Der kalte Blick

Erschienen: Januar 2007

Bibliographische Angaben

  • Stockholm: Bonnier, 2004, Titel: 'I hennes blick', Seiten: 354, Originalsprache
  • München: dtv, 2007, Seiten: 240, Übersetzt: Kristina Maidt-Zinke

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Jörg Kijanski
Sex & Crime - und von Spannung keine Spur

Buch-Rezension von Jörg Kijanski Jul 2007

Vier Monate lang jagte Kommisarin Kristina Vendel den Menschenhändler Jonathan Hagen und geriet dabei in die Hände seiner Schläger. Vier Stunden war sie in deren Gewalt, den Großteil davon betäubt. Nun muss Kristina erfahren, dass von ihr pornographische Fotos in Umlauf sind. Der Schwerkriminelle Mikael Gospodin, der mit Kristina eine platonische Beziehung unterhält, gerät an ein solches Foto und will es Kristina zurückgeben. Doch bevor es zu einer Übergabe kommen kann, wird er von einer Frau, die Kristina auffallend ähnlich sieht, erschossen. Arne Svedling verdächtigt aufgrund des Fotos, welches bei dem Toten gefunden wird, seine Kollegin Kristina, Gospodin ermordet zu haben.

Wenig später wird der Schachgroßmeister Karpin ermordet in seinem Hotelzimmer aufgefunden. Auch er hatte kurz vor seinem Tod Besuch von einer Frau, die Kristina ähnelte. Erste Zeugenaussagen in beiden Fällen führen die Ermittler aber bald zu der Annahme, dass es sich bei dem Mörder um einen Mann handeln könnte, der sich als Frau verkleidet hat. Zunehmend rückt Kemal Fahed in das Visier der Polizei, jener junge Mann, in den sich Kristina gerade frisch verliebt hat...

Es soll hier natürlich nicht alles verraten werden, aber wie wird die Geschichte wohl ausgehen? Kemal Fahed verkleidet sich als junge Frau und ermordet Gospodin und Karpin, was Autor Theodor Kallifatides dem Leser freundlicherweise von Anfang an wissen lässt. Während das Motiv für Karpins Tod gleich mitgeliefert wird, bleibt einzig die Frage offen, warum Gospodin sterben musste und wie lange es dauern wird, bis die Ermittler Vendel und Svedling ihren Mörder finden. Zuvor muss sich Kristina natürlich noch in den bis zu diesem Zeitpunkt bereits verdächtigen Kemal verlieben und mit ihm ein Verhältnis anfangen. Eines von vielen Verhältnissen, was, wenn man dem Autor glauben darf, in Schweden offenbar selbstverständlich ist. Den Showdown kann sich jeder vorstellen und so bleibt nach nicht einmal 300 Seiten ein einziges Gefühl zurück. Zufriedenheit, nämlich darüber, dass das Buch zu Ende ist.

"Ja also, es kann sein, daß derjenige, auf den ich warte, hier herkommt, wenn ich weg bin."
"Und wie soll ich wissen, wer das ist?"
"Wenn Sie ihn sehen, wissen Sie's. Sagen Sie einfach, es sei etwas dazwischen gekommen."
"Wem ist was dazwischen gekommen?"
"Na, mir natürlich."
"Klar, aber wer sind Sie?"
"Das spielt keine Rolle. Können Sie mir den Gefallen tun?"

Rund 100 Seiten später:

"Entschuldigen Sie, ich dachte es wäre jemand anders."
"Das macht nichts. Manchmal wünsche ich mir, jemand anders zu sein."
"Wer ist da, Charles?"
"Jemand, der gern jemand anders wäre."

Dialoge wie die vorstehenden und ähnlich irritierende Passagen gibt es reichlich. Nur selten gelingt es dem Autor, dabei "witzig" zu sein. Einmal mehr scheint Kallifatides die (sehr bescheidene) Krimihandlung zu benutzen, um über das Elend der Welt zu schwadronieren. Alle Figuren haben ein mehr oder weniger zerstörtes Privatleben; von den Polizisten abgesehen fast alle mit Migrantenhintergrund. Hierzu hat "KC"-Kollege Peter Kümmel in seiner Rezension zu "Der sechste Passagier" schon alles geschrieben, so dass ich Ihnen und mir eine Wiederholung an dieser Stelle ersparen möchte.

Einzig und allein die Grundidee des Plots klingt ansprechend, doch wieso wird gleich von Anfang an nahezu alles verraten? Spannung entsteht so zu keinem Zeitpunkt und auf Dauer sind die privaten Probleme der Beteiligten nur für Hardcore-Fans skandinavischer Autoren von Interesse, es sei denn, man interessiert sich für einen wenig schmackhaften Eintopf aus Sex & Crime. Dazu passt die "Inhaltsangabe" auf dem Buchrücken: "Das Foto, das sie hinterlassen hatten, zeigte sie nackt, in einer Körperhaltung, die an eine weit geöffnete Pfingstrose erinnerte...".

Der kalte Blick

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Letzte Kommentare:
21.08.2007 18:02:54
Handschin Verena

Schade dass der Mörder/Mörderin immer erst auf der letzten Seite gewünscht wird. Warum eigentlich? Vielleicht ist dieses Buch einbisschen zu literarisch für
Herr Kijanski. Schade. Ich habe mich amüsiert. Witz verstanden.

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