Deutsche übersetzt werden.

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