Tod einer Strohpuppe

  • dtv
  • Erschienen: Januar 2007
  • London: Hodden & Stoughton, 2006, Titel: 'Corn dolls', Seiten: 292, Originalsprache
  • München: dtv, 2007, Seiten: 377, Übersetzt: Barbara Ostrop
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Sabine Reiß

Krimi-Couch Rezension vonSep 2007

Extreme stoßen aufeinander

Wer sich ein wenig mit Großbritannien beschäftigt hat, der weiß, dass dort Traditionen noch groß geschrieben werden, sei es nur der Fünf-Uhr-Tee oder irgendwelche vermeintlich sportlichen Großereignisse im Rahmen von Events wie den Highland Games - man denke hier an das verrückte "Tossing the caber". Da mag London noch so modern und kosmopolitisch sein, auf dem Land ticken die Uhren noch anders.

Patrick Lennon strickt seine Geschichte in seinem ersten veröffentlichen Krimi Tod einer Strohpuppe um einen solchen volkstümlichen Brauch, den er frei erfunden hat, der aber ganz und gar in unser Bild von den traditionellen Briten passt. Bei der "Hochzeit von Thinbeach" wird einmal im Jahr eine Strohpuppe, die Braut von Thinbeach, zu einem See getragen und dort ins Wasser geworfen. Dieses Opfer, das für eine gute Ernte sorgen soll, geht auf die Zeit der normannischen Invasion der Fens Mitte des 11. Jahrhunderts zurück. Laut einer Sage soll ein Mann seine Frau im Thinbeach Pool ertränkt haben, weil sie ihm untreu war.

Das Böse kommt aus Russland

Dieses Ritual, das Versenken der Strohpuppe, steht kurz bevor und ist bedroht von einem Mann, der aus Russland gekommen ist, um eine Aufgabe zu erfüllen, die er sich vor langer Zeit gestellt hat. Doch davon weiß Tom Fletcher, Detective Inspector bei der Polizei in Cambridge, noch nichts, als er zusammen mit seiner Kollegin Detective Sergeant Sal Moresby eine ungewöhnliche Morduntersuchung beginnt. Ein Angestellter von Breakman Machinery, einem Landmaschinenhandel, ist in einem Schredder umgekommen, der in der Ausstellungshalle der Geschäftsräume stand. Eine bizarre Todesart.

Die Aussage des Wachmanns Ron Teversham bringt nichts Erhellendes und ein Überwachungsvideo scheint nicht zu existieren. Das Opfer Jake Skerrit wohnte bei seinem Chef und dessen junger Frau Olga, einer Russin, die erst vor kurzem nach England gekommen war. Die Untersuchung von Jakes Zimmer ergibt, dass er vor unlängst zu Geld gekommen ist und sich nicht nur für Olga interessierte, sondern auch für den Vater seines Chefs, Billy Breakman, der nun im Ausland lebt und der in den siebziger Jahren in einer Gruppe namens "The Wake" tätig war. Das Ganze wird noch mysteriöser, als Ron Teversham am darauffolgenden Tag die Kontrolle über sein Fahrzeug verliert und noch am Unfallort stirbt. Zufall? Und welche Rolle spielt Iwan, der Russe, der die ehemaligen Mitglieder von ´The Wake' aufsucht?

Unerwartete Wendung

Auf den ersten Blick scheint Patrick Lennon ganz auf der Schiene traditioneller Whodunit-Krimis zu schwimmen, bei denen ein Ermittlerpärchen mehr oder weniger skurrile Morde im ländlichen Gebiet aufklärt. Doch Tom Fletcher und seine Kollegin entsprechen so gar nicht den stereotypen Figuren, die man vielleicht erwartet hätte, wenn man sich zunächst für das Buch interessiert. Es gibt auch keinen Vorgesetzten, mit dem Tom seine Kämpfe ausfechten muss. Im Gegenteil, aufgrund der Empfehlung seiner Chefin hatte Fletcher eine Tapferkeitsmedaille erhalten. Bei den laufenden Ermittlungen scheint sie voll und ganz hinter ihm zu stehen.

Der Autor begeht allerdings nicht nur bei der Charakterisierung seiner Protagonisten einen ungewöhnlichen Weg, sondern auch mit der Story selbst. Nachdem man bald glaubt, die Motive Iwans entschlüsselt zu haben und auch der Mörder gegen Ende feststeht, scheint alles klar. Und doch überrascht Lennon ganz zum Schluss mit einer Wendung, eigentlich nur einem kleinen Detail, das alles in einem anderen Licht darstellt und die Wertung für Tod einer Strohpuppe noch etwas zum Positiven dreht. Denn auf großen Strecken ist der Krimi trotz der geschilderten Vorzüge doch nur Durchschnitt, manche Teile wie die Jagd nach dem Mörder durch irgendwelche Gewächshäuser sind sogar ermüdend bis langweilig. Auch wird der Handlungsablauf durch verschiedene Einschübe etwas gestört, die zum einen die Motivation Iwans erklären und zum anderen Tom Fletchers Vergangenheit beleuchten, was jedoch zur Geschichte selbst wenig beiträgt. Das Gesamtpaket ist lesbar, aber nicht herausragend.

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