Schwarze Dame

  • Festa
  • Erschienen: Januar 2007
  • Leipzig: Festa, 2007, Seiten: 271, Originalsprache
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Jörg Kijanski
70°

Krimi-Couch Rezension vonMär 2008

Zwei Serienmörder halten Prag in Atem

Der Wiener Versicherungsdetektiv Peter Hogart wird nach Prag geschickt, wo vor drei Wochen seine Kollegin Alexandra Schelling spurlos verschwand. Wertvolle Gemälde des Künstlers Oktavian wurden bei einem Brand in der Prager Nationalgalerie angeblich vernichtet. Doch es waren Fälschungen und offenbar war Schelling einem groß angelegten Versicherungsbetrug auf der Spur. Hogart fliegt nach Prag und folgt Schellings letzten Spuren, welche ihn auch zu dem Prager Mafiapaten Greco führen. Dort lernt er die Privatdetektivin Ivona Markovic kennen, die in einem Fall ermittelt, der seit Monaten die ganze Stadt in Atem hält. Zwei Serienmörder schlagen abwechselnd jeden Monat zu und hinterlassen ihre Opfer ohne Kopf und Hände. Stattdessen finden sich in deren Brust Buchstabenpaare geritzt.

Hogart besucht Markovic zum Abendessen, doch der gemütliche Plausch endet jäh als ein Brandsatz in Markovics Wohnung fliegt. Beide flüchten Hals über Kopf aus dem brennenden Haus, wobei Hogart angeschossen wird. Sollte der Versicherungsbetrug bzw. Kunstdiebstahl den allmächtigen Mafiaboss Greco auf den Plan gerufen haben? Doch Greco ist Markovic verbunden und würde diese niemals gefährden. Erst bei der Durchsicht der nach dem Brand erhaltenen Fotos aus Markovics Unterlagen erkennt Hogart, dass das letzte Opfer der Serienmörder Alexandra Schelling war. Sollte gar nicht Hogart erschossen werden, sondern Markovic? Hatte Schellings Verschwinden womöglich gar nichts mit dem Kunstdiebstahl zu tun? Und führt die Suche nach den Serienmördern auch zu den verschwundenen Gemälden?

Das "Haus der Fantastik" überrascht mit einem kurzweiligen Thriller.

Der Festa-Verlag bezeichnet sich selber als "Das Haus der Fantastik" und so überrascht es, wenngleich im positiven Sinn, dass mit "Schwarze Dame" ein Thriller ohne jegliche Horrorelemente das Programmspektrum erweitert. Dieser führt nach Prag, die Stadt an der Moldau, welche dem Leser ausführlich vorgestellt wird. Ein Vorzug der entsteht, wenn wie im vorliegenden Fall der Autor vor Ort "recherchiert" hat. Neben einer gelungenen atmosphärischen Darstellung Prags ist auch die Figur des Protagonisten, des Versicherungsdetektivs Peter Hogart, gut in Szene gesetzt worden und so darf man sich auf dessen bereits angekündigten zweiten Fall freuen.

In "Schwarze Dame" geht es um eine Prager Sage aus dem Jahr 1580, wonach "Golem" die Welt betrat und nach seinem Tod alle 33 Jahre nach Prag zurückkehrte. Was es weiter mit dieser Figur auf sich hat soll hier nicht verraten werden, außer dass hier Autor Andreas Gruber, einige interessante Komponenten miteinander gut vermischt hat.

Schwache Figurenzeichnung sorgt für Punktabzüge

Weniger gelungen sind hingegen einige Randfiguren, die offenbar nur dem Zweck dienen, bei den Ermittlungen immer dann einzugreifen, wenn Hogart und Markovic nicht weiter wissen. Obwohl beide früh einen Verdacht haben, sind angeblich selbst dem als "allmächtig" beschriebenen König der Prager Unterwelt Greco die Hände gebunden, gegen den vermeintlichen Täter vorzugehen. Gleichwohl hilft Greco aber immer wieder mit Informationen aus. Eine ähnliche Funktion haben auch die wenigen Polizisten, welche gelegentlich in der Szenerie herum irren. Einerseits völlig unfähig und nur darauf bedacht, dass sich die beiden Detektive aus dem Fall heraushalten, bekommt Markovic doch immer wieder wichtige Informationen des leitenden Ermittlers, da sie mit diesem früher verheiratet war. Wie praktisch, wenngleich es sich hier der Autor durch die Duplizität (Mafia und Polizei liefern Hinweise, bleiben ansonsten aber überwiegend unsichtbar) zu einfach macht.

Bleibt somit zu wünschen, dass im zweiten Fall von Peter Hogart die Charaktere insgesamt mehr Profil erhalten und der Spannungsbogen hinsichtlich der Täterfrage etwas länger erhalten bleibt. Die noch nicht allzu oft gelesene Lösungsvariante überzeugt, das Finale selbst ist allerdings recht seitenintensiv ausgefallen.

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