Stückwerk

Erschienen: Januar 2007

Bibliographische Angaben

  • Hillesheim: KBV, 2007, Seiten: 299, Originalsprache

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Thomas Kürten
Düsseldorfer Brachialhumor vs. Kriminalliteratur

Rezension von Thomas Kürten Mär 2008

Welche politische Gesinnung hat Herr A. Dolf? Ist "Krake" nicht ein lustiger Spitzname für einen Einarmigen? Oder "Struller" für KHK Struhlmann? Schwarz eingefärbte Kaninchen, Schamhaarattacken auf die Toiletten des Polizeipräsidiums, biedere Männer auf der Flucht vor ihren Ehefrauen. "Stückwerk", geschrieben von sechs Kriminalbeamten aus Düsseldorf (angeführt von Klaus Stickelbroeck, aus dessen Feder bereits der Kriminalroman "Fieses Foul" vorliegt) ist ein absolutes Liebhaberstück. Denn die Liebhaber eines gnaden- und anspruchlosen Brachialhumors werden hier voll auf ihre Kosten kommen.

Die Story lässt sich zunächst eigentlich gar nicht mal so schlimm an. Leichenteile werden verteilt über Düsseldorf gefunden. Mindestens zwei Personen wurden zerstückelt. Außerdem explodiert eine Bombe und tötet einen Anwalt - ein Anschlag, der eigentlich wohl einem Skandalreporter gelten sollte. Wie der Zufall es will, bearbeitet KHK Struhlmann alle Fälle gleichzeitig und sein neuer Praktikant Jensen - frisch von der Hochschule - darf deshalb auch nicht nur den Mann suchen, der das Klo gegenüber von Struhlmanns Büro mit seinen Schamhaaren verschmutzt, sondern ebenfalls sofort und allein die Vernehmung wichtiger Zeugen übernehmen. Doch bevor sich erste Spuren ergeben, müssen erst noch weitere Leichenteile gefunden werden.

Humor ist, wenn man trotzdem lacht

Das ist durchaus Stoff für einen guten Krimi. Doch die Störfeuer bleiben nicht aus. Natürlich erhebt "Stückwerk" zu keinem Zeitpunkt den Anspruch, ein tiefgründiger Krimi zu sein. Der Roman ist vom Autorenteam mit Spaß geschrieben und soll dem Leser nicht über atemberaubende Spannung, sondern durch atemberaubenden Humor Spaß bereiten. Und dieser Humor ist wahrhaft atemberaubend. Ist es noch Slapstick oder schon eine Nummer schlimmer? Witze über die Behinderung des einarmigen Wirts, lakonische Sprüche über Gärten groß wie Golfplätze, tote Haustiere auf dem Revier, oder: "Wie war doch gleich ihr Name? Pisser? Ach nee, Struller." Beeindruckend, wie sich die Autoren mit solch flachen Witzen bis zum Ende des Romans immer wieder übertreffen. Allein die Ballung solcher Plattitüden verdient Respekt.

Dass es auch anders geht, beweist zum Beispiel ein Jörg Juretzka. Dessen Romane bersten auch vor süffisanten Sprüchen und überbordender Situationskomik. Doch er hat die sprachlichen Mittel, dank derer seine Romane nicht in den Klamauk abdriften. Bei Juretzka stellt man sich nicht bereits nach 20 Seiten die Frage, ob man noch weiter lesen mag. Flapsige Sprüche wie "Mit etwa dreißig Kilometer Flatterband den engeren Tatortbereich abgesperrt" oder Dialoge wie "'Der Tote ist Uwe Seeler.' - ´Ist nich wahr.'" offenbaren mit aller Macht die Hilflosigkeit, mit der jedoch bei "Stückwerk" zu Werk gegangen wurde.

"Diese schreibenden Cops aus Düsseldorf werden Kult, wetten?" verspricht der Verlag vollmundig auf dem Buchrücken. Wenn sich da der Verlag mal nicht vertut...

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