Balla Balla

Erschienen: Januar 2008

Bibliographische Angaben

  • München: dtv, 2008, Seiten: 234, Originalsprache

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Jörg Kijanski
Gelungener Mix aus Humor, Satire und Krimi

Buch-Rezension von Jörg Kijanski Mai 2008

SpVg Altona-Nord gegen TuS Koblenz, Abstiegskampf in der 2. Liga. Doch auf dem Rasen tut sich erst mal nichts, da eine Gedenkminute für den verstorbenen Ivo Jovanovic abgehalten wird. Das 18-jährige Supertalent der Spielvereinigung war völlig überraschend beim Training zusammen gebrochen. Die Todesursache ist noch unklar. So hängt Paul Plotek in seiner Stammkneipe "Froh und Munter" und wartet auf den Anpfiff und als es endlich losgeht, platzt plötzlich Ploteks Freundin Agnes in die Runde. "Wir haben gewonnen!", ruft sie Plotek zu und dieser ahnt bereits, dass dies nichts Gutes zu bedeuten hat. Bei einem Preisausschreiben eines Dosensuppenherstellers hat Agnes eine Reise für zwei Personen nach Hamburg gewonnen, dabei will Plotek doch nur in aller Ruhe sein Weißbier genießen.

Aller Protest hilft nichts, es geht im Flieger nach Hamburg und bereits diese Art der Fortbewegung treibt Plotek an den Rand des Wahnsinns. Gesundheitlich angeschlagen kommt er in Hamburg an und schon drängt Agnes zur Besichtigung der Dosensuppenfirma, wo es nach einer abschließenden Kostprobe Plotek erst recht ins Bett treibt. Agnes besichtigt Hamburg also alleine und nachdem es Plotek plötzlich wieder etwas besser geht, beschließt er die Situation zu nutzen und besucht spontan ein Spiel der Spielvereinigung. Auf der Tribüne hält sich Plotek allerdings nicht lange, denn einer der vermeintlichen Superstars verwechselt eben diese mit dem Tor und trifft Plotek frontal, so dass sich dieser wenig später im Krankenhaus wieder findet.

Im Krankenzimmer erwacht Plotek neben Jo Hillebrand, einem weiteren Toptalent der Spielvereinigung, der während des Spiels brutal gefoult wurde. Plotek ist der junge Spieler spontan unsympathisch, allerdings nur bis zum nächsten Morgen, denn als Plotek aufwacht, stellt er fest, dass Hillebrand tot ist. Und so gerät Plotek ungewollt in die Ermittlung in einem Mordfall, denn ein alter Mannschaftskollege aus seiner Jugendzeit wird ebenfalls bedroht und bittet Plotek um Hilfe. Schon bald entdeckt Plotek, dass man mit jungen Nachwuchsspielern Millionen verdienen kann. Aber warum bringt man sie dann um?

"Die schönsten Tore sind diejenigen, bei denen der Ball schön flach oben reingeht."

Nach Altötting (2002 für den Glauser nominiert), Oktoberfest und Schöne Bescherung ist Balla Balla bereits der vierte Band der Paul-Plotek-Reihe, welcher sich selber als Krimiparodie versteht. Folglich können hier nicht die üblichen Krimi-Plot-Merkmale bei der Bewertung herangezogen werden, denn gerade die etwas schräge Story soll ja der Unterhaltung dienen. Dennoch - um es vorweg zu nehmen - ist der eigentliche Krimiplot ordentlich gelungen. Man darf mitraten und die Auflösung ist durchaus nachvollziehbar.

Der Titel des Romans ist Programm, womit hier gemeint ist, dass sich zahlreiche bekannte Sprüche aus der Welt der fußballerischen Hochintelligenz wieder finden.

 

"In diesem Moment sind wir alle bei den Anverwandten, den Eltern, den Freunden, der Freundin des Verstorbenen, die um diesen plötzlichen Tod trauern."
Seit wann trauert man um den Tod, dachte Plotek und hatte dann vom Feeling her ein schlechtes Gefühl und musste an Andy Möller, den Fußballer, denken und schmunzeln.

 

Wen wundert es da, dass der herrlich persiflierte TV-Moderator Rainer von Plorre heißt? Neben etlichen Bonmots aus jener Welt, wo das Runde in das Eckige gehört, folgen wir Plotek bei seiner Recherche der Ereignisse in eine weitere geheimnisvolle Welt, jene in denen sich das Nachtleben von St. Pauli abspielt. Skurrile Figuren und Nachtclubs sowie Menschen mit allen erdenklichen sexuellen Neigungen sorgen für einen schrägen Humor. Dumm nur für Plotek, dass nahezu alle Frauen denen er begegnet zwar super aussehen, aber ausschließlich lesbisch sind.

"Von der Einstellung her stimmt die Einstellung."

Also heißt es für Plotek weiter ordentlich Weißbier trinken und über weitere Leichen stolpern. Herrlich auch die Einwürfe eines Papageis, der nicht verhehlen kann, aus welchem "Elternhaus" er kommt.

 

"Bis später", rief Wenny ihm nach.
"Ja", sagte Plotek.
"Arschloch", krächzte der Papagei.

 

Alles in allem ist Balla Balla ein gelungener Mix aus Humor, Satire und Krimi. Die Auflösung ist ein wenig holprig, aber durchaus akzeptabel und im Gesamtkontext durchaus passend. Einige wenige Passagen, in denen der Autor bzw. seine Protagonisten etwas zu ausschweifend daher faseln, sorgen für Punktabzüge. Der Rest ist (wie immer) Geschmacksache.

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