Tod auf der Fashion-Week

Erschienen: Januar 2007

Bibliographische Angaben

  • Münster: Solibro, 2007, Seiten: 384, Originalsprache

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Klischees und Yellow-Press-Versatzstücke

Buch-Rezension von Flm Flm Feb 2008

Das deutsche Model Anna Hansen ist aus dem Fenster ihres New Yorker Apartments gestürzt. Selbstmord oder Mord ist nun die große Frage, die Polizei geht von ersterem aus, doch ganz so einfach ist es natürlich nicht...

Der deutsche Sensationsreporter Mike Mammen, der sich gerade in den USA aufhält, recherchiert in der Hoffnung auf eine große Story und spricht mit Familie, Freunden und Arbeitskollegen der Toten. Er fördert eine Menge seelischer und anderer Abgründe aus ihrem Leben zutage. Depressionen, Dramatik, Drogen - und Voodoo. Aus diesen Zutaten besteht Tod auf der Fashion-Week, der zweite Krimi des ehemaligen BILD-Chefreporters und derzeitigem Herausgeber der P.M.-Gruppe, Hans-Hermann Sprado. Und die Mischung hätte ohne größere Schwierigkeiten aufgehen und ein aufregendes Leseerlebnis bescheren können - doch schon auf den ersten Seiten sind Stilblüten und Plattheiten in gehäufter Zahl zu finden, dass man mit zunehmender Fassungslosigkeit liest.

Vorgebliche Freunde von Anna Hansen geben kurz nach ihrem Tod im Gespräch fast schon staatsmännische Erklärungen ab und äußern Pseudo-Weisheiten von beeindruckender Plattheit:

 

"Das Problem bei Tragödien ist, dass das Leben trotzdem weitergeht."

 

Der Reporter und Ermittler Mammen soll verwegen erscheinen, aber als er einmal müde ist, macht er sich keinen starken Kaffee. Nein, er zieht stattdessen eine halbstündige indische Meditationsübung durch. Sprados Grundproblem ist folgendes: Es gelingt ihm zu keinem Zeitpunkt, seinen Figuren wirklich Leben einzuhauchen. Sie alle sind holzschnittartig entworfen. Es wird viel zu viel mit Klischees und Yellow-Press-Versatzstücken hantiert und die Leblosigkeit der Figuren geht mit einer Dialogregie einher, die in ihrer Gekünsteltheit niemals artifiziell, sondern bloß banal ist.

Nun wäre jedoch zu fragen, ob diese Art und Weise nicht vielleicht sogar dem Thema angemessen ist: Die Mode-Szene basiert in gewisser Weise auf dem schamlosen Ausbeuten von Menschen und hinter der glitzernden Fassade spielen sich oft nicht allzu aufregende Dinge, sondern vor allem Routine ab. Dramatisch sind jedoch die Abstürze und das Leiden der Models, die auf Knopfdruck lächeln, aber häufig psychische Wracks sind. Wenn man über so eine Szene schreibt, ist es wohl unvermeidlich, ein gewisses Level zu unterschreiten. Immerhin wird in Tod auf der Fashion-Week nichts beschönigt, aber wie es den Menschen wirklich geht, bleibt im Dunkeln.

Man muss Sprado zugute halten, dass er gut und sauber recherchiert hat und sich in gewissen Kreisen besser auskennt als andere. Und auch sein Wissen über Voodoo beeindruckt. In dieser afrikanischen Religion suchte Anna Hansen Zuflucht und versuchte ihr Leben magisch zu beeinflussen. Nach und nach wird das Leben des Opfers durchleuchtet. Immer mehr Einzelheiten über Anna Hansen scheinen auf. "Aber was bedeuteten sie im Hinblick auf ihren Tod?", fragt sich der Ermittler einmal und das möchte man als Leser so langsam dann auch so mal wissen...

Folgendes Bild der Toten entsteht jedenfalls: gefallener Engel mit Tendenz zu esoterischem Quark. Weitere Morde erschüttern die Modeszene und Mammen deckt immer mehr Zusammenhänge auf. Und irgendwann nimmt Tod auf der Fashion Week doch noch Fahrt auf. Als endlich die ellenlangen Tischgespräche durch sind, wird es endlich actionreicher und spannend. Alles läuft auf einen aufregenden Showdown zu und trotz allem sind die letzten hundert Seiten gute Krimi-Literatur. Ein Höhepunkt dabei ist die zwischendurch geschilderte Affäre von Anna Hansen mit dem Rockstar Golin, die wie eine Satire auf Kate Moss und Pete Doherty wirkt. Und natürlich die Schlussszene, in dem ein Capoeira-Fight zweier Kontrahenten so spannend geschildert wird, dass man das Gefühl hat, mittendrin zu sein. Schade, dass aufgrund der Langatmigkeit von großen Teilen des Buches, die Lesefreude erheblich gemindert wird. Aber Sprado kriegt gerade noch rechtzeitig die Kurve. Gegen Ende trinkt seine Figur Mammen übrigens auch mal Kaffee, um sich wach zu halten...

Tod auf der Fashion-Week

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Letzte Kommentare:
26.06.2009 17:01:41
Philosophin_20

Ich stimme der Kritik insofern zu, dass es die Figuren tatsächlich wenig menschlich erscheinen. Natürlich kann man damit argumentieren, dass dies zu einem Roman passt, der im Hochglanz-Mileu der Modewelt spielt. Doch wirklich Neues erfährt man doch die Klitschee-Charaktere und platten "Lebensweisheiten" nicht. Es bleibt eine hübsche Oberfläche mit der Anstrengung des Autors weiter zu kommen. Depression erklärt wie aus einem Duden, Voodoo für Dummies und Models, die wenig greifbar sind. Auch die sogenannte "Abgründigkeit der Modewelt" wird in dem Roman nicht erfasst, sondern nur drüber geredet. Dass die PR-Vermarktung von Kosmetik-Produkten nicht dementspricht, was die Cremes usw. wirklich bewirken war mir schon klar, bevor ich diesen umständlich geschriebenen Roman gelesen habe. Auch das Ende konnte mich auf Grund seiner platten Lösungen nicht überzeugen. Ein Capoeira-Kampf ist zwar optisch ansprechend, aber im Zusammenhang mit dem plötzlichen Auftauchen von Anna Hansens Mann Uli Remstedt wenig überzeugend, weil zu plötzlich und an den Haaren herbei gezogen. Allgemein kann man sagen, dass die oben stehende Kritik es zu gut gemeint hat mit "Tod auf der Fashion Week". Trotzdem könnte der Roman eine gute Vorlage zur Verfilmung sein, da es viele ansprechend visuelle Locations und Momente in New York gibt.

12.09.2008 14:56:28
Luddy

Also ich hab das Buch regelrecht verschlungn. Es ist wundervoll geschrieben und sehr spannend , auch das Ergebnis war sehr überraschend, dass hätte ich auf keinen Fall erwartet. Sehr gut gefallen hat mir die Aufdeckung der Abgründigen Modewelt mit all ihren Designern und Fotografen. Ein wenig eklig und übelkeiterregend war der Tod von Eric Pigani.

BEHIND THE DOOR
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