Komm stirb mit mir

  • Goldmann
  • Erschienen: Januar 2008
  • London: Quercus, 2007, Titel: 'Die with me', Seiten: 341, Originalsprache
  • München: Goldmann, 2008, Seiten: 446, Übersetzt: Heike Steffen
Komm stirb mit mir
Komm stirb mit mir
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Jörg Kijanski
70°

Krimi-Couch Rezension von Jörg Kijanski Okt 2008

Wer stirbt schon gern allein?

In der Kirche St. Sebastian's wird die Leiche der 14-jährigen Gemma Kramer gefunden, die offensichtlich von der Orgelempore gestürzt ist. Der Fall wird zunächst als Unfall zu den Akten gelegt, doch als eine Zeugin meldet, sie habe das Mädchen zusammen mit einem Mann die Kirche betreten sehen, wird eine toxikologische Untersuchung durchgeführt, welche neben einer geringen Menge Alkohol auch die Droge GHB nachweist. GHB, auch "Easy Lay" genannt, ist eine verbreitete Vergewaltigungsdroge und so nehmen Detective Inspector Mark Tartaglia und sein Team die Ermittlungen in diesem "ungeklärten Todesfall" auf. Als sie den Computer des Mädchens untersuchen stoßen sie auf einen Mailverkehr mit einem Mann namens Tom. Offensichtlich hatte Gemma, die nicht nur in ihrer Schule als Außenseiterin galt, ihren Lebensmut verloren und wollte sich umbringen. Tom bot ihr an, sich gemeinsam umzubringen, da die Welt für sie beide zu schlecht sei.

Tartaglia lässt seine Ermittler nach ähnlichen Fällen suchen und tatsächlich finden sie heraus, dass es bereits zwei gleich gelagerte Fälle gab. Alle Mädchen waren unbeliebt und nahmen Kontakt zu einem Mann auf, der gemeinsam mit ihnen in den Tod gehen wollte. Angeblich war es die große Liebe, die durch den Tod ihre Unsterblichkeit erreichen sollte. Doch am Ende starben immer nur die Mädchen, die außer ihrem Alter offenbar nichts miteinander gemeinsam hatten. Von dem Täter fehlt jede Spur, so dass die Ermittler die Hinzuziehung eines Profilers in Erwägung ziehen, was Tartaglia jedoch kategorisch ablehnt. Nur zu gut erinnert er sich an einen seiner letzten Fälle, in dem der hinzugezogene Psychologe Dr. Kennedy den Fall durch völlig falsche Schussfolgerungen verbockt hatte.

Während die Ermittlungen auf der Stelle treten berichtet plötzlich der Evening Standard, dass die Metropolitan Police einen Serienmörder jage und gibt diesem den Namen "Der Bräutigam". Tartaglias Chef will sich vor der Verantwortung drücken und überträgt kurzerhand Detective Chief Inspector Carolyn Steele die Ermittlungen. Steele ist Tartaglia vom ersten Moment an unsympathisch und sein Frust steigert sich massiv, da Steele umgehend Dr. Kennedy ins Team holt. Der gefällige Selbstdarsteller bringt die Ermittlungen erwartungsgemäß keinen Schritt weiter und so beschließt Tartaglia lieber seinen eigenen Instinkten zu vertrauen. Die Zeit drängt, denn das nächste Opfer wartet schon...

Ein erfreulich unblutiger Mainstream-Thriller

Die Flut an Serienkillerromanen nimmt bisweilen bedrohliche Ausmaße an und bei jedem neuen Roman dieses Genres fragt man sich, ob man ihn wirklich gelesen haben muss. Die Frage drängt sich auf, wie es einer Autorin oder einem Autor gelingen soll, dass Genre weiterzuentwickeln oder zumindest mit neuen Elementen zu beleben. Während viele erfolgsverwöhnte Stars zunehmend in der Endlosschleife ihres Schreibstils hängen bleiben, ruht vielfach die Hoffnung auf den Newcomern wie auch im vorliegenden Fall. Elena Forbes, es sei vorweg genommen, hat zwar einen durchaus respektablen Thriller geschrieben, der aber (leider) nur die bereits hinlänglich bekannten Zutaten enthält.

Lupenreiner Mainstream und dennoch eine Empfehlung, da Elena Forbes nahezu gänzlich auf die üblichen Gewaltorgien verzichtet. Niemand wird hier ausgeweidet oder zerstückelt. Stattdessen sind die Mädchen von sich aus bereit zu sterben. Sie fühlen sich von ihrer Umwelt falsch verstanden und wollen ihrem sinnentleerten Leben ein Ende bereiten. Da treffen sie plötzlich auf einen Mann, der sich scheinbar in genau dergleichen Lage befindet. Dieser treibt ein besonders perfides Spiel mit seinen unschuldigen Opfern und redet diesen ein, sie seien seine große Liebe. Doch da die Welt für sie beide viel zu schlecht sei, solle man eine geheime Verlobungszeremonie abhalten und anschließend gemeinsam aus dem Leben scheiden, hin zu einer unsterblichen Liebe in der Ewigkeit.

Klischeehafte Figuren und ein etwas anderes Finale

Die Protagonisten des Romans sind recht klischeehaft, wie man es aus solchen Romanen gewohnt ist. Tiefenwirkung Fehlanzeige, aber dies soll hier auch nicht zu sehr überbewertet werden. Mark Tartaglia ist einer der Ermittler, die schon mal gerne auf eigene Faust ermitteln, zumal wenn ihnen unerwünschte Personen wie die unscheinbare Carolyn Steele vor die Nase gesetzt werden. Da diese in ihrer Hilflosigkeit nichts besseres zu tun weis, als ausgerechnet (den besonders stereotyp dargestellten) Dr. Kennedy, mit dem sie einmal ein kurzes Verhältnis hatte, ins Team zu holen, bringt dies das Fass für Tartaglia zum Überlaufen. Hinzu kommt, dass er noch an einer gescheiterten Beziehung zu knabbern hat und sein bisheriger Vorgesetzter Clarke im Koma liegt. Mit dem Charakter Tartaglias werden sich sicher viele Leser/innen identifizieren können und so steht einem erfolgreichen Serienstart (weitere Romane mit Mark Tartaglia sollen folgen) nichts im Wege.

Die Spannung bezieht der Plot auf die übliche Weise. Einige mehr oder weniger stark verdächtige Randfiguren kommen als Mörder in Frage. Wie dieser letztlich überführt wird ist zwar mehr als einfach konstruiert, aber dafür punktet Elena Forbes bei dem eigentlichen Finale.

Komm stirb mit mir ist alles andere als weltbewegend, bietet aber angenehme Spannung für Menschen, die es gerne unblutig haben. Auf den zweiten Fall darf man gespannt sein, denn mit etwas mehr Mut und Fantasie könnte dieser richtig gut werden.

Komm stirb mit mir

Elena Forbes, Goldmann

Komm stirb mit mir

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