Salztränen

Erschienen: Januar 2008

Bibliographische Angaben

  • Meßkirch: Gmeiner, 2008, Seiten: 227, Originalsprache

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Thorsten Sauer
Kein Käse aber löchriger Krimi

Buch-Rezension von Thorsten Sauer Mai 2008

Wie kommen die Löcher in den Schweizer Käse und ist der Käseeinkäufer Hans Bähler freiwillig aus dem Leben geschieden oder hat da jemand nachgeholfen? Auf beide Fragen findet sich in Paul Lascauxs Roman Salztränen eine Antwort und nebenbei nimmt er sich mit dem Emmental einer literarisch lange vernachlässigten Region an.

Die Toten im idyllischen Tal

Hans Bählers Leben endet im idyllischen Emmental jäh an einem Baum. Die Begleitumstände sind zumindest undurchsichtig: Bähler raste offensichtlich ungebremst aus der Kurve gegen den Baum. Sein Wagen brannte völlig aus, da die Feuerwehr eine halbe Stunde bis zur Unfallstelle brauchte. Da der Verdacht besteht, dass es sich bei diesem Unglück nicht allein um einen Unfall handeln muss, schickt die Versicherung den chronisch unterbeschäftigten Privatdetektiv Heinrich Müller zu Ermittlungen ins Emmental.

Der macht sich routiniert ans Werk, muss allerdings schnell feststellen, dass die Bewohner ein verschlossenes und obendrein höchst misstrauisches Volk sind. Doch das Glück springt ihm in Person der Ethnologiestudentin Nicole Himmler zur Seite, die Studien im Tal betreibt und leichteren Zugang zu den Menschen findet. Gemeinsam beginnen sie mit den Nachforschungen und graben dabei weit in der Vergangenheit des Tals liegende Geheimnisse aus.

Wenn Käser über die Demokratisierung des Geschmacks reden

Paul Lascaux ist das Pseudonym von Paul Ott, der sich in den vergangenen Jahren als Initiator des Schweizer Krimifestivals "Mordstage" und mit einer Abhandlung über den Schweizer Kriminalroman um die Kriminalliteratur im deutschsprachigen Raum verdient gemacht hat. Man hätte es ihm daher gegönnt, dass sein neuer Roman als Krimi besser funktioniert, doch Lascaux scheitert ein wenig an den eigenen Ambitionen.

Er hat sich nämlich nicht nur um die Kriminalliteratur verdient gemacht, sondern auch Abhandlungen über den Schriftsteller Jeremias Gotthelf verfasst. Bei Gotthelf handelt es sich um einen bedeuteten Vertreter des Realismus, der Bauernromane schrieb, die - wie Salztränen - im Emmental spielen. Lascauxs Idee bestand nun darin, seinen Krimi mit Fragmenten aus Gotthelfs Werk zu kombinieren. Das bedeutet, dass er an etlichen Stellen der Geschichte wörtliche Zitate aus dem Werk Gotthelfs (v.a. Die Käserei in der Vehfreude) einfügte, unabhängig davon, ob es sich bei dieser Stelle gerade um eine wörtliche Rede oder eine allgemeine Beschreibung handelt. Schwierig für den Leser gestaltet sich diese Idee vor allem dadurch, dass Gotthelfs Werk bereits gute 150 Jahre auf dem Buckel hat und seine Sprache sich nur höchst widerwillig mit Lascauxs Stil vereinbaren lässt. Mitunter gerät es sogar unfreiwillig komisch, vor allem dann, wenn Passagen in wörtlicher Rede auftauchen. Nicole etwa, die Ethnologin, die als junge Studentin mit Hüftjeans und Nabelpiercing voll im 21. Jahrundert zu stehen scheint, sagt da mitunter Sätze, die so gar nicht zu ihrer äußeren Erscheinung passen wollen.

 

"Er war ein herzensguter Bursche, aber über seiner Wiege hatte die Sonne nicht geschienen; er war unbehülflich, hatte immer Unglück..."(S. 62)

 

Das alleine macht die Figuren schon nicht gerade authentisch und Lascaux selbst verstärkt diesen Eindruck an anderen Stellen, wenn er beispielsweise einen Käser von der "Demokratisierung des Geschmacks" (S. 69) sprechen lässt. Da passt es ins Bild, dass bei Nicole, der interessantesten Figur im Roman, eine Schizophrenie (oder zumindest eine dunkle Seite) angedeutet aber nicht entwickelt wird. Überhaupt geraten Lascaux die Figuren mehr zu einer losen Ansammlung von Personen und weniger zu in Beziehung stehenden Figuren der Geschichte. Wohl deshalb sah er sich auch genötigt, ein Personenverzeichnis ans Ende seines Werks zu stellen.

Die Geschichte selbst beginnt noch vielversprechend: Ein Mord, verschrobene Bewohner und ein originelles Ermittlerduo. Doch leider verliert Lascaux auch hier - wie bei den Figuren - ein wenig die Linie und anstatt die Spannung zu steigern, fügt er im Verlauf der Geschichte lediglich neue Tote hinzu und erhöht damit allenfalls die Verwirrung.

Bei aller Kritik am Plot und den Figuren, finden sich jedoch auch interessante Aspekte an Salztränen: Einige Passagen, besonders jene, bei denen das Leben der Käser beschrieben wird, sind gut gelungen und Lascaux hat neben Gotthelf etliche Zitate und Anspielungen an Glauser und Co. eingeflochten. Es macht Spaß diese versteckten Anspielungen zu finden und besonders für eines bin ich persönlich Lascaux bei allen kritischen Worten dankbar: Er hat mich Jeremias Gotthelf wieder neu entdecken lassen und das ist, wenn man eigentlich nur einen Krimi lesen wollte, keine geringe Leistung. Für den am Ende des Romans angedeuteten Beginn der Reihe um"Müller und Himmel" wünsche ich mir in Zukunft allerdings eine etwas stärkere Fokussierung auf den Krimi.

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