Credo. Das letzte Geheimnis

Erschienen: Januar 2008

Bibliographische Angaben

  • Bergisch Gladbach: Lübbe Audio, 2008, Seiten: 6, Übersetzt: Johannes Steck
  • München: Knaur, 2009, Seiten: 585

Couch-Wertung:

75°
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Wolfgang Weninger
Hauruck ohne Tiefgang

Buch-Rezension von Wolfgang Weninger Apr 2008

AbsatMan vergrößere mit einem Budget von 40 Millionen Dollar den Teilchenbeschleuniger von CERN (immerhin 27 km Länge) auf ein Dreifaches, packe ihn 91 Meter tief unter die von Goldsuchern ausgehöhlten Berge der Red Mesa und schicke ein Dutzend der besten Wissenschaftler zu ihm unter die Erde und versuche durch Kernspaltung ein Schwarzes Loch zu durchdringen. Was in der Schweiz 3400 Mitarbeiter und 8000 Gastprofessoren noch nicht geschafft haben, wird in der Wüste Wirklichkeit. Als die Leistung der Maschine, die auf Isabella getauft wurde, 99,9 Prozent erreicht hat, spielen offensichtlich die Geräte verrückt und es erscheint der, den die Menschheit Gott, Allah oder Chaos nennt.

Na klar, da wird sofort eine Nachrichtensperre verhängt. Da aber die Regierung wissen will, was um ihr teures Geld in der Wüste passiert, schickt sie den Ethnologen und Kryptologen Wyman Ford, der jetzt als Privatdetektiv arbeitet, als Beobachter hinein in den Berg zu Professor Hazelius und sein Team. Gleichzeitig wird ein professioneller Fernsehprediger auf die Wissenschaftler aufmerksam, die versuchen, die Schöpfungsgeschichte mit ihren Forschungen ad absurdum zu führen und er beginnt eine Medienschlacht gegen das Projekt, das ihm vor allem Spendengelder der Sehergemeinde sichern soll. Dazu organisiert er noch einen verrückten Wüstenprediger vor Ort, der ihn mit Details versorgen soll, aber dieser startet einen One-Man-Kreuzzug und mobilisiert die Massen, um die Teufelsmaschine zu zerstören, denn das ist pure Blasphemy.

Aus Blasphemy wird im Verlag Droemer-Knaur auf fast 600 Seiten in der Übersetzung von Katharina Volk Credo - Das letzte Geheimnis und Douglas Preston hat damit wieder einen Stoff aufgegriffen, der pure Brisanz darstellt, auch wenn man natürlich weiß, dass der Autor zwar hervorragend die Themen recherchiert, danach aber mit sehr viel dichterischer Freiheit arbeitet und die Logik oftmals hinter der Dramaturgie hinterher hinkt. Aber wer solche Art Wissenschaftsthriller mag, die hauptsächlich mit Action und Schwarz-Weiß-Malerei punktet, der trifft auch bei diesem Elaborat genau ins Schwarze.

Lediglich die Zeichnung der Charaktere ist Mr. Preston diesmal eher schmalbrüstig gelungen, denn Sympathiewerte kann Wyman Ford hier kaum erzielen, auch wenn er, welch Zufall, unter den Wissenschaftlern eine Ex-Freundin findet, die er so gerne wieder ins gemeinsame Nest zerren möchte. Doch wenn man bei solchen amerikanischen Autoren überhaupt von psychologisch durchdachter Zeichnung von Charakteren reden will, dann ist es Pastor Russ Eddy, dessen Verrücktheit bei der Jagd nach dem Antichrist als Figur am Schillerndsten in Erscheinung tritt.

Credo braucht ein wenig, um ordentlich anzulaufen, weil man dem Leser erst die unterschiedlichen Lobbyisten näher bringen muss, die sich um den Bart des Propheten und sein Geld raufen wollen, nach einem Drittel der Story ist die Maschinerie aber schon so ins Laufen geraten, dass es dem Autor sichtlich schwer fällt, die Spannungskurve zu halten. Dass darüber hinaus die Auflösung des Phänomens der Erscheinung nicht unbedingt originell und vollständig durchsichtig ist, stört insofern nicht, als der Kampf um die Verhinderung der Apokalypse noch ein gutes Stück weiter tobt.

Für meinen Geschmack hat Douglas Preston die Konfrontation zwischen Professor Hazelius und Gott viel zu seicht abgehandelt. Da nützt auch nichts, dass die immer wiederkehrenden Dialoge am Ende des Buches nochmal zusammengefasst sind. Die Möglichkeit daraus ein faszinierendes psychologisches und theologisches Diskussionsspektakel zu machen, hat Preston verabsäumt, wohl auch im Hinblick auf den Leser, der solches wohl auch nicht in einem amerikanischen Actionthriller erwartet.

Bleibt abschließend nur zu erwähnen, dass Credo - das letzte Geheimnis für Freunde des Hauruck-Action-Kino-Im-Kopf genau die richtige Lesenahrung ist, trotz des tollen Themas aber über keinerlei Tiefgang für philosophisch angehauchte Leser verfügt. Und das ist in diesem Fall verdammt schade.

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